Vor beinahe einem Jahr hat Unknown Armies-Co-Erfinder Greg Stolze auf der gleichnamigen Mailingliste eine Diskussion über alternative Modelle des Vertriebs von Druckerzeugnissen angestoßen. Die Idee war schon damals nicht völlig neu, so daß es ein sehr ähnliches Modell unter dem Namen The Street Performer Protocol bereits in Version 2 gibt. Der Name sagt schon, worum es bei diesem Modell ungefähr geht: Der Autor wird zum Straßenmusikant, der solange immer weiter Texte produziert, solange er von den Spenden seiner Leser leben kann.
Gregs System hat einen etwas rollenspielerischen Touch, er selbst nennt es "Lösegeld-Modell". Die Grundidee ist folgende: Ein Autor, z.B. Greg, produziert einen Text, zum Beispiel ein Rollenspielsystem. Diese Tatsache macht er publik, schreibt einen kleinen Teaser für sein Werk und stellt vielleicht sogar eine kleine Leseprobe online. Jetzt überlegt er sich, wieviel Geld er mit diesem Produkt verdienen will, bzw. muß und wieviel er realistischerweise dafür verlangen kann. Dies ist die Lösegeldsumme. Und nun kann jeder, der an dem Projekt interessiert ist, soviel Geld, wie er möchte, an Greg spenden (via PayPal oder per Scheck). Greg veröffentlicht das Ganze aber erst, wenn die Lösegeldsumme erreicht wurde. Und dann bekommen es nicht nur diejenigen, die Geld gegeben haben, sondern es ist ab diesem Zeitpunkt vollkommen umsonst. Für jeden.
Eine kranke Idee? Oder doch eher genial?
Die Vorteile liegen auf der Hand:
1) Der Autor bringt sein Produkt unter die Leute, ohne einen Verleger suchen zu müssen.
2) Jegliche "Piraterie", d.h. Leute, die das File sofort in die Tauschbörsen stellen, wird unterbunden. Denn sobald die Datei für irgendjemand zugänglich ist, darf jeder sie beliebig oft kopieren und weitergeben.
3) Der Autor bekommt eine angemessene monetäre Gegenleistung für seine Arbeit.
4) Niemand bezahlt mehr als er zu zahlen bereit ist.
Das einzige Problem tritt auf, wenn die Lösegeldsumme (in einem festgelegten Zeitraum) nicht erreicht wird. Allen ihr Geld zurückzuzahlen wäre ein logistischer Alptraum. Das Geld einfach zu behalten wäre unfair. Und das Produkt einfach trotzdem zu veröffentlichen würde das ganze System zum sofortigen Kollaps bringen.
Was also tun?
Greg hat sich dafür entschieden, das Geld in so einem Fall einem wohltätigen Zweck zukommen zu lassen. Denn vor wenigen Wochen hat er den Schritt gewagt und ein erstes (recht kleines) Projekt auf diesen Weg geschickt. Es heißt:
Und es geht um riesige Roboter, die sich gegenseitig die Köpfe einschlagen. Oder in Gregs Worten:
You are one of the few ultraviolent psychos left on the planet. You and the other untreatable freaks squeeze into the squishy cockpits of bio-engineered war machines to face each other in televised gladitorial combat. You are a meatjock and this is Meatbot Massacre.
Wer kann da noch widerstehen? Die Deadline für das Akkumulieren der Lösegeldsumme ist der 1. September. In den ersten vier Wochen sind bereits knapp 230 der anvisierten 600 Dollar zusammengekommen. Es sieht also gut aus, aber trotzdem kann es nicht schaden, wenn Ihr auf die Seite geht und ein paar Dollar/Euro zum Gelingen dieser tollen Idee beitragt.
Posted by kreetrapper at 03.01.05 01:43 in RPG | TrackBack