23.07.05

Der heiße Rezi-Sommer - Teil I

Ja, ja, für den billigen Titel dieses Beitrags gehöre ich erschossen, stimmt, aber was soll's. Mir ist halt nichts Interessanteres eingefallen. Ich habe die unglaubliche Masse an Rezensionen, die sich in den letzten Wochen angehäuft haben, in vier Teile geteilt, die ich im Laufe des heutigen Tages (und vielleicht auch noch morgen) posten werde. Da es bestimmt auch Leute gibt, die keine Lust haben alle Rezensionen zu lesen, habe ich die beiden von Filmen, die noch in den Kinos sind, an den Anfang gestellt. Hier nun der erste Teil eines Riesenrezensionsbatzens mit

  1. Antikörper
  2. Kung Fu Hustle
  3. Die Hard
  4. Die Hard: With A Vengeance
  5. Kermit: Die frühen Jahre
  6. Topas
  7. Lieben Sie Brahms?
  8. Mitternacht im Garten von Gut und Böse
  9. Dunckel
  10. Ride the bullet
  11. Angriff des Killerschweins

Antikörper (imdb)

Leute, die mich kennen, werden wissen, daß ich immer über den Zustand des deutschen Films jammere. Und es ist größtenteils auch bejammernswert, was die deutsche Filmwirtschaft da Jahr für Jahr auf den Markt wirft. Um so erfreulicher ist es da, wenn zur Abwechslung mal ein Film auftaucht, der nicht nur "gut für einen deutschen Film" ist, sondern ganz objektiv gesehen locker mit internationalen Produktionen mithalten kann und für mich bisher sogar zu den Highlights des Jahres zählt. Antikörper ist eine wunderbare Mischung aus Sieben und dem Lokalkolorit einer fiktiven Vorabendserie namens "Unser kleines Dorf". Es geht um einen Serienmörder, der in der Umgebung von Berlin Kinder umbringt. Entgegen der Erwartung wird der Killer, Gabriel Engel, aber schon zu Beginn des Films von der Polizei gestellt. Für den Dorfpolizisten Michael Martens geht es nun darum, herauszufinden, ob das kleine Mädchen, das in seinem Heimatdorf umgebracht wurde, ebenfalls ein Opfer Engels wurde, da der genau diesen Mord bisher nicht gestanden hat. Von der Ausgangssituation her klingt das ein wenig nach Schweigen der Lämmer, aber es fühlt sich die meiste Zeit eher an wie Sieben, vielleicht auch wegen der religiösen Untertöne, die die ganze Zeit über im Hintergrund (und manchmal auch im Vordergrund) mitschwingen - der Name des Mörders ist da nur der Anfang. Gleichzeitig kontrastiert der Film das "ruhige" Landleben in Martens Heimatdorf Herzbach mit den Szenen in der Stadt, in denen das Landei Martens oft sehr fehl am Platz wirkt. All diese Zutaten, gepaart mit sehr guten schauspielerischen Leistungen, reichen schon für einen sehr guten Film. Das Sahnehäubchen ist aber sicherlich für den typischen Kinogänger, der mit amerikanischer Massenware aufgewachsen ist, die Tatsache, daß man immer wieder das sichere Gefühl bekommt, daß der Film in Deutschland spielt. Und er funktioniert trotzdem, oder vielleicht gerade deshalb. In der imdb kann man lesen, daß der Film komplett an Originalschauplätzen in Berlin und Brandenburg gedreht wurde. Es gab nur eine Szene in diesem Film, die mir immer noch sehr suspekt ist. Ich bin jedenfalls nicht ganz sicher, ob die Gesamtleistung des Films dadurch geschmälert wird oder ob es vielmehr ein genialer Kunstgriff ist, wie mein Mitkinobesucher meinte. Aus Spoilergründen kann ich leider nicht sagen, um welche Szene es sich handelt, oder was mich daran so gestört hat, aber wenn Ihr den Film seht - wozu ich nur jedem raten kann -, werdet ich wissen, worum es ging. Alles in allem ist dies jedenfalls ein hervorragender Film und ich kann nur jedem dringendst empfehlen, ihn sich anzusehen. Auch damit der Filmstandort Deutschland gefördert wird und das deutsche Filmschaffen sich in Zukunft nicht nur auf peinliche Komödien beschränkt.

Kung Fu Hustle (imdb)

Für alle, denen Blade 2 zu realistisch und einfach nicht cool genug war, gibt es jetzt den idealen Film. Ein kleines Dorf legt sich (unabsichtlich) mit der mächtigsten Gang der Stadt an und ab dann heißt es nur noch "Mein Kung Fu ist besser als deins". Der Film nimmt sich keinen Moment lang ernst und abgesehen von einem Protagonisten der Sorte "total loser", der bei seinen Versuchen, cool zu sein, immer für einen Lacher gut ist, sind auch die Kung-Fu-Szenen nicht nur beeindruckend, sondern auch in geradezu lächerlicher Weise over the top. Einer der Auftragskiller kann zum Beispiel unsichtbare Energiespeere mit seiner Harfe verschießen. Wer mit derartiger Albernheit gut umgehen kann, wird hier reichlich bedient. Besonders toll fand ich den ultimativen Finishing Move, durch den der letzte Kampf entschieden wird.

Die Hard (imdb / bei amazon.de kaufen)

[Scene: Ross's apartment, Chandler, Joey, and Ross are finishing watching a video. The music "Let It Snow" by Vaughn Monroe is playing.]

Chandler: Die Hard's still great!
Joey: Yep. Hey, what do you say we make it a double feature?
Chandler: What’d you rent?
Joey: Die Hard 2.
Chandler: (looking at the tape) Joey, this is Die Hard 1 again.
Joey: Oh, well we watch it a second time and it's Die Hard 2!
Ross: Joey, we just saw it!
Joey: And?
Ross: And it’ll be cool to see it again! Yeah!
Joey and Ross: Die Hard!!!!!!
Ross: Dude, you didn’t say Die Hard! Is everything okay?
Chandler: Yeah, I just got uh, got plans.
Ross: Well, John McClane had plans!
Chandler: No, see the thing is I want to get out of here before Joey gets
all worked up and starts calling everybody bitch.
Joey: What are you talking about? Bitch.

Mehr muß man zu diesem Klassiker eigentlich nicht sagen. Wobei ich den Film diesmal zum ersten Mal auf Englisch gesehen habe, was ähnlich cool ist wie bei Indy, da auch hier böse Deutsche mitspielen, die teilweise ihre Muttersprache extrem schlecht beherrschen.

Die Hard: With A Vengeance (imdb / bei amazon.de kaufen)

Diesmal keine bösen Deutschen, dafür aber Samuel L. Jackson als Zeus. Auch sehr unterhaltsam, nicht ganz so lokal konzentriert wie der erste Die Hard, dafür aber mit einigen netten Rätseln und einer Schnitzeljagd durch New York.

Kermit: Die frühen Jahre (imdb / bei amazon.de kaufen)

Der Film erzählt von Kermits erstem Abenteuer in der großen weiten Welt. Obwohl dieser Muppet-Film zwangsläufig ohne Jim Henson entstehen mußte, schafft er es doch recht gut, das Bezaubernde, Kindliche der früheren Muppet-Filme einzufangen und versagt dabei nicht so kläglich wie z.B. der unsägliche Muppets aus dem All. Recht sehenswert - für Muppet-Fans.

Topas (imdb / bei amazon.de kaufen)

Ein Spionage-Thriller von Hitchcock persönlich. Ganz anders als die bekannteren Vertreter des Genres kommt Topas mit angenehm wenig Action aus und konzentriert sich stärker auf den Kern des Spionagegeschäfts: Heimlichtuerei. Durchaus sehenswert aber für meinen Geschmack stellenweise etwas zu langsam, mit immerhin über zwei Stunden Spielzeit.

Lieben Sie Brahms? (imdb)

Ein Film aus einer besseren Zeit als typisch französische Filme auch noch aus Hollywood kommen konnten. Lieben Sie Brahms? ist eine Verfilmung des gleichnamigen Romans von Françoise Sagan und eine ziemlich realistische Beziehungsgeschichte. Wenn man so etwas mag, ist dies sicherlich einer der besseren Filme in diesem Genre, da hier zu keinem Moment überromantisiert wird.

Mitternacht im Garten von Gut und Böse (imdb / bei amazon.de kaufen)

Ein exzellenter Krimi um den Reporter John Kelso, der als Berichterstatter auf eine der legendären Weihnachtspartys des reichen Jim Williams eingeladen wird. Kelso freundet sich mit Williams an, doch dann geschieht ein Mord und Williams ist der Hauptverdächtige. Der Krimiplot allein ist schon recht stark, aber der Film hat außerdem noch sehr starke und zum Teil ziemlich seltsame Charaktere zu bieten. Mal wieder eine sehr empfehlenswerte Regie-Arbeit von Clint Eastwood.

Dunckel (imdb)

Sehr realistischer Film über drei Brüder, die eine Bank ausrauben und dabei zu Mördern werden. Der Film schildert, wie jeder der drei einzeln der Polizei zu entkommen versucht, so daß man nahezu drei Kurzfilme im Film bekommt. Sehr interessant und sehenswert.

Riding the bullet (imdb / bei amazon.de kaufen)

Generischer Horrorfilm, bei dem man sich die ganze Zeit fragt, ob der Horror nun echt ist oder nur im Kopf des Protagonisten stattfindet. Ganz spaßig, aber nichts besonderes.

Angriff des Killerschweins (imdb)

Eine abstruse Geschichte um ein serienmordendes Schwein. Dieser Film ist entweder absoluter Schrott oder vollkommen genial. Ich bni mir nicht ganz sicher zu welcher Beurteilung ich komme, tendiere aber zu letzterem. Der Film hat einen dieser Prämisse angepaßten trashigen Charme. Besonders verwirrt haben mich die häufigen Wechsel zu Szenen, die mit der vorherigen so rein gar nichts zu tun hatten, aber je länger man den Film schaut, desto mehr scheinen alle Teile sich irgendwie zu einem ganzen zusammenzufügen. Etwas für die ganz Harten. Auf der DVD finden sich auch zwei ebenfalls sehr trashige Kurzfilme um Captain Vitamin, die etwas leichter verdaulich, aber auch irgendwie seltsam sind.

Posted by kreetrapper at 23.07.05 15:23 in Rasende Rezis
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