Da wollte ich letzten Donnerstag, pünktlich zum Kinostart, Sin City sehen, eine Comic-Verfilmung, die bei ihrem US-Release vor vier Monaten sehr viel positive Presse bekam, und mußte feststellen, daß das gar nicht so einfach werden würde. So liest sich die entsprechende Meldung bei Welt am Draht:
Wie eben bekannt wurde, ist es jetzt leider amtlich, dass viele Kinos (Cinemaxx, UCI Kinowelt, [Cinestar]...) Sin City nicht zeigen werden, da ihnen die Verleihmieten zu hoch sind. Sie weigern sich, normale Gebühren für Filme zu zahlen, bei denen die DVD-Auswertung nur wenige Monate später beginnt - bei Sin City bereits Anfang Dezember - und die US-DVD kurz nach dem deutschen Kinostart erscheint. Aktuell ist dies gerade auch bei Herbie der Fall, und vor einem Jahr war's so bei Hellboy.
Also ging ich am Freitag mit F. und S.* ins Cineworld in Lünen, ein Kino, das, abgesehen von seiner für mich nicht besonders günstigen Lage, eigentlich ziemlich optimal ist. Die Kinosäle (zumindest, der in dem wir waren) sind ähnlich groß wie im Cinestar (wenn nicht noch größer) und sehen nigelnagelneu aus. Es gibt eine gemütliche Lounge, wie überhaupt das ganze Kino sehr viel gemütlicher wirkt als die kalte Innenausstattung des Cinestar. Und das beste ist, meiner Meinung nach, daß hier konsequent auf Werbung verzichtet wird - der Betreiber gleicht das durch leicht höhere Preise wieder aus.
Zum Film selbst: Sin City ist vielleicht der Comic-Film überhaupt. Es handelt sich nämlich nicht nur um die Verfilmung eines Stoffes, der ursprünglich in Comic-Form existierte, sondern der Film ist in einer Art produziert worden, die tatsächlich wie ein Comic wirkt. Viele Szenen wirken als seien sie eins zu eins aus der Comic-Vorlage übernommen worden. Und wie man in einem Spiegel-Interview mit Frank Miller, dem Schöpfer und Co-Regisseur von Sin City lesen kann, wurde nicht einmal ein Storyboard für den Film entworfen. Die Comic-Vorlage selbst hat diese Funktion übernommen. In eben diesem Interview erklärt Miller auch die Filmtechnik:
Miller: Wir haben den gesamten Film mit High Definition Kameras vor so genannten Green Screens gedreht, grünen Wänden also, vor denen die Schauspieler in einer nackten Kulisse ihre Szenen spielten. Diese Technik hat es uns ermöglicht, anschließend am Computer animierte Hintergründe einzubauen. Der Film ist komplett in Farbe gedreht worden, die Schwarzweiß-Schattierungen sowie die 3D-Effekte wurden anschließend digital erzeugt.
Und schon kennt man eine weitere Besonderheit dieses Films. Wie die Comics ist der Film prinzipiell schwarzweiß. Aber ebenfalls wie in den Comics findet man immer wieder kleine farbliche Akzente, meistens leuchtendes Rot, das zum Beispiel die Lippen einer verführerischen Frau akzentuiert.
Wie das Schwarzweiß schon nahelegt, wurde Millers Sin City vom Film noir inspiriert. Hier wie dort sind die Kerle beinhart und die Frauen zumeist umwerfend schön. Und natürlich gibt es jede Menge exzessiver Gewalt, die man dank fehlender Jugendfreigabe auch meist sehr explizit zu sehen bekommt. All dies gibt dem Film eine angenehme Konsequenz und man spürt durch und durch die künstlerische Gesamtvision, die durch Millers konsequentes Involviertsein in den gesamten Produktionsprozess tatsächlich überlebt hat. Etwas was bisher kaum eine Comic-Verfilmung von sich behaupten konnte.
Sin City ist ein Episodenfilm. Die einzelnen Geschichten sind ganz flüchtig miteinander verwoben, ein wenig wie in Pulp Fiction, aber deutlich unauffälliger. Das bedeutet, daß drei Comics nahezu eins zu eins für den Film adaptiert wurden; That Yellow Bastard, The Hard Good-Bye und The Big Fat Kill, von denen die letztere Geschichte bei weitem die schwächste ist, etwas das mir schon in der Comic-Version aufgefallen ist. Es gibt ungefähr sieben Comics, ich besitze zwei davon; witzigerweise allerdings zwei der drei, die hier verfilmt wurden.
Die starken Geschichten und die innovative Drehtechnik werden schließlich noch durch bekannte und erfahrene Schauspieler ergänzt. Selten kommen so viele große Namen für einen einzigen Film zusammen. Die Hauptcharaktere der drei einzelnen Episoden werden beispielsweise von Mickey Rourke, Bruce Willis und Josh Hartnett Clive Owen verkörpert (Josh Hartnett kann man dann vermutlich in Teil 2 in einer tragenderen Rolle erwarten).
Ich muß sagen, daß Sin City ein wirklich herausragender Film ist. Und für einen Comic-Fan ist es ein wahres Fest.
Für alle, die nach dem Genuß des Films Blut geleckt haben, gibt es nicht nur die gute Nachricht, daß ein zweiter und dritter Teil bereits geplant sind. Man kann sich in der Zwischenzeit aber auch den Comics zuwenden. Passend zum Filmstart hat Dark Horse alle Titel in einer schicken Neuedition herausgebracht. Wer lieber auf Deutsch liest, wird auch nicht im Regen stehen gelassen. Cross Cult, der in den letzten Jahren schon hervorragend aufgemachte deutsche Ausgaben von Hellboy auf den Markt gebracht hat, hat sich auch Frank Millers Sin City angenommen. Bisher sind drei Bände erschienen, alle wie die Hellboy-Ausgaben im schicken A5-Hardcover. Und die restlichen vier Bände sind für die kommenden Monate ebenfalls angekündigt. Viel Spaß beim Lesen.
PS: Inzwischen haben sich Buena Vista und die großen Kinoketten geeinigt, so daß der Film inzwischen auch in fast allen Kinos laufen sollte.
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*Ich ringe immer noch mit dem Problem, daß ich ab und zu auch Sachen mit Freunden zusammen erlebe, deren Namen aber aus Datenschutzgründen hier nicht so einfach erwähnen möchte. Um mir dieses Problem zu erleichtern, könnt Ihr mir gern einen Freibrief ausstellen, daß Euch das bei Eurem (Vor-)Namen egal ist und ich ihn ruhig verwenden kann.
Thema Freibrief: Hast Du
Thema Kinos: Der Film läuft auch in der Schauburg
Thema Hauptdarsteller: Entweder ich habe da etwas nicht mitbekommen oder Du irrst Dich. Der Darsteller von Dwight is Clive Owen. Das ist meiner Meinung nach nicht die Person (auch nicht mit neuem Gesicht), die am Anfang und am Ende auftritt. Das ist laut imdb.com The Man, der allerdings von Josh Hartnett gespielt wird.
Posted by: Stefan at 15.08.05 16:55Ups, da habe ich mich in der Tat geirrt. Ist somit korrigiert.
Zum Thema: "Wo läuft der Film eigentlich?" kann ich auch noch die Suchmaschine von Westline empfehlen:
http://www.westline.de/service/kino/index.php
Zum Freibrief:
Ich will meinen (Vor-)Namen lieber nicht auf deinen Seiten wiederfinden. Um den Bezug zu meinen Beiträgen auf Blutiges-Gemetzel herzustellen, kannst du aber gerne Captain Smollett bzw° CS (Da denken ja alle an einen "Counterstrike"-Anhänger!) verwenden.
Das klingt auch viel lockerer.