16.06.06

Anger management

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Suprising Football Fact: Niemand war überraschter als ich, als vorgestern in der Spielnachberichterstattung ausgerechnet Sarah Kuttner zu sehen war. Eben jene Frau Kuttner, die in ihrer eigenen Sendung die Tage bis zum Ende der WM zählt. Wahrscheinlich streckt hier jemand schon mal die Fühler nach einem neuen Arbeitgeber aus.

Das nebenstehende Bild zeigt einen Teil meines heutigen Mittagessens. Ich kann lustig geformten Kartoffelprodukten einfach nicht widerstehen.


[Doch jetzt zum Eintrag, den ich eigentlich gestern online stellen wollte, der aber dann nicht fertig wurde]

Immer wieder muß ich mich über alle möglichen Dinge ärgern. Am Mittwoch zum Beispiel über folgendes :

1) Meine Anwältin sollte eine Untätigkeitsklage gegen die ARGE anstrengen, weil man meinen Widerspruch dort offensichtlich mal wieder vergessen hat. Die Frist, die ich den Leuten dort gesetzt hatte, um sich wenigstens mal bei ihr oder mir zu melden, ist jetzt auch schon seit zwei Wochen verstrichen. Leider habe ich inzwischen auch ein Problem meine Anwältin zu erreichen. Immer, wenn ich dort anrufe, ist sie nicht mehr im Haus und sie macht auch keine Anstalten von allein tätig zu werden, obwohl klar ist, was anstünde. Langsam beginne ich zu überlegen, einen anderen Anwalt anzuheuern, der eine Untätigkeitsklage gegen meine Anwältin anstrengt. Jetzt ist sie erst mal bis zum 26. in Urlaub und ich habe langsam aber sicher die Schnauze voll.

2) Am Bochumer Hauptbahnhof hält man es inzwischen nicht mehr für nötig, Verspätungen auch anzusagen. Wenn ich nicht zufällig zur Anzeigetafel aufgesehen hätte, hätte ich die ganzen 20 Minuten (und möglicherweise auch noch mehr; man kennt das ja) schön warten dürfen und es hätte mir überhaupt nichts gebracht, die Klausur in 10 Minuten zu beenden (fast eine ganze Minute langsamer als der erste). So konnte ich zum Glück noch rechtzeitig zur S-Bahn wechseln, die - Überraschung - pünktlich kam.

3) Am Dortmunder Hauptbahnhof traf ich dann den ersten wirklich hassenswerten Deutschlandfan, der nicht aufhören wollte, auf seiner dämlichen Pfeife zu trillern. Das Schlimmste am Fußball sind definitiv diesen ganzen rücksichtslosen, hirnamputierten Fans, die der Sport anzieht.

Zum Ausgleich habe ich auf dem Weg nach Hause dann zwei dämliche polnische Fans getroffen, die ihre Schlachtrufe in der Straßenbahn ausprobiert haben. Natürlich in voller Lautstärke. Das Schlimmste am Fußball sind definitiv diesen ganzen rücksichtslosen, hirnamputierten Fans, die der Sport anzieht.

Das kleinere Übel wählend, habe ich dann beschlossen, daß es am besten sei, wenn die deutsche Mannschaft möglichst schnell aus dem Turnier ausscheidet. Und 90 Minuten lang sah das auch gar nicht so schlecht aus. Aber da die FIFA ja Nachspielzeit vorschreibt, fiel dann doch noch ein Tor und die folgenden Stunden ließen den Unbeteiligten glauben, daß Deutschland offenbar gerade Weltmeister geworden war. Mir graut schon vor dem, was die Leute hier veranstalten, wenn die deutsche Elf das Achtelfinale übersteht oder gar - *shudder* tatsächlich Weltmeister wird. Und auch vorher ging es hier in Dortmund schon zur Sache. Einige "Fans" wollten sich prügeln und die Polizei tat, was sie am besten kann und kesselte erst mal ordentlich. Wie ich gehört habe, auch gleich in den sympathisch wirkenden und Vertrauen erweckenden Kampfanzügen, die jedem sagen: "Dies ist kein Polizeistaat."

Ich habe ja prinzipiell nichts dagegen, daß man ein Team anfeuert und sich dann freut, wenn es gewinnt (und das war diesmal, das muß ich zugeben, ja sogar verdient). Aber was mich extrem stört ist dieser immer mitschwingende Nationalismus. Erst singt das ganze Stadion lauthals das Deutschlandlied (zwar nur die dritte Strophe und nicht die erste wie noch beim ersten deutschen WM-Titel), dann werden die armen Polen gnadenlos ausgepfiffen und schließlich hört man immer wieder "Steh auf, wenn Du Deutscher bist" von den Rängen schallen. Mir läuft es bei solchen Szenen kalt den Rücken herunter und dem guten Herrn Schopenhauer wäre es vermutlich ähnlich gegangen.

"Die wohlfeilste Art des Stolzes hingegen ist der Nationalstolz. Denn er verrät in dem damit Behafteten den Mangel an individuellen Eigenschaften, auf die er stolz sein könnte, indem er sonst nicht zu dem greifen würde, was er mit so vielen Millionen teilt. Wer bedeutende persönliche Vorzüge besitzt, wird vielmehr die Fehler seiner eigenen Nation, da er sie beständig vor Augen hat, am deutlichsten erkennen. Aber jeder erbärmliche Tropf, der nichts in der Welt hat, darauf er stolz sein könnte, ergreift das letzte Mittel, auf die Nation, der er gerade angehört, stolz zu sein. Hieran erholt er sich und ist nun dankbarlich bereit, alle Fehler und Torheiten, die ihr eigen sind, mit Händen und Füßen zu verteidigen."
(Arthur Schopenhauer)

Posted by kreetrapper at 16.06.06 02:15 in Leibesübungen
Comments

Nationalstolz oder eher Patriotismus? Ich finde, dass das aktuelle Verhalten im Lande eher Patriotismus ist und finde das gar nicht so schlecht (aber ich bin ja auch geborener Optimist).

Und beziehst Du Deine Ausführungen nur auf deutsche Fans oder auf Fans aller Nationen? Andere Fans singen auch lauthals ihre Nationalhymnen mit und davon sind meines Wissens nach einige viel blutrünstiger und militaristischer als das Deutschlandlied. Mich gruselt es allerdings immer dann, wenn nach dem Sieg irgendeiner Mannschaft immer die von rythmischem Trommeln unterbrochenen "SIEG"-Rufe durchs Stadion gehen.


Hooligans sind allerdings scheiße und können gerne zu Hause bleiben.

Posted by: Stefan at 16.06.06 18:50

Hallo zusammen!

Ich wurde zwar nicht gefragt, aber ich gebe gern trotzdem meinen Senf dazu :-)

Für meinen Geschmack ist das Schwenken von Fahnen in Zeiten der WM durchaus verzeihlich, da hier damit in erster Linie die Sympathie für ein Team(!) ausgedrückt wird.
Das Singen von Hymnen hingegen empfinde ich nicht nur bei Deutschen als unangebracht, vor allem wenn dabei auch noch inbrüstig die Hand aufs Herz gehalten wird - denn in dem Moment denkt man nicht mehr an den Sport, sondern an das Land. Wenn es nach mir ginge, könnte man Nationalhymnen ganz abschaffen, da sie ja doch nur dazu dienen sich von anderen abgrenzen zu wollen, und soetwas finde ich immer erstmal schlecht.
Ergo: ich stimme den guten Schopenhauer (einem der wenigen homo sapiens im eigentlichen Sinne...) völlig zu. Und ob man das nun Patriotismus oder Nationalstolz nennt... geht denn da das eine ohne das andere?!

Virgola

Posted by: Virgola at 16.06.06 23:51

Ich halte es für nicht eben einfach Nationalismus und Patriotismus zu unterscheiden. Und stehe daher auch letzterem sehr skeptisch gegenüber. Man denke nur an die extrem patriotischen US-Amerikaner.

Die Aussagen bezüglich der beängstigenden nationalistischen Tendenzen beziehe ich natürlich grundsätzlich auf alle Nationen, aber da ich nun mal in Deutschland lebe, fallen mir die Deutschen eben am meisten auf.

Virgola hat recht, Nationalhymnen kann man ruhig abschaffen. Die dienen doch nur dazu, Nationen als was Tolles, Heiliges erscheinen zu lassen. Diese mythologisierende Tendenz gilt übrigens auch für Flaggen. Und wieder muß ich die USA anführen, wo es ja verboten ist, Flaggen zu verbrennen.

Ich hoffe ja immer noch auf eine Zeit, in der der Nationalstaat als überholtes Konzept endlich komplett abgeschafft wird. Die EU ist da schon auf einem ganz guten Weg, aber leider sind die ganzen dummen Menschen (also die Mehrheit) noch dagegen.

Posted by: kreetrapper at 17.06.06 00:09

Das ist ja schön, dass mein Kommentar trotz Fehlermeldung gespeichert wurde.

"Ich hoffe ja immer noch auf eine Zeit, in der der Nationalstaat als überholtes Konzept endlich komplett abgeschafft wird. Die EU ist da schon auf einem ganz guten Weg, aber leider sind die ganzen dummen Menschen (also die Mehrheit) noch dagegen."

Das ist ja nun wirklich noch ein gaaaaaaaaaanz langer Weg. Verfassung, türkisch-zypriotischer Streit, langjährige EU-Mitglieder nicht in Währungsunion, Großbritannien anscheinend nicht wirklich dabei...

Posted by: Stefan at 18.06.06 20:25
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