Und noch ein Nachzügler meines wochenendlichen Bloglesens. Doug Merrill redet im Europa-Blog A Fistful Of Euros über das Buch The Long Tail von Chris Anderson. Und das klingt wirklich ziemlich interessant. Es geht darum, inwieweit die Digitalisierung von Konsumgütern die Welt des Einzelhandels verändern kann, wird und in einigen Fällen sogar schon hat.
Die Frage lautet: Wieviel Prozent der Top 10.000 Titel in einem Online-Medien-Shop (wie Amazon oder iTunes) gehen mindestens einmal pro Quartal über die virtuelle Theke?
Der geschulte Wirtschaftswissenschaftler antwortet hier offenbar reflexhaft "20 Prozent", eine Antwort, die sich bei ähnlichen Fragestellungen herauskristallisiert hat. Die tatsächliche Antwort ist allerdings "99 Prozent". Es ist offenbar wirklich so, daß es für jedes Lied oder Buch oder was-auch-immer irgendwo jemanden gibt, der sich dafür interessiert und bereit ist, dafür Geld auszugeben. Und jetzt, wo sich die Medien nicht mehr alle in ein Regal beim örtlichen Händler quetschen müssen, sondern die Ausstellungsfläche virtuell und damit praktisch unendlich ist, ist es ihm auch problemlos möglich das Geld dafür auch auszugeben.
Ich hoffe sehr, daß sich diese Theorie schnell zu den Verantwortlichen in den Film- und Fernsehstudios herumspricht. Denn sie zeigt ja, daß man relativ leicht auch mit Nischenprodukten Geld machen kann, wenn man sie nur genügend Menschen zum Kauf anbieten kann. Und was bei Büchern schon problemlos weltweit funktioniert, wird bei DVDs ja immer noch durch den idiotischen Regionalcode (und die immer noch nicht zusammengeführten zwei Fernsehsysteme PAL und NTSC) verhindert oder zumindest erschwert. Es gibt sicherlich viele Leute wie mich, die gern ein paar Euros investieren würden, wenn ihnen nicht immer in riesengroßen Lettern RC1 vor die Nase gehalten würde.
Also, lest das Buch. Wer sich das Geld für Andersons Buch sparen will, kann aber auch einfach den zugrunde liegenden Artikel aus Wired online lesen. Der Rezensent meint, daß man die wichtigsten Dinge auch so mitbekommt.