20.02.07

Quote of the day

"Life is suffering forced upon us by a merciless God. Death is our only reward."
(Wolverine as written by Mark Millar in "Wolverine: Enemy of the State")

Posted by kreetrapper at 21:29 in Thoughtgasm | Comments (3)

12.02.07

Das Geld liegt abseits des Mainstream

Und noch ein Nachzügler meines wochenendlichen Bloglesens. Doug Merrill redet im Europa-Blog A Fistful Of Euros über das Buch The Long Tail von Chris Anderson. Und das klingt wirklich ziemlich interessant. Es geht darum, inwieweit die Digitalisierung von Konsumgütern die Welt des Einzelhandels verändern kann, wird und in einigen Fällen sogar schon hat.

Die Frage lautet: Wieviel Prozent der Top 10.000 Titel in einem Online-Medien-Shop (wie Amazon oder iTunes) gehen mindestens einmal pro Quartal über die virtuelle Theke?

Der geschulte Wirtschaftswissenschaftler antwortet hier offenbar reflexhaft "20 Prozent", eine Antwort, die sich bei ähnlichen Fragestellungen herauskristallisiert hat. Die tatsächliche Antwort ist allerdings "99 Prozent". Es ist offenbar wirklich so, daß es für jedes Lied oder Buch oder was-auch-immer irgendwo jemanden gibt, der sich dafür interessiert und bereit ist, dafür Geld auszugeben. Und jetzt, wo sich die Medien nicht mehr alle in ein Regal beim örtlichen Händler quetschen müssen, sondern die Ausstellungsfläche virtuell und damit praktisch unendlich ist, ist es ihm auch problemlos möglich das Geld dafür auch auszugeben.

Ich hoffe sehr, daß sich diese Theorie schnell zu den Verantwortlichen in den Film- und Fernsehstudios herumspricht. Denn sie zeigt ja, daß man relativ leicht auch mit Nischenprodukten Geld machen kann, wenn man sie nur genügend Menschen zum Kauf anbieten kann. Und was bei Büchern schon problemlos weltweit funktioniert, wird bei DVDs ja immer noch durch den idiotischen Regionalcode (und die immer noch nicht zusammengeführten zwei Fernsehsysteme PAL und NTSC) verhindert oder zumindest erschwert. Es gibt sicherlich viele Leute wie mich, die gern ein paar Euros investieren würden, wenn ihnen nicht immer in riesengroßen Lettern RC1 vor die Nase gehalten würde.

Also, lest das Buch. Wer sich das Geld für Andersons Buch sparen will, kann aber auch einfach den zugrunde liegenden Artikel aus Wired online lesen. Der Rezensent meint, daß man die wichtigsten Dinge auch so mitbekommt.

Posted by kreetrapper at 00:05 in Thoughtgasm | Comments (0)

31.01.07

Viel Rauch um Nichts?

Nachdem man zum Ende des letzten Jahres auch in Deutschland kurz über ein Gesetz zum Schutz der Nichtraucher nachgedacht hatte, sich dann aber doch wieder im Föderalismus verheddern mußte, kommt der nächste Impuls in diese Richtung direkt aus Brüssel. Der Gesundheitskommissar der EU Markos Kyprianou hat das Thema in Form eines Strategiepapiers wieder auf den Tisch gebracht und lange kann sich vermutlich auch Deutschland nicht mehr gegen den EU-weiten Trend zu einem generellen Rauchverbot in "allen geschlossenen oder größtenteils geschlossenen Arbeitsplätzen, öffentlichen Gebäuden und öffentlichen Verkehrsmitteln" stemmen. Im Sommer (vermutlich damit die Raucher nicht gleich in die eisige Kälte müssen, sondern sich langsam daran gewöhnen können) gesellt sich jedenfalls schon einmal England zu Irland, Schottland, Italien und zahlreichen weiteren Ländern.

Es ist sicherlich vernünftig, daß sich solch eine Regelung durchsetzt, weil hier ja nachweislich die Gesundheit von unbeteiligten Dritten beeinträchtigt wird, ohne daß diese sich dagegen wehren können. Langfristig kann ich mir auch kaum vorstellen, daß sich separate Bereiche für Raucher (z.B. in Restaurants oder Cafes) durchsetzen werden. Man sieht ja in den Raucherabteilen von Zügen, daß die Luft hier ihren Namen kaum noch verdient und daß derartig extreme Rauchentwicklung auch vielen Rauchern dann doch zu viel wird. Hoffentlich ziert die deutsche Regierung sich nicht wieder jahrelang, nur um nicht die Gunst der offenbar immer noch viel zu einflußreichen Tabaklobby zu verlieren.

Vor einigen Monaten las ich einen Artikel in der Frankfurter Rundschau, der besagte, daß das in Italien eingeführte Rauchverbot schon nach relativ kurzer Zeit zu einem spürbaren Rückgang der Zahl der Herzinfarkte geführt hat. Immer wieder sieht man ja auch die Zahl, daß an die 80.000 Menschen jedes Jahr an den Folgen des Passiv-Rauchens sterben und es scheint so, als ließe sich diese Zahl relativ leicht senken. Natürlich nicht auf Null, weil es ja weiterhin solche armen Tropfe wie mich geben wird, die mit zwei rauchenden Eltern aufwachsen müssen und sich kaum gegen das Einatmen der ganzen Gifte wehren können.

Aber auch die Zahl der Aktiv-Raucher nimmt ja beständig ab.

Es lohnt sich an dieser Stelle ein kleiner Ausblick. In den letzten vierzig Jahren ist das Leben für Raucher als gesellschaftliche Gruppe immer schwieriger geworden. Angefangen beim Verbot der Tabakwerbung im Fernsehen (die nun nach ewig scheinendem Hin und Her endlich auch in Deutschland den Rest der Medien erreicht hat) bis zu den in diesem Jahr eingeführten neuen Zigarettenautomaten.

zigaretten.jpg

Ein generelles Rauchverbot an öffentlichen Plätzen wird das Leben für Raucher noch einmal eine Spur unbequemer machen und auch die kontinuierlich steigenden Preise haben sicherlich schon viele Menschen zu Nichtrauchern gemacht und viele Jugendliche sind aus demselben Grund vermutlich Nichtraucher geblieben.

Außerdem - und das ist vielleicht sogar der wichtigere Faktor - sind die Zeiten, in denen Rauchen cool war, längst vorbei. Ganz im Gegenteil wird der gemeine Raucher immer mehr zum gesellschaftlichen Feindbild herangezüchtet. Vor einigen Jahren las ich in einem Interview mit Art Spiegelman (der als New Yorker uns Europäern ja ein paar Jahre voraus ist), daß er sich als Raucher schon richtiggehend verfolgt vorkommt. Tatsache ist, daß sich das Image des Rauchers grundlegend gewandelt hat. Man schaue sich nur einen alten Film an: Beinahe alle Personen rauchen dort, auch und insbesondere die "Guten". Heute kann man (zumindest in einem Mainstreamfilm) schon fast davon ausgehen, daß mit einer Figur, die raucht, irgendwas nicht in Ordnung ist. Vermutlich handelt es sich um einen fiesen Spion oder einen Erzbösewicht.

Und jetzt sind wir an dem Punkt angekommen, wo das ganze für mich ins Ambivalente abgleitet. Ich bin selbst überzeugter Nichtraucher und seit ich nicht mehr in einem Raucherhaushalt lebe, bin ich auch was Rauch angeht sehr viel empfindlicher geworden. Früher konnte ich es gar nicht verstehen, wenn Leute mir gesagt haben, daß meine Kleidung nach Rauch riecht, aber inzwischen rieche ich das sogar schon selbst. Außerdem ist Rauchen im Gegensatz zu z.B. Alkohol kein "Verbrechen ohne Opfer". Wenn sich jemand jeden Tag ins Koma säuft, schadet er meistens nur sich selbst (es sei denn er kommt auf die dumme Idee dann noch Auto zu fahren), aber ein Raucher schadet - solange er seiner Sucht nicht nur daheim im stillen Kämmerlein nachgeht - immer auch seiner Umwelt. Und diese Umwelt muß man natürlich vor ihm schützen. Schwierig wird es aber, wenn es um die Frage geht, ob man den Raucher vor sich selbst schützen muß oder soll oder darf. Ich bin sehr tolerant eingestellt und auch wenn ich es für dumm halte, sich regelmäßig selbst zu vergiften, möchte ich das eigentlich gern in der Eigenverantwortung des Menschen lassen. Ich bin ja auch gegen das Verbot von Marihuana (auch, weil es erwiesenermaßen unschädlicher ist als Alkohol und die Nutzer daher meiner Meinung nach ungerechterweise kriminalisiert werden), wobei ich hier den gelegentlichen Konsum für noch deutlich weniger dumm halte, weil zumindest (neben den absterbenden Hirnzellen) auch ein positiver Effekt auftritt.

Außerdem ist das Rauchen irgendwie auch ein Stück unserer Kultur und wenn es irgendwann komplett ausstürbe (worauf der Trend ja hinzudeuten scheint) würde es mir schon irgendwie fehlen. Was wird dann aus meiner Fantasie, in der ich pfeiferauchend in einem Gentlemen's Club sitze und mit den Leuten dort verrückte Wetten abschließe? Im Gegensatz zu Zigaretten finde ich den Geruch einer Pfeife auch manchmal ganz angenehm. Ich habe hier im Haus jemanden, der ab und zu im Keller Pfeife raucht, und wenn ich dann zufällig dort vorbeikomme und das rieche, freue ich mich immer ein wenig.

Wie man sieht, bin ich kein völlig militanter Anti-Raucher, sondern habe mal wieder eine sehr diffuse Meinung. Das Vorgehen gegen das Rauchen erscheint mir zwar richtig und (um mal kurz die Droge zu wechseln) es wäre gesamtgesellschaftlich gesehen sicher auch wünschenswert, wenn es überall so hohe Steuern auf Alkohol gäbe wie in Skandinavien. Aber zum einen bin ich immer skeptisch, wenn Freiheitsrechte beschnitten werden, auch wenn es sich um das Recht handelt, sich selbst langsam zu vergiften, und zum anderen würde mir das Rauchen (genauso wie der Alkohol) als kulturelle Komponente irgendwie fehlen, sollte es tatsächlich irgendwann komplett von der Bildfläche verschwinden. Mal sehen, wohin die momentane Entwicklung uns führen wird.

Posted by kreetrapper at 23:45 in Thoughtgasm | Comments (1)

15.08.06

Freud und Leid des Bloggers

Ein Blog zu haben ist eine schöne Sache. Irgendwie jedenfalls. Aber das Bloggersein stellt mich nach wie vor vor ein Problem, von dem ich mir nicht sicher bin, ob ich es lösen kann und das auch mit dafür verantwortlich ist, daß es in letzter Zeit mal wieder weniger Neues zu lesen gab.

Um es mit einer guten Freundin von mir zu sagen: "Blogs sind langweilig."

Im Prinzip ist das wirklich der Fall. Man kann das gut daran sehen, daß in diesem, meinem Blog bisher tatsächlich - soweit ich es weiß - nur Menschen mitlesen, die mich persönlich kennen. Und die lesen vermutlich nur mit, weil ich eben der Autor bin und nicht, weil sie es prinzipiell interessant finden, was ich hier so verfasse. Ich will aber eigentlich kein langweiliges Blog nur für meine Freunde schreiben und genau darin liegt das Problem für mich.

Es gibt nämlich meiner Meinung nach zwei Ausnahmen von diesem Prinzip des langweiligen Blogs. Die eine, offensichtliche, sind thematische Blogs. Wenn man sich zum Beispiel für Poker interessiert kann man das Poker Stars Blog lesen, wenn man wie ich euphorischer Europäer ist, lohnt ein Besuch bei a Fistful of Euros und für Comic-Fans sind die Möglichkeiten riesengroß. Ihr ahnt vielleicht jetzt schon, worauf das hinausläuft.

Ich bin ja bekannt für meine vielgestaltigen Interessen (das sieht man z.B. daran, daß es in diesem Blog bereits 20 Kategorien gibt, und ab und zu merke ich immer noch, daß ich gut eine weitere gebrauchen könnte) und daher kann und will ich mein Blog nicht auf ein Thema beschränken. Und selbst wenn ich z.B. nur die noch die meistbeackerten Themen Linguistik, Comics und Politik behandeln würde (am Rande bemerkt: wem ist aufgefallen, daß das Thema, das bei weitem die meisten Kommentare einfährt - Religion - eigentlich gar kein von mir explizit behandeltes Thema ist?), wären wohl die meisten Leser zwei Drittel der Zeit hier am falschen Ort. Das ist also offenbar keine Option für mich.

Bleibt die andere Ausnahme. Dies sind Blogs, die einen hohen Grad von Introspektion in den Kopf des Bloggers bieten. Es ist diese Art von Blog, an der ich selbst am meisten Freude habe (vermutlich weil ich einen Großteil meiner Zeit damit zubringe, mich selbst zu analysieren, und das deshalb auch bei anderen interessant finde). Schöne Beispiele sind Wil Wheaton DOT net und Braille Radio. Das wäre, im Gegensatz zur ersten Ausnahme, sicherlich eine Option für mich. Wer mich auch nur ein bißchen kennt, weiß, wieviel ich immer nachdenke (oft höre ich auch, daß es zu viel ist) und eigentlich spricht ja nichts dagegen, daß einfach aufzuschreiben. Doch halt. Natürlich spricht etwas dagegen. Nämlich die Tatsache, daß die Dinge, die mich am meisten beschäftigen, in der Regel viel zu persönlich sind, als daß ich sie einfach so in die Welt hinausposaunen möchte.

Somit stehen wir also mal wieder dort, wo ich schon so oft stand, vor einem Dilemma. Vielleicht hat ja einer der Leser eine gute Idee, wie ich unbeschadet aus diesem Dilemma herauskommen kann. Ich überlege natürlich auch selbst fleißig weiter.

Posted by kreetrapper at 21:45 in Thoughtgasm | Comments (11)

16.06.06

Anger management

fanfrites.jpg
Suprising Football Fact: Niemand war überraschter als ich, als vorgestern in der Spielnachberichterstattung ausgerechnet Sarah Kuttner zu sehen war. Eben jene Frau Kuttner, die in ihrer eigenen Sendung die Tage bis zum Ende der WM zählt. Wahrscheinlich streckt hier jemand schon mal die Fühler nach einem neuen Arbeitgeber aus.

Das nebenstehende Bild zeigt einen Teil meines heutigen Mittagessens. Ich kann lustig geformten Kartoffelprodukten einfach nicht widerstehen.


[Doch jetzt zum Eintrag, den ich eigentlich gestern online stellen wollte, der aber dann nicht fertig wurde]

Immer wieder muß ich mich über alle möglichen Dinge ärgern. Am Mittwoch zum Beispiel über folgendes :

1) Meine Anwältin sollte eine Untätigkeitsklage gegen die ARGE anstrengen, weil man meinen Widerspruch dort offensichtlich mal wieder vergessen hat. Die Frist, die ich den Leuten dort gesetzt hatte, um sich wenigstens mal bei ihr oder mir zu melden, ist jetzt auch schon seit zwei Wochen verstrichen. Leider habe ich inzwischen auch ein Problem meine Anwältin zu erreichen. Immer, wenn ich dort anrufe, ist sie nicht mehr im Haus und sie macht auch keine Anstalten von allein tätig zu werden, obwohl klar ist, was anstünde. Langsam beginne ich zu überlegen, einen anderen Anwalt anzuheuern, der eine Untätigkeitsklage gegen meine Anwältin anstrengt. Jetzt ist sie erst mal bis zum 26. in Urlaub und ich habe langsam aber sicher die Schnauze voll.

2) Am Bochumer Hauptbahnhof hält man es inzwischen nicht mehr für nötig, Verspätungen auch anzusagen. Wenn ich nicht zufällig zur Anzeigetafel aufgesehen hätte, hätte ich die ganzen 20 Minuten (und möglicherweise auch noch mehr; man kennt das ja) schön warten dürfen und es hätte mir überhaupt nichts gebracht, die Klausur in 10 Minuten zu beenden (fast eine ganze Minute langsamer als der erste). So konnte ich zum Glück noch rechtzeitig zur S-Bahn wechseln, die - Überraschung - pünktlich kam.

3) Am Dortmunder Hauptbahnhof traf ich dann den ersten wirklich hassenswerten Deutschlandfan, der nicht aufhören wollte, auf seiner dämlichen Pfeife zu trillern. Das Schlimmste am Fußball sind definitiv diesen ganzen rücksichtslosen, hirnamputierten Fans, die der Sport anzieht.

Zum Ausgleich habe ich auf dem Weg nach Hause dann zwei dämliche polnische Fans getroffen, die ihre Schlachtrufe in der Straßenbahn ausprobiert haben. Natürlich in voller Lautstärke. Das Schlimmste am Fußball sind definitiv diesen ganzen rücksichtslosen, hirnamputierten Fans, die der Sport anzieht.

Das kleinere Übel wählend, habe ich dann beschlossen, daß es am besten sei, wenn die deutsche Mannschaft möglichst schnell aus dem Turnier ausscheidet. Und 90 Minuten lang sah das auch gar nicht so schlecht aus. Aber da die FIFA ja Nachspielzeit vorschreibt, fiel dann doch noch ein Tor und die folgenden Stunden ließen den Unbeteiligten glauben, daß Deutschland offenbar gerade Weltmeister geworden war. Mir graut schon vor dem, was die Leute hier veranstalten, wenn die deutsche Elf das Achtelfinale übersteht oder gar - *shudder* tatsächlich Weltmeister wird. Und auch vorher ging es hier in Dortmund schon zur Sache. Einige "Fans" wollten sich prügeln und die Polizei tat, was sie am besten kann und kesselte erst mal ordentlich. Wie ich gehört habe, auch gleich in den sympathisch wirkenden und Vertrauen erweckenden Kampfanzügen, die jedem sagen: "Dies ist kein Polizeistaat."

Ich habe ja prinzipiell nichts dagegen, daß man ein Team anfeuert und sich dann freut, wenn es gewinnt (und das war diesmal, das muß ich zugeben, ja sogar verdient). Aber was mich extrem stört ist dieser immer mitschwingende Nationalismus. Erst singt das ganze Stadion lauthals das Deutschlandlied (zwar nur die dritte Strophe und nicht die erste wie noch beim ersten deutschen WM-Titel), dann werden die armen Polen gnadenlos ausgepfiffen und schließlich hört man immer wieder "Steh auf, wenn Du Deutscher bist" von den Rängen schallen. Mir läuft es bei solchen Szenen kalt den Rücken herunter und dem guten Herrn Schopenhauer wäre es vermutlich ähnlich gegangen.

"Die wohlfeilste Art des Stolzes hingegen ist der Nationalstolz. Denn er verrät in dem damit Behafteten den Mangel an individuellen Eigenschaften, auf die er stolz sein könnte, indem er sonst nicht zu dem greifen würde, was er mit so vielen Millionen teilt. Wer bedeutende persönliche Vorzüge besitzt, wird vielmehr die Fehler seiner eigenen Nation, da er sie beständig vor Augen hat, am deutlichsten erkennen. Aber jeder erbärmliche Tropf, der nichts in der Welt hat, darauf er stolz sein könnte, ergreift das letzte Mittel, auf die Nation, der er gerade angehört, stolz zu sein. Hieran erholt er sich und ist nun dankbarlich bereit, alle Fehler und Torheiten, die ihr eigen sind, mit Händen und Füßen zu verteidigen."
(Arthur Schopenhauer)

Posted by kreetrapper at 02:15 in Leibesübungen | Comments (4)

26.05.06

Vermengte Gedanken

"Du fällst auf diese Erde
Unschuldig und klein
Fährst die Straße des Lebens
Ohne Führerschein
Kaum hörst du das Wort Schule
Kommst du auch schon bei ihr dran
Und der Zauber all der schönen Dinge
Erstarrt zu Buchstaben an einer Wand
Vergiß nicht zu tanzen
Das Leben ist schön
Pfusch nur weiter unter der Schulbank
Und paß auf daß die Lehrer´s nicht sehn"

(Wolf Maahn, Kleine Helden)


Was mich ins frühe Grab schicken wird: Die verdammte Matte in meiner Dusche/Badewanne. Die ist nämlich trotz zahlreicher Gumminoppen alles andere als rutschfest. Und wenn ich irgendwann verdächtig lange nichts mehr hierhin blogge, dann bedeutet das vermutlich, daß ich in einer psychoesken Szene bei laufender Dusche in meiner Badewanne liege. Mit einem großen Loch im Kopf, verursacht durch den unschönen Zusammenstoß mit der Therme, weil ich dann doch endlich einmal das Gleichgewicht nicht wiedergefunden habe.

Was ich extrem unverschämt finde: Das ids hatte eine Doktorandenstelle ausgeschrieben. Bewerbungsschluß war der 6. März und die Stelle war zum 1. April ausgeschrieben. An sich schon eine mutige Idee. Wie es so meine Art ist, habe ich mich extrem spät beworben; mit Erlaubnis ausnahmsweise (weil ich vorher noch eine Nachfrage hatte) sogar erst am 7. März. Am 29. März hatte ich noch nichts gehört und habe freundlich per Mail nachgefragt. Da hieß es dann, es dauere noch etwas und ich solle mich gedulden. Auf eine erneute Nachfrage am 7. Mai habe ich dann keine Antwort mehr bekommen. Die Mail, die ich gestern hinterherschickte, war dann schon etwas unfreundlicher. Witzig wäre es allerdings, wenn die mich tatsächlich einstellten. Vielleicht werde ich dann ab dem 1. April bezahlt.

Was ich eigentlich heute schreiben wollte: Den letzten Teil meiner fortlaufenden Rubrik Spaß mit der Agentur für Arbeitslosigkeit. Ich habe auch schon angefangen, aber dann schwirrten so viel andere Dinge in meinem Kopf herum. Und jetzt halte es aber doch für schlauer, (zu versuchen, ) einigermaßen früh ins Bett zu gehen, weil ich ja morgen schon um neun Uhr aufstehen will. Es hat sich nämlich gezeigt, daß es eine ganz gute Idee ist, wenigstens eine Kleinigkeit zu essen, bevor man zu einer Prüfung geht. Denn wenn man da erst mal drinsitzt, kommt man nicht so einfach heraus, nur weil man Hunger hat.

Was ich festgestellt habe: Ich trödele meist den ganzen Tag herum, bis ich mich endlich aufraffen kann, ans Schreiben zu gehen. Aber wenn ich dann dabei bin, macht es mir sehr viel Spaß und wenn mich nicht nach einiger Zeit die offenbar ziemlich ungesunde Haltung, die ich vor dem PC einnehme, einholen würde oder es (wie jetzt) dringend anzuraten wäre, endlich ins Bett zu gehen, würde ich vermutlich die ganze Nacht lang schreiben.

Was ich mir vorgenommen habe: Endlich mal wieder Fiction schreiben. Ein paar Ideen für Kurzprosa habe ich schon. Und in Euch hoffentlich ein interessiertes Publikum. Jetzt muß ich nur noch ans Schreiben kommen. Bei fiktionalen Texten bin ich nämlich seltsamerweise sehr viel kritischer mit mir selbst und da dauert es immer sehr lange bis ich einen Text als fertig erachte.

Was noch auf meinem To-Do-Pile liegt: vier Mails warten schon seit einiger Zeit, teilweise seit Wochen, darauf, daß ich sie endlich mal ausführlich beantworte. Eine habe ich heute geschafft. Three more to go.

Was ich interessant finde: Kennt Ihr das nicht auch? Manchmal hat man einfach ein bestimmtes Lied im Kopf und weiß nicht warum. So geht es mir heute auch, und zwar mit einem Lied von Wolf Maahn. Das Skurrile daran ist nicht einmal, daß ich nur eine einzige Kassette mit Liedern Maahns habe, die ich auch schon eine halbe Ewigkeit nicht mehr herausgekramt habe. Das Skurrile ist, daß das Lied, das mir im Kopf herumgeht, nicht einmal auf dieser Kassette ist, was bedeutet, daß ich es zum letzten mal vor vielen Jahren bei meinem Vater gehört haben muß.

Was mir langsam Sorgen macht: Dieser häßliche Husten, den ich schon seit einiger Zeit habe. Ich habe bisher gedacht, daß das ein neues Heuschnupfensymptom ist, weil er etwa zur selben Zeit aufgetreten ist. Aber bei dem allergiefreundlichen Wetter der letzten Tage zweifle ich mehr und mehr daran. Denn der Husten begleitet mich nach wie vor. Der Hustenreiz kommt auch nur manchmal, dann fühlt es sich aber auch so an, als müßte die Lunge gleich mit raus.

-- now playing (in my head): Wolf Maahn - Stunde um Stunde --

-- noch 21 Tage Rückbildung --

Posted by kreetrapper at 01:20 in Thoughtgasm | Comments (0)

14.05.06

I'm only happy when it rains

"Took a train from Paris to the ocean,
Found a small hotel by the coast."
(Chris de Burgh, Say Goodbye To It All)

"I remember the night we walked along the Seine
Riding on the Metro."
(System of a Down, Metro)

Heute kam endlich der schon lang versprochene Regen hier an. Zumindest in Ansätzen, und das reicht mir eigentlich auch schon. Natürlich ist es verständlich, daß ich mir in diesen Monaten jede Art von Niederschlag herbeisehne, weil das die widerlichen Pollen bindet, die mir besonders in den letzten Wochen mal wieder den Spaß am Frühling gründlich vermiest haben. Aber das ist nicht der einzige Grund, wie klar wird, wenn ich von meinem Tag erzähle.

Ich war war heute nicht nur, wie schon länger geplant, im Comic-Haus, sondern auch noch in der Stadt. Eigentlich wollte ich nur kurz nach einer DVD gucken - die es natürlich nicht gab - habe mich dabei aber in der Sonderangebotsabteilung von Saturn verloren und mußte notgedrungen eine Handvoll CDs kaufen, weil sie so günstig waren. Da soll noch einer behaupten, ich tue nichts für die Förderung des Wirtschaftsstandortes Deutschland. Auf dem Heimweg setzte dann so langsam der Regen ein und ich mußte wieder einmal feststellen, daß mir diese Art von Wetter extrem sympathisch ist. Auch als ich gegen Abend noch eine Pizza holen ging, habe ich mich sehr über diese leicht regenschwangere Frühlingsluft gefreut. Ich muß zugeben, das ist eindeutig mein liebstes Wetter. Ich weiß gar nicht so genau, wieso, aber das hat mich an meine beiden Kurztrips nach Paris erinnert, die jetzt - wie ich mit Entsetzen feststellte - auch schon wieder 5 Jahre her sind. Jedenfalls gefällt mir so ein Wetter, wie wir es heute hatten, schon an sich sehr gut, aber noch besser hätte ich es gefunden, wenn ich es nicht hier, sondern an einem spannenderen Ort erlebt hätte. Ich glaube, mittelfristig muß ich dringend mal wieder nach Paris fahren. Am besten im Frühling um dort genau diese Art von Wetter abzupassen, bei der es am meisten Spaß machen wird, genüßlich durch die Straßen der Stadt des Lichts zu schlendern. Leider habe ich ja aufgrund meiner derzeitigen beruflichen Situation etwas Probleme damit, mein Leben längerfristig zu planen. Aber das wird sich hoffentlich bald ändern.


Nicht ganz passend, aber erwähnenswert und zu dürftig für einen eigenen Beitrag:

Vor ziemlich genau zwei Wochen habe ich, wie berichtet, einen Antrag auf Fortzahlung von ALG II gestellt. Und das extrem Unwahrscheinliche ist eingetreten: Das ganze wurde sang- und klanglos bearbeitet und gestern bekam ich den Bescheid, daß die Zahlung für die nächsten sechs Monate bewilligt ist. Ich kann es selbst noch kaum glauben. Mein Weltbild wird aber dadurch am Zerbrechen gehindert, daß die immer noch strittigen sechs Monate vor Beginn der Zahlungen weiterhin in der Luft hängen und die Agenten mal wieder den von meiner Anwältin gesetzten Termin bis zum letzten (in diesem Fall bis kommenden Montag) ausreizen.

-- now playing: Garbage - Garbage --

-- noch immer 28 Tage Rückbildung --

Posted by kreetrapper at 05:32 in Thoughtgasm | Comments (0)

23.04.06

Ein Buch, ein gutes Buch...

"Je mehr sich unsere Bekanntschaft mit guten Büchern vergrössert, desto geringer wird der Kreis von Menschen, an deren Umgang wir Geschmack finden."
(Ludwig Feuerbach, Abälard und Heloise)

Ich hoffe, Ihr hattet alle einen schönen Welttag des Buches und habt die Tatsache, daß er heuer auf einen Sonntag fiel, dazu genutzt es Euch mit einem guten Buch gemütlich zu machen. Ich hatte das ja eigentlich auch vor, habe aber heute nachmittag festgestellt, daß ich wohl die falschen Fragen für die morgige Prüfung gelernt hatte und mußte dann noch einen weiteren Stapel von 105 Fragen durchsehen. Das war leider nicht so entspannend wie ich mir den Tag erhofft hatte.

Aber in den Tagen zuvor habe ich versucht, mir das obige Zitat zu eigen zu machen. Mein Gedanke: wenn das stimmt, dann sind Bücher doch die besseren Menschen und so habe ich in letzter Zeit viel gelesen, um meine quälende Einsamkeit zu bekämpfen. Ich habe dabei gelernt, daß das sogar einigermaßen funktioniert, aber nur mit den richtigen Büchern. Inspiriert durch eine Freundin habe ich in letzter Zeit eher Sachbücher gelesen, zum Beispiel das bereits einmal erwähnte Wir brauchen keinen Gott von Michel Onfray. Und dazu passend hatte ich auch bereits Nietzsches Anti-Christ auf meinem To-Read-Pile. Aber einem Impuls folgend habe ich stattdessen doch lieber zuerst einen noch ungelesenen Roman aus meinem Regal gezogen. Der letzte Roman, den ich las, war Schätzings Schwarm - ein Buch, das meiner Meinung nach maßloß überschätzt wird und an den besten Stellen Mittelmaß erreicht. Und davor hatte ich Carl Hiaasens Basket Case gelesen, das zwar recht unterhaltsam war, aber doch eher zu seinen schwächeren Büchern gehört. Das hatte mich ein bißchen am Roman als solchen zweifeln lassen. Doch dann kam endlich mal wieder ein richtig gutes Buch meines Weges, das heißt, eigentlich gleich drei: Philip Pullmans Fantasy-Trilogie His Dark Materials. Inzwischen bin ich bereits weit im dritten Band und es gefällt mir immer noch sehr gut. Wenn es doch mehr solcher Bücher gäbe. Zwischendurch habe ich übrigens auch noch alle drei Planetary-Sammelbände gelesen - den dritten zum ersten Mal. Das ist ebenfalls ganz großes Kino. Wer braucht da schon noch Freunde?

Carl Hiaasen - Basket Case

Hiaasen, im Hauptberuf Journalist beim Miami Herald, hat sich darauf spezialisiert, Krimis zu schreiben, die nicht nur in Süd-Florida spielen, sondern auch das absurde Flair dieser Gegend auf sehr gelungene und komische Weise einfangen. Von den Büchern, die ich bereits gelesen habe, gehört dieses hier zu den Schwächeren, weil der Absurditätsgrad sich in Grenzen hält. Es ist aber immer noch ein sehr gut geschriebener und lesenswerter Krimi. Und ab und zu scheint auch ein wenig des typischen Florida-Flairs hindurch. Zum Beispiel hier:

A disagreement over lane-changing etiquette has resulted in two motorists pulling semiautomatics and inconsiderately shooting at each other in the diamond lane of the interstate. The traffic jam is epic

Frank Schätzing - Der Schwarm

War vor einiger Zeit ein enormer Bestseller und ist es vermutlich auch jetzt noch. Zum Höhepunkt des Hypes habe ich den Autoren in irgendeiner Talkshow gesehen und fand ihn in seiner arroganten, selbstgefälligen Art auf Anhieb unsympathisch, ein Urteil, das ich bis heute nicht revidieren mußte. Vielleicht hat mich diese persönliche Antipathie also in meiner Beurteilung des Buchs beeinflußt. Ich fand es ziemlich schlecht, und das aus mehreren Gründen. Erst einmal braucht es sehr lange, bis der eigentliche Plot so richtig Fahrt aufnimmt. Das geschieht so ab Seite 400. Dann ist kein einziger Protagonist wirklich sympathisch, mir jedenfalls nicht, und das hilft mir nicht gerade bei der Identifikation. Wie soll ich um ihr Leben zittern, wenn sie mir bestenfalls egal sind und ich einigen sogar den Tod gönne? Des weiteren, man ahnt es schon aufgrund der vierstelligen Seitenzahl, ist der Roman stellenweise sehr langatmig und als einer der Handlungsträger sich auch noch auf eine Art Soul-Searchin begibt, um mit sich und seiner Vergangenheit ins Reine zu kommen, hätte ich das Buch beinahe unausgelesen weggelegt, etwas das ich eigentlich niemals tue. Vielleicht am auffälligsten, zumindest wenn man wie ich den Blick für solche Details hat, ist die simple, teilweise sogar unbeholfen wirkende Sprache, derer sich Schätzig bedient. Das fängt damit an, daß alle Personen immer nur beim Nachnamen genannt werden. In einem militärischen Kontext wäre das ja okay, aber der ist größtenteils nicht gegeben. Auch der Erzähler selbst referiert auf seine Protagonisten so und am schlimmsten fand ich eine Stelle, in der jemand an seine Geliebte denkt, und dabei ihren Nachnamen verwendet. Die nur mäßige Sprache zeigt sich in Phrasen wie "Perfekte Schwärze umgibt sie", was nicht nur holperig und klischeehaft bis zum Geht-nicht-mehr ist, sondern auch noch ein offensichtlicher Anglizismus. Und immer wieder stolpert man über seltsame Wörter, deren Sinn sich zwar erschließt, die man aber im allgemeinen nicht der deutschen Sprache zurechnen würde, und die man so sicherlich so schnell nicht wiedersehen wird. Beispiele wären "camouflieren", "ich reporte", "gefeuert, gehimmelt, abserviert", "nomadisieren", "hummelten... die Generatoren". Und das sind nur einige Beispiele. Das einzige, was meiner Meinung nach eindeutig auf der Plus-Seite zu verbuchen ist, ist die Tatsache, daß der Autor ganz offensichtlich eine Menge Zeit und Arbeit in die Recherche der biologischen und physikalischen Grundlagen gesteckt hat. Das alles ist so detailverliebt und, soweit ich das beurteilen kann, auch korrekt dargestellt, daß man vor dieser Fleißleistung Schätzings nur den Hut ziehen kann. Alles in allem bin ich aber von diesem Buch sehr enttäuscht und kann es eigentlich guten Gewissens niemandem empfehlen.

Michael Onfray - Wir brauchen keinen Gott. Warum man jetzt Atheist sein muß.

Als jemandem, der Religion im allgemeinen sehr skeptisch gegenüber, besonders seit sie in letzter Zeit wieder stärker in den gesellschaftlichen Fokus gerückt ist, sind mir Onfrays Thesen grundsätzlich sympathisch. Trotzdem kann mich das Buch nicht restlos überzeugen. Dazu wirkt es zu unstrukturiert. Viele Argumente werden immer wieder von neuem aufgegriffen, gehen aber oft nicht richtig in die Tiefe. Und obwohl Onfray die Heiligen Schriften (Talmud, Bibel, Koran) - zurecht wie ich finde - als Quelle von Fakten nicht anerkennt, nutzt er doch immer wieder Zitate hieraus, um zu argumentieren. Das kann natürlich nicht gut gehen. Fazit: Ein ganz guter Einstiegspunkt in die Thematik, aber auf keinen Fall erschöpfend. Außerdem ist das Buch alles, nur nicht objektiv, etwas, das man nicht aus den Augen verlieren sollte.

Warren Ellis/ John Cassady - Planetary Vol. 1: All over the World and other stories
Warren Ellis/ John Cassady - Planetary Vol. 2: The fourth man
Warren Ellis/ John Cassady - Planetary Vol. 3: Leaving the 20th century

Sehr beeindruckend. Planetary ist eine Gruppierung, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Mysterien des Universums zu erforschen. Zum Glück leben sie in einem klassischen Superhelden-Universum, in dem es reihenweise Aliens, Metawesen, Monster und verrückte Unfälle mit Strahlung oder anderen Dimensionen gibt. Es ist übrigens das Wildstorm-Universum, in dem z.B. auch Authority spielt. Crossover gibt es aber kaum. Ellis nutzt die ersten beiden Bände, um seine Protagonisten durch eine Reihe bekannter Genres zu schicken, da gibt es Geheimgesellschaften, den klassischen Monsterfilm mit Riesenameisen oder eine Chinese-Ghost-Story. Jede dieser Episoden ist in einem Kapitel (in der Originalveröffentlichungsweise also in einem Heft) abgeschlossen und hat ein spezielles zum jeweiligen Genre passendes Cover (die alle auch in den Sammelbänden abgedruckt sind). Gleichzeitig zieht sich jedoch eine Nebenhandlung wie ein roter Faden durch alle Kapitel. Wer steckt hinter Planetary und seinen drei Agenten? Wer ist der geheimnisvolle vierte Mann und was ist sein Plan? Dieser Nebenplot rückt zum Ende des zweiten Bandes in den Vordergrund, und umso ärgerlicher war es, daß mehrere Jahre bis zum Erscheinen des dritten Bandes vergingen. Jetzt kann man nur hoffen, daß es diesmal schneller weiter geht, denn dies ist wirklich mal wieder eine Serie, die zeigt, zu welchen erzählerischen Leistungen Warren Ellis fähig ist. Fazit: Sehr empfehlenswert! Das erste Heft kann man hier online probelesen.

Posted by kreetrapper at 23:57 in Lesen | Comments (1)

31.03.06

Ich bin mit meinem Kopf die ganze Zeit allein

I know it must be getting really old for you out there but I have to quote artbroken once again. I don't know why this is so but he often posts some very deep and thoughtful stuff which more often than not strangely seems to resonate with what I am feeling at the moment. At the time he posted this a month ago I could relate pretty well with what he was writing. And after this week, and especially the last two days, I can do so again. He writes:

Take this job and fuck it, I don't care, shoot me now and make the hurting stop

Three days into the new temp job and I've lost my bottle. I can't handle this, I really can't. Tomorrow I go in and tell them that I'll stick around until the end of the week if they like, but no more.

The reason? It's boring. It's incredibly boring. It's so boring my mind is tearing itself apart to keep itself occupied - and no, that's not an exaggeration. I'm doing data entry for a medical insurance group, and it's the kind of repetitive brainlessness that kills the soul dead as fucking mutton - look at paper, pick out numbers, stick them into computer without needing to know what they mean. It's the kind of work that will one day be done by robots with OCR scanners, and those robots will go to the pub after work and talk about how boring it is and how they're going to exterminate the human race as soon as they get lasers, and they will be justified in doing so. We fucking asked for it.

[...]

And on top of that, just to guild the lily... I can't care. I can't care about medical insurance. I can't care about helping some doctor throw money around to avoid the consequences of being drunk in surgery and giving someone a third anus. I can't care about giving rich teenagers another way to spend Daddy's money while they learn how to make MDMA in the bath. And no, that isn't fair in the slightest, and I know that, and it doesn't matter. I've done a lot of public service work, and that really does make a difference to me - to hold to the notion that, on some level, I'm serving the public, the regular working-class folks like myself. Never mind that I'm hardly working-class (whatever that means) in my attitudes and interests; at heart I'm still a mechanic's son from a coal-mining town, and I'm already resenting the rich doctors who form this business' client base.

It'd be easier, just a bit easier, maybe even tolerable, if I thought other people in the job felt the same way. There's a we're-in-this-crap-together attitude that can make a shitty job survivable, the knowledge that others there are dying inside too and we can go to the pub and bitch about it afterwards. That resentful camaraderie let me stick it out at Borders for 18 months; it let me keep going for 5 months at the call centre (that and being able to read a book a day between calls). But everyone here seems to love it; they're happy to be there and keeping the wheels of litigation protection working smoothly for their clients. It's great.

...Jesus, a life of quiet desperation is horrible, but it's better than being born dead and never knowing it. I think this is honestly the first time I've been exposed to such utter banality in Melbourne, and it's making me crazy.

Incidentally, yes, I know I'm being horrifically elitist and judgmental and unfair and arseholeish over this. None of that changes how my gut knots up at the thought of entering another form in that place full of pleasant, cheerful, totally alien people.

I can't. I can't. I can't. Staying there for five months (as I'd agreed) will permanently damage me. And in the face of that I don't care if I have to eat dog food to make ends meet, or if my temp agency disowns me in retaliation. Whatever, fuck it, mea culpa, get me out.

Granted, my life is not there - yet. But I, too, am bored out of my mind every day now. And the new teacher's constant mispronunciation of "Tag" as "Take" and "Size" as "Sights" (that's just a rough approximation. Phonetics never were my strong suit) doesn't make it any better at all. The central sentence is: "it's so boring my mind is tearing itself apart to keep itself occupied". Meaning, that in these eight hours my mind is racing around looking for something interesting. And sooner or later this always leads to me thinking extensively about my life, how it led me to this pointless point and where the fuck it will or can lead me in the future. I am always reminded of a Thomas D quote, when I think about this, because I really am alone with my head all the time. When I am home or somewhere else where there is something else besides total boredom I am mostly able to shove these depressing thoughts aside and even do something productive every once in a while, but eight hours are just too fucking long to occupy my mind just by surfing through the net and reading all kinds of stuff.

And like artbroken wrote in his posting the conclusion seems pretty obvious that "[s]taying there for [three more] months [...] will permanently damage me." If it hasn't already. Today I made a list with check boxes for every day that still I have to go there. If I didn't count wrong it's still 54 days. This is an awful lot. I am so glad that there are now two days of weekend in which my mind can start to heal a little.

Okay, time to go to bed and make up for all the sleep I didn't get in the last few nights.

-- now playing: Jens Lekman - A Man Walks Into A Bar --

Posted by kreetrapper at 23:20 in Thoughtgasm | Comments (0)

25.03.06

Stop! Stupidity Police!

"It's just one of those days
When ya don't wanna get up
Everything is fucked
Everybody sucks
And u don't really wanna know why
But u wanna justify
Ripping someone's head off"

(Limp Bizkit, Break Stuff)

Heute mußte ich an ein klassisches Zitat von Bertrand Russell denken:

"Es ist ein Jammer, daß die Dummköpfe so selbstsicher und die Gescheiten so voller Zweifel sind."

Wie komme ich gerade heute darauf? Nun, ich bin heute Mittag mit der Bahn nach Bochum gefahren. Einer Bahn, die offenbar bis nach Duisburg fuhr. Diejenigen unter Euch, die sich etwas mehr für Fußball interessieren als ich (also eigentlich "die sich überhaupt dafür interessieren"), werden ahnen, was mir widerfuhr. Die Bahn war voller laut gröhlender, offensichtlich sehr, sehr dummer Idioten, die ihre Dummheit unbedingt allen Mitreisenden deutlich unter Beweis stellen wollten. Kurz: Fußballfans. Und zwar, was vielleicht sogar noch schlimmer wiegt, Bayern-Fans. Ich glaube, daß es eine Untergruppe von Fußballfans gibt, die noch schlimmer, nervtötender und überflüssiger sind als die normalen Fans. Und das sind solche, deren Verein gerade auf einer Welle des Erfolgs schwimmt. Wie man mir mitteilt, sind die Bayern mal wieder so gut wie Meister, was den Enthusiasmus ihrer Anhänger nicht gerade dämpft. Doch zurück zum Ausspruch Russells, den man für diese Situation leicht abwandeln muß. "Es ist ein Jammer, daß die Dummköpfe ihre Idiote so laut wie möglich in die Welt hinausschreien, wohingegen die Gescheiten meist schweigen." Schauen wir in die Welt bestätigt sich dies jedoch beinahe überall. Seien es nun die "Wir sind die Besten, ihr seid Scheiße!"-Schlachtgesänge der Fußballfans oder das oft völlig sinnentleerte Dahergeschwafel vieler Politiker, die denken, wenn sie etwas nur häufig genug wiederholen, werden es die Leute schon irgendwann glauben. Laut sind in diesem Kontext übrigens auch die Schlagzeilen der Boulevardpresse, wobei man aufgrund des anderen sinnlichen Eingangskanals die Größe des Textes in etwa mit der Lautstärke gleichsetzen kann. So ähnlich wird das ja auch im Netz gesehen, so daß man im Usenet oder einem Forum schon mal aufgefordert wird, nicht zu SCHREIEN!

Jedenfalls ist diese Kollokation von Lautstärke und Dummheit ja nicht nur deshalb schlimm, weil viele Menschen so leicht zu beeinflussen sind, daß sie bereitwillig alles glauben, was ihnen erzählt wird. Und natürlich glauben sie dann am ehesten demjenigen, der am lautetsten schreit. Denn den hören sie ja am besten. Nein, selbst für intelligente Menschen wie mich ist dieses Verhaltensmuster eine Last, denn natürlich fällt es umso schwerer all den Schwachsinn zu ignorieren, je lauter er vorgetragen wird. So habe ich heute in der Bahn vor lauter Verzweiflung über die dümmlichen Bayern-Fans, die, wie die meisten dummen Menschen, natürlich nicht auf die Idee kommen, daß ihr idiotisches Gegröle allen anderen Mitreisenden vermutlich tierisch auf den Sack geht, meinen MP3-Player aufgesetzt und die Lautstärke voll aufgedreht, um dem zu entgehen. Etwas, das nur partiell von Erfolg gekrönt war und sicherlich auch zu meiner vorzeitigen Ertaubung beitragen wird. Aber die Alternative wäre gewesen, den niederen Instinkten nachzugeben, von meinem Platz aufzustehen und den ganzen Deppen ein paar in die Fresse zu schlagen. In letzter Zeit fällt es mir auf, daß ich, je mehr Dummheit ich in der Welt erlebe, desto intoleranter und aggressiver gegenüber denjenigen werde, die sich als besonders dumm zeigen. Und vielleicht ist das auch die einzig richtige Antwort auf die immer stärker auftretende Dummheit. Wir sind dabei, die Welt endgültig an die Dummen zu verlieren. Vielleicht ist es an der Zeit, etwsa dagegen zu unternehmen. Wenn es nicht schon zu spät ist.

-- now playing: System of a Down - Toxicity --

Posted by kreetrapper at 23:17 in Thoughtgasm | Comments (1)

13.02.06

Moral High Ground

That's what I'm trying to reach up to recently. For a start I stopped to - in Thomas D's words - base my very existence on the suffering of other beings. I am a vegetarian now. It's only three weeks since I started this, so it is definitely nothing to brag about yet, and I honestly fear that sooner or later there is going to be this one moment of weakness so that everything I tried for will have been for naught.
Additionally, I am really trying to become a better person in other aspects of life too. But some of these days it just seems like all I do is climbing and climbing and climbing but I don't seem to go any further up. It's really frustrating to see that all it takes is just one little mistake to destroy everything you tried for. My life more and more seems to be a constant struggle against myself. And I don't like this one little bit. Who would?

I know this probably all seems kind of random to anybody who is not me - and doesn't know what prompted me to question my own morality just now - but I don't care. I wanted to write more personal stuff, and writing about this is not only - hopefully - helping me hone my writing skills but it usually helps me to understand myself better.

Anyways, I really need to get out of this stinking, filthy pool of misery and self-doubt. And that's exactly where I'm going now. Out.

As Joey says: "There's no meat in beer, right?"

Gonna get drunk now.

Posted by kreetrapper at 19:01 in Thoughtgasm | Comments (0)

07.02.06

Up and down and roundabout

So verläuft mein Leben momentan. Mal geht es mir ganz gut, mal nicht so gut. Heute wachte ich zum Beispiel mit Kopfschmerzen auf, die mich den ganzen Tag nicht mehr verlassen haben, und mir irgendwie die Lust und den Elan genommen haben, überhaupt etwas Ordentliches auf die Beine zu stellen. Jetzt lassen sie langsam aber sicher nach, aber ich habe eigentlich vor, früh ins Bett zu gehen, um den morgigen Tag endlich mal etwas produktiver zu gestalten. Also habe ich da jetzt auch nicht so richtig etwas von. Und mein Magen läßt mich auch nicht wirklich in Ruhe, scheint es. Am Samstag habe ich mich nach dem Aufwachen recht lange damit geplagt, bis ich in Ruhe aufstehen und frühstücken konnte. Aber wenigstens bin ich deswegen nach wie vor krank geschrieben. Vorerst bis zum 17. Februar. Und zwischendurch werde ich wohl zum Gastrologen gehen. Mein erster Besuch dort am letzten Donnerstag kommt mir, je länger ich darüber nachdenke, immer unnützer und dubioser vor. Der Arzt hat mich ruhig erzählen lassen und dann die volle Batterie an Untersuchungen angeordnet: Ultraschall, Blutuntersuchung, Magenspiegelung. Gerade mit letzterem bin ich, nachdem ich darüber las und nachdachte, nicht wirklich einverstanden, und werde das morgen telefonisch erst mal abzubiegen versuchen. Man darf gespannt sein.

[Later that same night]

Der erste Absatz dieses Beitrages entstand kurz nach Mitternacht. Was jetzt kommt, müßte eigentlich ein neuer Beitrag werden, paßt aber wunderbar zum Thema "up and down", das sich nicht nur auf meine körperliche Gesundheit, sondern auch auf meine Psyche erstreckt. Nach Beendigung des obigen Absatzes habe ich eine Unterhaltung geführt, die derart intensiv war, daß all meine Rezeptoren und sonstigen Nervenzellen auf Hochtouren laufen. Ich müßte schon längst müde sein, aber der Rausch hält mich wach und ich scheue mich, schlafen zu gehen, weil ich genau weiß, daß dieses faszinierende Gefühl morgen früh nicht mehr da sein wird. Schon während ich das hier schreibe, merke ich, wie es langsam immer schwächer wird. Und ich fürchte, daß ich mir das Gefühl kaputt denken könnte und das vielleicht auch noch tun werde, wenn ich darüber nachdenke, woher es nun genau kommt und wie ich das wieder erreichen kann. Solche Momente kann man nicht bewußt herbeiführen. Die kommen einfach so vorbei, wenn sie es für richtig halten. Dem ewigen Analysierer in mir widerstrebt es, das zu akzeptieren, aber ich werde mir Mühe geben.

Und ebenfalls während ich dies schreibe, wird mir wieder schmerzlich bewußt, daß ich nicht in der Lage bin, dieses magische, wundervolle Gefühl in ebensolchen Worten zu beschreiben. Das ist etwas, was ich können sollte, was ich können will. Und wenn ich in diesem Jahr sonst nichts erreiche, dann werde ich doch wenigstens alles geben, um ein besserer Schreiber (Das englische Wort "writer" drückt viel besser aus, was ich erstrebe, als es Worte wie "Autor" oder "Schriftsteller" können. Schade daß es kein deutsches Äquivalent dazu gibt.) zu werden. Erwartet also deutlich mehr und deutlich vielseitigeren Krempel in diesem blog und vermutlich auch im Gemetzel selbst als bisher. Mein Vorbild dahingehend ist der gerade erst hinreichend gelobte und verlinkte artbroken. Mal sehen, ob ich diesen Level von Interessantheit erreiche. Und mal sehen ob ich für diese Art von Offenheit gegenüber der Welt wirklich bereit bin. Aber zumindest wird das blog hier dann endlich mal interessant und lesenswert und es verirrt sich vielleicht auch endlich mal jemand hierher, der mich noch nicht persönlich kennt.

Time for bed now.

Posted by kreetrapper at 04:48 in It's my life | Comments (0)

06.02.06

Just like looking into a mirror

Gifts matter a lot less to me these days - not just because I'm old and jaded, but because things matter less. I like them, yes, but I can wait for them. The important thing is love. (artbroken)

I probably would have written "people" instead of "love" but apart from that this sentence does sound so much like what I am thinking these days that it scares me somewhat. As does this other snippet from the same Livejournal which is also so fucking right:

You don't have to see people in person to communicate with them. The ones you love can be in another suburb, time zone or tectonic plate, but you still hear their voices when you listen inside.

And this sounds like a description of me:

See, this is why people never ask me how I'm doing. They're frightened I'll answer them.

Go read all the other stuff artbroken has to say. Judging by the stuff he writes, he's a great guy. Unfortunately, I never met him but I would really like to change this someday. Well, some time when I'm wealthy enough to go to Melbourne just for the heck of it, I probably will.

People who like it a little bit more fictional than philosophical should check out his series Welcome to the Hotel Flamingo. Sometimes it's good, sometimes it's almost great. And it only keeps getting better. Too bad the end of this fun little series of short prose pieces is drawing near.

Go! Read! Enjoy!

Posted by kreetrapper at 23:58 in Thoughtgasm | Comments (0)