25.02.07

Da geht mir doch ein Licht auf

Thomas Kühn schreib in einem Kommentar, daß man, wenn man den Klimaschutz ernst nimmt, nicht umhin kommt, die Atomkraftwerke länger laufen zu lassen. Ich habe natürlich nicht den kompletten Durchblick, denke aber, daß dies zu einem großen Teil eine Frage des nötigen Willens ist - also letztlich die Frage, wieviel Geld man bereit ist, in regenerative Energien zu investieren. Wenn es wahr ist, was der dritte Teil des Weltklimaberichts der UN sagt, daß nur noch ein sehr kleines Zeitfenster von 13 Jahren bleibt, um das Allerschlimmste zu verhindern, dann sollte man spätestens jetzt aufhören noch länger daherzuschwafeln oder gar - wie die Bundesregierung - den Erhalt von Arbeitsplätzen in der Autoindustrie höher zu bewerten als eine lebenswerte Umwelt. Wie kurzsichtig kann man eigentlich sein?

Australien scheint mit seinem neuesten Vorstoß ein idealer Ideengeber für alle Welt zu sein (man darf dabei natürlich nicht vergessen, daß dieses Land das Kyoto-Protokoll nicht unterzeichnet hat). Das Problem ist natürlich wieder einmal, daß man sich in der Politik an Dingen aufhält, die besonders augenfällig sind. Ein Verbot traditioneller Glühbirnen zugunsten der Energiesparlampen ist schnell beschlossen und man kann dann stolz behaupten, daß man nicht tatenlos zuschaut, während das Klima so vor sich hin wandelt. Schon hört man aberwitzige Hochrechnungen, daß allein in Deutschland zwei ganze Atomkraftwerke auf diese Weise eingespart werden könnten. (was sagt Herr Kühn denn dazu?) Ich bin weit davon entfernt, gegen ein solches Verbot zu sein, sehe aber die Gefahr, daß man es dann einfach dabei beläßt. Dabei muß man nur einmal überlegen, welche Energiesparpotentiale sich noch so in deutschen Haushalten finden. Wieso werden nicht konsequent die elektronischen Geräte gefördert, die einen möglichst geringen Stromverbrauch aufweisen? Man könnte hier regulierende Abgaben einführen, die zum Beispiel solche Geräte verteuern, die man nur auf Standby aber nicht komplett ausschalten kann. Es gibt so viele Möglichkeiten über die Glühbirne hinaus.

Was nicht heißen soll, daß die Verdrängung der traditionellen Glühbirnen keine gute Idee ist. Ich springe - wie so oft - reichlich spät auf den Zug auf und werde nächste Woche loslaufen, um mir Energiesparlampen zu kaufen und damit mit meinem Geld die Welt zu verändern. Stellt Euch einfach vor, wie eine Glühbirne über meinem Kopf erscheint.

...

Passend zum Thema hier noch etwas, das ich in Cecilia's Blog (das leider keine Permalinks hat) gefunden habe:

Richard Branson, of the Virgin Group (which owns Virgin Atlantic Airways, among other things), has announced a $25 million prize for an invention that removes significant amounts of greenhouse gases from the atmosphere.

Eine gute Idee, die man neben dem drastischen Herunterfahren des weltweiten CO2-Ausstoßes auf jeden Fall verfolgen sollte. Hauptsache, es kommt niemand auf die Idee, es stattdessen zu tun. Hier findet sich die offizielle Wettbewerbsseite der Virgin Earth Challenge.

Posted by kreetrapper at 23:44 in When Will You Rage? | Comments (0)

14.02.07

Amerikanische Verhältnisse

Steven Grant liefert erschreckende Anekdoten aus dem, was die USA ihr Rechtssystem nennen. Zumindest in Florida und Connecticut scheinen die Dinge ganz falsch zu laufen.

In Connecticut könnte eine Vertretungslehrerin zu 40 Jahren Gefängnis verurteilt werden, weil sie einen veralteten Browser benutzt hat. Dieser hat offenbar einige Porno-Pop-Ups nicht geblockt, so daß die Kinder damit konfrontiert wurden. Und in den USA gilt ja bekanntlich das Motto "Wenn wir unsere Kinder schon nicht vor der Erderwärmung oder dem eigenen Staat schützen können, sollten wir sie wenigstens vorm Betrachten nackter Menschen schützen.

In Tampa in Florida hat man hingegen eine Frau nicht davor schützen können, vergewaltigt zu werden. Man hat sie dann, als sie das Verbrechen gemeldet hatte, aber wenigstens wegen eines unbezahlten Bußgeldbescheids gleich mal da behalten und eingesperrt. Und nebenbei hat ein dort arbeitender wiedergeborener Christ es auch noch für richtig gehalten, ihr die Pille danach vorzuenthalten. Grant hat noch mehr Magenschmerzen induzierende Details.

Sagen wir es alle zusammen: "Zum Glück bin ich in Europa!"

Posted by kreetrapper at 23:24 in When Will You Rage? | Comments (0)

12.02.07

Bedingungslos!

Letztes Jahr bin ich in diesem Blog gebeten worden, doch noch mal meine Position zum Thema Grundeinkommen darzulegen. Der Grund war, wenn ich mich recht erinnere, daß es bei meinem Blutbad im Kopf keine Möglichkeit zum Diskutieren gebe. Diesem Ansuchen soll dieser Eintrag Rechnung tragen. Ich habe immer auf eine passende Gelegenheit gewartet, das Thema hier anzustoßen, aber die kam und kam nicht.

Die Dortmunder Linksjugend (die noch immer keine Inhalte auf ihrer Netzseite hat) hatte geplant eine Gesprächsrunde zu diesem Thema zu veranstalten. Als ich davon hörte, wollte ich das zum Anlaß nehmen, hier darauf hinzuweisen und gleich meine Gedanken dazuzustellen. Aber inzwischen wurde diese Idee wieder fallen gelassen, da die SDAJ Dortmund (hat zwar eine Netzseite, aber die ist eher zum Davonlaufen) bereits eine ähnliche Sache plante. Trotz redlicher Suche konnte ich aber online nichts zu der Veranstaltung, die in der letzten Woche stattgefunden haben soll, finden, was zeigt, daß es sicherlich sinnvoll wäre, wenn vielleicht noch eine Veranstaltung zum Thema gemacht würde und man die diesmal auch entsprechend bewirbt. (Es kann natürlich sein, daß die SDAJ ihre Veranstaltung ganz doll per Flyer und in Zeitungen beworben hat und ich das nur nicht mitbekommen habe. Falls Ihr davon wißt, schreibt mir das bitte. Ebenso kann es auch sein, daß ich falsch informiert wurde und es eine solche Veranstaltung gar nicht gab.)

Jedenfalls soll dieser Eintrag denen, die damals so lauthals danach geschrien haben, Gelegenheit geben das Thema zu diskutieren. Seit ich das Blutbad geschrieben habe, hat sich an meiner Meinung nicht viel geändert. Allerdings haben inzwischen sogar schon die etablierten Parteien angefangen darüber zu diskutieren und die Sättigung, die nötig ist, um das Thema auf die politische Tagesordnung zu hieven, könnte schon recht bald erreicht sein. Inzwischen sehe ich auch, daß "ein bedingungsloses Grundeinkommen" kein Allheilmittel ist, solange es nicht in einer Höhe gegeben wird, die tatsächlich ein akzeptables Leben ermöglicht. Und gerade die Idee, gleichzeitig die Mehrwertsteuer drastisch anzuheben, halte ich für nicht besonders durchdacht, da das Geld dann ja sofort wieder durch die höheren Lebenshaltungskosten aufgefressen wird. Gut vorstellen könnte ich mir hingegen eine Luxussteuer, wie es sie in den skandinavischen Ländern ja zum Teil schon gibt, um zusätzliche finanzielle Ressourcen zu mobilisieren.

Ebenso wichtig wie die Frage der Finanzierung (zu der ich als wirtschaftswissenschaftlicher Volllaie nicht viel sagen kann) ist meines Erachtens die Einstellung der Gesellschaft zur Arbeit. Ein bedingungsloses Grundeinkommen macht nur dann wirklich frei, wenn neben dem finanziellen auch der soziale und moralische Druck, arbeiten zu müssen, wegfällt. Und das wird sicherlich noch einige Zeit dauern. Wenn es sogar Grüne gibt, die sich wie hier (pdf) Markus Kurth in vorauseilendem Gehorsam bedingungslos der Demoskopie unterwerfen und das Grundeinkommen mit den Worten ablehnen "das kommt schlecht bei den Wählern an" (frei zitiert), und auch die sonst so sozialen Linken immer nur "Arbeit, Arbeit" schreien, ist es vermutlich noch ein weiter Weg bis die Köpfe frei genug für ein Grundeinkommen sind. Irgendwann wird man sich aber den Konsequenzen des technischen Fortschritts stellen müssen. Wie ich es schon so lange sage, halte ich die Parole "Arbeit um jeden Preis" für nicht mehr zeitgemäß und würde z.B. die Entwicklung und breite Durchsetzung vollautomatischer Supermärkte sehr begrüßen. (Schlüge man so etwas im aktuellen politischen Klima vor, wäre die Reaktion ein gemeinsamer Aufschrei quer durch alle Fraktionen: "Aber die Arbeitsplätze!") Der Fortschritt sollte doch in der Lage sein, nach und nach all diese lästigen Arbeiten, an denen niemand Freude hat, obsolet werden zu lassen. Wenn ich mich recht an meine jagenden und sammelnden Zeiten erinnere, war das doch überhaupt der Plan als man mit Entwicklung von Technik begonnen hat.

Aber die Tendenz in der Gesellschaft ist leider eine andere. In einem Rückgriff auf frühkapitalistische Zeiten werden die Wochen- und Lebensarbeitszeiten gerade wieder einmal drastisch angehoben (sogar ich arbeite momentan 40 Stunden in der Woche) - seltsamerweise ohne daß alle Politiker aufschreien "Aber die Arbeitsplätze!" Hier scheint mir die Politik nicht konsequent genug zu sein. Wenn man sogar für den Menschen überlebenswichtige Dinge wie das Klima dem Diktat der Arbeit unterwirft und nur mit Zähneknirschen überhaupt einem Abbau der Steinkohlesubventionen zustimmt, wie kommt es dann, daß durch die immer weiter verlängerten Arbeitszeiten immer mehr Menschen von der Arbeit ausgeschlossen werden? Und zwar diesmal sogar mit dem Segen und Mitwirken der Politik. Eine bessere Verteilung der nötigen Arbeit auf alle Bürger wäre wünschenswert, für die einen, weil sie so mehr Freizeit bekämen, für die anderen, weil sie dadurch endlich auch mal etwas außer "Freizeit" hätten. Und ich denke, daß von der Politikseite im wesentlichen zwei Schritte notwendig sind, um dies möglich zu machen. Auf Seiten der Arbeitnehmer hälfe ein bedingungsloses, lebensunterhaltsicherndes Grundeinkommen, den Zwang zur Arbeit drastisch zu mildern. Und auf Seiten der Arbeitgeber muß man die an die Anzahl der Arbeitnehmer gekoppelten Sozialabgaben abschaffen. Das ganze sollte über Steuern finanziert werden. Man müßte dann natürlich parallel zum Wegfall der Abgaben z.B. die Unternehmenssteuer erhöhen oder etwas ähnliches.

Ich kann nur hoffen, daß die gesellschaftliche Diskussion dieses Themas weiter voranschreitet und irgendwann womöglich sogar eine praktikable und mehrheitsfähige Lösung dabei herauskommt.

Und weil es gerade paßt, hier noch zwei Links zum Thema:

Freiheit statt Vollbeschäftigung weist darauf hin, daß sich auf der Seite des WDR jetzt auch ein Dossier zum Thema Grundeinkommen findet.

Des weiteren gibt es seit einiger Zeit bei Google Groups das Aktion Grundeinkommen: Forum, wo sich Verfechter der Idee eines bedingungslosen Grundeinkommens austauschen und gemeinsame Aktionen planen können.

Posted by kreetrapper at 23:12 in When Will You Rage? | Comments (0)

11.02.07

Versprengte Gedanken

In der letzten Woche hat das regelmäßige Bloggen schon mal erheblich unter der Tatsache gelitten, daß ich jetzt ein nützliches Mitglied dieses unmenschlichen, widerwärtigen kapitalistischen Systems bin. Entweder hatte also Stefan (bisher) unrecht mit seinem Kommentar, daß jetzt auch beim Bloggen alles gut werde, oder... wer weiß, vielleicht ist es ja genau das, was er mit "gut" meinte, daß ich nicht mehr pausenlos irgendwelches Zeug hierher poste. Jedenfalls poste ich dafür jetzt am Wochenende nur um so mehr überflüssiges Zeug mit wenig bis gar keinem Gehalt. Denn jetzt muß ich erst mal all das nachlesen, was ich in den letzten Tagen in der Blogosphäre verpaßt habe, und da kann ich natürlich der Versuchung nicht widerstehen, exzessiv zu link-bloggen - teilweise auch mit ein paar eingestreuten Kommentaren.

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I Pity The Fool! Bill Reed von Comics Should Be Good hat sich vorgenommen, in diesem Jahr eine tägliche Kolumne zu schreiben. Der Titel: 365 Reasons to Love Comics. Die Ausgabe von Mittwoch bezeichnet er zu recht als bisher beste: I may as well quit this column now. Because this one spotlights the greatest comic book ever made. So why bother continuing? It can’t get better than this. Can it?

Der Comic um den es geht: Mr. T and the T-Force.

crack-baby.jpgGeht und schaut es Euch an, es gibt eine Reihe von wunderbaren Titelseiten und Fakten über die Serie, und sogar den Anfang einer Geschichte. Die Serie klingt wirklich verdammt cool, wie man schon dieser Zusammenfassung entnehmen kann:

Mr. T was hittin’ the streets, taking up social causes, and dealing with the topics of the times, like crack babies, dinosaurs, and ninjas.

Auch cool fand ich die Links zu Videos von Mr. T am Ende des Beitrags. Zum Beispiel bringt Mr. T uns bei, daß es wichtig ist, seine Mutter mit Respekt zu behandeln: Treat your mother right. Auch schön: Das Intro zur Mister-T-Zeichentrickserie, die sogar irgendwann mal bei uns im Fernsehen lief. Ich kann mich jedenfalls erinnern, mal eine Folge davon gesehen zu haben.

Und wie so oft bei CSBG lohnt es sich auch, die Kommentare zu lesen. Denn die führen diesmal zu einem weiteren Blogeintrag über diesen brillanten Comic.

Und da fällt mir auch noch ein, daß ich letztens in der imdb zufällig diesen Eintrag gefunden habe. Wieder ein Klasse-TV-Format, daß es nicht über den großen Teich geschafft hat.

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Following up on a couple earlier pieces, I must eat crow when it comes to my assessment of Microsoft's possible collaboration with government spooks on the new Windows Vista. The NSA has now copped to making unnamed contributions to the software. The kind version is that they were helping Microsoft plug holes to make it the most secure operating system available. The more suspicious version is that the Ghost's unleashed surveillance teams - and it's not like they haven't been plenty active - now have an easy back door into every Vista machine produced. (Before any Mac users start smirking, the NSA provided the same service for your OS, so if they're spying they're already spying on you. When was the Macintosh introduced again? 1984?)

(by Steven Grant)

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Der Comics Reporter hat einen sehr interessanten Artikel von Bart Beaty über den französischen Comic-Verlag L'Association und was der Weggang Lewis Trondheims im letzten Herbst für diesen bedeuten könnte. Ebenfalls dort gibt es einen Bericht von Beaty über das Comic-Festival in Angoulême, das vermutlich wichtigste Comic-Ereignis in Europa, das ich in diesem Jahr wieder nicht besucht habe, weil ich einfach kein Französisch kann. Vielleicht findet sich ja für das nächste Jahr jemand, der diese Sprache spricht und mich dorthin begleiten will.

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Neil Gaiman hat am Freitag den sechsten Geburtstag seines Blogs gefeiert. Als Geschenk für die Leser gibt es dort ein echtes Orakel zu bestaunen.

Außerdem verlinkt Neil diese Seite, die es einem erleichtern sollte, sein Blog in Ruhe auf der Arbeit zu lesen.

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Ein Artikel des kürzlich verstorbenen Robert Anton Wilson über die möglichen gesellschaftlichen Auswirkungen der großflächigeren Nutzung von E-Prime. Faszinierend.

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Ein Blog voller lustiger Katzenfotos, auf lange Sicht stört mich hier aber die eigenwillige Einstellung zur Orthographie. Die Definition des Duden für Weblog scheint jedenfalls mehr und mehr zur self-fulfilling prophecy zu werden.

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Ein vermutlich sehr interessanter Artikel über Plagiate und Copyright des Science-Fiction-Autoren Jonathan Lethem findet sich hier und bei der Sendung Radio Open Source hat man eine ganze Sendung dem Thema gewidmet und neben Lethem auch noch einige Musiker und einen Kulturwissenschaftler eingeladen. (Ich bin noch nicht dazu gekommen, den Artikel zu lesen oder die Sendung zu hören. Wenn ich das geschafft habe und tatsächlich interessante neue Sichtweisen auf das Thema gegeben werden, werde ich vermutlich noch mal ein paar Zeilen dazu schreiben.)

(via Boing Boing)

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Bis jetzt haben sich, abgesehen von mir, erst drei Leute für das PII VII am 18. Februar angemeldet. Es sind also noch reichlich Plätze frei. Anmeldungen bitte als Kommentare in den entsprechenden Beitrag, damit alle, die sich dafür interessieren, den Überblick behalten können.

Posted by kreetrapper at 12:56 in It's my life | Comments (9)

03.02.07

Versprengte (politische) Gedanken

Passend zur nun doch noch beschlossenen Gesundheitsreform weiß Mark Evanier Erschreckendes über den Zustand des amerikanischen Gesundheitssystems zu berichten. Also mir macht das Angst. Hier in Europa sind wir noch lange nicht so weit, aber da ich weiß, daß man auch bei uns schon mal ein paar Stunden warten kann, bevor man im Krankenhaus aufgenommen wird, bleibt die Sorge, daß die Entwicklung auch hierzulande in diese Richtung geht. Beängstigender Gedanke.

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Steven Grant hat ein paar sehr interessante Gedanken zum Thema DRM zu bieten:

Here's something interesting: apparently there was recently a meeting of record company executives where the future of Digital Rights Management (i.e., making it as difficult as possible for consumers to copy music) was placed in doubt. Seems consumers just prefer music they can play on any device, which has slowed DRM-protected digital music sales to a crawl, and those were expected to be the salvation of the music business, since CD sales are similarly crawling. Anyway, they're now apparently discussing if it might be appropriate to abandon DRM altogether. It may, as music distribution swings increasingly away from hard copies, CD players, etc, and toward portable electronic memory devices like iPods and Zens, to abandon record companies. (Certainly their constant pressure to expose the greatest number of people to the blandest, narrowest assortment of pap - encapsulated in AMERICAN IDOL, and how appropriate was it that last year's "shocking" winner, the doughy Taylor Hicks, turned out a debut album of almost stunning banality) - and their insistence that the people will think what they want them to think are not arguments in favor of their continued existence.) The biggest problem of abandoning digital rights management is figuring out how to get musicians paid for their creations, and that's a fair question, but with very rare exceptions, it's not the musicians who get paid anyway, and record companies have made it a practice for decades of loading acts down with debt most of them can never pay off. Musicians are one thing, but does anyone really care some record company magnate somewhere doesn't get his tithe off somebody else's music?

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xkcd translated Washington’s Farewell Address into Everyday Speech

I’ve often heard that Washington’s ‘Farewell Address’ — the speech he sent out (in written form) to a bunch of papers at the end of his second term — is important. Apparently he lays down a lot of good ideas for America. But the common style of writing and vocabulary has changed since then. Maybe people have gotten dumber, too. Either way, the result is that it’s kind of a pain to read sometimes. Particularly tricky are the odd compound sentence structures, where it’s hard to keep track of what the subject is.

Having never read the whole thing, I thought it would be interesting to go through and try to transcribe it into some sort of casual modern speech.

I have never read this speech either and I have to say that Washington had some pretty interesting ideas there. And he wasn't afraid to tell them to the people. Some quotes to whet your appetite

Sup.

Elections are coming up, and it’s time to figure out who we wanna give the keys to. I figure it might clear things up if I take a sec to explain why I’m not running.

[...]

Parties are probably gonna look like they’re helping with one popular issue or another, so you’re gonna want support them, but I bet the guys in charge of them will just turn out to be power-hungry assholes who want to run everything.

To keep things going nicely, quit fighting with the government and be careful with letting folk amend the Constitution to weaken it. Just, in general, give it all time and see how it works out before being quick to judge. It’s a big country and we can’t keep everyone safe without a little centralization.

I just said that parties are no good, particularly regional ones. But lemme go a step further and say ALL parties are a bad idea.

[...]

Now, there’s the idea that the parties are important to defend freedom and put the government in its place. That might even be true sometimes; when you’ve got a real Nazi in charge, you can afford to rally behind a party, but you shouldn’t like it, and you should dump it ASAP.

[...]

Also, make very sure that you keep all your politicians in their place. There’s this tendency to let all the power shift into one office, which inevitably creates tyranny (just look at human nature and how much we love power). If you just divide up the power, and get everyone to watch everyone else, we’ve seen both in the past and right here at home that things will work out pretty well.

.......

Dieser Artikel in der Welt enthält so viele rechtspopulistische Ideologie (obwohl überraschenderweise die EU-Erweiterung positiv gesehen wird - wie paßt das zusammen?) und streut diese so leichtfertig und selbstverständlich ein, daß ich schwer an mich halten mußte, um nicht einen banneresken Wutanfall zu bekommen. Ein wenig grün geworden bin ich vermutlich trotzdem. Da ist man fast geneigt sich auf die Seite des hier angegriffenen Jürgen "Zettelkasten" Rüttgers zu schlagen - wenn man nicht genau wüßte, daß der den Linken nur spielt, um seine Kanzlerin zu ärgern. Was bezweckt er eigentlich damit? Ich muß da irgendwie an den Spruch "Was sich liebt, das neckt sich" denken. Vielleicht möchte er die Position als Kanzlergatte neu besetzen.

Posted by kreetrapper at 18:09 in When Will You Rage? | Comments (0)

27.01.07

Versprengte Gedanken

Da bin ich mal wieder. Ich will Euch gar nicht mit den Einzelheiten langweilen, warum ich in letzter Zeit schon wieder so spärlich poste, sondern fange stattdessen gleich mit der ersten Sprengung an:

Bei Wil Wheaton liest man, daß man in den USA immer weiter voranschreitet:

I read at Netscape earlier today that the Pentagon has new rules for detainee trials:

"The Pentagon has drafted a manual for upcoming detainee trials that would allow convicted terrorists to be imprisoned or put to death using hearsay evidence and coerced testimony"

Und in den Kommentaren erfährt man sogar noch Erschreckenderes: Bloggers Who Criticize Government May Face Prison

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Krasser Themenwechsel. Endlich gibt es Fernseher auch in angemessener Größe.

Der 108-Zoll-LCD-TV ist etwa 2,4 Meter breit und ca. 1,3 m hoch.

(via Steven Grant)

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Aus Anlaß des Lizenzwechsels zu Panini pimpt inzwischen sogar der Spiegel Vertigo-Comics. Und er hat natürlich recht. Serien wie Y - The Last Man oder Fables sind alles Lob wert, das man über sie verbreitet. Ebenfalls hervorragend, aber mit nicht ganz so starker Lobby ist die Serie Mit Mantel und Degen. Ich war schon lange nicht mehr dermaßen begeistert von einem neu-entdeckten Comic. Es handelt sich um eine Piratengeschichte, die mit jeder Menge Coolness und Witz daherkommt und erinnert daher natürlich sofort an Fluch der Karibik. Obendrauf haben die Autoren noch gepackt, daß einige der Protagonisten anthropomorphe Tiere sind. Die Welt wirkt ähnlich wie unsere zur großen Zeit des Piratentums, nur eben, daß sprechende, auf zwei Beinen gehende Tiere nichts Besonderes sind. Da neben einem Fuchs und einem Wolf (den beiden Helden) auch ein Hase eine wichtige Rolle spielt, gibt es so einige interessante Szenen, die sich aus den ungewöhnlichen Größenverhältnissen ergeben. Und als Bonus für mich ist der Wolf auch noch Spanier und streut immer wieder mal ein paar Brocken Spanisch ein. Sehr, sehr empfehlenswert. Mit das beste, was zur Zeit auf dem Markt ist. Bis jetzt gibt es sieben Bände, die alle auf Deutsch bei Carlsen erschienen sind. Ich habe bisher drei Bände gelesen und freue mich schon auf die nächsten vier, die alle bereits fein säuberlich auf meinem Noch-zu-lesen-Stapel liegen. Man muß sich das ja einteilen, weil es, wenn man sich den bisherigen Erscheinungsrhythmus ansieht, noch einige Jahre bis zum Erscheinen von Band 8 dauern kann.

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Ich werde mehr und mehr zum Fan der Münsterstraße. Als ich neulich abends dort mit ein paar Freunden etwas essen war, habe ich ein cooles neues Getränk entdeckt: Cockta. Es ist aufregend neu, schmeckt nicht übel und kommt aus Slowenien. Groovy!

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Der Trailer für den zweiten Fantastic-Four-Film, Rise of the Silver Surfer, sieht recht schick aus, trägt aber nicht dazu bei, meine Befürchtungen zu dämpfen, daß auch diese Fortsetzung ähnlich lieblos wie der erste Teil sein wird. Ich hoffe, ich werde eines Besseren belehrt.

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Gerade stolperte ich beim Surfen über diese Phrase: "nature abhors a vacuum". Und auch wenn ich die schon oft las, mußte ich diesmal doch stutzen. Physikalisch gesehen ergibt diese Phrase doch überhaupt keinen Sinn. Warum sollte die Natur das Vakuum verabscheuen, wenn sie doch zum allergrößten Teil daraus besteht? Vielleicht weiß ja einer meiner Leser, woher diese Redewendung kommt und kann den scheinbaren Widerspruch aufklären.

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Ich stolperte über die erwähnte Redewendung übrigens beim Lesen dieses Beitrags in John Scalzis Blog, eine Rezension des Buchs The God Delusion. Sicher recht interessant für all diejenigen Leser, die sich im letzten Sommer in diesem Blog so engagiert über Religiösität ausgetauscht haben. Ich fand es schön, daß ich nun über das unsichtbare rosafarbene Einhorn Bescheid weiß. Wie ein Kommentierender so schön sagt: The Whatever: Come for the Bacon on a Cat. Stay for Threads like This.

Zum Reinschnuppern in The Whatever lohnt sich das Best of 2006-Posting, durch das ich mich auch selbst gerade durchwühle.

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Außerdem: Auch wenn es mich normalerweise nicht sonderlich kümmert und ich schon bei dem Vor-Spiel-Krempel so gelangweilt war, daß ich den Fernseher ausschaltete, freue ich mich doch - und bin zudem sehr überrascht, daß der gute alte BVB heute tatsächlich die Bayern geschlagen hat. Ole, Ole, Ole, Oleee.

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Bonus Video: It was the Sixties. Everybody did drugs. Yes, everybody.

Posted by kreetrapper at 01:53 in When Will You Rage? | Comments (0)

21.01.07

Liberty and Justice for Most

Auf das, was Murat Kurnaz dem Untersuchungsausschuß über seine Zeit in Guantanamo erzählt, gibt es eigentlich nur eine akzeptable Reaktion. Bestürzung ist das nicht, so verständlich diese auch ist. Denn das ist viel zu wenig! Wenn man seiner Schilderung Glauben schenkt, sollte man ernsthaft überlegen, ob man zu einem Land, das die Menschenrechte derart mit Füßen tritt (ich meine die Vereinigten Staaten, aber inzwischen bin ich mir gar nicht mehr so sicher, ob hiermit nicht auch Deutschland gemeint sein könnte - die vorige Regierung scheint sich diesbezüglich nicht gerade mit Ruhm bekleckert zu haben), nicht besser alle diplomatischen Beziehungen abbrechen sollte. Das Mindeste ist jedoch, daß man sich selbst ein Bild über die Situation macht, indem man ein paar neutrale Beobachter in dieses Gefangenenlager schickt. Idealerweise unter Führung der UN. Da das betroffene Land aber selbst ein Vetorecht hat, bleibt das wohl eine unmögliche Alternative. Daher müssen sich alle Länder, die sich tatsächlich zur bedingungslosen Einhaltung der Menschenrechte bekennen, jetzt endlich aktiv dafür einsetzen, daß die USA auf ihrem Weg zur stalinistischen Diktatur aufgehalten wird. Nur ab und an böse den Zeigefinger zu erheben reicht hier einfach nicht aus. Jetzt ist es Zeit zu handeln. Ich hoffe, daß die Bundesregierung neben dem Aufräumen im eigenen Hinterhof auch die außenpolitische Dimension nicht aus den Augen verliert. Und auch auf der innenpolitischen Seite läßt mich der Zeitplan in Besorgnis ausbrechen. Bis der Außenminister im März aussagt, werden neue Themen die Medien beherrschen und womöglich werden die Verantwortlichen auf deutscher Seite (die Anklage sollte doch mindestens auf Mithilfe zur Freiheitsberaubung lauten) gar nicht zur Verantwortung gezogen. Was sagt es denn über die Prioritäten aus, wenn Politiker sich wegen jeder noch so lächerlichen Affäre aus ihren Ämtern verabschieden, aber wenn es um tatsächliche Verbrechen geht, passiert erst einmal gar nichts? Man bedenke nur einmal, daß die USA einen Präsidenten aus dem Amt jagen wollten, nur weil er Sex hatte. Einen Präsidenten, der Kriegsverbrechen begeht und die Demokratie nach und nach weiter aushöhlt, läßt man hingegen unbehelligt. Ich kann mich nur Bettina Gaus' Schlußworten, im oben verlinkten taz-Artikel anschließen:

Mit welchen Argumenten könnte man Murat Kurnaz derzeit überzeugend die Überlegenheit des westlichen Systems erklären? Freiwillige vor.

Posted by kreetrapper at 23:31 in When Will You Rage? | Comments (0)

17.01.07

Versprengte Gedanken - New Edition

.....new record?.....

Als ich heute Brot einkaufte, sah ich im Einkaufskorb der Frau, die vor mir an der Kasse stand, buntgefärbte Eier.

.....new technology.....

Ich bin auch nicht mehr auf dem Laufenden, was die neuesten technischen Spielereien angeht. Immerhin habe ich relativ zeitnah erfahren, daß es jetzt das iPhone gibt. Es ist wie alles, was Apple macht, sehr durchdacht, wunderschön, aber leider auch ziemlich teuer. Brent Sienna sagt in PvP (was denkt Ihr denn, wie ich davon erfahren habe?) folgendes:

Jesus has come back and He's a phone now.

Aber wieso erfahre ich eigentlich erst durch die neueste Permanent-Damage-Kolumne von Steven Grant von SanDisks V-Mate? Einem Videorekorder für die Westentasche (aber wer trägt heutzutage eigentlich noch Westen?) "mit dem der Nutzer Videos von Quellen, wie beispielsweise Fernsehern, Kabel, Satellit, DVD-Playern, Persönlichen Videorekordern (PVRs) wie TiVo und herkömmlichen Videorekordern, direkt auf flash-Speicherkarten übertragen kann." Und das Gerät kostet nur gut 100 Euro. Klingt doch klasse.

.....New fan.....

Gestern habe ich Alle sagen I love you gesehen. Nach dem hervorragenden Match Point und dem zwar nicht außergewöhnlichen, aber immer noch sehr unterhaltsamen Scoop ist das bereits der dritte Woody-Allen-Film, der mir sehr gut gefiel und ich glaube, so langsam mutiere ich zum Fan. Falls jemand einen Woody-Allen-Film auf DVD hat, würde ich ihn mir sehr gern demnächst mal ausleihen.

.....New TV channel.....

Seit gestern (Montag) ist der unsägliche "Musik"-Sender VivaPlus endlich Geschichte. An seiner statt sendet nun eine deutsche Version von Comedy Central. So richtig überzeugend klingt das Programm allerdings auch hier nicht.

.....new weather strangeness.....


Während der Winter hierzulande nach wie vor auf sich warten läßt, gibt es dafür andernorts umso mehr davon.

In Kanada gaben die Behörden wegen der niedrigen Temperaturen Warnungen an die Bevölkerung heraus. Starker Wind verstärke noch diese Gefahr. Die extreme Kälte könne innerhalb von zehn Minuten zu Erfrierungen führen, hieß es in einer Warnung für Zentralkanada. In der Provinz Manitoba blieben wegen der Kälte zahlreiche Schulen geschlossen. Dort sowie in Saskatchewan sollte das Thermometer bis auf minus 45 Grad sinken.

Wurden im Raum Los Angeles zu Wochenbeginn noch Temperaturen von über 25 Grad Celsius gemessen, so war das Thermometer gestern in einigen Lagen unter den Gefrierpunkt gefallen. Es wurde sogar leichter Schneefall gemeldet. [...] Gouverneur Arnold Schwarzenegger ließ den Kälte-Notstand ausrufen.

.....new outrage.....

G8-Gipfel läßt 12 km langen Zaun bauen, um den Plebs draußen zu halten.

In Deutschland wächst der Sozialneid auf Menschen, die von 350 Euro im Monat leben müssen, weil diese sich offensichtlich in der "sozialen Hängematte" ausruhen, anstatt zu arbeiten. In den USA ist das anders. Hier weiß man, daß ein Mensch für ordentliche Arbeit auch ordentliches Geld bekommen muß. 250 Millionen Dollar für 5 Jahre Arbeit erscheinen da nun wirklich nicht zuviel. Die über drei Millionen Euro im Monat sind ja nicht einmal das zehntausendfache dessen, was einem hier schon ein laues Leben ermöglicht. Angesichts solcher Tatsachen würde ich mich auch hinter einer großen Mauer verschanzen.

.....new comics.....

Die Beharrlichkeit meines Comic Book Guy hat Wirkung gezeigt. Ich habe nun doch Der Tod und das Mädchen gelesen und bin begeistert. Die vorliegenden drei Bände erzählen eine in sich geschlossene Geschichte (die man in leicht kürzerer Form auch online lesen kann). Eine Fortsetzung ist im Entstehen begriffen und kann in wöchentlichen Häppchen online gelesen werden. Ich schwanke noch, ob ich auf die Druckversion warten soll oder nicht.

Hingegen ohne fremde Hilfe habe ich die Miniserie Agents of Atlas gekauft und ebenfalls heute gelesen. Es ist ein Agententhriller, dessen Hauptcharaktere sehr obskure Marvel-Charaktere aus den Fünfzigern sind. Überaus gelungen und sehr lesenswert. Es wird eine gebundene Gesamtausgabe geben, deren Kauf ich nur empfehlen kann.

Posted by kreetrapper at 02:44 in Computer und Netzkultur | Comments (1)

10.01.07

Gegen Tierversuche

Gerade habe ich zwei Online-Petitionen zum Thema Tierversuche unterzeichnet. Denn wie es dort so richtig heißt:

"Medizinischer Fortschritt ist zwar wichtig, aber Tierversuche sind der falsche Weg!"

Hier findet sich eine Petition zur Abschaffung der öffentlichen Förderung von Tierversuchen. Die Fördermittel sollen im Gegenzug alternativen Forschungsmethoden zugute kommen.

Hier findet sich eine, die die Abschaffung von Tierversuchen an Affen fordert. Ich verstehe zwar nicht so ganz, warum ausgerechnet die Affen gesondert behandelt werden sollen, aber es wäre immerhin ein Anfang.

Es wäre gut, wenn möglichst viele von Euch das unterzeichneten und es weitersagten.

Posted by kreetrapper at 00:31 in When Will You Rage? | Comments (0)

05.12.06

Die üblichen Verdächtigen

Bayern legt Pläne für Verbot von "Killerspielen" vor

Computer-"Killerspiele" könnten zumindest bei labilen Menschen die Hemmschwelle zur Gewaltanwendung herabsenken, so die Überzeugung des bayerischen Innenministers.

Bei labilen Menschen können das vermutlich auch noch ganz andere Sachen. Ich weiß, ich wiederhole mich, aber: nicht die "Killerspiele" (für mich schon jetzt Unwort des Jahres) sind dafür verantwortlich, daß Menschen plötzlich austicken. Besonders schön ist der nächste Satz, der getreu dem Motto folgt "Wenn dein einziges Werkzeug ein Hammer ist, sieht alles wie ein Nagel aus":

Dagegen müsse vorgegangen werden - am besten durch ein Verbot.

Verbieten ist immer eine tolle Sache. Vielleicht sollte man am besten auch gleich Amokläufe verbieten. Wie wir in der letzten Woche gelernt haben, ist Diebstahl ja inzwischen nicht mehr so bedingungslos verboten, wenn man bereit ist, sich zumindest von einem Teil der Beute wieder zu trennen. Das titelgebende Grundprinzip von "Grand Theft Auto" sollte also nicht unter die neue Gesetzgebung fallen.

Nach den Vorschlägen Becksteins könnten Herstellung, Vertrieb, Kauf und Nutzung menschenverachtender Computerspiele mit bis zu einem Jahr Haft bestraft werden.

Eine tolle Idee.

Zumindest einige Parteien wehren sich noch gegen diesen Wahnsinn, denn wie auch im verlinkten Artikel selbst steht:

Empirische Nachweise für diese "monokausalen und linearen Zusammenhänge" [gibt] es in der Forschung nicht

Posted by kreetrapper at 23:44 in When Will You Rage? | Comments (0)

22.11.06

Mini-Quiz

1) Was macht einen Schüler zum Amokläufer?

a) Die Tatsache, daß es immer mehr Gewalt beinhaltende Computerspiele gibt.
b) Die Tatsache, daß dank verfehlter Bildungs- (Stichwort: Hauptschule=Restschule) und Sozialpolitik (Stichwort: ALG-II) immer mehr Jugendliche keinerlei Perspektiven haben.

2) Was senkt die Tötungshemmung eines Menschen besonders stark?

a) Das Spielen von Ego-Shootern.
b) Die gesetzlich verankerte Grundausbildung bei der Bundeswehr.

3) Wie kann man zukünftige Amokläufe am ehesten verhindern?

a) Alle "Killerspiele" verbieten.
b) Lebenswertere Verhältnisse schaffen, in denen sich nicht Tausende von Menschen ausgegrenzt fühlen.

Kleiner Tip: Die richtige Antwort ist immer b). Aber die konventionellen Medien machen sich mittlerweile nicht einmal mehr die Mühe die richtigen Fragen zu stellen, sondern gehen gleich zu den Details von Antwort a) über. Da kann man nur noch vor Wut schreien und das mache ich jetzt auch.
AAAAAAAAA!

Posted by kreetrapper at 20:30 in When Will You Rage? | Comments (5)

21.11.06

Ladenschlußgesetzesschluß

Hals über Kopf hat der hiesige Landtag letzte Woche beschlossen, daß die Geschäfte jetzt auch in NRW solange öffnen können, wie sie wollen (weiterhin Ausnahme: Sonntag). Die Regelung wurde am Donnerstag beschlossen und tritt schon heute in Kraft. Mit dieser nie geahnten Geschwindigkeit hätte man beinahe noch Berlin überholt, wo die gleiche Regelung bereits seit Freitag gilt.

Die Gewerkschaften sind eindeutig gegen die neuen Verhältnisse. Ich bin, trotz links schlagendem politischen Herzen, ganz klar dafür und möchte an dieser Stelle darlegen warum. Zuerst ein paar Sätze von mir, dann gehe ich im einzelnen auf die Sorgen ein, die verdi in der oben verlinkten Pressemitteilung hegt.

Meiner Meinung nach ist das Ladenschlußgesetz nicht mehr zeitgemäß. Schaut man sich im Rest der Welt um, dann steht die Bundesrepublik mit so einem Gesetz ziemlich allein da. Und in anderen Ländern hat es ja auch keine gravierenden furchtbaren Konsequenzen nach sich gezogen, daß die Menschen ihre Geschäfte aufmachen können, wann sie wollen.

Ich sehe ein, daß die Möglichkeit besteht, daß die Kaufkraft noch mehr von kleinen Einzelgeschäften (die aus Personal- oder Kapitalmangel nicht pausenlos geöffnet sein können und für die sich das auch kaum rentieren dürfte) zu den großen Ketten abwandert (die sich das längere Öffnen dank eines großen Einzugsgebietes leisten können). Aber noch deutlich stärker als dies ohnehin schon der Fall ist, wird das durch den Fall des Ladenschlusses kaum werden. Und wenn einem der lokale Laden am Herzen liegt, hält einen ja niemand davon ab, weiterhin dort einzukaufen. Die großen Ketten haben die kleineren Geschäfe ja nicht ohne Grund in einigen Bereichen so gut wie vollständig verdrängt. Das ist so, weil die Kunden sich eben, aus welchen Gründen auch immer, dafür entschieden haben.

Außerdem hat sich diese Regelung ja sowieso schon in kleinen und kleinsten Schritten immer mehr angekündigt. Es gibt eine Reihe von verkaufsoffenen Sonntagen im Jahr und natürlich gibt es Tankstellen-Shops und Bahnhöfe, so daß man in größeren Städten sowieso schon die ganze Nacht über einkaufen konnte, wenn es denn unbedingt sein mußte.

Und dann gibt es ja auch noch das Internet. Die Neuregelung des Ladenschlusses hilft den lokalen Geschäften auch ein wenig im Kampf gegen dieses Internet. Ein Vorteil des stationären Handels gegenüber Online-Versendern wie amazon ist nämlich etwas, was ich "Instant Gratification" (also etwa "sofortige Bedürfnisbefriedigung") nenne (die anderen Vorteile und Nachteile kann man ab morgen in dieser Kolumne nachlesen). Das bedeutet, daß es den Kaufrausch eher stillt, wenn man ein neues Buch oder eine DVD oder was-weiß-ich gleich an Ort und Stelle aus dem Regal reißen und mit nach Hause nehmen kann. Ein paar Klicks bei amazon führen zwar mittelfristig zum selben Ergebnis, aber es fehlt eben einfach das Haptische und das Instantane daran. Die neuen Öffnungszeiten geben dem lokalen Einzelhandel nun die Chance zumindest ansatzweise zur 24/7-Verfügbarkeit des Internetkaufs aufzuschließen. Auch wenn man immer noch aufstehen und das Haus verlassen muß.

Für mich bedeutet die neue Regelung ein Stück mehr Freiheit und Flexibilität für den Konsumenten (also mich) und außerdem ist Deutschland dann nicht mehr das Land, in dem die Geschäfte so früh zu machen. Während der Fußball-WM haben mir die längeren Öffnungszeiten auch schon sehr gut gefallen und mit ein bißchen Glück entzerrt sich dann auch der Käuferansturm zu bestimmten Zeiten etwas mehr.

Okay, jetzt schauen wir uns mal im einzelnen die Gründe an, die für verdi gegen ein Deutschland ohne Ladenschlußgesetz sprechen.

Eine Verlängerung der Ladenöffnungszeiten führt zu weiterem Personalabbau und zur weiteren Verdrängung von Vollzeit- und sozial abgesicherter Teilzeitarbeit durch Minijobs

Dieses Argument verstehe ich genausowenig, wie das ähnliche, aber in die entgegengesetzte Richtung zielende der Wirtschaft, daß längere Arbeitszeiten zu mehr Arbeitsplätzen führen. Eher ist es doch logisch, daß längere Ladenöffnungszeiten (wenn es denn überhaupt massiv zu einer Verlängerung kommt und nicht eher zu einer Verschiebung) mehr Arbeit und damit mehr Arbeitsplätze bedeuten. [Nebenbei: Wie ich wiederholt - z.B. hier - gesagt habe, halte ich die Parole "Arbeit um jeden Preis" für nicht mehr zeitgemäß und würde die Entwicklung und breite Durchsetzung vollautomatischer Supermärkte sehr begrüßen. Der Fortschritt sollte doch in der Lage sein, nach und nach all diese lästigen Arbeiten, an denen niemand Freude hat, obsolet werden zu lassen.] Wenn die Zahl der Arbeitsplätze trotz einem Mehr an Arbeit sinkt, oder es stattdessen mehr Teilzeitarbeit gibt, dann hat das nichts mit der Gesetzgebung zu tun, sondern liegt daran, daß sich die Arbeitnehmer (und in der Verlängerung auch die Betriebsräte und Gewerkschaften) zu viel gefallen lassen. Gerade als Verkäufer braucht man nun wirklich keine Angst davor zu haben, daß der Job ins böse nicht-mehr-so-ganz-kommunistische Ausland verlagert wird. Solange die Arbeitnehmer sich also nicht gegeneinander ausspielen lassen, wird diese Horrorvision nicht eintreten. Und wenn sie das doch zulassen, kann sie kein Ladenschlußgesetz davor schützen.

Eine Verlängerung der Ladenöffnungszeiten verstärkt den Trend zur Tarifflucht und führt zu noch mehr Lohndumping

Ähnlich falsch platziertes Argument wie oben. Zudem ist man ja nicht gezwungen länger zu öffnen.

Eine Verlängerung der Ladenöffnungszeiten befördert die Ausdünnung der wohnortnahen Versorgungsmöglichkeiten und die „Uniformierung“ des Einzelhandels

Wie ich oben schon schrieb. Das kann passieren, aber wenn es passiert, dann liegt das offenbar im Interesse der Verbraucher. Denn in deren Macht liegt es ja die "wohnortnahen Versorgungsmöglichkeiten" zu fördern. "Vote with your money."

Eine Verlängerung der Ladenöffnungszeiten verschärft den Verdrängungswettbewerb im Handel und vernichtet kleine und mittelständische Betriebe

Auch das sehe ich bereits im vollen Gange und glaube kaum, daß die neuen Ladenöffnungszeiten diesen Trend deutlich wahrnehmbar verstärken.

Eine Verlängerung der Ladenöffnungszeiten ist familienfeindlich und beeinträchtigt insbesondere die im Einzelhandel beschäftigten Frauen

Das träfe zu, wenn die Verlängerung der Öffnungszeiten mit einer Verlängerung der Arbeitszeiten einherginge. Das zu verhindern liegt in den Händen der Gewerkschaften und sonstigen Arbeitnehmervertretern. Es gibt bestimmt genügend Arbeitnehmer ohne Familie (davon soll es ja sowieso immer mehr geben), die problemlos die späteren Schichten übernehmen können. Und wenn es davon doch nicht so viele gibt, dann muß man eben etwas mehr dafür bezahlen. Warum soll es den Beschäftigten im Einzelhandel denn anders gehen als denen im öffentlichen Nahverkehr, in der Produktion oder in vielen anderen Arbeitsbereichen? Überall gibt es Schichtarbeit, warum nicht im Einzelhandel? Weniger attraktive Arbeitszeiten müssen natürlich besser entlohnt werden, aber das ist ja in den meisten Tarifverträgen so vorgesehen und sollte daher kein Problem darstellen.

Eine Verlängerung der Ladenöffnungszeiten verschärft die Sicherheitsprobleme für die Einzelhandelsbeschäftigten

Das verstehe ich nicht. Weil man nachts eher überfallen werden kann als tagsüber? Das sollte doch ein lösbares Problem darstellen und die meisten Geschäfte werden doch sowieso nicht die ganzen erlaubten 24 Stunden geöffnet haben. Das wird sich in den allerwenigsten Fällen rechnen.

Eine Verlängerung der Ladenöffnungszeiten ist gesundheitsschädlich und erschwert die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben und das ehrenamtliche Engagement

Gesundheitsschädlich? Wieso das denn? Ich bin zum Beispiel ein Nachtmensch und für mich ist es vermutlich gesundheitsschädlicher gegen meine Natur jeden Tag um 6 Uhr aufstehen zu müssen. Und wenn ich zu einer Zeit arbeite, zu der sowieso nicht viel sonst los ist, habe ich doch den ganzen Tag über umso mehr Zeit um am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen und mich ehrenamtlich zu engagieren. Ob ich meine Volleyballmannschaft nun abends um sechs trainiere, nachdem ich von der Arbeit gekommen bin, oder bevor ich zur Arbeit gehe, macht doch keinen großen Unterschied.

Eine Verlängerung der Ladenöffnungszeiten beeinträchtigt die Sonntags- und Zeitkultur in unserer Gesellschaft

So ein Quatsch! Außerdem ist Kultur ja nichts Feststehendes, das immer gleich bleibt. Und überhaupt: So ein Quatsch!

Eine Verlängerung der Ladenöffnungszeiten widerspricht auch den Verbraucherinteressen

Das ist ja wohl das Hanebüchenste überhaupt. Meinen Interessen widerspricht das überhaupt nicht. Im Gegenteil. Und selbst wenn ich damit eine krasse Minderheit bilde, dann ist das ja wohl spätestens der Punkt, an dem Selbstregulation greift. Wenn niemand länger geöffnete Geschäfte will, dann wird es auch keine geben, weil sich der ganze Spaß dann nicht rechnet. Es ist ja keine gesetzliche Vorschrift in Kraft getreten, daß alle Geschäfte pausenlos geöffnet haben müssen. Unglaublich!

Eine Verlängerung der Ladenöffnungszeiten ist ökologisch schädlich und gefährdet eine nachhaltige Wirtschaftsentwicklung

Das sehe ich auch nur bedingt. Klar verbrauchen die länger geöffneten Geschäfte auch mehr Strom und haben höhere Heizkosten und sowas, aber das halte ich für einen vernachlässigbaren Effekt. Vor allem, da es sicherlich nur wenige Geschäfte tatsächlich betreffen wird.


Also: Ich sehe die Freigabe der Ladenöffnungszeiten als Chance, nicht als Bedrohung. Einige Probleme, die sowieso schon bestehen (Lohndumping, Oligopolisierung) könnten theoretisch dadurch verschärft werden, wenn die Arbeitnehmer und die Kunden da mitspielen. Aber der Effekt der neuen Regelung auf dieses Phänomen ist in seinem Umfang vermutlich vernachlässigbar und das Phänomen selbst wohl leider sowieso nicht mehr so ohne weiteres aufzuhalten. Ich bin gespannt, inwieweit sich die Einzelhandelslandschaft hier in Dortmund ab heute verändern wird.

Posted by kreetrapper at 20:37 in When Will You Rage? | Comments (0)

20.11.06

It's days like these I am so happy to live in Europe

At a library computer lab, UCLA cops demand that student Mostafa Tabatabainejad show his ID. He doesn’t have it with him, and he begins to leave. Before he can do so, he’s seized and shot repeatedly with a Taser
(Making Light)


I had stopped in to watch the news and they played the students' cell-phone videos of this incident. It was extremely stomach turning. My fourteen year old son kept saying "How can they get away with that?" (You can clearly see that they were torturing the man far beyond his ability to stand or even speak, and he just kept screaming as concerned students tried to demand the officers' badge numbers) and my spouse answered "They can get away with it because torture is now legal under the present government."

(comment von Sherwood im selben Beitrag)

Posted by kreetrapper at 19:33 in When Will You Rage? | Comments (0)

10.11.06

Es ist entschieden

Wie die Tagesschau berichtet haben die Demokraten auch den umstrittenen Senatssitz in Virginia gewonnen und damit eine Mehrheit in beiden Häusern des Kongresses. Dazu ist auch noch Rumsfeld weg vom Fenster. Da könnte man fast schon wieder ein wenig Hoffnung für den Erhalt der Demokratie in Übersee schöpfen.

Posted by kreetrapper at 01:19 in When Will You Rage? | Comments (0)

04.11.06

Die Bahn - Drohung oder Bedrohung?

Seit einiger Zeit hängen mal wieder Plakate der Deutschen Bahn in Dortmund herum. Was steht drauf?

Nach Frankfurt.

Nur 2 3/4 Stunden.

Nur 37 Euro.

Und ich muß sagen, um mit den unsterblichen Worten von Herrn Fischer zu sprechen "I'm not convinced". Das, was hier als Superangebot angepriesen wird, ist schon fast eine Unverschämtheit. Mit dem Auto sind sowohl die Zeit als auch der Preis für eine Fahrt nach Frankfurt locker zu halten, letzterer bei den momentanen Benzinpreisen sogar zu unterbieten. Und man muß nicht einmal eine Bahncard haben, um mit dem Auto für deutlich weniger als 37 Euro nach Frankfurt zu fahren. Das Superangebot der Bahn gilt natürlich nur mit Bahncard. Ich kann nicht glauben, daß es tatsächlich Menschen gibt, die bereit sind, mehr Geld für eine solche Reise zu bezahlen, nur um dann unkomfortabler zu reisen und zudem immer in der Angst leben zu müssen, daß man deutlich später ankommen wird als geplant. Im Herbst wegen des unerwartet fallenden Laubes womöglich gar nicht. Ganz ehrlich, die Bahn kann von Glück reden, daß sie beim öffentlichen Fernverkehr ein Monopol hat, und daß zumindest die Menschen, die kein Auto haben, keine andere Wahl haben. Denn gegen den vielgescholtenen Individualverkehr sieht sie in allen Belangen blaß aus (mal abgesehen vom Umweltschutz, das muß ich zugeben). Die Bahn ist unzuverlässiger, unpünktlicher, unbequemer und auch noch teurer verglichen mit der Fahrt im eigenen PKW. Wenn sie sich als echte Alternative präsentieren will, sollte sie sich wenigstens einen dieser Punkte heraussuchen und alles daran setzen, das Auto dort deutlich abzuhängen. Die Umwelt wird es ihr danken. Und die zukünftigen Aktionäre vermutlich auch.

Posted by kreetrapper at 01:15 in When Will You Rage? | Comments (7)

03.11.06

Ein guter Grund in Deutschland zu leben

Britons are the most spied on in Europe

Britain has emerged as surveillance society number one, while Germany is the only EU country offering significant privacy protection, according to a study by civil liberties group Privacy International.

...

The average Briton is captured about 300 times a day on film.

...

Britain ranks as the worst western democracy at protecting individual privacy, at the level of Russia, China, Malaysia and Singapore.

Posted by kreetrapper at 12:40 in When Will You Rage? | Comments (1)

13.10.06

angry political post

Ich habe es angekündigt. Hier ist es.

Weil ich ja (aus Prinzip? Aus Faulheit? Aus Zeitmangel?) keine Tageszeitung lese, mußte ich aus der Blogosphäre (Freu Dich, Silvio. Du bist jetzt Teil der Blogosphäre) erfahren, daß man es in der Regierung zwar für unethisch hält, daß die Öffentlichkeit etwas über die Nebeneinkünfte von Politikern erfährt, aber zumindest manche dieser Politiker kein Problem damit haben, die Schuld an den hohen Arbeitslosenzahlen mit aller Gewalt dahin zu schieben, wo sie hingehört: auf die Arbeitslosen. Denn, klar, es liegt natürlich an der Faulheit der Arbeitslosen, daß es momentan nicht annähernd so viele freie Stellen wie Arbeitslose gibt. Genauso liegt es ja an den Rentnern, daß das Geld in der Rentenkasse vorne und hinten nicht reicht. Die müssen gefälligst früher sterben. Notfalls zettelt man eben wieder einen Weltkrieg an. Danach gab es ja auch letztes Mal genug Arbeit für alle. Zumindest für die, die noch übrig geblieben waren.

Aber, und das ist vermutlich das Bitterste daran, das sind ja alles noch kleine Fische. Wenn ich mich so richtig aufregen und an der Menschheit verzweifeln will, gehe ich ins Blog von artbroken. Einige der Posts der letzten Tage:

Irony Officially Dead: Some Fucking Imbecile Calls for Fahrenheit 451 To Be Banned

A book about banning books is under fire. A Montgomery County family wants the classic novel "Fahrenheit 451" pulled from the high school reading list.

..."Fahrenheit 451" was first published 53 years ago. It's said to be named for the temperature at which paper burns. In this world no free thought was allowed and books were destroyed by fire.

..."With God's name in vain being in there, that's the number one reason," said Diana's father Alton Verm. "There's no reason for it being read."

In the complaint filed against the school by Alton Verm, he listed each objected item line by line, complete with individual page numbers. Besides bad language and violence, Verm lists "downgrading Christians" and "talking about our firemen" as reasons the book should be banned.


Howard names his three towering heroes

Prime Minister John Howard has named Ronald Reagan, Margaret Thatcher and Pope John Paul II as the "three towering figures" of the late 20th century.

He said their moral clarity "punctured the nonsense" of left-wing apologists for communist dictatorships.

...nothing like a little light reading first thing in the morning to leave you vomiting blood until lunchtime.

If you ever need evidence that Howard is The Fucking Enemy of Everything Good in This World, you never need to look further than his words.


Und natürlich: The death of the American Dream

As you would expect, I'm sickened and disgusted by the US Senate's decision to legalize torture and give the President - let's face it, Bush - the right to simply label someone as an 'enemy combatant' as they see fit. To, in effect and purpose, crumple their Constitution into a ball of paper and throw it out the window onto the heaped bodies of Abu Ghraib detainees.

...basic humanity cries out 'no'. This goes beyond provincial "thank fuck I don't live in America", or the fear of it influencing Australian policy, or the almost certainty of how badly this will affect the rest of the world.

This is simply wrong. This is an affront to everything humanity has worked towards for centuries, millennia; this is the refutation of ethics, morality and civilization in favour of not even an ideology, but a creed of expedience and deliberate blindness.

...and what dominates Melbourne's mass media and public mindset today? The AFL Grand Final.

...This is a black time. For you, for me, for America, for the human race. And the worst thing is that most people won't even notice it.


Das schlägt erwartungsgemäß besonders hohe Wellen. Es geschieht schließlich nicht alle Tage, daß das "Land of the free" alle seine Grundsätze über Bord wirft.

Steven Grant kommentiert das ganze gewohnt sarkastisch in seiner Kolumne Permanent Damage:

The passage of the Military Commissions Act has sent a number of commentators into hysteria about the dawn of dictatorship in America. Which is a bit ridiculous. Despite making it unnecessary for the government to bring an arrested person before a judge (as long as they've been labeled a terrorist, but since the arrests can be kept secret, the label can be kept secret as well), despite the destruction of due process under those circumstances, despite authorizing the use of "extreme interrogation techniques," despite remanding all such accused to the suspect mercy of military courts rather than civilian courts and essentially criminalizing any attempts to interfere with the process via the latter courts, and leaving it up to the discretion of the president to decide who falls under what jurisdisction, the act does not herald the dawn of dictatorship in America. Powers is as powers does. The current president only becomes a dictator if he uses his newly graced powers to behave as a dictator. So far that hasn't happened.

Of course, it hasn't even been a week yet.

Und unser aller Lieblingsblogger Wil Wheaton kann es kaum fassen, wie sich die Welt innerhalb weniger Tage in eine Bizarroversion zu wandeln scheint:

Online Poker is now Unamerican, Torture isn't anymore.

Hierzulande sind wir noch nicht so weit. Die Betonung, so fürchte ich, muß aber auf "noch" liegen. Man muß sich nur mal anschauen, wie es z.B. die Welt kommentiert, daß nach wie vor alle Flugdaten von Transatlantikpassagieren direkt in die Hände von Heimatschutzministerium, FBI und CIA wandern:

Dieses Abkommen ist nur ein Anfang. Auf die Fluggäste werden weitere Veränderungen zukommen: Sie werden intensiver und länger kontrolliert werden. Sie werden auch immer stärker durchleuchtet werden. Die Datenschützer sollten sich dabei mehr zurückhalten. Sicherheit ist wichtiger als Datenschutz.

"Wehret den Anfängen!" möchte man da schreien. Hoffentlich ist es noch nicht zu spät.

Posted by kreetrapper at 00:34 in When Will You Rage? | Comments (4)

20.09.06

Pelzfarmen sollte man verbieten ...

Aus meinem veganen Umfeld hat mich der Link zu dieser Protestaktion erreicht.

Momentan wird offenbar gerade mal wieder im Bundestag über ein Gesetz debattiert, das die Pelztierhaltung zumindest etwas tierfreundlicher machen soll. Genaueres steht hier. Und auf eben dieser Seite kann man sich auch aktiv am Protest beteiligen. Ich hatte kurz überlegt an die paar Leute, die ich so kenne, direkt eine der dort angebotenen E-Cards zu schicken. Aber die sind einfach zu häßlich, und daher mache ich es eben über's Blog. So stolpert vielleicht auch noch jemand darüber, den ich nicht kenne, und das wäre ja auch nicht das Schlechteste.

Posted by kreetrapper at 23:25 in When Will You Rage? | Comments (15)

10.09.06

What a bright future we live in

You're either with us...or you're with the Moslems...er...ah...I mean the "terrorists".
(Dawud Wharnsby, Welcome To The I.C.E.)

Wie Steven Grant in seiner Kolumne berichtet will die Regierung der USA jetzt endlich den letzten notwendigen Schritt gehen und bei den Genfer Konventionen nicht mehr mitspielen. Offenbar ist für einige Regierungsmitglieder die Chance wegen Kriegsverbrechen angeklagt zu werden einfach zu hoch, um ein unnötiges Risiko einzugehen.

Währenddessen hält uns artbroken über den Stand der Dinge in Australien auf dem Laufenden. Dort reicht es jetzt aus als Terrorist verdächtigt zu werden um schwere Beeinträchtigungen seiner Freiheit hinnehmen zu müssen.

Als heutigen Kulturtip gibt es das oben zitierte Lied von Dawud Wharnsby: "Welcome To The I.C.E."

Hier steht der Text und hier kann man sich das Lied herunterladen (relativ versteckt unter dem Text auf "download audio" klicken).

Posted by kreetrapper at 15:27 in When Will You Rage? | Comments (27)

27.07.06

It's everywhere

Während die Augen der freien Welt immer noch vorwiegend auf den eklatanten Auswüchsen des Patriot-Act in den USA liegen - und momentan auch mal wieder im Nahen Osten, wo man sich Mühe gibt, einen weiteren Weltkrieg vom Zaun zu brechen - ist man in Australien inzwischen schon relativ unbemerkt von hiesigen Medien beim Verbieten unbequemer Bücher angekommen (artbroken berichtet). Die Welt als Ganzes scheint sich langsam immer mehr Richtung Abgrund zu bewegen. Beängstigend, muß ich sagen. Umso mehr muß man die Menschen darauf aufmerksam machen. Man kann den Absturz nur verhindern, wenn man gut informiert ist. Als kleiner Blogger bemühe ich mich mit Postings wie diesem, meinen bescheidenen Beitrag dazu zu leisten.

Posted by kreetrapper at 23:57 in When Will You Rage? | Comments (0)

16.07.06

The joke's on me (probably)

More Palestinian Jokes courtesy of artbroken.

Selbstreflexion: Das ist eine dieser Gelegenheiten, wenn ich etwas im Web gefunden habe, von dem ich nicht abschätzen kann, ob es lustig/treffend genug ist, um überhaupt jemanden zu interessieren. Selbst bei mir bin ich mir dahingehend unsicher. Da ich aber immer noch den Drang habe, den Link an irgendwen zu mailen, aber auch nicht so genau weiß, an wen, poste ich es doch hierhin. Meine Unsicherheit zeigt sich in der Tatsache, daß es nur ein Link ist und nicht das Bild selbst. Um das zu sehen, müßt Ihr dem Link folgen.

Ich würde, übrigens, auch die ursprüngliche Quelle angeben, aber artbroken macht sich eine solche Mühe nicht und daher kenne ich diese nicht.

Posted by kreetrapper at 02:18 in When Will You Rage? | Comments (5)

unendlich

Zwei Dinge sind unendlich: Das Universum und die menschliche Dummheit. Aber beim Universum bin ich mir nicht ganz sicher."
(Albert Einstein)

Immer wenn man denkt, man hat das Ausmaß der menschlichen Dummheit erfaßt, und gerade beginnt, sich damit abzufinden, erinnert die Realität einen daran, daß es immer noch eine Steigerung gibt.

Von allen EU-Bürgern wissen die Menschen in Ostdeutschland am wenigsten über die Europäische Union. Selbst die Menschen in den neuen Mitgliedsländern sind besser informiert.
...
Die Ost-Erweiterung haben 48 Prozent der Ostdeutschen der Umfrage zufolge verschlafen. Sie glauben, die EU hätte nach wie vor nur 15 Mitgliedstaaten. In Westdeutschland meinen das 38 Prozent.

Posted by kreetrapper at 01:05 in When Will You Rage? | Comments (0)

14.07.06

Fruity Oaty Bars

Ich sah gerade The Fast and the Furious: Tokyo Drift (ja, wegen der Autos und der Frauen ;-) und wurde wieder mal in meiner Meinung bestärkt, daß ich wirklich kein bißchen japanische Kultur in meinem Leben brauche. Man lese dazu auch meinen morgigen Wurf.

Rasende Rezi: Wer in diesen Film geht, hat ganz bestimmte Vorstellungen und Erwartungen. Und die werden alle erfüllt. Beängstigend fand ich allerdings eines. Das Kino war bis zum letzten Platz gefüllt. Und zu einem überwältigenden Anteil von Leuten, die auch gut als Komparsen in den Film gepaßt hätten. Interessant wäre vermutlich danach ein Besuch am Ostwall gewesen.

.......

Erschreckend (und wenn man nicht bereits völlig dem Zynismus verfallen ist auch noch enttäuschend) ist, daß das ZDF dem Rücktritt Klinsmanns tatsächlich zwei Sondersendungen widmet. Und das an einem Tag, an dem Israel die Lust auf einen Angriffskrieg nicht länger unterdrücken kann. Ich weiß, daß es so einfach nicht ist, aber die israelische Regierung hat mit dieser Strategie kein Maß bewiesen. Fast denkt man, da sei Herr Bush persönlich am Werk. Währenddessen gefällt sich die Achse des Bösen dabei ihre beste Asterix-Nummer in der Hansestadt Stralsund aufzuführen. Reagieren kann man dann ja immer noch irgendwann einmal. Naja, Hauptsache die Frage nach dem Bundestrainer ist geklärt. Bis zur EM sind es auch nur noch zwei kurze Jahre.

.......

Die Hitze und meine angeschlagene Psyche wirken sich negativ auf mein Schlafverhalten aus. In den letzten beiden Tagen ging es zwar einigermaßen, aber in der Regel bin ich zur Zeit insbesondere nachmittags müde und insbesondere nachts/morgens nicht so richtig müde. Das mag den nicht mehr gar so regelmäßigen Update-Rhythmus erklären, entschuldigen soll es ihn gar nicht.

.......

I love online video storage.

Posted by kreetrapper at 02:05 in When Will You Rage? | Comments (0)

06.07.06

wir sind Frankreich?

Ich bin zwar kein Student mehr, aber auch ich habe mitbekommen, daß jetzt endlich Studiengebühren eingeführt werden sollen. Bisher war der Protest der Studenten gegen diese schlechte Idee eher verhalten gewesen, aber jetzt scheinen zumindest die Studenten in Frankfurt schon mal ernst zu machen.

Hier kann man nachlesen, daß man sehr viel mehr Spotlight-Time bekommt, wenn man nicht einfach vorm Landtag auf und ab läuft, sondern zum Beispiel einfach mal eine Autobahn sperrt. Zum Glück war die Polizei, dein Freund und Helfer, rechtzeitig zur Stelle und hat erst mal ein paar hundert der Demonstranten festgenommen. Früher hätte ich Aussagen wie diese vermutlich geglaubt:

Als die Polizei die Blockade räumen wollte, sei es zu Tätlichkeiten gekommen, sagte eine Sprecherin der Polizei. Die Polizisten seien geschlagen, getreten und mit Leuchtspurmunition beschossen worden. Die Blockade sei dann unter Einsatz von Schlagstöcken aufgelöst worden. Angaben über verletzte Demonstranten lägen nicht vor.

Aber aus eigener schmerzlicher Erfahrung weiß ich, daß man sich besser sehr genau ansieht, aus welcher Quelle so etwas kommt.

sagte eine Sprecherin der Polizei.

Und man weiß ja, daß man Aussagen von direkt an Kontroversen Beteiligten grundsätzlich erst einmal skeptisch gegenüber stehen sollte. Oder habt Ihr schon mal einen Fußballspieler sagen hören "Ja, sicher, das war eine Schwalbe, was ich da gemacht habe"? Und genausowenig wird man die Polizei sagen hören "Ach je, wir hatten halt die Schnauze voll und haben dann eben einfach ein paar von den Studis einkassiert. Und so'n kleiner Hieb mit dem Schlagstock hat noch keinem geschadet. Mein Vater hat mich auch immer verprügelt und aus mir ist trotzdem was Ordentliches geworden."

Posted by kreetrapper at 23:31 in When Will You Rage? | Comments (0)

03.07.06

I don't like it here

You're lucky I didn't blog yesterday because since Werther we all know how these kind of postings (or letters) tend to turn out. But since then I was able to put my mask of righteous fury back on - and, as always, there are more targets for this than you can shake a stick at.

Be it the Australian Government slowly eroding democracy or the German government slowly eroding our system of social welfare. And while governments all over the world are slowly but steadily working to abolish all the good things we have gained within the last few decades, the industry is running amok on their consumers. We have reached a state where nobody seems to be upset anymore by being called a criminal every time you enter a movie theatre, watch a DVD or simply listen to music (and this although we all know that the world needs more pirates). So now the music industry ups the ante and starts suing kids because of videos they post on YouTube. As many of the commenters on this article put it, the next logical step would be suing people who sing in their cars for copyright infringement. I see a pretty dark future ahead and unless we seriously start doing something the internet itself will become illegal soon. The next thing is probably free speech and the so-called land of the free is already leading the way on this one. I can't wait for the revolution.

-- current mood: angry like hell --

Posted by kreetrapper at 17:42 in When Will You Rage? | Comments (15)

28.06.06

Killing in the name of

bruno.jpg
Der Bär ist tot, der Bär ist tot.

Und jetzt muß sich die bayrische Regierung die Frage gefallen lassen: Mußte das sein? Erst rottet man die Bären hierzulande komplett aus und wenn sich dann nach ewigen Zeiten doch mal wieder einer in unsere Gefilde verirrt, wird er gleich zum Problembär erklärt und zum Abschuß freigegeben. Wie so oft, wenn es nicht um Menschenleben geht, sondern um das anderer Kreaturen, sieht man die Lösung immer sehr schnell im Tod desjenigen, der die Probleme verursacht. Man betrachte die folgenden Beispielszenarien:

a) Es stellt sich heraus, daß ein Atomkraftwerk radioaktive Strahlung abgibt, die jeden Vorbeilaufenden langsam umbringt. Die Regierung beschließt, den Reaktor stillzulegen und zu demontieren, um das Problem zu lösen.

b) Es stellt sich heraus, daß eine große Anzahl von Tieren an einer epidemischen Krankheit wie Rinderwahn, Schweinepest oder Vogelgrippe erkrankt ist. Die Ansteckung von Menschen ist zwar theoretisch möglich, aber solange man darauf achtet, was man ißt, ist die Gefahr überschaubar. Die Regierung beschließt, alle infizierten Tiere (und um sicherzugehen auch gleich noch eine ganze Reihe von Tieren, die sich noch infizieren könnten) eiskalt umzubringen (man spricht hier euphemistisch von "keulen", der Begriff "Endlösung" war leider schon vergeben), um das Problem zu lösen.

c) Es stellt sich heraus, daß der HIV-Erreger eine Reihe von Menschen befallen hat. Dieser Erreger ist nicht hochgradig ansteckend, aber wenn man sich dumm anstellt oder etwas Pech hat, kann man ebenfalls angesteckt werden und stirbt dann einen frühzeitigen Tod. Die Regierung beschließt, alle Einwohner auf das Virus zu testen und alle Infizierten zu erschießen, um das Problem zu lösen.

Mit Szenario a) haben wir vermutlich alle keine Probleme. Es gefährdet zwar die autonome Energieversorgung des Landes, aber tote Bürger können ja nicht mehr die richtige Partei wählen. Bei Szenario b) sind wir inzwischen angelangt. Die Vogelgrippe ist zwar mittlerweile aus den Schlagzeilen verschwunden, aber das liegt höchstwahrscheinlich nicht daran, daß plötzlich alle Vögel wieder gesund sind. Deshalb darf man annehmen, daß die sinnentleerten Massentötungen ebenfalls weitergehen. Schlimm ist allerdings, daß selbst viele Tierschützer dieses Vorgehen für akzeptabel halten. Ähnlich wie bei Bruno wird hier die mögliche Gefahr für den Menschen sehr viel höher gewichtet als das Leben der Tiere.

Wie falsch das ist, kann man sehen, wenn man Szenario c) in Betracht zieht. Tatsächlich kann man in Szenario c) vermutlich sogar deutlich mehr Menschenleben retten als in Szenario b). Trotzdem schlägt niemand so ein Vorgehen vor. Und genauso inakzeptabel ist das rücksichtslose Vorgehen bei Tieren eben auch. Hier wird gar nicht groß nachgedacht oder nach Alternativen gesucht, sondern man geht lieber gleich den Weg des geringsten Widerstandes. "Es sind ja nur dumme Tiere." Der Fall Bruno ist nur ein weiterer Mosaikstein in diesem Puzzle der unbedachten Grausamkeiten. Wenn der Bär tatsächlich seine Scheu vor Menschen weitgehend abgelegt hat, sollte es doch nicht so schwer sein, ihn erst einmal zu betäuben und von mir aus wieder nach Österreich oder Italien auszuweisen, von wo er gekommen ist. Nach dem Schießbefehl hat es ja auch nur wenige Stunden gedauert, ihn zu erlegen, und selbst wenn man bedenkt, daß es natürlich schwieriger ist, jemanden zu betäuben als ihn zu töten, kann es so viel mehr Aufwand ja auch nicht gewesen sein. Zur Not stellt man ihm halt eine Falle und bestreicht ein paar Schafe mit Schlafmittel. Der Tod Brunos ist jedenfalls nicht der letzte Ausweg als der er uns hingestellt wird. Die anderen Möglichkeiten wurden schlicht und einfach nicht ausgeschöpft.

-- now playing: Reinhard Mey - Die Würde des Schweins ist unantastbar --

01.06.06

Arbeitslos? Selbst schuld, meint der Staat

Langzeitarbeitslosen drohen schärfere Sanktionen las ich heute im Videotext. Und warum? Weil die Politik offenbar die Hartz-Reformen gründlich versiebt hat. Die Kosten laufen aus dem Ruder und die Arbeitslosenzahlen sinken kaum merklich. Um ersteres Problem zu lösen, kam man auf die grandiose Idee, den Leuten doch einfach weniger Geld zu zahlen. Dann stimmt die Kasse hinterher wieder. Und die nicht sinkenden Arbeitslosenzahlen liegen natürlich daran, daß die Arbeitslosen alle faule Säcke sind. Das ist ja wohl klar. So muß zumindest die vorherrschende Meinung in den zuständigen Regierungskreisen lauten, denn anders läßt sich die neu beschlossene Regelung nicht erklären.

Nach der geplanten Neuregelung soll das Arbeitslosengeld II in voller Höhe gestrichen werden, wenn ALG-II-Bezieher innerhalb eines Jahres drei Angebote für eine Arbeit oder Qualifizierung ausschlagen.

Durch diese Regelung werden die Arbeitslosenzahlen sicher in Windeseile auf Null zurückschnellen. Denn Angebote gibt es ja genug, oder?
Ich bin ja nun inzwischen schon über ein Jahr arbeitslos gemeldet. Und mir wurden ganze 0 (in Worten: Null) Angebote gemacht. Und damit bin ich sicher nicht der einzige. Vielleicht sollte man als Zusatz zum "Hartz-IV-Optimierungsgesetz" die Regelung einführen, daß die Zahlungen verdoppelt werden, wenn man weniger als drei Angebote im Jahr erhält.

Und da die beste Satire ja bekanntlich die Realsatire ist, stand unter dieser Meldung im Videotext die Meldung, daß die Commerzbank 900 Angestellte entlassen will. Aber die werden vermutlich auch selbst schuld sein.

-- now playing: Die Fantastischen Vier - Genug ist Genug --

-- noch 15 Tage Rückbildung --

Posted by kreetrapper at 00:05 in When Will You Rage? | Comments (3)

10.05.06

Schund statt Zensur - Ein Sieg der Redefreiheit

Falls es irgendwen interessieren sollte, Popetown wird ausgestrahlt werden. Das ist von einem freiheitlichen, zensurkritischen Standpunkt aus sehr begrüßenswert, wenn auch nicht unbedingt aus der Sicht von Kosumenten gesehen, die gern etwas anspruchsvolleres Fernsehprogramm hätten.

Telepolis faßt es treffend zusammen:

"Was bislang zu sehen war, dürfte als harmlos, ungefährlich und – mit Verlaub – dümmlich und überflüssig einzuschätzen sein."

Posted by kreetrapper at 21:52 in When Will You Rage? | Comments (5)

09.05.06

Birlik ve yasa ve hürriyet

Einige von Euch haben vermutlich mitbekommen, daß der überaus sympathische Vorzeige-Grüne Christian Ströbele eine türkische Version der Nationalhymne will. So titelte zum Beispiel Spiegel online. Wie so viele Meldungen ist allerdings auch diese, ohne jegliche Eigenrecherche, bei Deutschlands döfster Boulevardzeitung abgeschrieben worden. Und wie so vieles, was dort steht, ist es leider falsch. Besonders krass fand ich diesen Artikel, den man in der taz dazu fand. Dort stehen nämlich Sätze wie diese, die man in dieser Deutlichkeit nicht gewohnt ist. Richtig sind sie natürlich trotzdem.

An Ströbele ist es nun, nicht nur gegen diese neuerliche Mordhetze zu klagen, sondern auch schon vor ihrem Erfolg eine abermalige "Enteignet Springer"-Kampagne zu initiieren. Außerdem sollten die IG Medien bei Ver.di bewegt werden, endlich alle auszuschließen, die mit der Herstellung und dem Vertrieb dieser postfaschistischen Schweinepresse beschäftigt sind.

Wer sich ein Bild machen will, kann mit etwas Googeln schnell einen möglichen Text einer solchen türkischsprachigen deutschen Nationalhymne finden.

Posted by kreetrapper at 23:41 in When Will You Rage? | Comments (0)

11.04.06

Industriekultur?

Wir haben einen Gewinner, und er heißt nicht Prodi. Heute Mittag, während in Villariba noch geputzt... äh in Italien noch gezählt wurde, hat die Jury nach wenigen Wochen des Überlegens und Beratens schließlich eine Entscheidung getroffen, wer das Rennen um den Titel "Kulturhauptstadt Europas" für 2010 gemacht hat. Es ist Istanbul. Nein, Spaß beiseite, das stimmt zwar, aber interessanter ist vermutlich, welcher der deutschen Bewerber das Rennen gemacht hat. Wir erinnern uns, daß nach monatelangem Ringen nur noch zwei deutsche "Städte" übrig geblieben sind: Görlitz (zusammen mit dem polnischen Zgorzelec auf der anderen Seite des Flusses) und Essen (für das Ruhrgebiet). Warum ausgerechnet Görlitz und Essen es in die letzte Runde geschafft haben, stand zum Beispiel in der taz

Und als hätte man es geahnt, hat der Sieger sich schon vor etlichen Monaten die Domain www.kulturhauptstadt-europas.de gesichert. Es ist, leider wie ich finde, nicht Görlitz geworden, sondern das Ruhrgebiet (man sollte sich ganz schnell abgewöhnen hier "Essen" zu sagen, vor allem, weil gerade die Geballtheit der Region die Jury überzeugt zu haben scheint). Meiner Meinung nach hätte Görlitz, das seit der EU-Erweiterung vor zwei Jahren wieder anfängt mit seiner östlichen Hälfte Zgorzelec zusammenzuwachsen, ein sehr viel besseres Symbol dafür abgegeben, was der Grundgedanke von EUropa ist. Nämlich das Ausbilden einer europäischen Identität und die langsame Abschaffung des wiederwärtigen und überholten Konzeptes des Nationalstaats.

Und Zusammenwachsen ist den vielen kleineren und größeren Metropolen hier im Ruhrgebiet in den letzten Jahrzehnten nicht gerade besonders leicht gefallen. Anstatt endlich einmal ein durchdachtes Regionalkonzept auf die Beine zu stellen und zum Beispiel den intrastädtischen ÖPNV besser zu verzahnen, versuchte man sich in den letzten Jahren gegenseitig mit wahnwitzigen Großprojekten wie z.B. Konzerthäusern zu überbieten, so daß es neben dem Dortmunder Konzerthaus nun ebenfalls die Essener Philharmonie gibt. Beide vermutlich heftigst mit kommunalen Steuergeldern subventioniert. So ist die von den für die Kulturhauptstadtbewerbung Verantwortlichen vielgerühmte Dichte an Kulturstätten natürlich kein Wunder und erscheint gleich in einem ganz anderen Lichte.

Aber vielleicht ist ja der Rummel der um den Titel der Kulturhauptstadt Europas gemacht wird ja ein Anlaß für die Ruhrgebietsstädte sich endlich zusammenzuraufen und die vielbeschworene Metropolregion Ruhr oder noch besser eine Ruhrstadt zur Wirklichkeit zu machen oder dieser zumindest ein ganzes Stückchen näher zu bringen. Ein paar informative Artikel zur "Entwicklung" dieser Idee zum Selbststudium finden sich z.B. bei Do News, dem "Dortmunder Online-Magazin", das es in dieser Form vielleicht nicht mehr lange geben wird.

-- immer noch 46 Tage "Fortbildung"? --

-- now playing: Heroes del Silencio - Avalancha --

Posted by kreetrapper at 23:44 in Europhorie | Comments (0)

Um Haaresbreite: Italien doch wieder Demokratie

"Sie wollen mein Herz am rechten Fleck
doch seh ich dann nach unten weg
da schlägt es links"

(Rammstein, Links 2 3 4)

silvio.jpg Die Linke hat einen Lauf, scheint es. In Deutschland hat man ja im Herbst noch die Stimme des Volkes, das mehrheitlich links gewählt hat (wenn man die SPD denn noch als links zählen will), einfach überhört und sich vor einigen Wochen bei den Landtagswahlen noch zu der großen Zustimmung des Wahlvolkes zur großen Koalition beglückwünscht. Ungeachtet der Tatsache, daß die "Partei der Nichtwähler" den eindeutig größten Zuwachs zu verzeichnen hatte. Aber im Rest von Europa scheint das etwas besser zu laufen. Zuerst verzeichneten die Kommunalwahlen in den Niederlandenim letzten Monat einen deutlichen Trend nach links und nun scheint es konsequent so weiterzugehen. In Ungarn wird zwar in zwei Wochen noch einmal nachgewählt, aber momentan scheint sich doch abzuzeichnen, daß der jetztige sozialliberale Ministerpräsident Ferenc Gyurcsany im Amt bestätigt wird. Nicht im Amt bestätigt worden ist nach langem Hin und Her der italienische Harlekin Silvio Berlusconi. Eigentlich gefällt es mir, der ich nicht gerade ein Freund von Wahlprognosen bin, ja, daß die Meinungsforscher mit ihren Exit-Polls mal wieder so richtig daneben lagen. Aber dadurch wurde es leider wieder ein Herzschlagfinale und ich hatte schon Befürchtungen, daß die Italiener sich ähnlich dumm anstellen wie vor zwei Jahren die US-Amerikaner. Man muß sich schon ernsthaft fragen, ob die Leute dort eigentlich wirklich so dumm sind, daß sie bereitwillig ihre Demokratie und die wirtschaftliche Zukunft ihres Landes opfern, nur damit sie die Grundsteuer für ihr Eigenheim sparen. Eine traurige Welt, der ich diese Zitat von Dan O'Neill (das ich in Steven Grants Kolumne Permanent Damage aufgeschnappt habe) an den Kopf werfe:

"[V]oting is a sin, because there are a lot of people out there who believe any government is better than no government at all, and your vote only encourages them."

Jetzt kann man nur hoffen, daß die vielen Kommentatoren, die dieser hauchdünnen Mehrheit keine lange Regierungszeit voraussagen, sich irren. Irgendwo habe ich gelesen, daß die neue Regierung auf jeden Fall die komplette Amtszeit benötigen wird, um all das wieder in Ordnung zu bringen, was Berlusconi in den letzten Jahren kaputt gemacht hat. So um den Dekadenwechsel herum haben wir dann also wieder eine schöne, ordentliche Demokratie dort unten, und nicht mehr das Weißrußland der EU.

Nette Anekdote am Rande: Ich hatte diesen Beitrag gestern schon angefangen, wollte dann aber doch lieber das endgültige Ergebnis abwarten. Kurzzeitig hatte ich mit der Überschrift "Italia Bella Again" gespielt, sie dann aber wegen erwiesener Häßlichkeit verworfen. Ein Zeichen dafür, daß ich wohl zuviel taz lese, ist, daß auch "diese kleine Zeitung mit den lustigen Überschriften" (Selbstdarstellung in einem Brief, der mich zum Abonnieren überreden soll) heute die Phrase "Italien wieder bella" auf der Titelseite stehen hatte.

-- immer noch 46 Tage "Fortbildung" --

Posted by kreetrapper at 22:45 in When Will You Rage? | Comments (2)

10.04.06

Alle Macht geht vom Volke aus

Hierzulande wählen die Rentner ja immer noch die Parteien, die ihnen die Rente kürzen, wie mein vielgeschmähter Freund Gregor es immer so schön ausdrückt. Und wenn die Praktikanten, die ja immer mehr zu billigen und willigen normalen Arbeitskräften mutieren, schon mal für ihre Rechte streiken, tun sie es schön brav am Wochenende, damit es niemanden stört. Auch die Streiks der Ärzte und der öffentlichen Angestellten haben nicht so richtig Schlagzeilen gemacht, obwohl es manch einem, zum Beispiel in Stuttgart, sicherlich ganz schön gestunken hat.

Wie man so was richtig angeht, zeigen uns unsere freundlichen Nachbarn im Westen. Die faktische Abschaffung des Kündigungsschutzes für Jugendliche in den ersten zwei Jahren ihrer Anstellung (CPE) - eine Regelung, die der großen Koalition hierzulande ja eigentlich noch gar nicht weit genug ginge - hat zu geradezu revolutionären Zuständen geführt. Das Revoluzzertum liegt den Franzosen eben im Blut. Und nachdem die Schüler und Studenten wochenlang auf die Barrikaden gegangen sind und es auch den einen oder anderen Generalstreik mit landesweit mehreren Millionen Beteiligten gegeben hat, hat die Regierung jetzt endlich nachgegeben und den Vertrag in seiner jetzigen Form gekippt. Und das ist auch gut so. Was ist denn das für ein Demokratieverständnis, wenn Millionen Menschen wegen so etwas auf die Straße gehen, die Bevölkerung zu gut zwei Dritteln hinter ihnen steht und der für das Gesetz verantwortliche Premierminister es rundheraus ablehnt, mit Studenten- und Gewerkschaftsvertretern doch noch einmal darüber zu reden? Weil sowohl de Villepin als auch Chirac sich so lange haben bitten lassen, sind sie entsprechend in der Gunst der Wähler gesunken. Das ließe auf einen Machtwechsel nach links bei den kommenden Wahlen hoffen, wenn, ja wenn die nicht noch ein gutes Jahr in der Zukunft lägen. Über die neuen Verfehlungen von de Villepin hat zum Beispiel sicher manch einer vergessen, daß der Alternativkandidat der UMP für das Präsidentenamt, Nicolas Sarkozy, noch im letzten Herbst die in den Banlieues randalierenden Jugendlichen wie allen anderen "Abschaum" einfach "wegkärchern" wollte, was ihn auch nicht gerade zu einem guten Kandidaten für ein so hohes Amt macht.

Doch genug der Schwarzseherei. Freuen wir uns mit den Franzosen über den errungenen Erfolg und genießen einen Moment das Gefühl, daß die Macht doch noch beim Volk und nicht bei einigen wenigen Lobbyisten und Konzernchefs liegt.

-- now playing: The Beatles - Any Time At All --

Posted by kreetrapper at 23:23 in When Will You Rage? | Comments (0)

09.04.06

Money shot

Ganz so viel Zeit wie noch letztes Jahr habe ich ja mittlerweile nicht mehr und so lese ich auch immer weniger Blogs, denn aus mir selbst unerklärlichen Gründen tendiere ich auf der "Fortbildung", wo ich ja nun beileibe genügend Zeit zum Surfen habe, eher dazu, Nachrichten und tagesaktuelle Dinge zu lesen. Im wesentlichen beschränke ich mich dabei auf die taz, die Zeit, manchmal Spiegel online und - als überzeugter Europäer - natürlich die tägliche Europa-Presseschau von europa-digital. Am Freitag hatte die Wikipedia, die ich als Startseite in meinem Browser eingestellt habe, übrigens einen sehr interessanten Artikel des Tages, Qualia. Aber das nur am Rande.

Denn am Wochenende schaue ich schon noch in manch ein Blog hinein, wenn es denn die Zeit erlaubt. Und da ich mich heute dank nerviger Kopfschmerzen, die mich seit dem Aufwachen begleiteten, zu nichts wirklich Produktivem aufraffen konnte, war die Zeit da. Und so stieß ich auf diesen Eintrag bei languagehat, in dem er auf ein wirklich schön 50-pence-Sondermünze hinweist, die im letzten Jahr zum 250. Jahrestag von Samuel Johnsons Dictionary of the English Language herausgegeben wurde. Ich bin versucht, die Bilder einfach hier hineinzukopieren, bin mir aber der rechtlichen Situation bei Flickr nicht bewußt. Ihr müßt also hierhin oder hierhin klicken, um Euch ein Photo der Münze anzusehen. Im ersten ist sie etwas besser getroffen. Languagehat verlinkt auch gleich noch den passenden Wikipedia-Artikel. Leider sind die Server momentan down, so daß ich nicht nachsehen kann, wie interessant das, was dort zu dieser Münze steht, ist. Aber erfahrungsgemäß ist die Wikipedia ja immer sehr lesbar, also kommt der Link auch bei mir rein.

Ich finde ja sowieso, daß man bei Geldstücken die einmalige Chance hat, den Menschen etwas beizubringen, weil das ja nun wirklich etwas ist, was jeder andauernd in der Hand hat. Gegenüber den alten Zwei-Mark-Stücken, auf denen ja jede Menge Bundeskanzler und sonstige Persönlichkeiten zu sehen waren, oder gar dem guten alten Zehn-Mark-Schein, auf dem man als Statistiker schön die Formel für die Glockenkurve spicken konnte, sind die Euromünzen und -scheine oft sehr einfallslos. Auf jedes Land, das sich Mühe gibt, wie z.B. Italien, auf deren Münzen man den Vitruvianischen Menschen oder Dante Alighieri bewundern, kommen mindestens zwei, die das überhaupt nicht tun, wie z.B. die Niederlande oder Belgien, die es für eine tolle Idee halten, auf ausnahmslos jede Münze ihr albernes Staatsoberhaupt zu prägen. Das muß anders werden. Was spricht denn dagegen, dort zum Beispiel berühmte Europäer oder berühmte Bauwerke oder ähnliches abzubilden. Dann kann wenigstens in ein paar Jahren jeder Karl den Großen oder Erasmus von Rotterdam erkennen, wenn er ihm auf der Straße begegnet. Vor meinem geistigen Auge sehe ich schon ein formschönes Sammelalbum, das zu jeder Münze den passenden Wikipedia-Artikel mit abdruckt. Daher schlage ich vor, die EZB (wegen der Scheine) und die angeschlossenen nationalen Geldinstitute mit E-Mails zu bombardieren.

Posted by kreetrapper at 22:19 in Europhorie | Comments (0)

28.03.06

Was lange währt wird endlich Blut

Kaum bin ich gesundet und gehe wieder zur "Fortbildung" drohe ich wieder in denselben gefährlichen Trott zu verfallen wie ehedem. Die letzte Nacht habe ich sehr wenig geschlafen und entsprechend war ich heute so müde, daß ich mich tatsächlich nachmittags ein, zwei Stündchen hinlegen mußte - etwas, das ich nur sehr ungern tue, weil es mir in der Regel nicht besonders gut bekommt. Heute tat es das aber zum Glück doch, so daß ich lediglich einen Großteil der Zeit, die ich durch den frühen Feierabend heute gewonnen hatte, nun doch nicht effektiv nutzen konnte. Trotzdem halte ich natürlich (*ähem*) Wort und schreibe heute etwas mehr, und passenderweise auch gleich einmal nach langer Zeit wieder über die Agentur. Es hat die Form eines Blutbads angenommen und kann hier zur Gänze gelesen werden. Außerdem gibt es auch mal wieder eine neue Rezension von Stefan (die ich schon eine halbe Ewigkeit habe und jetzt endlich an die Öffentlichkeit entlasse). Hier also ein kleiner Teaser für die Kolumne:

Was bisher geschah:

Als wir unseren Helden das letzte mal sahen, hatte er einen Antrag auf Arbeitslosengeld II gestellt (Wer auch immer sich diese Bezeichnung ausgedacht hat, steht auf meiner Liste ganz oben. So viel steht fest.), eine völlig ungerechtfertigte Ablehnung desselben erhalten und prompt Widerspruch dagegen eingelegt. Das letzte, was er von der Agentur für Arbeitslosigkeit in dieser Angelegenheit gehört hatte, war ein Schreiben vom 27. Juli 2005, in dem der Eingang des Widerspruchs bestätigt wurde und er gebeten wurde, von weiteren Nachfragen abzusehen.

Und so ging es weiter...

Mitte November: Ich bin zwar gebeten worden, von weiteren Nachfragen abzusehen, aber das ist nun schon beinahe 4 Monate her und ich beschließe mich doch einmal nach dem Fortgang zu erkundigen. Nachdem bei der Agentur telefonisch natürlich niemals jemand zu erreichen ist und ich auch sowieso nicht weiß, wer für die Bearbeitung meines Widerspruchs zuständig ist (entsprechende Schreiben der Agentur sind vorsichtshalber völlig unpersönlich gehalten und der Verdacht liegt nahe, daß man dort selbst nicht weiß, wer eigentlich wofür zuatändig ist, so daß die meisten Angestellten vermutlich den ganzen Tag Däumchen drehen und darauf warten, daß ihnen jemand sagt, was sie tun sollen), habe ich nun endültig die Faxen dicke und gehe persönlich dort vorbei. Im ehemaligen Arbeitsamt hinter dem Hauptbahnhof erfahre ich, daß für Geldangelegenheiten nun das ehemalige Sozialamt in der Luisenstraße zuständig ist.

...weiterlesen

Posted by kreetrapper at 22:14 in Gemetzel | Comments (0)

26.03.06

...and a bag of chips

Wie auch an den letzten Tagen bin ich heute schon wieder so müde, daß ich am liebsten sofort ins Bett ginge. Aber ich habe mir ja vorgenommen, jeden Tag zu posten und da muß ich jetzt eben durch. Nicht sehr hilfreich ist die Tatsache, daß ich seit einigen Tagen Schwierigkeiten mit dem Einschlafen habe (gestern lag ich z.B. bis halb fünf wach). Dementsprechend bin ich jetzt aus gutem Grunde nicht völlig wach, oder wie es in Fight Club so schön heißt:

"Wenn man unter Schlaflosigkeit leidet, ist man immer wach! Aber nie richtig…"

Ich bin schon gespannt, welchen Eindruck ich morgen auf der Fortbildung mache, wenn es mir in dieser Nacht wieder so geht. Keinen guten, vermutlich. Und deshalb gibt es auch heute wieder ein nicht so durchdachtes Posting mit all den Dingen, die mir so durch den Kopf gehen. Denn um komplexe Zusammenhänge in Worte zu fassen, fühle ich mich nicht wach genug. Und ich will ja auch keinen Unsinn erzählen. Jedenfalls nicht mehr als ich das sowieso schon tue.

Gestern war ich übrigens in Bochum, um mir die Sonderausstellung im Deutschen Bergbaumuseum Das Schiff von Uluburun anzusehen. Ich fand es ganz interessant, zu sehen, wie es um den "Welthandel vor 3000 Jahren" bestellt war. (Die Welt war damals noch deutlich kleiner als heute ;-) Aber für meinen Geschmack war es etwas wenig; abgesehen von einem Nachbau des titelgebenden Schiffes, gab es nur einen Saal mit Exponaten. Entsprechend waren wir auch nach einer guten Stunde schon wieder draußen. Ich hatte mir mehr erhofft. Generell bestärkt mich aber diese Erfahrung, in meinen Bestrebungen, mir in nächster Zeit mal wieder häufiger ein Museum von innen anzusehen. Schließlich hat man als Bidlungsbürger- und ein solcher strebe ich an zu werden - praktisch die Pflicht, sich für derlei zu interessieren.

Was gibt es noch? Ach ja, heute waren mal wieder jede Menge Wahlen. Aber so spannend wie sonst war es irgendwie nicht. Sicherlich auch, weil es mich persönlich nicht betrifft, aber auch, weil in zwei Bundesländern die Sache ganz klar aussieht und die SPD sich in Sachsen-Anhalt mal wieder mit Händen und Füßen gegen Rot-Rot sträubt und lieber unter CDU-Führung sein möchte. Ganz wie im Bund. Interessehalber habe ich mir trotzdem die Berliner Runde auf Phoenix angesehen und mußte mich schon wieder darüber aufregen, wie dieser arrogante SPD-Generalsekretär über die Linkspartei redet und jegliche zukünftige Koalition mit ihr ausschließt. Vielleicht sollte die SPD sich mal lieber daran erinnern, daß sie eigentlich als Arbeiterpartei angefangen hat. Wohin es führt, wenn sich die beiden großen Parteien zu sehr aneinander angleichen, sieht man ja in den USA (wo die Demokraten nicht mit Inhalten angetreten sind, sondern mit "Unser Kandidat ist nicht Bush.") und in Australien (das, ich muß es zugeben, ich eigentlich nur aus den Ausführungen von artbroken kenne).

Posted by kreetrapper at 21:43 in It's my life | Comments (0)

My Kung Fu is better than yours

"I don't believe in a God that I need to worship
I don't believe that I need to get down on my knees
I don't believe that voice from above can help me
I only believe in what I can see and the things that I can achieve"

(Clawfinger, Two Sides)

Im Zuge meines letzten Artikels zum Thema Karikaturenstreit hat sich mal wieder eine dieser sehr seltenen Diskussionen in meinem Blog entwickelt (erst wollte ich "Zwiegespräch" sagen, doch inzwischen sind wir sogar schon zu dritt). Als eine Art Abrundung des Themas, und damit ich in diesem Eintrag, der eigentlich nur auf die sehr interessante und oftmals hitzige Diskussion hinweisen soll, nicht zu selbstreflexiv bin, verlinke ich noch mal diesen ziemlich gelungenen Artikel zum Thema aus den Internetseiten von Panel online.

Passend zum Thema lese ich übrigens gerade Wir brauchen keinen Gott von Michel Onfray, das ich bisher sehr interessant finde. Da die rasende Rezi beim momentanen Tempo derselben vermutlich noch bis zum Herbst auf sich warten läßt, dachte ich mir, ich erwähne es schon mal.

Posted by kreetrapper at 12:33 in Opium des Volkes | Comments (2)

05.03.06

...and no religion too

Weil ich so trödelig bin und so viel zu tun habe und überhaupt, ist der "Karikaturenstreit" inzwischen schon von der Vogelgrippe und dem Schneechaos aus den Schlagzeilen verdrängt worden. Auch dazu habe ich das ein oder andere zu sagen, aber dieser "My God is better than yours"-Text ist schon seit einiger Zeit so gut wie fertig und ich veröffentliche ihn besser spät als nie. Also, here goes:

Vor einiger Zeit bekam ich einen Link zu diesem Artikel geschickt und ich glaube, ich muß vielleicht doch noch einmal deutlich Stellung zum vielbeschworenen "Clash of Cultures" (nb: "Clash" ist nicht gleich "Kampf") beziehen.

In diesem Artikel wird immer wieder Hans-Peter Raddatz zitiert, der hier nur als Islam-Experte geführt wird, aber doch ziemlich deutliche, um nicht zu sagen hetzerische, Worte findet. Ein erster Hinweis, wie dieser Mann zu verorten ist, findet sich gleich am Ende des Artikels:

Die CDU Lahn-Dill hatte den Islam-Experten Hans-Peter Raddatz zu dem Vortrag im Rahmen einer Veranstaltungsreihe eingeladen. Dem Wikipedia-Artikel über Herrn Raddatz läßt sich noch einiges mehr entnehmen:

Raddatz schreibt auch für Zeitungen wie Die Welt zum Thema Islam. Im Gegensatz zu anderen Wissenschaftlern kommt Raddatz zu dem Schluss der absoluten Unvereinbarkeit der islamischen mit der westlichen Welt. So kritisierte er das Verhalten von Papst Johannes Paul II. scharf, der seiner Meinung nach eine zu indifferente Stellung zum Islam bezog. In seinen öffentlichen Äußerungen vertritt er daher z.B. eine strikte Gegnerschaft zum EU-Beitritt der Türkei. Als Protagonisten der proislamischen Elitenverschwörung im Rahmen des „Technisch-islamischen Strukturwandels“ macht er die Freimaurer aus, denen er auch Johannes Paul II. zurechnet.

Nun muß man natürlich berücksichtigen, daß die Wikipedia gerade bei derartig heißen Themen nicht unbedingt die zuverlässigste Informationsquelle ist. Und daß jemand, der öffentlich derartige Verschwörungstheorien verbreitet, tatsächlich noch von irgendjemandem ernst genommen wird, steht zu bezweifeln. Die ersten beiden zitierten Sätze wirken allerdings relativ unverdächtig und reichen eigentlich schon aus, um zu dem Schluß zu kommen, daß dieser Mann nicht gerade dazu prädestiniert ist, die aktuelle Kulturdiskussion maßgeblich zu gestalten. Jedenfalls nicht in einer wünschenswerten Richtung.

Weitere Anhaltspunkte kann man auch diesem Zeit-Artikel über Raddatz entnehmen, in dem unter anderem steht: Es ist in Raddatz’ Sprache oft von »den Muslimen« und »den Islamisten« die Rede. Zu differenzieren ist Raddatz’ große Stärke nicht.

Und das ist genau das Gefährliche an solchen Menschen. Denn Differenzieren ist gerade bei solch emotionalen Themen dringend notwendig. Sonst ist man ganz schnell bei einem "Wir gegen die"-Denken, das jegliche vernünftige Kommunikation im Keim erstickt und vor allem die Chance auf einen Kompromiß in die Nähe von Null rückt.

Und daß Pauschalisierungen eigentlich immer eine dumme Idee sind, sollte eigentlich auch jedem klar sein. Wer aus den Anschlägen in New York oder Madrid die Schlußfolgerung zieht, daß alle Moslems Terroristen sind, muß logischerweise eigentlich aus den Taten der IRA auch den Schluß ziehen, daß alle Katholiken Terroristen sind. Und das tut ja niemand.

Daß Christen zu ähnlichem religiösen Eifern fähig sind wie Moslems dürfte kein Geheimnis sein. Diese schon etwas ältere Meldung aus Großbritannien zeigt, daß auch Christen nicht sonderlich viel Wert auf in der Verfassung verankerte Grundrechte legen, wenn das Ergebnis nicht gefällt:

Complaints from religious campaigners have led to supermarkets withdrawing comedy DVDs from shelves. Meet the bloggers who are raising merry hell.
...
It started this weekend. The stores are, so far, Sainsbury's and Woolworths; the campaigners, this time, are Christian... and the name of the offending comedy?

The first DVD to be removed from supermarkets on religious grounds is Jerry Springer: The Opera, a comedy musical that's memorable as much for its tendency to infuriate moralists as it is for its big bag of awards.

Wie man sieht, ist es fatal, in diese Diskussion - die dringend geführt werden muß - mit zu engstirnigen Meinungen und Ansichten hineinzugehen. Wie ich schon in meinem letzten Text zu diesem Thema geschrieben habe, ist es im wesentlichen nur wichtig, daß die Leute sich an die im Gesetz festgeschriebenen Spielregeln halten, damit sie in unserer Gesellschaft mitmischen können. Zu behaupten, daß eine bestimmte Religion einen dazu besonders befähigt oder Mitgliedern einer anderen Religion diese Befähigung abzusprechen ist großer Unsinn. Vor allem, wenn man bedenkt, daß sich unsere jetzige freie Gesellschaftsordnung ja doch in wichtigen Punkten nicht dank der christlichen Kirche entwickelt hat, sondern in Opposition zu dieser.

Zum Abschluß weise ich noch auf diesen Cartoon hin, der die Absurdität des ganzen Karikaturen-Themas schön deutlich macht.


-- now playing: Yusuf Islam & Friends - Bismillah --

Posted by kreetrapper at 22:01 in Opium des Volkes | Comments (138)

16.02.06

Bittere Erfahrungen beim Zeitungskauf

Was ich noch vergaß. Da ich gestern ja so früh schon unterwegs war und noch nichts gegessen hatte, wollte ich die Gelegenheit nutzen, um mal wieder in Ruhe zu frühstücken. Brötchen und Aufstrich zu besorgen stellte auch kein Problem dar, aber als ich dann auf die wahnwitzige Idee kam, hier in Körne eine ordentliche Tageszeitung zu erwerben, stieß ich doch schnell an Grenzen. Daß es die taz nicht überall gibt, ist zwar sehr sehr schade und hilft auch dem Meinungspluralismus nicht besonders, aber aufgrund der doch sehr begrenzten Leserschaft und der recht kleinen Auflage kann ich das noch verstehen. Daß ich hier allerdings nicht mal eine Süddeutsche bekommen konnte, halte ich dann doch für ein ziemliches Armutszeugnis für die hiesige (d.h. Körner) Zeitungslandschaft. Dafür gab es reichlich Ausgaben der Welt und deren kleiner Schwester Welt kompakt, die mir politisch nicht so wirklich liegt. Und die unsägliche Bildzeitung liegt ja sogar bei meinem Bäcker aus. Da ist es doch klar, daß es mit der Intelligenz der Menschen immer weiter abwärts geht.


--now playing: Apollo 440 - Millennium Fever--

[das habe ich mir vom Livejournal (genauer: von artbroken) abgeschaut. Ich finde es eigentlich ganz nett und werde das jetzt häufiger mal einstreuen. Es gibt auch noch "current mood", aber da ich ja immer gleich depressiv bin, werde ich das vermutlich nicht übernehmen. Andererseits, who knows.]

Posted by kreetrapper at 15:58 in When Will You Rage? | Comments (2)

13.02.06

Freiheit ist das einzige, was zählt

Am Freitag habe ich mal wieder an einer Veranstaltung zum Thema Bedingungsloses Grundeinkommen teilgenommen, und zwar an dieser. Da die verlinkte Seite "Aktuelles" heißt, wird sie womöglich nicht mehr lange online sein, weshalb ich einfach mal komplett zitiere:


Prof. Dr. Hartmut Neuendorff lädt herzlich zu seiner Abschiedsvorlesung über "Kapitalismus und Kapitalismuskritik" am 10. Februar 2006 um 16.15 Uhr im Hörsaalgebäude II, Hörsaal 1 ein. Anschließend ab ca. 17.15 Uhr findet eine Diskussion über "bedingungsloses Grundeinkommen" als Vorraussetzung für eine befreite Gesellschaft statt. Die Diskutanten:

Dr. Sascha Liebermann, Soziologe, Universität Dortmund (www.freiheitstattvollbeschaeftigung.de);
Prof. Dr. Claus Offe, Soziologe, Hertie School of Governence Berlin (www.basicincome.org);
Prof. Dr. Wolfram Richter, Volkswirt, Universität Dortmund;
Prof. Götz W. Werner, Unternehmer (www.unternimm-die-zukunft.de);
Prof. Dr. Lutz Wingert, Philosoph, Universität Dortmund.


Weitere Informationen zum Thema:

Podiumsdiskussion zum Thema Grundeinkommen (Januar 2006)

Artikel in der Indopendent zum Thema Gleiches Geld für alle (24.01.2006)

Mehr wußte ich im Vorhinein auch gar nicht über die Veranstaltung und ich kannte nur Herrn Liebermann bereits von einer ähnlichen Veranstaltung. Und so wurde ich von gleich drei der vier anderen überrascht. Herr Offe macht das, so scheint es, schon ein bißchen zu lange - über zwanzig Jahre, wenn ich das richtig verstanden habe - und man merkte ihm die Verbitterung, daß seine Idee es nicht besonders weit gebracht hat, schon recht oft an. Und ein geborener Redner ist er leider auch nicht, so daß er zu den enttäuschendsten Diskutanten gehörte. Ebenfalls bitter war Herr Richter, der seinem Beruf als Volkswirt alle Ehre machte, und kaum ein wirtschaftswissenschaftliches Klischee ausließ. In der offenen Diskussion warf jemand aus dem Publikum ein, daß er es ganz schön traurig fände, wie hier die Globalisierung als reißender unabänderlicher Strom dargestellt werde, in dem ein einzelnes Land nur ein unsteuerbares Floß sei. Fast würde hier eine dritte theologische Fakultät aufgemacht. Eine Aussage, die großen Beifall fand, auch von den anderen Herrschaften im Podium. Bleiben noch die beiden Teilnehmer, die mich angenehm überrascht haben. Götz Werner ist nicht nur Professor für Entrepeneurship (wenn ich das richtig verstanden habe), sondern außerdem der Gründer und Chef von dm, und damit eigentlich der Klassenfeind. Und dennoch ist er einer der stärksten Befürworter des Konzepts eines bedingungslosen Grundeinkommens, eine Haltung, die er, so schien es, auf ein ethisch gefestigtes Weltbild stellt. Sein liebstes Zitat in diesem Zusammenhang:

"Zutrauen veredelt den Menschen, ewige Vormundschaft hemmt sein Reifen",

Ebenfalls angenehm überrascht war ich von Herrn Wingert, der sich gar nicht wie ein typischer Philosoph verhielt und sinnlos daherschwafelte, sondern ganz im Gegenteil sehr scharf und pointiert argumentierte, daß es eine wahre Freude war, ihm zuzuhören. Und das obwohl er (zumindest in dieser Diskussion) zu den Gegnern eines bedingungslosen Grundeinkommens gehörte. Aber im Gegensatz zu den hohlen, schon tausendmal gehörten Phrasen von Herrn Richter hatte alles, was Herr Wingert von sich gegeben hat, Hand und Fuß, war vollkommen logisch nachvollziehbar und meist war man sogar versucht ihm allein schon deswegen zuzustimmen.

Ach ja, die vorhergehende Vorlesung war zwar im Prinzip interessant, leider aber wortwörtlich eine Vorlesung. Und dem guten Herrn Neuendorff waren doch eine ganze Menge Sätze in den Text gerutscht, die konzeptionell schriftsprachlich waren und in einem Text, der vorgelesen wird, eigentlich nichts zu suchen gehabt hätten. So etwas sollte man nach jahrzehntelanger Dozententätigkeit eigentlich gelernt haben. Ganz so schlimm, wie es jetzt vielleicht klingt, war das aber zum Glück nicht.

Alles in allem eine sehr interessante und teilweise sogar unterhaltsame Veranstaltung. Dennoch hat sich meine Ansicht zu diesem Thema inzwischen dermaßen gefestigt herausgebildet, daß ich eigentlich nicht mehr unbedingt zu weiteren Veranstaltungen dieser Art gehen muß.

Posted by kreetrapper at 01:24 in When Will You Rage? | Comments (6)

31.01.06

Don't be evil

Google hat sein Motto offenbar nicht einfach so aus einer Laune heraus gewählt, sondern glaubt (zumindest bis jetzt) noch daran. Das ist schön. Da die meisten meiner Leser vermutlich in der ein oder anderen Form regelmäßig die Nachrichten verfolgen, wißt Ihr das vermutlich schon längst. Aber Steven Grant hat das ganze in seiner letztwöchigen Kolumne sehr schön zusammengefaßt, so daß auch ich es noch einmal mitbekomme. Die Kurzfassung: Die US-"Regierung" hat beschlossen, jetzt auch einen Krieg gegen die Pornographie zu führen (warum kann man als Nicht-Puritaner vermutlich nicht verstehen). Und da man dazu erst einmal Fakten braucht, hat man angeordnet, daß MSN, AOL, Yahoo und Google doch bitteschön mal alle ihre Daten rüberreichen sollen. Die ersten drei haben das auch schön brav und folgsam gemacht. Schließlich hat man ja nichts zu verbergen und der Präsident macht ja auch keine Fehler und weiß es immer am besten. Nur Google hat sich standhaft geweigert und ist auch jetzt noch bereit, die Sache bis zum Ende auszufechten. Danke, Google.

Posted by kreetrapper at 23:33 in Computer und Netzkultur | Comments (0)

27.01.06

wenn die Dummheit wieder aufmarschiert

Morgen hat die personifizierte Dummheit (also Rechtsextreme) wieder mal einen Auftritt hier in Dortmund. Und wieder haben sich jede Menge Menschen entschlossen, lauthals darauf aufmerksam zu machen. Hier der offizielle Aufruf zu Gegendemo (leicht, aber sinnwahrend, gekürzt):


Dortmund bleibt eine weltoffene Stadt - Neonazis stoppen!

...

Wir wollen auch morgen in einer offenen und demokratischen Gesellschaft leben. Daher gilt es besonders wachsam zu sein gegenüber allen nationalistischen und fremdenfeindlichen Ideologien und Aktionen. Das ist die Lehre aus der Nazi-Gewaltherrschaft. Daran erinnert auch der Holocaust-Gedenktag am 27. Januar.

Deshalb erklären wir, dass Aufmärsche von Neonazis - wie für Samstag, 28. Januar geplant - in unserer Stadt unerwünscht sind.

...

Dortmund und die umliegende Region drohen sich zu einem Zentrum rechtsextremer Aktivitäten und zu einem Knotenpunkt ihrer Vernetzung zu entwickeln.

...

Demonstration zum Versammlungsort der Neonazis:
Samstag, 28. Januar, 11.30 h, Vinckeplatz (Kreuzviertel)

Wir fordern alle Dortmunder Bürgerinnen und Bürger auf, beteiligen Sie sich an den geplanten Veranstaltungen. Zeigen Sie mit einer machtvollen Demonstration unsere gemeinsame Ablehnung gegen die Anmaßung der Neonazis, die Dortmund auf Aufklebern und T-Shirts dreist als ihre Stadt bezeichnen. Dortmund bleibt unsere Stadt, in der wir, Einheimische und Zugewanderte, Gläubige verschiedener Religionen und Menschen unterschiedlicher Herkunft und Kultur gemeinsam leben wollen.

Wir lassen uns den sozialen Frieden in unserer Stadt nicht durch fortgesetzte Provokationen der Neonazis zerstören!

V.i.S.d.P.: DGB Östliches Ruhrgebiet, Eberhard Weber, Ostwall 17, 44135 Dortmund, dortmund@dgb.de

Aus schmerzhaften Erfahrungen, deren endgültige Klärung in Karlsruhe nach wie vor auf sich warten läßt, stehe ich antifaschistischen Demonstrationen inzwischen etwas skeptisch gegenüber. Und da ich sowieso leicht kränklich bin, werdet Ihr mich morgen nicht dort sehen. Aber laßt Euch nicht davon abhalten, hinzugehen und ein Zeichen zu setzen. Und hoffentlich endet es für Euch nicht im Gewahrsam der Staatsgewalt, wie damals für mich.

Posted by kreetrapper at 22:52 in When Will You Rage? | Comments (0)

21.12.05

Andere Saiten aufziehend

Weihnachten rückt unaufhaltsam näher.

Im Laufe der Zeit habe ich mich immer mehr von der Idee "Weihnachten" entfremdet. Das kann daran liegen, daß ich mit den Jahren immer zynischer geworden bin, es kann daran liegen, daß das "Fest der Liebe" immer mehr zu einer Zelebration des hemmungslosen Konsums wird, es kann aber auch einen völlig anderen Grund haben, darum geht es nicht. Wobei, in diesem Jahr hat ein Haufen Idioten diese Gelegenheit auch noch genutzt, um einen Religionskrieg vom Zaun zu brechen.

Jedenfalls hat sich mal wieder keinerlei Weihnachtsgefühl bei mir eingestellt, und ich bezweifle ernsthaft, daß sich das in den nächsten Tagen noch ändert. Es ist vermutlich nicht die schlechteste Alternative, einfach komplett darauf zu verzichten, Weihnachten zu feiern, wie es eine gute Freundin von mir bereits seit letztem Jahr tut.

Hiermit tue ich einen ersten Schritt in diese Richtung und werde gleichzeitig endlich meinem Status als Heide gerecht. Man hat ja auch einen Ruf zu waren. Ich verschicke dieses Jahr keine Weihnachtsgrüße, sondern wünsche stattdessen Euch allen eine

Frohe Wintersonnenwende!

Ab jetzt geht es wieder aufwärts (mit der Tageslänge). Wenn das kein Grund zum Feiern und für jede Art gottloser Ausschweifungen ist, zum Beispiel essen bis zum Umfallen, weiß ich es auch nicht. Feiert schön und macht Euch keine Sorgen, daß die Sonnenwende eigentlich schon heute war und Ihr noch gar nicht gefeiert habt. So ein großartiges Ereignis kann man ruhig tagelang feiern. Das kommt schließlich so bald nicht wieder.

Viel Spaß dabei!

Posted by kreetrapper at 20:24 in It's my life | Comments (2)

20.11.05

Dark Future

Die düstere Geschichte des berüchtigten Sony-Rootkit einerseits und die beängstigende Bereitwilligkeit mit der man im öffentlich-rechtlichen Fernsehen zur Selbstzensur schreitet könnten schon mal ein Vorgeschmack auf die Welt der Zukunft sein. "President" Bush ist zur Zeit gerade in China und hat sich, schaut man einmal nach Amerika, ja offenbar zum Ziel gesetzt, die utopischen chinesischen Zustände auch zu Hause einzuführen. Also den Pöbel (=alle, die nicht Politiker oder Wirtschaftsbosse sind) zuerst einmal in die Armut zu treiben und ihnen dann sukzessive alle Rechte wegzunehmen. Besonders unschön ist, daß, wie man am obigen Link sieht, die amerikanischen Zustände immer noch relativ ungefiltert über den großen Teich schwappen. Wollen wir hoffen, daß sich die Gesellschaft doch noch ein paar Gedanken macht, bevor es so weit ist.

Posted by kreetrapper at 18:33 in When Will You Rage? | Comments (0)

14.11.05

tagesschau, 9. November 2005

Was ist das nur für eine Welt...

...in der man sich darüber freuen muß, daß einen die Briten nur 28 Tage lang grundlos ins Gefängnis sperren dürfen?

...in der zwei Parteien zur Wahl antreten, von denen die eine eine Erhöhung der Mehrwertsteuer von 16 auf 18 Prozent anstrebt und die andere diese Erhöhung verhindern will, und wenn beide Parteien dann eine Regierungskoalition bilden "einigt" man sich auf 19 Prozent?

...in der ein ehemaliger Grüner und extremer Linker keinerlei Problem darin sieht, unschuldige Fluggäste zum Wohle des Landes abzuschießen?

Posted by kreetrapper at 22:23 in When Will You Rage? | Comments (0)

31.10.05

Zählt das wohl inzwischen offiziell als "Chaotische Dritte-Welt-Verhältnisse"?

Nachdem Franz Müntefering bei der Wahl des SPD-Generalsekretärs nicht seinen Willen bekommen hat und statt Kajo Wasserhövel (ein Name, der zumindest mir überhaupt nichts sagt) die (mir) extrem unsympathische Andrea Nahles gewählt wurde, hat der gute Franz jetzt erst mal die Schnauze voll und geht zum Schmollen in die Ecke. Er legt den Parteivorsitz nieder und wahrscheinlich will er nun auch nicht Arbeitsminister werden. So einen medialen Alleingang läßt sich natürlich die Union nicht gefallen und schon gibt es erste Gerüchte, daß der verboten-Liebling Dr. @mund Stoiber nun auch keine Lust mehr auf seinen Ministerposten hat. Der Spiegel spricht schon davon, daß die "Sozialdemokratische Partei in die größte Krise ihrer Nachkriegsgeschichte" stürzt. Wahrscheinlich hat man sich in der SPD-Führung gedacht, daß man das medienwirksame Sich-selbst-Zerfleischen nicht allein den Koalitionspartnern von CDU/CSU überlassen darf.

Bände spricht da auch einer dieser berüchtigten Kabel-1-Teletext-TEDs, in denen die Linkspartei auch schon mal die 50%-Hürde nehmen kann. Die Frage hier lautete in etwa "Wie lange hält die neue Bundesregierung durch?" Die häufigste Antwort mit gut 40% war "höchstens sechs Monate". Inzwischen stehen wahrscheinlich sogar die Wetten schon wieder recht gut, daß die große Koalition womöglich doch nicht zustande kommt. Die SPD betont jedenfalls vehement, daß sie unbedingt eine große Koalition haben will. Aber das haben sie ja auch schon über Schröder als Kanzler gesagt.

Posted by kreetrapper at 22:47 in When Will You Rage? | Comments (0)

22.09.05

vier Tage danach

Die Wahl war ja schon spaßig genug, aber da diesmal offenbar alle Parteien beweisen wollen, wie standhaft sie doch sind, werden uns wohl auch die nächsten Wochen noch viel Freude bringen. Nachdem ich jetzt die letzten Tage mehr oder weniger alle Talkrunden und Politanalysen mitgenommen habe, beginnt mir das alles aber schon ein wenig über zu werden. Vor allem, weil man ja - zu Recht - vor dem Abschluß der diversen Sondierungsgespräche und der Nachwahl in Dresden (und Dortmund?) sowieso keine neuen Aussagen von den Parteien zu hören bekommen wird. Zufällig habe ich in den letzten Tagen Gelegenheit gehabt, ausführlich die taz zu lesen und ich muß ja zugeben, daß es dem linken Herzen guttut, mal etwas zu lesen, wo die Linkspartei nicht grundlos (oder zumindest begründungslos) verteufelt wird. Und der zumeist recht unterhaltsame Stil ist ja auch nicht übel. Sehr schön und treffend fand ich zum Beispiel diesen Artikel, der mit den Worten beginnt "Man muss sich Gerhard Schröder als den Paten vorstellen." Auch schön ist das kleine Koalitionslexikon:

...
Erfinden, sich neu. Die konsequente Weiterentwicklung der eigenen Ideen bis zur Unkenntlichkeit - allerdings sind sie dann kompatibel mit jenen des potenziellen Koalitionspartners. Eigentlich: Synonym für umfallen.

Umfallen. Vor der Wahl gegebene Versprechen bis hin zum jeweiligen Gegenteil modifizieren, um in einer stabilen Regierung Verantwortung zu übernehmen. Wird von den Wählern allerdings nicht gerne gesehen. Aber wen stört das schon.
...

Ebenfalls hier habe ich übrigens das gelesen, was mit weitem Abstand mein Lieblingszitat zum Wahlergebnis ist:

"Wir sind die Auferstehung und das Leben."
(Ludwig Stiegler, SPD)

Posted by kreetrapper at 01:39 in When Will You Rage? | Comments (0)

20.09.05

wilde Frauen in Süd-Nordamerika

Doonesbury vom 20.9.2005

Kurz bevor Rita aus dem sich gerade wieder normalisierenden New Orleans erneut ein modernes Atlantis macht, noch ein paar Fremdgedanken zu Katrina und ihren politischen Implikationen.

Paul O'Brien schaut, wie die ganze (westliche) Welt nach New Orleans und erkennt, daß die vielgescholtene Bush-Regierung nicht völlig inkompetent ist:

But in one area at least, Bush has moved swiftly. Halliburton have already been awarded a reconstruction contract.

No, I'm not kidding.

.......

artbroken ist gerade von Brisbane nach Melbourne gezogen und hat nun endlich wieder die Muße für scharfe politische Kommentare gefunden.

.......

Und der vielleicht vehementeste Kritiker der Bush-Regierung Steven Grant läßt es sich nicht nehmen, in seiner wöchentlichen Kolumne Permanent Damage eine erschütternde Bilanz zu ziehen.


This is what I saw on TV recently: a city reduced to rubble. A wave moving relentlessly and irresistibly through the city, wiping out whatever crosses its path. Survivors desperate for food, water and gasoline. Children coming home to find their entire families wiped out. Gangs of armed men roaming the streets, shooting whoever they took a dislike to. Doctors working to do what they can without proper supplies or facilities. The country's leaders sequestered away, detached from the suffering of the people, making proud but irrelevant speeches as faith in government evaporates.

That was DOWNFALL, a gripping German film about the last days of the Third Reich set mostly in Hitler's bunker, with Hitler played by the great Bruno Ganz. One of the best films I've seen in years. There were some complaints about it when it came out, because it spends much time showing the Nazi leadership - Hitler, Goebbels, Goering, Himmler, Hess, many of the German generals - behaving, under the circumstances, as more or less ordinary people, not the frothing monsters of popular legend. But it's extremely effective, and probably more realistic; when Hitler can smile avuncularly at his secretary one moment and express grave concern for her safety as the Russians shell and capture Berlin, and in virtually the next breath softly and calmly pronounce that the Nazis existed because the German people chose them and it's now the duty of the German people to suffer the consequences because they lost the will to win. It's fascinating to watch Hitler both prepare for the end and deny it, coming up with one fantastic and impossible military scheme after another demanding German army units that to all intents and purposes no longer exist. This desperate, "human" Hitler, faced with personal destruction along with the death of his sick dream, is almost comprehendible, and subtly drives home the point that the potential to be a monster isn't far from any of us. (The biggest monster in the film is actually Frau Goebbels, who lovingly throws a little party for her brood of apparently very sweet children before she dopes and poisons them because a world without National Socialism isn't a world she wants them to exist in.)

So imagine my weird sense of dislocation when barely a week goes by, and I'm looking at my TV and seeing a city reduced to rubble; a wave relentlessly and irresistibly wiping out whatever crosses its path; survivors desperate for food, water and gasoline; children coming home to find their entire families wiped out; gangs of armed men roaming the streets, shooting whoever they took a dislike to; doctors (and nurses! Big kudos to the nurses!) working to do what they could without proper supplies or facilities; and the country's leaders sequestered away, detached from the suffering of the people, making proud but irrelevant speeches as faith in government evaporated.

The jolt in gas prices, the unraveling of government, the abrupt descent into quasi-barbaric chaos in the ruined city, all these have jolted the American psyche and embarrassed the country internationally. There were foreign diplomats taking refuge in the Superdome, and certainly they won't be taking home any tales of plucky American spirit with them, and Cuba and Venezuela have taken the opportunity to rub salt in the wound by offering aid. Cuba's existence is itself an embarrassment to us in this case; having faced a Katrina-level hurricane themselves in the very recent past, they successfully evacuated all their citizens in its path and came through with no fatalities, no roving gun-toting gangs declaring their own little fiefdoms, no chaos.

.......

Immer wieder gut ist natürlich auch die Reaktion der Onion.

God Outdoes Terrorists Yet Again

...
NEW ORLEANS—Throughout the Gulf Coast, Caucasian suburbanites attempting to gather food and drink in the shattered wreckage of shopping districts have reported seeing African­Americans "looting snacks and beer from damaged businesses." "I was in the abandoned Wal-Mart gathering an air mattress so I could float out the potato chips, beef jerky, and Budweiser I'd managed to find," said white survivor Lars Wrightson, who had carefully selected foodstuffs whose salt and alcohol content provide protection against contamination. "Then I look up, and I see a whole family of [African-Americans] going straight for the booze. Hell, you could see they had already looted a fortune in diapers." Radio stations still in operation are advising store owners and white people in the affected areas to locate firearms in sporting-goods stores in order to protect themselves against marauding blacks looting gun shops.
...

Halliburton Gets Contract To Pry Gold Fillings From New Orleans Corpses' Teeth

Posted by kreetrapper at 17:19 in When Will You Rage? | Comments (0)

Neues Blutbad

Das aktuelle Blutbad ist da. Mit dem Aufholen hapert es noch ein bißchen, ich bin aber frohen Mutes.

Weil ich keinen anderen Platz dafür finden konnte, hier noch ein linguistischer Kommentar zur Wahl

Wieder einmal fällt mir der linguistische Schatten auf, den die "dunkle deutsche Vergangenheit" bis in die heutige Zeit wirft. Wie sonst ist es zu erklären, daß die Parteien, die anderswo eindeutig und problemlos als "rechts" bezeichnet würden, hier als "die Bürgerlichen" firmieren?

Posted by kreetrapper at 00:54 in Gemetzel | Comments (0)

18.09.05

Afghanistan hat gewählt

Die Wahlergebnisse werden allerdings wohl erst im Oktober feststehen. Mit ein bißchen Glück wird es dann auch in Deutschland so weit sein. Bei diesem unglaublich knappen Ergebnis (als Linker hat mich besonders der Absturz der CDU gefreut - vermutlich, weil der Papst nicht mitgewählt hat) wird die Nachwahl in Dresden am 2. Oktober möglicherweise entscheidenden Charakater haben. Gespannt bin ich auch, ob der Briefwahlskandal in Dortmund, den ich als Wahlhelfer live miterleben konnte, noch weitere Auswirkungen haben wird. Immerhin sind über 10.000 Stimmen deswegen für ungültig erklärt worden.

PS: Wenn ich in den nächsten Tagen etwas weniger schreibe, liegt das daran, daß ich intensiv den Fortgang der Basketball-EM im Fernsehen verfolge.

Posted by kreetrapper at 22:38 in When Will You Rage? | Comments (0)

17.09.05

Quick Link

Morgen um diese Zeit kann man schon gespannt vor dem Fernseher sitzen und um den Wahlausgang zittern (es sei dann, man ist wie ich noch mit Zählen (bzw. Erbrechen der Umschläge) beschäftigt). Bei der FAZ kann man jetzt noch mal die beiden Kontrahenten zum Kanzlerduell antreten lassen.

Posted by kreetrapper at 17:20 in When Will You Rage? | Comments (0)

15.09.05

Don't Drink and Drive

Zufällig sah ich dies am Montag im Fernsehen (in "heute in Europa").

Dänemark hat ein neues Gesetz bezüglich der Strafe für alkoholisiertes Autofahren.
Wer mehr als die erlaubten 0,5 Promille hat, muß zahlen. Und zwar nach der Formel Promille x Monatsgehalt
Wer also 0,6 Promille hat und 3000 Euro im Monat verdient, zahlt 1800 Euro.
Ein klasse System eigentlich. Ich hoffe, daß sich die anderen europäischen Staaten das schnell abschauen.

Posted by kreetrapper at 22:39 in When Will You Rage? | Comments (2)

Raab schlägt wieder zu

Als kleiner Nachtrag zum Wahlabstrusitäten-Blutbad von heute noch folgende erschreckende Meldung:

Am Samstag um 20.15 Uhr auf ProSieben: Die TV total Bundestagswahl.

Seit Tagen sieht man auf dem Heimatsender von Raab bereits Werbespots, die als "Breaking News" firmieren und mit dem knackigen Slogan schließen: "Wenn der Kanzler die Wahlen vorziehen kann, können wir das schon lange." Denn in dieser Wahlsondersendung können die Zuschauer schon mal per Telefon ihre Stimme abgeben (und gleichzeitig natürlich, Raab, ProSieben und Telekom noch reicher machen). Damit ist mal wieder ein neuer Höhepunkt/Tiefpunkt der vielzitierten Mediendemokratie erreicht.

Posted by kreetrapper at 22:36 in When Will You Rage? | Comments (0)

07.09.05

Wo soll das nur hinführen?

Beinahe im gleichen Atemzug (d.h. beide Meldungen erreichten mich heute) fordert zum einen die UN in Gestalt von Klaus Töpfer eine Trendwende hin zu mehr erneuerbaren Energien und zum anderen beginnt die nordrhein-westfälische schwarz-gelbe Landesregierung getreu ihren Versprechen damit, die Windkraft zu sabotieren. Das Land wird dadurch mit Sicherheit nicht lebenswerter und der vielbeschworene technische Fortschritt zieht in andere Regionen der Erde um. Der Wandel ist endlich da. Herzlichen Glückwunsch.

Posted by kreetrapper at 01:49 in When Will You Rage? | Comments (10)

04.09.05

Two walk in, one walks out

Heute Abend ist es endlich soweit. Es kommt zum langerwarteten Duell.

Dank meiner Rundfunkgebühren ist es möglich, dieses epochale Ereignis auf vier der fünf bedeutendsten deutschen Fernsehsender live mitzuerleben. Gut, daß hier an die wichtige Vielfalt des Programms gedacht wurde.

Falls man das Großereignis des Tages sowieso mit jemandem gemeinsam schaut, gibt es eine Möglichkeit ein bißchen sportlichen Wettbewerb hineinzubringen. Durch das Extra-3-Phrasen-Bingo. Es gibt jeweils einen Bingo-Schein für den Kanzler und für die Kandidatin.

Zum Schärfen des Feindbildes kann man abschließend auch noch diese Seite besuchen. Auch wenn sie auf den ersten Blick nicht sonderlich intelligent scheint.

Posted by kreetrapper at 18:34 in When Will You Rage? | Comments (0)

28.08.05

Wahl-Spaß in Dortmund

Wie ich gerade aus meinem rotstichigen Ersatzfernseher erfahren mußte, hat es die CDU doch tatsächlich gewagt, ihren Wahlparteitag hier in Dortmund abzuhalten. Und zwar heute. Die denken wohl, hier kämen sie mit ihrem Schwarz-Gelb besonders gut an. Gleichzeitig, quasi als Kontrastprogramm, kommt aber auch der Außenminister auf seiner "Joschka-Tour" in unsere Stadt. Ich mache mich gleich mal auf den Weg, um ihm einen Besuch abzustatten. Mal schauen, was er so zu erzählen hat. Meine Lieblingspartei schickt leider nur ihren leicht anrüchigen NRW-Spitzenkandidaten (der scheinbar nicht einmal eine eigene Homepage besitzt) am 31. August hier vorbei. Ich spiele mit dem Gedanken, ob ich nicht eventuell nach Köln fahren soll, um den weitaus sympathischeren Kopf der Doppelspitze sprechen zu hören. Für Brüder im Geiste (und als Schnelllink für mich selbst) finden sich hier die gesammelten Termine. Interessant fände ich es ja auch, einmal eine hübsche Frau beim Wahlkampf zu beobachten. Aber dafür extra nach Hessen (oder noch weiter) zu fahren, ist dann wohl doch etwas zu viel des Guten.

Posted by kreetrapper at 15:41 in So fast as Düorpm | Comments (1)

25.08.05

Intelligent Design - A theory held by people that are definitely NOT intelligent

spaghettimonster.jpgIn Kansas scheint die extrem dümmliche Idee, Intelligent Design, eine Art Schöpfungstheorie, gleichberechtigt mit der Evolutionstheorie an Schulen zu unterrichten mal wieder an Boden zu gewinnen. Ein nicht-dummer Mensch hat daraufhin einen abstrusen offenen Brief an die Schulbehörde geschrieben, der einen absurden, aber aus den Umständen logisch folgenden, Vorschlag macht.

This open letter to the Kansas School Board takes it to task for teaching "Intelligent Design" (Biblical Creationism tarted up in scientific dress) in schools. The author points out that there are several compeeting theories that Kansas could teach its students, including the popular thesis that the universe was created by a "Flying Spaghetti Monster." There are pictures, too.

I'm sure you now realize how important it is that your students are taught this alternate theory. It is absolutely imperative that they realize that observable evidence is at the discretion of a Flying Spaghetti Monster. Furthermore, it is disrespectful to teach our beliefs without wearing His chosen outfit, which of course is full pirate regalia. I cannot stress the importance of this, and unfortunately cannot describe in detail why this must be done as I fear this letter is already becoming to long. The concise explanation is that He becomes angry if we don't.

Dieser Vorschlag schlägt inzwischen mehr und mehr Wellen. Mittlerweile gibt es sogar schon den passenden Autoaufkleber in verschiedenen Versionen. Und das scheint noch lange nicht das Ende des ganzen zu sein. Ein guter Startpunkt für Leute, die noch mehr Spaß damit haben wollen, ist sicherlich der passende Wikipedia-Eintrag oder eine Google-Suche.

Eine weitere alternative Theorie findet sich hier:
Science or Norse Mythology?

Und noch etwas ähnliches im klassischen Onion-Stil: .

Anti-falling physicists have been theorizing for decades about the 'electromagnetic force,' the 'weak nuclear force,' the 'strong nuclear force,' and so-called 'force of gravity,'" Burdett said. "And they tilt their findings toward trying to unite them into one force. But readers of the Bible have already known for millennia what this one, unified force is: His name is Jesus.

Posted by kreetrapper at 23:55 in Weirdness & Fun | Comments (0)

15.08.05

Pünktlich zur Wahl

...ist der Bundesdance zurückgekehrt; eine lustige Flash-Spielerei, bei der man diesmal Gerd, Angie und Edi das Tanzbein schwingen lassen kann.

Viel Vergnügen.

Posted by kreetrapper at 13:33 in When Will You Rage? | Comments (0)

11.08.05

Weise Worte

...von George Monbiot in seiner Kolumne im Guardian:

I don't hate Britain, and I am not ashamed of my nationality, but I have no idea why I should love this country more than any other. There are some things I like about it and some things I don't, and the same goes for everywhere else I've visited. To become a patriot is to lie to yourself, to tell yourself that whatever good you might perceive abroad, your own country is, on balance, better than the others. It is impossible to reconcile this with either the evidence of your own eyes or a belief in the equality of humankind. [...] The world will be a happier and safer place when we stop putting our own countries first.

Posted by kreetrapper at 18:00 in When Will You Rage? | Comments (0)

14.07.05

Letting the terrorists win

Frankreich verliert diese Runde von chicken und macht als erstes die Grenzen dicht.

France has reimposed border controls with its European Union neighbours in response to the threat of attacks after the London bombings.

Diesem Artikel zufolge will Italien möglichst bald nachziehen. Anderswo wird auch über die Niederlande spekuliert.

Ich bin ein wenig überrascht, daß Ossi-Angi und ihre Partei bis jetzt noch nicht vorgeschlagen haben, daß Deutschland sich ebenfalls einigelt und sich stattdessen mit lückenloser Videoüberwachung zufrieden gibt. Denn geschlossene Grenzen sind natürlich die beste Schutzmaßnahme gegen terroristische Schläferzellen. Wir alle wissen ja, daß Terroristen in der Regel wenige Tage vor einem Anschlag aus "verdächtigen" Ländern einreisen und man sie durch ordentliche Grenzkontrollen mühelos stoppen kann. Solange man nicht diesen Schengen-Müll mitmacht, ist man für Terroristen unangreifbar. Wie Großbritannien, zum Beispiel.

In London bleibt man derweil scheinbar cool, versucht aber gleichzeitig Ausweise mit biometrischen Merkmalen durchzudrücken, die uns dem totalen Überwachungsstaat wieder ein Stückchen näher bringen. So sieht es auch Tobias Schwarz auf A Fistful of Euros:

I’m not sure the terrorists are experts in reading Western politics. But one thing is for sure - if their attempt is to drive Western politicians into abolishing much of what most people would regard as fundamental civil liberties, their timing is “excellent”. Whenever a terror-shocked civil society has finally begun to mount even a little opposition, they’re attacking again.

Man kann nur hoffen, daß Europa im allgemeinen und Frankreich im speziellen sich möglichst schnell wieder beruhigen und nicht versuchen, die Idiotie von jenseits des Atlantiks zu emulieren, wo der Präsident Dinge sagt wie "We won't stop until the enemy is defeated", ohne sich darüber klar zu werden, daß prinzipiell jeder unzufriedene Mensch zum Terroristen werden kann und es daher nur zwei Möglichkeiten gibt den "War on Terror" zu gewinnen. 1) Alle Menschen auslöschen. 2) Die Unzufriedenheit auslöschen. Und wie wir Dubja bis jetzt kennengelernt haben scheint es nicht so, als steuere er die zweite Option an.

Posted by kreetrapper at 20:37 in When Will You Rage? | Comments (0)

07.07.05

Über was man so alles im Viva-Text stolpern kann

Sarah Kuttner hat sich mit einer doch recht mäßigen Sendung in die Sommerpause und nach Berlin verabschiedet, so daß ich vor Langeweile ein wenig im Videotext herumblätterte. Und dort fand diese (tolle? abstruse?) Aktion Erwähnung:

"METAL AGAINST MERKEL"

"Wer will schon eine reaktionäre, eiskalte, eiserne Lady zur Bundeskanzlerin, die so aussieht, als ob sie sich täglich mit einer Heckenschere frisiert? Wir nicht!
Die Veranstaltung bleibt überparteilich (es gibt also keine Werbung anderer Parteien). Es geht einzig nur gegen Angela Merkel und ihre Helfershelfer!!!"

Posted by kreetrapper at 22:31 in Weirdness & Fun | Comments (0)

Der Kelch ging an uns vorüber

Zumindest vorerst.

Straßburg (Frankreich), 06.07.2005 - Heute Mittag stimmten 648 von 680 Abgeordneten gegen die Richtlinie zur Patentierbarkeit „computerimplementierter Erfindungen“ und verhinderten damit die EU-weite Einführung von Softwarepatenten und Geschäftsmethoden, wie sie in den USA seit langem praktiziert werden.

Mit Quellenangaben bei wikinews nachzulesen.

Posted by kreetrapper at 01:41 in When Will You Rage? | Comments (0)

17.06.05

If this is what the U.S have become

Jeremy lassen erzählt uns von einem erschütternden Erlebnis:

When Bears Growl (Or how I become the subject of a Secret Service Investigation)

Kurz gefaßt, hat er aus teils künstlerischem, teils politischem Anspruch eine Reihe von Bildern ins Netz gestellt, die Bush mit Waffen zeigen. Und eines Tages klopft der Secret Service (abgekürzt: SS, Nomen est omen?) an seine Tür und möchte mit ihm über diese Bilder reden und ihn freundlich aber bestimmt bitten, sie doch bitte wieder von der Seite herunterzunehmen.

Ich finde das so beängstigend, daß ich nicht recht glauben kann, daß diese Geschichte tatsächlich wahr ist. Wenn das kein besonders gut gelungener Hoax ist, ist das "Land of the Free" wohl weiter auf dem besten Wege in Richtung Polizeistaat und Faschismus. Hurra!

Posted by kreetrapper at 18:16 in When Will You Rage? | Comments (0)

06.06.05

An der Sache vorbei

Luxemburgs Regierungschef Jean-Claude Juncker hat für den Fall eines Neins seiner Landsleute bei der geplanten Volksabstimmung zur EU-Verfassung mit einem Rücktritt gedroht.

Es scheint so, als komme Sachbezogenheit immer mehr aus der Mode. Nachdem schon Chirac diejenigen Nein-Sager, die nicht über die EU-Verfassung, sondern lieber über innenpolitische Themen abgestimmt haben, mit einer Regierungsumbildung belohnt hat, macht es ihm Juncker nach.

Das ist vielleicht das Dümmste, das man tun kann. Durch solche 'Versprechungen' lenkt man das Stimmvolk nur noch mehr vom eigentlichen Punkt ab, als es das ohnehin schon ist. Wie leicht ist es für einen Luxemburger jetzt zu sagen: "Cool, endlich kann ich den dummen Jean-Claude abwählen und muß nicht bis zur nächsten Parlamentswahl warten." Daß es bei der Abstimmung ja eigentlich um eine europäische Sache geht, gerät so völlig ins Hintertreffen und aus dem Bewußtsein der Menschen.

Dieses völlige Unverständnis über den Inhalt der Verfassungs-Referenda zeichnete auch die letzte Ausgabe von Hart aber fair aus. Beim Ansehen mußte ich mich doch sehr wundern, warum eine derart tendenziöse Sendung dafür auch noch mit dem Grimme-Preis belohnt wird. Bezeichnend, daß die einzigen wirklich klugen Aussagen von Peter Hintze, einem CDU-Mitglied, kamen. Zum Beispiel diese:

[Auf die Frage, warum wir Deutschen nicht auch abstimmen durften]
Vor der Nazidiktatur hatten wir ja das Institut [sic! Er meint 'Instrument'] von Volksabstimmungen. Und wenn man das demokratiegeschichtlich untersucht, dann ist diese Stimmungsdemokratie, die sich von Texten und Inhalten vollkommen trennt, ineffizient, fatal und gefährlich. Und für mich ist Frankreich dafür der klassische Beweis.

Die Dummheit des einfachen Volkes ist ja bekannt (man denke nur daran, was die meistverkaufte Zeitung Deutschlands ist), aber gestandene (Europa-)Politiker wie Juncker sollten es doch eigentlich besser wissen.

Posted by kreetrapper at 19:35 in When Will You Rage? | Comments (2)

29.05.05

Das Wesen des Wählers

Ab und zu, wenn ich mich für das Titelthema begeistern kann, kaufe ich mir die ZEIT. In der aktuellen Ausgabe findet sich ein Interview mit dem "großen Lyriker" Peter Rühmkorf, dessen Name ich vorher noch nie gehört habe und dessen Namen ich mir wohl auch nicht für die Zukunft merken werde. Ein schlagender Beweis dafür, wie marginalisiert Lyrik heutzutage ist. Aber in diesem Interview sagt der überzeugte SPD-Wähler Rühmkorf etwas sehr Weises, das das momentane Umfragehoch der CDU meiner Meinung nach perfekt erklärt. Leider gibt einem diese Erklärung nicht besonders viel Hoffnung für die Zukunft, aber das macht die Erklärung des Lebenszyklus der Sonne ja auch nicht.

DIE ZEIT: Herr Rühmkorf, haben Sie Angst vor einer schwarzen Republik?

Peter Rühmkorf: Das ist für mich kein Weltuntergang. Die Prügel kriegt immer die Partei vom Dienst. Die Wähler laufen blindlings, lemminghaft, auf die andere Partei zu und glauben, die würden das schon schaffen.

Posted by kreetrapper at 13:50 in When Will You Rage? | Comments (0)

23.05.05

Dummheit hat gesiegt

genug.jpg Es ist ein trauriger Tag für die Demokratie, wenn eine Partei gewählt wird, nicht weil sie die CDU ist, sondern nur, weil sie nicht die SPD ist. Es hat sich jedenfalls für die "Schwarzen Mächte" (aus dem Wahlkampf der Grünen) ausgezahlt, an die Dummheit der Bevölkerung zu appellieren. Mit Sprüchen wie "Genug ist genug" statt eines echten Alternativprogramms war der Erfolg eine sichere Sache. Armes Deutschland. Zettelkasten-Rüttgers hat jedenfalls erkannt, woher seine Wähler kommen und hofft, dieses Klientel durch das Einführen von Studiengebühren noch weiter zu vergrößern. Das könnte klappen.

Auch in Zukunft wird es (ganz im Geiste des berühmten chinesischen Sprichwortes/Fluchs) interessant bleiben. Gerhard Schröder hat einen für alle überraschenden Mediencoup gelandet und fordert nun Bundestagsneuwahlen - so bald wie möglich. Die taz titelt: Schröder will Kanzler werden. Mir, der ich nicht so sehr im politischen Geschehen zu Hause bin, scheint das wie eine Verzweiflungstat. Die CDU jedenfalls scheint recht schnell auf den Zug aufgesprungen zu sein. Die womöglich nächste Kanzlerin (*shudder*) Angela Merkel zeigte gleich, daß am bewährten dumm-dreisten Wahlkampfprinzip nicht gerüttelt wird. Symbolisiert durch diesen Ausspruch: "Jeder Tag, an dem Rot-Grün nicht regiert, ist ein guter Tag für Deutschland." Ich bezweifle ja, daß es überhaupt noch gute Tage für Deutschland gibt, wenn so Politik gemacht wird. Aber damit bin ich wohl in der Minderheit.

Posted by kreetrapper at 13:19 in When Will You Rage? | Comments (1)

22.05.05

Bürgerpflicht

Heute ist Landtagswahl. Nicht vergessen, wählen zu gehen. Denn wie Peer Steinbrück so schön sagt:

Wer nicht wählt gefährdet seine Zukunft.

Ich zähle heute zur Abwechslung die Briefwahlstimmen aus. Das dauert nur den halben Tag, gibt aber immerhin noch 30 Euro. Wobei ich allerdings ernsthaft beweifle, daß es zweieinhalb Stunden dauern wird, alle Wahlzettel aus den Briefwahlumschlägen zu nehmen und in die Wahlurne zu werfen. Gezählt werden darf nämlich erst ab 18.00 Uhr, da man unter diversen widrigen Umständen bis dahin seine Stimme noch per Brief abgeben darf.

Am Freitag habe ich mich aufgemacht und mir die "Endspurt"-Wahlveranstaltung der SPD angesehen. Schließlich kamen dafür extra die Big Players nach Dortmund. Neben Peer Steinbrück kamen Kapitalismus-Franze und sogar der Gerhard persönlich hierher. Und außerdem überraschend viele SPD-Anhänger, angeblich 5.000 (eine Zahl, die ich stark anzweifle). Besonders schön fand ich als Europafreund die Europäisierung des Wahlkampfes durch einen Überraschungsgast: meinen Lieblingspolitiker Jose Luis Zapatero, den spanischen Strahlemann. Die Tatsache, daß ich seine, auf Spanisch gehaltene Rede, nur sehr bruchstückhaft verstanden habe, gibt mir auch erst mal wieder ein wenig Motivation zum Spanischlernen. Überraschend war hingegen, daß die Veranstaltung vom alten Mann des DSF, Frank Buschmann, moderiert wurde. Das dauerte echt einige Zeit, bis ich mich da gefangen hatte.

Also, auf zur Wahlurne. Wir wollen ja alle nicht in dieser Zukunft leben, oder?

Posted by kreetrapper at 02:35 in When Will You Rage? | Comments (0) | TrackBack

21.05.05

Dies und das

Ich habe eine lange Zeit nichts hier geschrieben, weil irgendwie nichts anlag, daß ein ganzes eigenes Posting wert gewesen wäre. Daher gibt es hier jetzt ganz viel Kleinkram:

Harald Schmidt hatte in dieser Woche mal wieder nur eine Sendung, in der er aber wenigstens genügend Zeit fand, auf die bevorstehende Wahl einzugehen ("Falls Sie die beiden [Landtagswahl-] Kandidaten nicht auseinander
halten können: Rüttgers ist der mit dem Zettelkasten."). Dafür sollen aber nächste Woche sogar drei Sendungen kommen, wohingegen Sarah Kuttner dank des Feiertages nur eine bringt. Bei ihr gab es in dieser Woche dafür eine längliche Feier der 100. Sendung mit Best-Ofs aller Rubriken und (besonders schön) der musikalischen Gäste. Und den Clou gab es in der gestrigen Sendung, die womöglich die erste Viva-Sendung überhaupt war, die vollkommen werbefrei war. Technische Probleme (oder der enorme Einfluß von Frau Kuttner auf die Sendeleitung) machten dieses epochale Ereignis möglich. Ein Grund zur Freude.

Passend dazu bin ich neulich über diese Seite gestolpert, die sich den Kampf "Gegen die multimediale Mobilmachung" auf die Fahnen geschrieben hat. Zentrales Zitat: "Wir wollen keine Frösche, keine Ratten und keine Titten mehr auf unseren Mobiltelefonen." Es wurde auch Zeit, daß sich öffentlicher Widerstand regt. Wie ernst das Problem ist, zeigt sich daran, wer inzwischen schon alles auf diesen Abzocker-Zug aufgeprungen ist.

.....

Auf WDR2, einem Sender, dem ich schon immer recht wohlgesonnen war, gibt es eine in der Sendung Westzeit tägliche Rubrik namens U-Punkt, in der Mini-Kabarett-Häppchen zu hören sind. Wer sich nicht die Mühe machen will, für 2 Minuten Inhalt jeden Tag pünktlich um zehn vor elf einzuschalten, kann die Beiträge der vergangenen Woche auch einfach (wie ich) auf der Webseite des WDR anhören. Das Wunder des Streaming. (btw: Falls jemand eine gute Möglichkeit weiß, wie ich einen solchen Stream unter Linux speichern kann, würde ich diese gern wissen. Libreplay habe ich nicht dazu gebracht, ordentlich zu funktionieren.) Vor einiger Zeit gab es hier einen sehr schönen Beitrag von Dieter Nuhr zum Thema Kapitalismuskritik, der einen sehr wichtigen Punkt macht, der mir eigentlich auch hätte auffallen müssen. Die bösen Raubtierkapitalisten sind gar nicht von selbst auf die Idee gekommen, sich so zu verhalten. Sie ahmen nur die normalen Verbraucher und deren (beängstigende) Geiz-ist-geil-Mentalität nach. Den ganzen U-Punkt kann man vermutlich immer noch unter dieser Adresse anhören.

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Neil Gaiman verlinkt auf dieses sehr schöne Gedicht zum Thema Blurb Requests (Blurbs sind die Versatzstücke, die man auf anglo-amerikanischen Büchern oft findet, in denen berühmte Autoren ein Werk weniger berühmter Kollegen in den Himmel loben).

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Endlich kann man sich im Weltraum bestatten lassen. Danke, an das freundlich Bestattungsunternehmen mit dem häßlichen Namen: Christ-All Bestattungen.

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Eklig-bizarre Anti-Aids-Werbung aus Frankreich

Posted by kreetrapper at 00:32 in Film & TV | Comments (0)

05.05.05

Vote Blair - Get Brown

Election Day - Heute werden die freundlichen Insulaner den besten Freund von President Bush im Amt bestätigen - Oder zumindest seine Partei.

Die Wahlurnen schließen um 22.00 Uhr [GMT] und die Auszählung beginnt üblicherweise sofort. Die Resultate werden in manchen Fällen gegen 23.00 Uhr bekannt gegeben, in den meisten Wahlkreisen geschieht dies zwischen 3.00 und 4.00 Uhr morgens. In Nordirland beginnt die Auszählung erst am Morgen nach der Wahl, wobei die Resultate am frühen Nachmittag bekannt werden.
(Aus der Wikipedia)

Der Vorlauf zur Wahl wurde in diesem Blog dokumentiert.

Die ersten Ergebnisse finden sich aller Wahrscheinlichkeit (und Erfahrung) nach bei den englischen Wikinews oder der deutschen oder englischen Wikipedia. Kommentare des Ergebnisses dann in Eurer Lieblingstageszeitung oder den einschlägigen blogs

Posted by kreetrapper at 14:40 in When Will You Rage? | Comments (0)

02.05.05

Zuckerbrot und Peitsche

Dank meiner erstklassigen Kontakte zur Grünen Jugend (und leider auch nur dadurch) habe ich von der diesjährigen Rock The Vote-Veranstaltung erfahren. Daß ich nicht auf anderem Wege davon erfahren habe, mag aber auch daran liegen, daß ich nicht die primäre Zielgruppe bin. Zum einen bin ich schon sehr alt (tatsächlich sogar so alt, daß ich der Grünen Jugend inzwischen gar nicht mehr beitreten könnte, selbst wenn ich es wollte), zum andere bin ich schon an Politik interessiert und habe dafür nicht so eine große Begeisterung für's "Party machen".

Doch genug von mir, worum geht es?

Der Ring Politischer Jugend, Dortmund veranstaltet eine Podiumsdiskussion zur anstehenden Landtagswahl in drei Wochen. Geladen sind die Kandidaten der vier großen Parteien und außerdem die Bands Lorka, Frontloop und Goldhouse. Und im Anschluß, quasi als Sahnehäubchen, gibt es eine Aftershowparty mit dem berühmten Rapper der Wolf ("Vorsicht am Borsig"). Das Ganze findet im Bakuda Klub statt (der, wie ich auf der Homepage feststelle, scheinbar zum Café Max gehört); und zwar am kommenden Freitag, dem 6. Mai, um 20.00 Uhr. Einlaß ist ab 19.00 Uhr, und wer vor 20.00 Uhr dort ist, zahlt keinen Eintritt (danach 3 Euro) - eine gute Idee, um die Leute, die sich vielleicht nur die Bands ansehen wollen, auch zum politischen Teil zu locken.

Wer nach der Veranstaltung immer noch unentschlossen ist, wen er wählen soll, oder wer vorher schon mal herausfinden will, wen er am besten anfeuern und wen ausbuhen sollte, der kann durch den Wahlomat herausfinden, mit welcher Partei die eigenen Vorstellung am ehesten kompatibel sind (wie meist werden leider wieder einmal nur die vier größten Parteien berücksichtigt). Wer sowieso immer für den Underdog ist, kann anhand der Sonntagsfrage die politische Stimmung im Lande oder im Staate erfassen.

Posted by kreetrapper at 15:38 in When Will You Rage? | Comments (1)

22.04.05

Dummheit siegt

Gestern stand in der tazNRW:

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Jetzt liegt die CDU auch noch bei der Wahlwerbung vorne. Der Münsteraner Politikwissenschaftler Wichard Woyke erklärte, die Partei habe mit ihrem Wahlkampfslogan "Genug ist genug" einen "klaren Punktvorteil". Die Botschaft sei zwar "platt", komme aber an. Die Kampagne der SPD bezeichnete Woyke hingegen als "müde und ideenlos".
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Stimmt natürlich. Mit echten Inhalten anzutreten ist wirklich ein wenig unkreativ. Besser wäre vermutlich dieser Slogan gewesen:

Noch lange nicht genug! SPD.

Posted by kreetrapper at 20:07 in When Will You Rage? | Comments (0) | TrackBack

20.04.05

Endlich ist es soweit

Harald Schmidt hat soeben die Weltrevolution ausgerufen. Ich kann nur jedem raten, sich eine der zahllosen Wiederholungen der heutigen Show anzusehen, um zu wissen, wie wir vorgehen werden. Die Guillotine soll übrigens am Kölner Neumarkt stehen. Da kann der Klassenfeind sich aber warm anziehen.

Wenn das keine Grundversorgung ist, weiß ich es auch nicht.

Posted by kreetrapper at 23:47 in When Will You Rage? | Comments (0) | TrackBack

23.02.05

Nur zu Besuch

Momentan befindet sich der Führer der freien Welt auf deutschem Boden. Aber keine Angst, für seine Sicherheit ist gesorgt. Das wäre die Chance für Adam Green, der sich momentan ja auf Deutschlandtournee und damit ebenfalls auf deutschem Boden befindet, ihn endlich persönlich zu treffen:

I'd be so happy if I got to meet George Bush
He's like an angel when Rebecca hears me calling
I would dance on NBC and say
'George Bush shook hands with me'
Then I'd go and choke on a cock

In totally unrelated news here's a guide on How To Destroy The Earth:

This is not a guide for wusses whose aim is merely to wipe out humanity. I can in no way guarantee the complete extinction of the human race via any of these methods, real or imaginary. Humanity is wily and resourceful, and many of the methods outlined below will take many years to even become available, let alone implement, by which time mankind may well have spread to other planets; indeed, other star systems. If total human genocide is your ultimate goal, you are reading the wrong document. There are far more efficient ways of doing this, many which are available and feasible RIGHT NOW. Nor is this a guide for those wanting to annihilate everything from single-celled life upwards, render Earth uninhabitable or simply conquer it. These are trivial goals in comparison.

This is a guide for those who do not want the Earth to be there anymore.

Posted by kreetrapper at 16:00 in When Will You Rage? | Comments (0) | TrackBack

21.02.05

further link-blogging

"U.S. religious groups export their homophobia to Canada
After having successfully injected ignorance and bigotry into the American political process, U.S. religious organizations have waded into the Canadian debate on same-sex marriage."

Dieser News-Schnipsel löst bei John Rogers a.k.a. Kung Fu Monkey eine sehr emotionale Reaktion aus, in der er eine vielversprechende Zukunft für sein heimisches Kanada prophezeit, wenn sie es auf die Reihe bekommen.

This is what defines Canada's virtue to me. Canada does not convert. Canada heals. Canada leads. First among the nations, creating the Peacekeepers. Pushing the Land Mine ban. Still not perfect, but doing their best at reconciling issues with the aboriginal peoples even as other nations such as Australia choke on their responsibility. Allowing Quebec its poetic, myopic thrashings. I'm always a little dismayed at native Canadians who whinny about Canada's missing identity. I, as an adopted son, know damn well what Canada is. "Come, have a pint, I don't mind your odd accent -- mine's a bit dodgy too. Your business is your business, we can all be friends as long as you buy the next round."

...

WAKE. UP.

Stop looking south, worrying what the loud lad over the fence is going to do next and what he'll think of you. Look East, where Ireland has remade itself into the world's largest software exporter, showing us that nimble little economies can adapt within a generation. Look West, where the Asian nations forge alliances that will dominate the next half of the century. We're the bloody BRIDGE between those two worlds - because it certainly as shit isn't going to be Putin's Russia that connects them. Hell even our cousins in South America -- cousins by virtue of living in the same shadow -- Canada could reach out, be the central hinge through convenience of geography. Canada, if it wakes the FUCK UP, could be the center of the damn world this century.

Posted by kreetrapper at 22:58 in When Will You Rage? | Comments (0) | TrackBack

20.02.05

Elektionismus

Es wird wieder munter gewählt. Heute sind nicht nur die allseits beworbenen Landtagswahlen in Schleswig-Holstein, sondern auch Parlamentswahlen in Portugal und Nordzypern. Außerdem gibt es in Spanien das erste Referendum über die Ratifizierung der EU-Verfassung (offizielle Seite). Mal sehen, was davon es in die Tagesschau schafft. Zumindest die Ergebnisse aus Spanien kann man sich jedenfalls morgen genüßlich auf den einschlägigen EU-News-Seiten ansehen: Beim EU Observer und der Presseschau von europa digital.

Posted by kreetrapper at 14:08 in When Will You Rage? | Comments (0) | TrackBack

16.02.05

Revocation of Independence

Gestern bekam ich mal wieder eine dieser zahllosen auf der ganzen Welt zirkulierenden E-Mails. Diesmal jedoch eine sehr unterhaltsame, die ich daher hier erwähne, anstatt sie an all meine Freunde weiterzuleiten. Für so etwas hat man schließlich ein blog. Da ich niemanden zumüllen will, poste ich nur einen Teaser und setze einen Link auf den kompletten Text.

NOTICE OF REVOCATION OF INDEPENDENCE

To the citizens of the United States of America,

In the light of your failure to elect a President of the USA and thus to govern yourselves, we hereby give notice of the revocation of your independence, effective today. Her Sovereign Majesty Queen Elizabeth II will resume monarchial duties over all states, commonwealths and other territories. Except Utah, which she does not fancy. Your new prime minister (The Right Honourable Tony Blair, MP for the 97.85% of you who have until now been unaware that there is a world outside your borders) will appoint a minister for America without the need for further elections. Congress and the Senate will be disbanded.

A questionnaire will be circulated next year to determine whether any of you noticed.

Der komplette Text findet sich beispielsweise bei about.com, wo man ebenfalls die passende Antwort der Amerikaner nachlesen kann.

The Supreme Court of Florida has instructed me to post the following to ensure strict balance in these turbulent times.

DECLARATION OF ANNEXING THE BRITISH ISLES AS PART OF THE USA

To the imperialist British colonizers.

In the light of your indecision over joining a common European Currency, your dissatisfaction with the European Union, your bickering with European Governments and the fact that you already almost speak our language and refuse to speak any other European languages, you are to be annexed as a State of America. Your state code will be GB. Zip codes will be assigned to replace your old postal districts. The state capital will be Stratford-upon-Avon which is a lot prettier than London. Princess Diana will be declared a saint. You have already assimilated so much American culture that you are unlikely to notice the transition.

Mich erreichte die Mail mit dem Zusatz by John Cleese. Als ich jedoch nach einer Online-Version googelte, fand ich heraus, daß es so einfach wohl doch nicht ist. Dieser Ursprung wird mehrfach als Urban Legend enttarnt, z.B. bei Truth or Fiction oder bei about.com.

It's directed to Americans from the British and is said to have been written by comedian John Cleese of Monty Python fame.
[...]
We've not found the origin [of]... this piece and have not seen any evidence that it was written by John Cleese.

Posted by kreetrapper at 17:48 in Weirdness & Fun | Comments (0) | TrackBack

02.02.05

Three down, twenty-two to go

Gestern hat nach Ungarn und Litauen mit Slowenien der dritte Staat die EU-Verfassung ratifiziert. In Italien hat dies immerhin schon das halbe Parlament (also eine der beiden Kammern) getan. Ein wenig beängstigend scheint bei der slowenischen Ratifizierung nur, daß laut Meinungsumfragen die große Mehrheit der Bevölkerung nichts über die Bestimmungen der europäischen Verfassung (Der Standard) weiß. Die Regierung gibt zu Protokoll, daß bis zum Inkrafttreten am 1. November 2006 noch genügend Zeit sei, die Bevölkerung zu informieren. Das mag einigermaßen legitim sein, da die Bevölkerung hier, wie auch bei den beiden anderen Schnell-Ratifizierern, nicht direkt am Entscheidungsprozeß beteiligt wurde. Außerdem liest man ja auch immer in allen Umfragen und Studien (z.B. hier), daß die Eurobegeisterung in keinem neuen Mitgliedsland größer ist als in Slowenien. Anders sieht das allerdings in Spanien aus, das am 20. Februar als erstes Land eine Ratifizierung per Volksabstimmung durchführen wird. Die - Entschuldigung für das billige Wortspiel - Europhorie in Spanien ist indes derart stark, daß eine umfassende Information der Bevölkerung gar nicht nötig zu sein scheint. Oder wie es der Präsident des Europaparlaments Josep Borrell so treffend ausdrückt: "Kein Spanier hat die EU-Verfassung gelesen, doch die Mehrheit ist schon jetzt dafür." (Die Welt). Bei mir selbst ist es auch größtenteils Begeisterung für die EU, die mich den langwierigen Ratifizierungsprozeß mit einer Begeisterung verfolgen läßt, die bei den meisten Menschen für Sportveranstaltungen reserviert zu sein scheint. Aber auch abgesehen davon ist die Idee einer supranationalen Verfassung ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer stärkeren Vertiefung der Union. Ich persönlich träume ja bereits mittelfristig von einer Abschaffung des häßlichen Nationalstaatskonzeptes, aber dafür muß noch viel getan werden. Die Verfassung ist jedenfalls ein wichtiger Wegpunkt auf diesem Wege, eine Meinung, die ich zu meiner Überraschung sogar mit Wolfgang Schäuble teile, der einen mitunter sehr interessanten Artikel zu diesem Thema in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung veröffentlicht hat. Er schreibt dort:

Um auf diesen Politikfeldern voranzukommen, wird die EU mehr Handlungsmöglichkeiten und auch mehr Flexibilität benötigen, als der Verfassungsvertrag bieten kann. Dieser ist insofern ein wichtiger Zwischenschritt, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Weiterführende Überlegungen sind unumgänglich, um eine EU mit künftig mehr als 30 Mitgliedern entscheidungs- und handlungsfähig zu halten.

Daher würde ich es mit Betrüben sehen, wenn der Verfassungsvertrag von einigen Mitgliedsländern abgelehnt wird. Besonders schlecht scheint es zur Zeit in Tschechien und dem Vereinigten Königreich auszusehen. Wenn Ihr also derselben Meinung seid wie ich, dann solltet Ihr Euch zur Aufgabe machen, jedem Tschechen und jedem Briten, dem Ihr in den nächsten Monaten begegnet, dahingehend ins Gewissen zu reden. Die ganz Eifrigen unter Euch können ja auch selbst in die Länder reisen und die Bevölkerung vor Ort überzeugen. Wer wie ich fleißig mitfiebern will, für den hat das Centrum für angewandte Politikforschung als Service eine Übersicht zum Stand des Ratifizierungsprozesses in den 25 EU-Mitgliedstaaten ins Internet gestellt.

Posted by kreetrapper at 23:50 in When Will You Rage? | Comments (0) | TrackBack

30.01.05

Wähl' um dein Leben

Hurra! Heute wird endlich im Irak, dem 52. Bundesstaat der USA, gewählt. Diese Wahl wird sicherlich eine Menge neuer Präzedenzfälle schaffen. Ist jemand zum Beispiel auch dann noch stimmberechtigt, wenn er noch vor Auszählung der Stimmen erschossen wird? Und was ist, wenn es schon bei der Stimmabgabe passiert? Welche Vorkehrungen werden getroffen, damit frustrierte Mitglieder von Parteien, deren Chancen nicht so gut sind, nicht einfach vor der Auszählung das Wahlbüro dem Erdboden gleich machen? Wer ist so bescheuert, unter diesen Bedingungen als Wahlhelfer zu arbeiten? Und dazu womöglich auch noch ehrenamtlich? Fragen über Fragen. Einige Antworten liefert uns The Onion:

The Onion Infograph - The Upcoming Iraqi Election

Und wer der Illusion erliegen sollte, daß die US-Armee nach den Wahlen ja jetzt eigentlich keinen Grund mehr zu bleiben hat, darf nicht vergessen, daß ja der Transit zwischen Afghanistan und dem Irak noch immer durch Grenzen behindert wird. Die Jungs werden also noch ein Weilchen dort bleiben, wie auch Doonesbury weiß:

Doonesbury-Strip vom 29.1.2005

Zum Glück für die Bevölkerung ist ja der allein Verantwortliche für die Folterung von Gefangenen nun endlich seiner gerechten Strafe zugeführt worden. Wenn das kein Grund zum Aufatmen ist.

Posted by kreetrapper at 02:00 in When Will You Rage? | Comments (0) | TrackBack

25.01.05

Das sind ja gleich zwei Kontinente auf einmal!

The New York Review of Books nimmt sich in ihrer Ausgabe vom 10. Februar 2005 (!) des Themas Europa vs. Amerika an. Tony Judt schreibt hierzu einen sehr interessanten Artikel und rezensiert quasi nebenbei die Bücher

Der Link stammt vom hervorragenden Europa-blog A Fistful of Euros. Ein kurzes Exzerpt als Appetitanreger:

To the Bush administration "Islam" is an abstraction, the politically serviceable object of what Washington insiders now call the GWOT: the Global War on Terror. For the US, the Middle East is a faraway land, a convenient place to export America's troubles so that they won't have to be addressed in the "homeland." But the Middle East is Europe's "near abroad," as well as a major trading partner. From Tangier to Tabriz, Europe is surrounded by the "Middle East." A growing number of Europeans come from this Middle East. When the EU begins accession talks with Turkey, it will be anticipating its own insertion into the Middle East. America's strategy of global confrontation with Islam is not an option for Europe. It is a catastrophe.

Posted by kreetrapper at 23:51 in When Will You Rage? | Comments (0) | TrackBack

17.12.04

Exciting Times for Europhiles

Türkei-Flagge.png   EU-Flagge_klein.png


Gute Nachrichten aus Brüssel. Am 3. Oktober 2005 beginnt die EU Beitrittsverhandlungen mit der Türkei. Obwohl es erst so aussah, als wäre schon alles gestern beim Abendessen der Staats- und Regierungschefs ausgemauschelt gewesen und der heutige Tag nur noch eine reine Formsache, ist es dank der vielbeschworenen Zypernfrage doch noch einmal spannend geworden. Dementsprechend saß ich bereits ab halb zehn vor dem Fernseher, da Phoenix eine ausführliche Berichterstattung versprochen hatte. Leider waren das im wesentlichen leere Versprechungen, denn im Laufe des Tages wurde ich stattdessen vornehmlich mit allen nur erdenklichen Informationen zum "Scheitern der Gepräche zur Föderalismusreform" zugemüllt. Die Schalten nach Brüssel waren spärlich gesäht - es gab, wenn ich mich recht erinnere, im Ganzen nur drei Stück; davon war keine länger als eine halbe Stunde. Und die letzte wurde auch noch kurz vor der finalen Pressekonferenz aus programmpolitischen Gründen abgebrochen. So mußte ich dann auch noch die Phoenix-Nachrichten "Der Tag" anschalten, um zu sehen, was Jan Peter Balkenende, der niederländische Ratspräsident und Gewinner des Bill Gates Lookalike-Contest, zu verkünden hatte:

Die EU hat der Türkei Beitrittsverhandlungen angeboten, unter der Voraussetzung, daß die Türken ihrerseits endlich die Republik Zypern, Spielverderber des Annan-Plans zur Wiedervereinigung des Landes und EU-Neumitglied, anerkennt.

[Kleiner linguistischer Exkurs: Das an in anerkennen ist das, was wir Linguisten eine abtrennbare Verbpartikel nennen. Es heißt daher nicht: Die Türkei anerkennt die Republik Zypern., sondern <Die Türkei erkennt die Republik Zypern an.]

Der türkische Premier mit dem interessanten Namen Recep Tayyip Erdogan hat sich auf dieses Angebot erst entrüstet gezeigt, daß der EU 600.000 Zyprioten (das hätte auch wunderbar in meine Hausarbeit über Namen gepaßt) wichtiger sind als 7 Millionen Türken, bis ihm schließlich eine Möglichkeit eingefallen ist, den Kuchen gleichzeitig zu essen und zu behalten. Er erklärte sich bereit vor Beginn der Beitrittsverhandlungen das sogenannte Ankara-Protokoll zu unterzeichnen, welches die Zollunion zwischen EU und Türkei auf die 10 neuen EU-Staaten ausweitet. Dies ist eine de-fakto-Annerkennung von Zypern, das ja zu diesen 10 neuen Mitgliedern gehört, allerdings hat Erdogan gleichzeitig lautstark betont, daß es eine formale Anerkennung Zyperns nicht geben werde.

Wirklich interessant sind jetzt allerdings die genauen Modalitäten der Verhandlungen, von denen ich trotz stundenlangen Fernsehens immer noch nichts Genaues weiß. Zuletzt machten ja Gerüchte die Runde, daß man der Türkei mit sogenannten Schutzklauseln die elementaren EU-Grundbausteine Agrarsubventionen, Regionalförderungen und Freizügigkeit des Arbeitsmarktes vorenthalten will. Gerade bei letzterem war sogar von permanenter Verweigerung dieser Freizügigkeit die Rede, was die Türkei effektiv zu einem EU-Mitglied zweiter Klasse machen würde. Man kann im Interesse der EU und ihrer Stabilität als politischen Organisation nur hoffen, daß man sich sehr schnell von solchen Überlegungen verabschiedet.

Bis zu einem tatsächlichen Beitritt wird sicherlich noch viel Wasser den Bosporus herunterfließen. Momentan ist die Stimmung unter den Europäern eher gegen den Beitritt wie man zum Beispiel hier und hier sehen kann. Der österreichische Bundeskanzler Schüssel, selbst ein Beitrittsgegner, ist beispielsweise gleich nach Ende des EU-Gipfels nach Hause gefahren, um dort eine Volksabstimmung über den Beitritt zu organisieren. Ähnliches wird man auch in Frankreich erwarten können, wo Präsident Jacques Chirac mit seiner Beitrittseuphorie ziemlich allein auf weiter Flur dasteht, selbst innerhalb seiner eigenen Partei. Es wird also noch ein langer und holpriger Weg werden.

Vermutlich nicht ganz so lang, aber ebenfalls ganz schön holprig wird der Weg für Kroatien, mit dem die Beitrittsgespräche bereits am 17. März beginnen sollen, allerdings nur wenn die Zusammenarbeit der Kroaten mit dem Kriegsverbrechertribunal in Den Haag in Zukunft reibungsloser verlaufen.

Fein raus sind hingegen Bulgarien und Rumänien, denen nun zugesagt wurde, daß der Beitrittsvertrag im Frühjahr unterzeichnet werden wird, so daß einem Beitritt zu Beginn des Jahres 2007 nichts mehr entgegen stehen sollte.

Wer sich gern weitergehend informieren möchte, könnte, wie ich gerade, das Buch Die Türkei von Günter Seufert und Christopher Kubaseck lesen. Außerdem habe ich die folgenden Links zusammengetragen:

The BBC

The Guardian

Spiegel online

Der Standard

Süddeutsche Zeitung

Die Tagesschau

Europa-Portal der Wikipedia

Posted by kreetrapper at 23:33 in When Will You Rage? | Comments (0) | TrackBack

19.11.04

'ne Mail geht um die Welt

Mal wieder kursiert eine Mail auf der Welt. Diesmal muß man jedoch nicht seine Lieblingsfarben oder -lieder irgendwelchen Personen zuordnen, sondern es ist ein politischer Kommentar. Im Zeitalter des blog ist es mir natürlich ein Leichtes den Text online zu finden, so daß ich hier nur kurz darauf verlinke und lediglich einige Appetizer präsentiere:

An Open Letter to President Bush

Dear President Bush,

Congratulations on your election victory and for doing so much to educate people regarding God's Law. I have learned a great deal from you and understand why you would propose and support a constitutional amendment banning same sex marriage. As you said "in the eyes of God marriage is based between a man a woman." ...

However, I do need some advice from you regarding some other elements of God's Laws and how best to follow them.

4. When I burn a bull on the altar as a sacrifice, I know it creates a pleasing odor for the Lord - Lev.1:9. The problem is my neighbors. They claim the odor is not pleasing to them. Should I smite them?

8. Most of my male friends get their hair trimmed, including the hair around their temples, even though this is expressly forbidden by Lev.19:27. How should they die?

10. My uncle has a farm. He violates Lev.19:19 by planting two different crops in the same field, as does his wife by wearing garments made of two different kinds of thread (cotton/polyester blend). He also tends to curse and blaspheme a lot. Is it really necessary that we go to all the trouble of getting the whole town together to stone them? Lev.24:10-16. Couldn't we just burn them to death at a private family affair, like we do with people who sleep with their in-laws? (Lev. 20:14)

Posted by kreetrapper at 00:17 in When Will You Rage? | Comments (0) | TrackBack

10.11.04

Das ist das letzte

Langsam läuft sich das ganze tot und daher ist dies vorerst das letzte Posting über die Dummheit der meisten Amerikaner. Zumindest solange sich Bush mit dem Bruch der Verfassung und des Völkerrechts zurückhält.

Immerhin gibt es hier eine Entschuldigung der nicht so dummen Hälfte. Die wahren Verhältnisse zwischen rot und blau versucht diese Seite aufzuzeigen, wohingegen es diese Grafik etwas zuspitzt.

usa.jpg

Ich bin jedenfalls gespannt, wieviele Amerikaner ihre Emigrationspläne verwirklichen. Slate zeigt jedenfalls gute Gründe auf, warum ein Umzug nach Kanada sich lohnen würde.

Posted by kreetrapper at 19:58 in When Will You Rage? | Comments (0) | TrackBack

08.11.04

More links (some of them concerning last Tuesday)

A Softer World usually only updates on Friday but makes an exception for Nov. 3rd:

bush_camp.jpg

Lyssas Lounge malt sich aus, was die Folgen sein werden.

Und als hätte die US-Präsidentschaftswahl noch nicht gereicht: Giant squids are taking over the world, die erschreckende Wahrheit über den Hello Kitty-Vibrator wird endlich enthüllt und das Schnabeltier wurde schließlich doch noch offiziell für seltsam erklärt.

Posted by kreetrapper at 16:06 in Weirdness & Fun | Comments (0) | TrackBack

05.11.04

Oh Fuck!

It's gonna be another four years.

Posted by kreetrapper at 00:40 in When Will You Rage? | Comments (0) | TrackBack

31.10.04

He's still watching You

Die alljährlichen Big Brother Awards sind mal wieder vergeben worden. Die Preisträger sind dieses Jahr:

Lassen wir dem guten Herrn Blair das letzte Wort: If you want a picture of the future, imagine a boot stamping on a human face--for ever.

Posted by kreetrapper at 02:24 in When Will You Rage? | Comments (0) | TrackBack

29.10.04

Time is running out for Bush jokes

Nur noch etwas mehr als 3 Tage bis zu den US-Präsidentschaftswahlen und mit etwas Glück wird die Anzahl von Bush-Witzen mit einem Mal schlagartig sinken. Die genaue Zeit zeigt nach wie vor der Bush-Counter an, auch wenn die Seite ansonsten schon länger ins Koma gefallen ist. Für alle, denen plötzlich einfällt, daß sie in Wirklichkeit amerikanische Staatsbürger sind und ja auch noch wählen müssen, gibt es den praktischen The Onion's Election Day Guide. Einige der wichtigsten Tips lauten zum Beispiel:


This is one of the most important elections in recent times, so it's best if you just leave it up to the pros.

If you are black and a resident of Florida, work out two or three alternate routes to your polling place to avoid police checkpoints.

If you live in Florida, for Christ's sake, look at the ballot very, very carefully this time.

Keep in mind that the name of every person who votes against George Bush is going to be read aloud on television the next time we're attacked by terrorists.

Weitere interessante Schlagzeilen bei "America's Finest News Source":

The Onion's Countdown to the Recount 2004

Republicans urge Minorities to get out and vote on Nov. 3

Und als Rundumschlag schließlich noch ein Sammelsurium von Artikeln im The Onion 2004 Election Guide

Have a lot of fun!

Posted by kreetrapper at 14:33 in When Will You Rage? | Comments (0) | TrackBack

Smokescreen

Die Hetzjagd auf Raucher geht weiter. In diesem Jahr gab es mit der Verbannung der Raucher aus der Ruhr-Universität und dem rauchfreien Bahnhof gleich zwei große Aktionen gegen die vielleicht größte Minderheit in der Bundesrepublik. Besonders letztere Aktion hat es geschafft auch mich als Nichtraucher gründlich zu nerven, da man seitdem an der Haltestelle der U35 mit der ich täglich zur Uni fuhr alle 5 Minuten um Verständnis dafür gebeten wurde, daß man hier nicht rauchen dürfe. Mein Verständnis für diese Ansage hielt sich schon zu Beginn in Grenzen und wandelte sich wie so oft, wenn etwas bis zum Erbrechen wiederholt wird, schnell in reinstes Unverständnis (Deswegen heißt es ja auch: Bis zum Erbrechen).

Aber das ist hier nur bedingt das Thema. Eigentlich geht es um den Kampf gegen den Terror (den Raucher auf Nichtraucher ausüben). Der Staat wird seiner Sorgfaltspflicht in dieser Hinsicht zum Beispiel dadurch gerecht, daß er fleißig die Tabaksteuer und die Arbeitslosenquote anhebt. Denn: Wer sich keine Zigaretten leisten kann, muß ja mit dem Rauchen aufhören. Auch die (Grüne) Jugend hat endlich die Zeichen der Zeit erkannt und sucht die erste rauchfreie Kneipe Dortmunds. Interessierte, die nicht wie ich schon zu alt dafür sind, können sich gern an der Suche beteiligen. Die nächste Möglichkeit bietet sich beim nächsten Treffen am kommenden Donnerstag. Auch die Großen sind derweil nicht untätig, um möglichst vielen Leuten den Spaß am Rauchen zu verderben. Schon plant die EU den nächsten Geniestreich. Bereits seit einiger Zeit stehen auf den Zigarettenschachteln lustige kleine Botschaften wie z.B. die folgende:

smoke43.jpg

Aber demnächst wird das ganze noch durch spaßige Bildchen ergänzt. Die Bandbreite ist dabei sehr weit. Es gibt metaphorische
smoke42.jpg
und cartoonige

smoke14.jpg
aber auch extrem erschreckende

smoke17.jpg

Besonders letztere könnten die Zahl der Raucher wieder stark reduzieren, und damit den Staatshaushalt mal wieder gehörig durcheinander bringen. Aber für die Gesundheit seiner Bürger sollte der Staat auch schon mal den Stabilitätspakt über den Haufen werfen können, oder?

Posted by kreetrapper at 01:42 in When Will You Rage? | Comments (0) | TrackBack

27.10.04

Weniger ist mehr

Wieder einmal habe ich im schonungslosen Selbstversuch ein Sprichwort getestet und auch dieses erwies sich als zutreffend. Es hat sich nämlich herausgestellt, daß ich, je mehr freie Zeit ich habe, desto weniger geregelt bekomme. Das Spannendste in den letzten Tag war da sicherlich noch der Besuch der diesjährigen Spielemesse. In der letzten Woche habe ich außerdem ein weiteres Mal das wunderbare Vollplaybacktheater gesehen. Diesmal mit der großen Jubiläumshuldigungstournee: 25 Jahre "Die drei ???" - 7,5 Jahre Das Vollplaybacktheater. Wenn Ihr Euch beeilt und in Norddeutschland wohnt, könnt Ihr sie in den nächsten Tagen noch live sehen.

Während ich hauptsächlich faulenze, spielt sich an anderer Stelle im Haus das genaue Gegenteil ab. Offenbar ist mein auf mysteriöse Weise verschwundener Nachbar nicht wieder aufgetaucht, da die Wohnung inzwischen neu vermietet wurde und die neuen Nachbarn nun fleißig am Renovieren sind.

Damit das blog hier nun nicht genauso einschläft, wie all meine anderen Aktivitäten sammle ich mal wieder die interessantesten und bizarrsten Neuigkeiten aus dem Web ein:

Mit dem Winter kommt auch wieder die Grippezeit. Momentan kann man sich noch völlig kostenlos dagegen impfen lassen. Zur Abschreckung - So sieht der Bursche aus:

orthomyoxvirus.jpg

Ihn und seine Kollegen (z.B. HIV oder die Pest) kann man sich jetzt als Stoffpuppen bei Giantmicrobes bestellen.

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Die Hirnforschung macht derweil riesige Fortschritte. Zum einen versuchen US-Forscher uns mit Braingate einen Hauch von Shadowrun in die Gegenwart zu bringen:

Ein wichtiger Schritt zur Verbindung von Mensch und Maschine scheint getan: Ein querschnittgelähmter Mann kann allein mit seinen Gedanken Computer und Fernseher steuern. Mediziner hatten ihm einen Chip eingepflanzt, der Signale aus dem Gehirn an einen Computer schickt.

Zum anderen gibt es da Dr. Viktor Frankenst... äh Thomas DeMarse, der sich seine eigenen Gehirne in Petrischalen züchtet:

Dr. Thomas DeMarse hopes observing the brain-in-a-dish will enable scientists to learn more about how real brains work. "There's a lot of data out there that will tell you that the computation that's going on here isn't based on just one neuron. The computational property is actually an emergent property of hundreds or thousands of neurons cooperating to produce the amazing processing power of the brain."

DeMarse will soon be attending a summit with colleagues Dr. Frankenstein, Dr. von Doom and Mr. Spock to find develop more -- shall we say -- promising lines of research.

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In weniger als einer Woche finden in den USA (man beachte den Artikel) die vielbeachteten und gefürchteten Präsidentschaftswahlen statt. Das Ganze schlägt diesmal besonders hohe Wellen. So zum Beispiel Eminem schließlich doch noch das angekündigte politische Video nachgelegt. Momentan konnte ich noch keine Infos darüber finden, ob man das Video auch hierzulande im Musikfernsehen bestaunen können wird oder ob es eine passende Single-Auskopplung geben wird. Aber die Breitband-Welt kann sich das Video auf der deutschen Eminem-Seite ansehen. Die US-Seite ist, als ich das hier schreibe, nicht erreichbar. Man kann nur mutmaßen, ob das an den Millionen Fans liegt, die sich das neue Video ansehen wollen, oder ein Denial-Of-Sevice-Angriff derjenigen, die nicht wollen, daß sich alle das Video anschauen. Hier kann man sich den Text durchlesen. Die US-Wahl ist auch hierzulande mehr als sonst Thema. So zeigt z.B. ProSieben am Montag, einen Tag vor den Wahlen, Michael Moores Fahrenheit 9/11. Und bereits heute gibt es bei den Öffentlich-Rechtlichen ebenfalls Sendungen zum Thema. Abschließend dazu noch ein Bild von Alex Ross, das ich bei The Beat gefunden habe:

village_bush.jpg

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16.10.04

Nicht ganz unsere Wirklichkeit

Alternative Realitäten sind immer wieder sehr unterhaltsam. In diesem Zusammenhang weise ich noch mal schnell auf das nach wie vor überaus unterhaltsame Today in Alternate History hin. Der eigentlich Grund des Postings ist aber ein sehr interessanter Beitrag von Will Shetterly, der sich durchaus kritisch mit der Frage beschäftigt: Was wäre, wenn George W. Bush 2000 wirklich gewählt worden wäre. Das dargestellte Szenario (das nicht von ihm selbst ist - den ursprünglichen Text habe ich aber nicht finden können) enthält sehr viele ziemlich unglaubwürdige Annahmen, die Will auch entsprechend harsch kritisiert. Denn seien wir einmal ehrlich, so dumm, wie der Bush in diesem Szenario, kann sich doch nun wirklich kein US-Präsident anstellen.

Posted by kreetrapper at 00:53 in Weirdness & Fun | Comments (0) | TrackBack

24.09.04

Auf dem Weg ins neue Jahrtausend

Zwei Artikel aus dem Spiegel zeigen, was uns die Zukunft bringen könnte, wenn wir nicht aufpassen, daß der vielzitierte "Clash of the Cultures" nicht aus dem Ruder läuft.

Der erste Artikel beschäftigt sich mit der Methodik:

Das US-Militär will Unruhen im Irak künftig mit Energiewaffen beenden

Ein Transmitter erzeugt Mikrowellen mit einer Frequenz von 95 Gigahertz, die etwa 0,4 Millimeter tief in die Haut eindringen. Die elektromagnetische Strahlung erhitzt die Wassermoleküle und erzeugt innerhalb von Sekunden "unerträgliche" Schmerzen

Der zweite Artikel deutet eine beängstigende Vergrößerung der Gruppe "Feinde der Freiheit" an, d.h. Staatsfeinde der USA. Vor wenigen Tagen wurde einem Mann namens Yusuf Islam als Terrorverdächtigem die Einreise in die USA verweigert.

Erst als die Boeing 747 der United Airlines bereits in der Luft war, hatte man den potenziellen Terroristen erkannt. Sein Name wurde bei einer Überprüfung der Passagiere auf der Liste der Terrorverdächtigen entdeckt. Die Folge: Der Flug mit der Nummer 919 wurde auf Anweisung der amerikanische Flugsicherheitsbehörde (TSS) 1000 Kilometer weit in Richtung Bangor im US-Staat Maine umgeleitet. Hier musste der verdächtige Passagier das Flugzeug verlassen.

Nun ist Yusuf Islam allerdings nicht irgendwer, sondern ein anerkannter britischer Staatsbürger, der vielen auch unter dem Namen Cat Stevens bekannt ist.

Seit seinem Übertritt zum muslimischen Glauben war der Sänger mit zahlreichen Kontroversen in die Schlagzeilen geraten. Die Behauptung, er habe das von Ayatollah Khomeini ergangene Todesurteil gegen Salman Rushdie gutgeheißen, hat Yusuf Islam öffentlich dementiert. Genützt hat ihm das wenig, denn vor allem in Amerika wurde derart Stimmung gegen ihn gemacht, dass der Ruf des ehemaligen Popsängers dort fast vollständig ruiniert ist.

Der gute Yusuf macht aus seiner Empörung keinen Hehl:

"Die ganze Sache ist vollkommen lächerlich", sagte der 56-Jährige bei seiner Ankunft in London. "Ich weiß nicht, ob ich lachen oder weinen soll. Es ist verrückt. Jeder kennt mich wegen meiner Arbeit für wohltätige Zwecke", fügte er hinzu. "Nun müssen Erklärungen her", forderte er.

Aus seiner anti-amerikanischen Grundhaltung macht der Muslim kein Hehl: In einem Interview mit der "Tageszeitung" kritisierte er vor knapp einem Jahr die US-Regierung scharf: "Ich glaube, die USA sind ein naives Volk, nicht annähernd so weit entwickelt wie die europäischen Nationen. Deswegen machen sie so viele Fehler. (...) Schauen Sie sich George W. Bush an. Er sollte diesen Job nicht haben, er dürfte diesen Job nicht haben - und jeder weiß das!" Er wolle versuchen, den zivilisierenden Beitrag zu unterstreichen, den der Islam in der Welt leisten könne und bereits geleistet hat, erklärte der Barde.

Düstere Wolken dräuen am Horizont. Wollen wir auf einen klärenden Wind hoffen, auch wenn die Alternativen bei der im November anstehenden US-Präsidentschaftswahl einem Schauer über den Rücken jagen.

PS: Aufmerksame Leser der obigen Zitate und meiner Beiträge der letzten Zeit werden erstaunt (oder empört oder befriedigt) feststellen, daß der Spiegel seinen großen Tönen betreffs der Wiedereinführung der alten Rechtschreibung bisher keine Taten folgen läßt. Dies läßt die Verantwortlichen natürlich nur noch mehr als publicitysüchtige Schaumschläger dastehen.

Posted by kreetrapper at 23:34 in When Will You Rage? | Comments (0) | TrackBack

11.09.04

The Onion - America's Finest News Source

Bush Campaign More Thought Out Than Iraq War

WASHINGTON, DC—Military and political strategists agreed Monday that President Bush's re-election campaign has been executed with greater precision than the war in Iraq. "Judging from the initial misrepresentation of intelligence data and the ongoing crisis in Najaf, I assumed the president didn't know his ass from his elbow," said Col. Dale Henderson, a military advisor during the Reagan Administration. "But on the campaign trail, he's proven himself a master of long-term planning and unflinching determination. How else can you explain his strength in the polls given this economy?" Henderson said he regrets having characterized Bush's handling of the war as "incompetent," now that he knows the president's mind was simply otherwise occupied.

Posted by kreetrapper at 23:38 in When Will You Rage? | Comments (0) | TrackBack

29.08.04

Getting the facts straight

Nachdem Michael Moore in seinem Newsletter gestern diesen vor Schleim geradezu triefenden Guardian-Artikel verschickt hat, muß ich doch noch mal kurz auf Fahrenheit 9/11 zu sprechen kommen. Denn: Solche Sätze kann man nicht unkommentiert im Raume stehen lassen:

The film, considered as a political act, may be a historical landmark. [...] The film is trying to make a small contribution towards the changing of world history. It is a work inspired by hope.

It declares that a political economy which creates colossally increasing wealth surrounded by disastrously increasing poverty, needs - in order to survive - a continual war with some invented foreign enemy to maintain its own internal order and security. It requires ceaseless war.

Der Artikel enthält noch mehr Aussagen, die in diese Richtung gehen. Besonders traurig ist vielleicht, daß Moore hier dafür gefeiert wird, daß er Orwells über 50 Jahre altes Nineteen Eighty Four zitiert. Aber auch dieser Satz

The film proposes that the White House and Pentagon were taken over in the first year of the millennium by a gang of thugs so that US power should henceforth serve the global interests of the corporations

läßt keinen sonderlich reflektierten Umgang mit der Moore'schen Propaganda vermuten. Denn daß Politik in der heutigen Zeit zu einem beängstigend großen Teil nicht vom Volk, sondern von Lobbyisten gemacht wird, ist sicherlich nicht erst der Fall, seit Bush im Amt ist und, was noch viel wichtiger ist, es wird durch seine Abwahl auch nicht mit einem Schlag anders werden. Der Bush-Messer zeigt beispielsweise schon seit mehreren Wochen auf, daß die politischen Ansichten der beiden Präsidentschaftskandidaten nicht sonderlich stark differieren.

Einen etwas ausgewogeneren Artikel über Moores Film findet man daher auch ebenfalls beim Spiegel.

Posted by kreetrapper at 19:39 in When Will You Rage? | Comments (0) | TrackBack

03.07.04

Finally...

Die Onion bringt die Nachricht, mit der eigentlich schon länger zu rechnen war:

American people ruled unfit to govern.

"In light of their unmitigated apathy toward issues of import to the nation's welfare and their inability to grasp even the most basic principles upon which participatory democracy is built, we found no choice but to rule the American people unfit to govern at this time," said Justice Antonin Scalia.

But the final straw, Supreme Court justices said, came last week, when none of the 500,000 random citizens polled were aware of the existence of North Korea's nuclear-weapons program.

"I mean, come on," Justice William Rehnquist said. "The threat of global thermonuclear war? It's just ridiculous. There was no way we could trust such a populace to keep running things after that."

Populations currently being considered to fill the leadership void until the American people can be rehabilitated and returned to self-governance include those of Switzerland, Sweden, and Canada.

Thus far, reaction to the ruling has been largely indifferent.

"The people ruled unfit to govern? Yeah, I think I might've heard something about that," said Covington, KY, sales representative Neil Chester. "I think I saw it on the news or something, when I was flipping past trying to find that show about the lady sheriff."

"If you ask me, voting was a big pain anyway," said mother of four Sally Heim of Augusta, ME. "At least now I'm free to do my soap-opera-trivia crossword puzzles in peace, without all that distraction about who's running for Second District Alderperson and what-not."

In spite of the enormous impact the ruling would seem to have, many political experts are downplaying its significance.

"It doesn't really change anything, to be honest," Duke University political-science professor Benjamin St. James said. "The public hasn't made any real contributions to the governance of the country in decades, so I don't see how this ruling affects all that much."

"I wouldn't worry about it," St. James added. "It's not that important."


Aber auch echte Nachrichten lassen auf baldige Besserung hoffen:

Nach großem Mediengetöse war er am Wochenende gestartet, wie zu erwarten mit immensem Erfolg: Michael Moores "Fahrenheit 9/11" führt die US-Kinocharts an.

"Fahrenheit 9/11", der auch die Goldene Palme beim diesjährigen Filmfestival in Cannes gewann, ist damit eindeutig der Sieger des vergangenen Wochenendes: Der Dokumentarfilm, mit dem Moore erklärtermaßen die Wiederwahl Bushs verhindern will, konnte sich gegen Spielfilme behaupten, die in drei Mal so viel Kinos gezeigt wurden - und trotzdem weniger Zuschauer verbuchten. Moores Dokumentation lief in landesweit 868 Kinos an, während große Hollywoodproduktionen in mehr als 2500 Kinos zu sehen waren.


Auch der Bush-Messer kann sich dem nicht entziehen. Er "sieht die Wiederwahlchancen des Amtsinhabers nur noch bei 1:2 und empfiehlt demselben, vielleicht einen ebenso cleveren Agigator für seine Sache zu engagieren wie Michael Moore."

Posted by kreetrapper at 03:09 in When Will You Rage? | Comments (0) | TrackBack

24.06.04

Ich würd's einfach mal darauf ankommen lassen

Auch die FH Dortmund hat ein Studium Generale. In dessen Rahmen gab es heute einen Vortrag zum Thema Freiheit statt Vollbeschäftigung von Dr. Ute L. Fischer und PD Dr. Thomas Loer. Es geht dabei um eine interessante Idee, die ich hier kurz skizziere. Für Genaueres gibt es die Webseite und das politische Symposium der Grünen Jugend Dortmund am übernächsten Montag, wo die Vortragenden von heute ebenfalls (zumindest teilweise) zugegen sein werden.

Die Idee ist folgende: Wenn man sich die Situation in Deutschland anschaut, muß man einsehen, daß Vollbeschäftigung in Zeiten der Automatisierung nie wieder erreicht werden kann. (Schon gar nicht, wenn man, wie heutzutage oft gefordert, die Arbeitszeiten verlängert und das Rentenalter hinaufsetzt) Als Alternative zu sinnlosen und zum Teil teuer subventionierten Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen wird hier ein "bedingungsloses Grundgehalt" gesehen, daß jeder Bürger erhält. "Jeder" schließt hier ausdrücklich Kinder mit ein, so daß mit diesem Grundeinkommen die problemlose Lebenshaltung gewährleistet ist. Wem das dann zu wenig ist (weil er gern einen Porsche fahren will z.B.), der kann zusätzlich einer Arbeit nachgehen. Dies soll zu mehr Freiheit in der persönlichen Lebensgestaltung führen, da man nun nicht gezwungen ist, auf Teufel komm raus eine Arbeit anzunehmen, sondern seine Zeit mit dem (bzw. der Art von Arbeit) verbringen kann, für das man sich begeistern kann. Und Betriebe können dann endlich nach Herzenslust automatisieren, ohne daß sie wegen der Entlassungen als Buhmann dastehen.

Dem Linguisten in mir ist bei dem Vortrag vor allem eines aufgefallen (abgesehen von der Tatsache, daß ein vorgelesener Vortrag nicht besonders gut dazu geeignet war, die Begeisterung rüberzubringen, die die beiden für ihre Idee haben. Das gelang erst in der anschließenden Diskussionsrunde): "Bedingungsloses Grundeinkommen" ist zwar eine durchaus korrekte und auch zutreffende Bezeichung, aber leider gleichzeitig auch ein Wortungetüm, bei dem einem Angst und Bange werden kann. Ich prophezeihe, daß sich diese Idee nur dann in der breiten Masse durchsetzt, wenn sie einen griffigeren Namen bekommt. Und das möglichst schnell. Wenn Ihr eine gute Idee habt, schreibt sie am besten direkt an die Leute: info@freiheitstattvollbeschaeftigung.de
Und nun zum Inhaltlichen: Ich finde diese Idee sehr verführerisch und auch fortschrittlich, bin ich doch schon lange der Ansicht, daß die Automatisierung (insbesondere extrem stupider Arbeiten) nicht so schnell voranschreitet, wie sie es sollte. Das offensichtliche Problem, das viele (darunter auch ich) dabei sehen, ist die Finanzierung der Sache. Die Vortragenden sprachen von einer Besteuerung aller Arten von Einkommen, was aber vermutlich dazu führen könnte, daß die Leute mit hohen Einkommen das Land verlassen und dorthin gehen, wo die Steuerlast für sie erträglicher ist. Thomas Loer sagte zu den meisten Einwänden (auch und vor allem zu anderen als dem eben genannten), daß man die Auswirkungen gar nicht abschätzen kann, bevor man es ausprobiert hat. Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr teile ich diese Ansicht und es würde mich freuen, wenn diese Idee größere Verbreitung und schließlich auch Anwendung fände. Und was all die Unwägbarkeiten angeht, halte ich es ebenfalls mit Herrn Loer: "Ich würd's einfach mal darauf ankommen lassen."

Posted by kreetrapper at 02:15 in When Will You Rage? | Comments (1) | TrackBack

10.06.04

Christen in Amerika

Falls jemand darüber nachdenken sollte, doch mal der Partei Bibeltreuer Christen bei der anstehenden Wahl eine Chance zu geben, habe ich hier eine seltsame Seite gefunden, die uns daran erinnert, wohin zuviel Bibeltreue führen kann.

Christians have actively tried to return the United States to their moral foundations for more than 20 years. We now have a "Christian" president, a "Christian" attorney general, and a Republican Congress and Supreme Court. Yet consider this:

* Abortion continues unabated
* Sodomite marriage is now legal in Massachusetts (and coming soon to a neighborhood near you)
* Children still may not pray in our schools
* Our schools continue to teach the clearly discredited theory of Darwinian evolution
* The Bible is still not welcome in schools except under unconstitutional strict FEDERAL guidelines
* The 10 Commandments remain banned from public display
* Sodomy is now legal AND celebrated as "diversity" rather than perversion
* Preaching Christianity will soon be outlawed as "hate speech"

ChristianExodus is orchestrating the move of thousands of Christians to South Carolina for the express purpose of dissolving that State's bond with the union.

Völlig lächerlich und gleichzeitig irgendwie beängstigend. So etwas gibt es wohl nur in Amerika. Was als perfekte Überleitung dienen mag, um im Anschluß an das letzte Posting noch auf einen Artikel aus The Register zu verweisen.

A tech worker was arrested yesterday after a text message he sent was intercepted and traced back to his phone.

In a scene reminiscent of Neo's first escape from Agent Smith, Special Branch officers slapped the cuffs on Mike Devine at his office in Bristol yesterday, and took him away for questioning.

Devine, who plays in a Clash tribute band in his spare time, had sent a message containing lyrics from The Clash's Tommy Gun to his lead singer who had forgotten the words to the song.

According to The Sun, the message read:

"How about this for Tommy Gun? OK - SO LET'S AGREE ABOUT THE PRICE AND MAKE IT ONE JET AIRLINER AND TEN PRISONERS"

The arrest has prompted speculation about how the message was intercepted. Police maintain that Devine's message went astray. They say he actually sent it to a woman in Bristol by mistake and it was she who alerted police to the content.

Außerdem schreibt Paul O'Brien in seinem neuesten Article 10 für Ninth Art über den Comic Strip Doonesbury, der mit zum Teil sehr ungewöhnlichen Strips zum Thema Irak-Krieg für einige Kontroversen gesorgt hat.

Posted by kreetrapper at 01:41 in When Will You Rage? | Comments (2) | TrackBack

08.06.04

That's why they call it "The Land of the Free"

Because every person entering from abroad is definitively not free. At least not for long as the case of Guardian writer Elena Lappin shows.

I found this on Neil Gaiman's journal where he, being a British citizen living in the US, tells us of his own immigration experience post 911.

I've been very puzzled, my last couple of times flying into the US via Minneapolis, at the questions asked by the immigration officers. "So, did you get into much trouble with the local police in London?" was the one asked last time I came back, as if I was to be caught off-guard and say "Oh, not much trouble, just a night in the cells", and the time before that it was "Remember to let us know if you've got any fruit, or cheese, or marijuana, or anything like that, and we'll get rid of it for you" in the casual off-hand tones of someone hoping I'd say "thanks for reminding me, yes I did forgetfully leave half a pound of Cheshire cheese and a dozen joints in my bag" in return. I'm not sure if these questions are meant to startle me into some kind of admission of guilt, or if the immigration people just ask these things to keep themselves amused.

Posted by kreetrapper at 17:00 in When Will You Rage? | Comments (0) | TrackBack

29.05.04

Der gläserne Fluggast

Passend zum Posting von vorgestern, hat die EU heute beschlossen, daß Datenschutz eigentlich doch keine so tolle Sache ist, wie man immer gedacht hat.

Bis zu 34 verschiedene Daten von USA-Reisenden werden nach Angaben eines Sprechers der EU-Kommission an US-Behörden weitergeleitet. Einige Passagier-Daten seien allerdings zu sensibl und würden entweder nicht weitergegeben oder von den US-Behörden gelöscht: Als Beispiel nannte er die Menüauswahl an Bord oder Sonderwünsche, die Rückschlüsse auf die Religion oder den Gesundheitszustand der Passagiere zuließen. Allerdings würden die Nummern von Kreditkarten oder Mobiltelefonen weitergegeben, sagte er. Dies diene dem Kampf gegen den Terrorismus.

Da kann man nur froh sein, daß wenigstens geheim bleibt, was man am liebsten ißt. Natürlich nur, wenn man seine Lebensmitteleinkäufe nicht aus Versehen mit der Kreditkarte bezahlt.

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Und dann möchte ich noch einen Dork Tower-Strip verlinken, der das Spam-Problem mal von einer anderen Warte aus betrachtet.

Posted by kreetrapper at 01:32 in When Will You Rage? | Comments (0) | TrackBack

27.05.04

Touristen != Terroristen

In einer bereits etwas älteren c't-Ausgabe fand ich einen Artikel zu biometrischen Reisepässen und war doch sehr überrascht, wie weit diese Überlegungen inzwischen schon gediehen sind. Dort heißt es:

Laut US-Gesetz sollen alle ab dem 26. Oktober 2004 ausgestellten Reisepässe mit biometrischen Daten versehen sein, damit eine visumsfreie Einreise in den [sic] USA weiterhin möglich ist. 26 Länder, darunter die EU-Staaten, sind von der neuen Regelung betroffen. Doch die EU will erst ab 2005 biometrische Reisepässe ausgeben. "Selbst die USA werden ihre Pläne kaum umsetzen können, da sie noch nicht über geeignete Lesegeräte verfügen", meint Bendedikt Ahles, Vertriebsleiter bei der Bundesdruckerei. [...]
Die US-Regierung will nun den Kongress bitten, den Termin um zwei Jahre zu verschieben. Vorerst müssen sich daher die Touristen aus den Visa-Waiver-Ländern wie Deutschland, Österreich und der Schweiz ab dem 30. September Fingerabdrücke abnehmen und fotografieren lassen. Die Folge: Alle diese gesammelten biometrischen Daten landen in einer Datenbank des US-Ministeriums für Innere Sicherheit - ein Albtraum für Datenschützer.

In Großbritannien geht man, ähnlich wie wohl auch bald hierzulande, bereits einen Schritt weiter und führt die Biometrie gleich auch auf den normalen Ausweisen ein.

Schöne neue Welt... oder vielleicht besser: 1984.

Posted by kreetrapper at 01:50 in When Will You Rage? | Comments (0) | TrackBack

02.05.04

Supersize it!

Ich weiß, daß ich einen Tag zu spät hiermit bin. Na und?
Kaum war ich aus dem feindlichen Ausland zurückgekehrt, gab es auch schon Grund zum Feiern. Und zwar nicht mit tausenden von Idioten in der Westfalenhalle den Mayday, sondern die EU-Erweiterung. Die ganze Nacht hindurch Feuerwerk und die Ode an die Freude - was für eine Party. Zur Begrüßung gibt es als sprachliches Schmankerl die Anzahl der EU-Mitgliedsstaaten in den Sprachen der neuen Mitglieder (und eines Fast-Mitglieds). Mark Rosenfelder hat leider nur die Zahlen von 1 bis 10 in über 4500 Sprachen gesammelt, so daß ich mir anderweitig behelfen mußte. Zum Glück hat Kurier.at ein wunderschönes EU-Special mit gängigen Phrasen in allen neuen EU-Sprachen.

ALT - 15

quince (spanisch)
fifteen (englisch)
fünfzehn (deutsch)
quinze (französisch)

NEU - 25

petindvajset (slowenisch)
kakskümmend viis (estisch)
huszonöt (ungarisch)
dvidešimt penki (litauisch)
divdesmit-pieci (lettisch)
Ħamsa u għoxrin (maltesisch)
dvadsaťpäť (slowakisch)
dvacet pět (tschechisch)
dwadzieścia pięć (polnisch)
εικοσιπέντε (griechisch) / yirmibeş (türkisch)

Dazu paßt ganz gut der von mir wiederentdeckte Link zum Alternative Dictionary, wo man dann gleich schon mal die passenden Vokabeln für die ersten paneuropäischen Erfahrungen lernen kann.

Posted by kreetrapper at 16:52 in When Will You Rage? | Comments (0) | TrackBack

19.03.04

Let the carnage begin!

In den USA ist der Wahlkampf (für die Wahl im November) schon in vollem Gange. Jetzt haben sich Dortmunder Politiker gedacht: "Da sind wir ja schon ganz schön spät dran." Und prompt flattert mir heute ein Faltblatt der CDU-Fraktion der Bezirksvertretung ins Haus. Immerhin ist die Kommunalwahl ja schon im September und bis dahin sollte man den Leuten hier doch erklären, daß die ganzen Baustellen, die meinen täglichen Weg zur Uni pflastern, etwas sehr Gutes sind. It's not a bug, it's a feature! Und morgen tue ich gleich wieder etwas für die politische Bildung und schaue mir das erste Politische Symposium der Grünen Jugend Dortmund an. Interessant ist, daß im Vorfeld lange diskutiert wurde, ob nun die griechische Variante Symposion oder die lateinische Symposium gewählt werden sollte. Der Fremdwörterduden nennt beide gleichberechtigt. Kluge sagt, daß die lateinische Variante aus dem Englischen entlehnt wurde, kennt aber auch beide Möglichkeiten. Vermutlich ist es nur eine Geschmacksfrage, aber mir gefällt die griechische Version besser. Letztlich haben die Römer ja nur ein natives Suffix an das Lehnwort angehängt (wenn diese Variante überhaupt bis in die Antike zurückzuverfolgen ist) und derartige Mischwörter sind schließlich nie so schön, wie das Original.

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Paul O'Brien verlinkt in seinem blog einen netten Bush-Comic. Ich tue es ihm hiermit gleich.

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Außerdem scheint es jetzt statistisch bewiesen zu sein, daß Gott tatsächlich existiert. Leider darf man darauf keine Wetten abschließen, da es keine Autorität gibt, deren Wort man hier vertrauen könnte. Die Spielsüchtigen unter euch können ja immer noch auf die Wiederkunft Christi wetten. Die Chancen stehen momentan 1000:1.

Posted by kreetrapper at 00:50 in When Will You Rage? | Comments (1)