Problem – Lösung

Altleser von Persistent Illusions werden sich vermutlich noch an die dortige Rubrik des “Verrückten Freitags” erinnern. Eine solche Rubrik hat in den Gedankenblasen eigentlich keinen Platz, aber irgendwie fehlt mir diese Möglichkeit trotzdem. Nun stand ich also vor dem Dilemma, daß ich immer wieder über lustige, interessante oder einfach nur bizarre Dinge im Netz (oder ganz selten auch mal IRL) stolpere, die ich gern mit meiner Leserschaft teilen möchte (und die sich außerdem in einem Blog geradezu vortrefflich archivieren lassen). Andererseits wollte ich aber nur noch gehaltvolle Dinge in dieses schöne neue Blog schreiben. Was also tun?

Die Lösung ist ebenso einfach wie genial: Ein Zweitblog. Hier findet ihr es und ich habe schon mal angefangen, es mit Zeugs zu füllen.

Have a lot of fun.

How stupid can you get?

Hier mal etwas aus der Rubrik “So was gibt es nur in Florida”:

[Florida state legislator Bob Allen] was recently arrested for soliciting sex in a public restroom; specifically it’s alleged that he offered an undercover cop a Jackson if he’d let the legislator blow him. This was not a smart thing to do. But having been caught doing something stupid, Allen, who is a pudgy white fellow, has decided to double down on his stupidity by offering what is a truly, spectacularly — indeed, magnificently – dumb reason for soliciting another man for sex: Fear of a Black Planet!

Es lohnt sich die Details dieser abstrusen Geschichte bei John Scalzi nachzulesen.

Verschwörungstheorien erreichen den Mainstream

Passend zum vorigen Eintrag verweise ich auch noch gleich auf diesen Eintrag im Blog von John Scalzi. Dort sagt er:

There seems to be an uptick these days in the concern that the Bush
administration, sometime before November 2008 will cancel the elections,
institute martial law, and implode the democracy we spent 221 years
working on solely to remain in power. And this concern isn’t just coming
from the usual nutbag corners; people who I know are sane are vexed with
themselves because they see the various executive orders and policies
the Bushies have pushed and can logically see how they’re positioned for
a coup of the Constitution of the United States, and they can’t convince
themselves that the Bushies won’t try it. The Bush administration has
caused even the sane people to get all tin-foil-y.

Im Rest des Artikels fährt er dann eine Reihe von Argumenten auf, die diese Angst als relativ unfundiert erscheinen lassen. Aber mir ist es bereits besorgniserregend, daß derartige Ängste überhaupt bis in den Mainstream vordringen konnten. Was sagt das über den momentanen Zustand der USA aus?

Demokraten != Demokratie

Trotzdem die Demokraten mittlerweile die Mehrheit im US-Kongress haben, halten sie es trotzdem nicht für notwendig, endlich mal etwas gegen die schleichende Aushöhlung der Verfassung und insbesondere der darin festgehaltenen Bürgerrechte zu unternehmen. Diesmal wurde ein Gesetz verabschiedet, daß es der Regierung erlaubt alle Kommunikation mit dem Ausland zu überwachen. Ohne richterliche Anordnungen. Ohne irgendeine Art von Kontrolle.

Langsam schwindet die Hoffnung, daß die Abwahl der momentanen Regierung ausreicht, um die USA wieder in Richtung Demokratie zu bewegen.

Gefunden in der New York Times dank eines Links von Wil Wheaton.

Eine Woche in neuer Rechtschreibung

Zumindest was die Bundesrepublik angeht, ist seit letztem Mittwoch die Diskussion um die unsägliche und (auch von mir) vielgescholtene Rechtschreibreform vom Tisch. Damit ist ein über zehnjähriger Prozeß nun endlich an seinem Ende angelangt. Alle Schlachten sind geschlagen, einige gewonnen und einige verloren worden. Die neue Rechtschreibung ist “here to stay” und vermutlich werden im Lauf der nächsten paar Jahre auch die letzten Verfechter der klassischen Schreibregelung (wie z.B. diese Herren hier) aufgeben oder zumindest so weit marginalisiert werden, daß ihnen keine große Bedeutung mehr zugemessen wird. Ich selbst bin noch ein wenig unschlüssig, ob ich nun doch noch einknicke und mich zähneknirschend der normativen Kraft des Faktischen beuge oder weiter in meiner klassischen Schreibung verharre, deren Feinheiten ich durch die Jahrzehnte des Verwirrens inzwischen sowieso schon kaum noch beherrsche. Das wird die Zeit zeigen. Im Beruf muß ich mich ja zwangsläufig an die neue Schreibung halten (es sei denn wir haben da eine dieser beliebten Hausorthographien, aber das hätte mir ja hoffentlich mittlerweile mal jemand gesagt).

Anatol Stefanowitsch aus dem Bremer Sprachblog ist zuversichtlich, “dass die selbstreinigenden Kräfte der Schriftsprache das ‘Durcheinander’ alternativer Schreibweisen irgendwann beseitigen werden”. Und vermutlich hat er recht damit. Ich kann nur hoffen, daß auch die von ihm zitierte Schleswig-Holsteinische Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave richtig liegt, wenn sie sagt

Es wird vielleicht noch ein paar Jahre dauern, aber dann wird kein Mensch mehr merken, dass wir eine Reform hatten.

Aber wenn man bedenkt, wie wenig das Thema noch im öffentlichen Diskurs zu finden ist, kann ich mir gut vorstellen, daß sie mit dieser Prognose recht haben wird. Mittelfristig, so denke ich, ist es durchaus möglich, daß der Rat für deutsche Rechtschreibung, der momentan ähnlich z.B. der Real Academia Española oder der Académie française über die deutsche Rechtschreibung wacht, wieder aufgelöst wird und der Duden mit seiner meist doch recht erfolgreichen Mischung aus deskriptivistischer Anpassung an den Volksmund und präskriptivistischer Regelinstanz wieder “maßgeblich in allen Zweifelsfällen” wird. Mir hat diese weniger stark institutionalisierte Version besser gefallen, zum einen, weil eben großer Wert auf den deskriptiven Anteil gelegt wurde (und trotz meinem Hang zur Pedanterie und zum Regelfetischismus bin ich, wie fast alle Linguisten, eben doch eigentlich ein Deskriptivist), zum anderen, weil es irgendwie im Hintergrund ablief und keine Ideologie dahinterstand. Beim Rat für deutsche Rechtschreibung besteht meiner Meinung nach eher die Gefahr, daß er sich, wie die Académie française es in Frankreich tut, zum Oberhüter der deutschen Sprache aufschwingt und anfängt gegen die Anglizismen zu Felde zu ziehen. Man kann nur hoffen, daß es dazu nicht kommen wird und die verbliebenen Stolpersteine der Reform tatsächlich im Laufe der nächsten Jahre durch den Gebrauch und die gute, alte unsichtbare Hand geglättet werden.

Ich denke schon, daß es über kurz oder lang so kommen wird, daß sich die Schreibung irgendwo in der Mitte einschleifen wird und abstruse Ausnahmefälle per Analogiebildung langsam wegsterben. Die “selbstreinigende Kraft” der Sprache eben. Sprache ist eben doch eher einem Organismus als einem starren Regelsatz zu vergleichen. Und man kann davon ausgehen, daß ein solcher Organismus sich selbst heilt. Hoffentlich schnell genug, daß Leute wie ich die einzige wirkliche “verlorene Generation” sind, die diesem Wirrwarr und langwierigen Hin und Her in seiner Gänze ausgesetzt waren. Die noch folgenden Veränderungen werden allmählich, und vor allem, vom Großteil der Sprachgemeinschaft unbemerkt vor sich gehen. Und irgendwann ist die Reform nur noch eine leise Erinnerung.

Und außerdem, seid ehrlich, welche Neuregelung außer der sz-Schreibung (die sicherlich zu den sinnvolleren Neuerungen gehört) ist Euch denn wirklich bewußt? Mir so gut wie keine, wenn ich mich nicht erheblich darauf konzentriere. Seht Ihr, der Heilungsprozeß hat schon eingesetzt.

Diagnose: Digitale Demenz

In Korea, einem Land, das ganz auf digitale Technik setzt, wird gerade über die Beobachtung diskutiert, dass die jüngeren Menschen, die 20 oder 30 Jahre alt sind, zunehmend an Vergesslichkeit wegen der Informationsflut leiden, mit der sie am Arbeitsplatz und in der Freizeit konfrontiert sind.

Diese Fälle von starker Vergeßlichkeit in jungem Alter kenne ich auch aus meinem Freundes- und Bekanntenkreis. Auf den Gedanken, daß es ein gesamtgesellschaftliches  Phänomen sein könnte, bin ich gar nicht gekommen, aber es ergibt schon irgendwie Sinn.

Den ganzen Artikel auf Telepolis lesen.