Guess who’s running for President

Viele waren bestimmt ebenso enttäuscht (und überrascht) als klar wurde, daß Friedensnobelpreisträger und Oscargewinner Al Gore tatsächlich der Versuchung widerstehen kann, sich jetzt auch noch zum Präsidenten wählen zu lassen. Vielleicht hatte er auch Angst, daß ihm der Supreme Court wieder die Tour vermasselt.

Doch keine Sorge. Die wie immer wohlinformierte Onlineausgabe der Onion hat herausgefunden, daß nun ein anderes Schwergewicht seinen Hut in den Ring wirft.

Bill Clinton: ‘Screw It, I’m Running For President’

Seltsame Karten

So, es ist mal wieder Zeit für einen seltsamen und außergewöhnlichen Link:

Strange Maps ist ein Kartenblog, in dem außergewöhnliche und oft interessante Karten gepostet werden. Geographen, Fans von Karten oder Freunde der schönen Arte-Sendung “mit offenen Karten” haben sicher ihre Freude daran.

In sechs Tagen. Ehrlich.

Während der Lebensdauer meines Erstblogs hat sich schnell herauskristallisiert, daß die hitzigsten und vor allem längsten Diskussionen sich zu religiösen Themen ergeben haben. Ich gehe stark davon aus, daß das immer noch so ist, insbesondere da meine beiden fleißigsten Kommentatoren beide eine sehr deziderte und leidenschaftliche Meinung zur (christlichen) Religion haben.

Keine Sorge, ich werde mich nicht selbst zu einem religiösen Thema äußern. Dazu ist meine eigene Einstellung zu Religion nicht dezidiert und vor allem nicht leidenschaftlich genug. Stattdessen begeben wir uns tief ins Reich der Polemik und suchen uns eine Gruppe aus, die mit dafür verantwortlich ist, daß Christen es heutzutage nicht ganz leicht haben: Kreatonisten..

Wir alle denken mit Schaudern daran, daß diese verwirrte Weltsicht in den letzten Jahren in den USA immer mehr Lehrpläne erreicht hat. Letztes Jahr haben die Kreatonisten noch einen drauf gesetzt und ein “Museum” eröffnet.

John Scalzi steht als Science-Fiction-Autor dem Phänomen Kreatonismus besonders kritisch gegenüber, hat sich aber gegen Zahlung einer nicht unbeträchtlichen Summe (die er fairerweise der Konkurrenz gespendet hat) dazu überreden lassen, dem Creation Museum einen Besuch abzustatten. Herausgekommen ist ein sehr unterhaltsamer Erlebnisbericht und eine mitunter extrem spaßige sarkastisch kommentierte Foto-Tour durch das Museum. Viel Spaß beim Lesen.

Auf ein Neues

Ein gesellschaftspolitischer Rundumschlag

Der Spiegelfechter, so war seinem knappen Jahresrückblick zu entnehmen, scheint einigermaßen optimistisch in das erknospende Jahr zu blicken. Das sehe ich momentan noch anders. Ich denke zwar auch, daß es noch nicht zu spät ist, das Allerschlimmste abzuwenden, aber in diesem Jahr – oder allerspätestens im nächsten – sollten wir wirklich mal damit anfangen.

Zum Jahresauftakt dräuen gleich drei Landtagswahlen und wieder einmal soll das Herz des Wählers mit Furcht erfüllt werden, damit er auch ja die richtige Partei wählt. Diesmal brauchen wir keine Angst vor üblen Vorderasiaten mit Bart und Bombengürtel zu haben. Die haben sich vielleicht einfach zu lange nicht mehr hier sehen lassen. Nein, diesmal ist es der eigene Nachwuchs, der uns bedroht. Zum Glück ist die Lösung schnell gefunden: Verfahren verschleppen, Fehler der Politik vertuschen und natürlich das Allheilmittel: Erziehungscamps. (noch traut man sich nicht, von “Lagern” zu sprechen. Alles nur eine Frage der Zeit?)

Es steht außerdem zu befürchten, daß in Karlsruhe demnächst jemand das Grundgesetz verteidigt, der der immer populärer werdenden Meinung anhängt, daß “ein bißchen Folter” doch gar nicht so schlimm ist – wenn es denn der Wahrheitsfindung dient. Daß jemand mit einer solchen mit dem Grundgesetz absolut unvereinbaren Meinung selbiges vertreten soll, läßt nichts Gutes für die Zukunft ahnen. Vor allem wenn man bedenkt, daß die Bundestagsabgeordneten ja mittlerweile dazu übergegangen sind, das Bundesverfassungsgericht als ausgelagertes Gewissen zu nutzen und erst mal allem und jedem zustimmen. Wenn es verfassungswidrig ist, wird es schon im Nachhinein gekippt werden. Aus dieser Einstellung heraus werden seit Beginn des Jahres vorsorglich alle Telekommunikationsdaten aller Bürger gespeichert, verdachtsunabhängig. Bis die Wahrung der Privatsphäre von Gesetzesseite her wieder als Menschenrecht anerkannt wird, muß man sich also leider selbst darum kümmern.

Gleichzeitig wird der allgegenwärtige Krieg gegen den Terror in Jesusland ebenfalls munter weiter zur Einschränkung elementarer Freiheitsrechte benutzt. So berichtet zum Beispiel Steven Grant das folgende:

So California Democrat Jane Harmon decided to show Democrats could also
look out for “national security,” and pushed a bill through the House Of
Representatives (and with a 404-6 vote, it didn’t take much pushing,
which makes me wonder about all the other Democrats in the House) that
will set up a tribunal to determine which Americans are guilty of
“extremist belief.” It’s, pure and simple, a thought crimes bill. It’s
not directed a[t] terrorists, it’s directed at anyone the government
decides it doesn’t like.

Andere Baustelle: Statt Freiheit geht es jetzt ums nackte Überleben. Britannien zieht nach und beschließt ebenfalls neue Atomkraftwerke zu bauen. Man hält es auch wohl nicht länger für nötig, dem Volk irgendwelche Märchen zu erzählen und gibt lieber gleich den Offenbarungseid zu Protokoll: Eine “andauernde Lösung”, wo der Müll gelagert werden soll, sei noch nicht gefunden, sagte [der britische Wirtschaftsminister] Hutton. Nun gut, aber wenigstens ist das Gefahrengut mittlerweile in guten Händen: Privatfirmen sollten dabei sowohl die Kosten des Abrisses und der Entsorgung des radioaktiven Mülls übernehmen. Wie gut Privatfirmen bei der Entsorgung von Müll sind, ist ja bekannt. Fragt die Menschen in Neapel.

Und heute höre ich im Radio, daß die Bundesregierung es für eine gute Idee hält, gentechnisch veränderte Lebensmittel nicht unbedingt als solche zu kennzeichnen. Klasse Idee!

Wie man sieht, liegt immer noch einiges im Argen und einzelne Lichtblicke wie z.B. die Erweiterung des Schengen-Raumes am 21. Dezember sind rar gesäht. Häufig sind Lichtblicke auch nur Irrlichter. Wie die Lächerlichkeit, die seit letztem Samstag als kleinste Umweltzone der Welt auf der Brackeler Straße in Dortmund ihr Unwesen treibt. Man muß die Cleverness und die Abgebrühtheit der Entscheidungsträger ja eigentlich bewundern. “Wenn an der Meßstation zu viel Feinstaub gemessen wird, dann bauen wir eben eine Umweltzone um die Meßstation herum und schon wird weniger gemessen.” Einfach, aber genial.

In einem hat der Spiegelfechter allerdings recht, in diesem Jahr werden wieder viele Weichen gestellt. Wird die Vorratsdatenspeicherung doch noch gekippt? (bisher fetzt man sich in Karslruhe noch um Zuständigkeiten) Oder wird stattdessen der Musikindustrie der direkte Zugriff auf diese Daten ermöglicht? Wird der hessische Deutsche wieder einmal mit einer ausländerfeindlichen Angstkampagne Erfolg haben? Oder erkennen die Wähler endlich, daß sie nur manipuliert werden? Vielleicht folgen auch weitere Städte dem Vorbild Aachens und schaffen auch das VVersammlungsrecht und einige andere gefährliche Sachen ab. Oder man macht es wie in Bayern zur Regel, unbescholtene Bürger sicherheitshalber erst mal mit dem SEK abzuholen und ohne Erklärung stundenlang zu verhören. Vielleicht bekommen wir also amerikanische Verhältnisse.

Auf der anderen Seite des großen Teiches freut man sich mittlerweile schon auf das nahende Ende der Amtszeit des großen Friedensfürsten (“Wenn dann einmal Geschichte geschrieben wird, so heißt es auf der letzten Seite: Die Vereinigten Staaten von Amerika haben den Sieg zum Vorteil der ganzen Welt errungen.”). Ob es unter der Frau oder dem Schwarzen (echte Wahlplattformen abseits dieser offensichtlichen Merkmale sind eher Mangelware) sehr viel besser wird, darf bezweifelt werden. Immerhin trägt ihre Partei schon jahrelang nahezu alle Entscheidungen der jetzigen Regierung mit.

Es gibt also auch im neuen Jahr noch viel zu tun, um die Welt zu einem lebenswerten Ort zu machen. Um es in den unsterblichen Worten von Alf (okay, Kästner) zu sagen “Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.”