Ich kann nicht so viel fressen…

Wie ich bei Stefan Niggemeier lesen muß, hat Sat 1 eine neue Sendung am Start. Endlich, so möchte man stöhnen, gibt es ein Angebot für den immer stärker wachsenden Teil der Bevölkerung der sich nach der guten alten Zeit zurücksehnt.

Worum geht es? Stefan faßt das zu Beginn seines Beitrages hervorragend zusammen:

Man muss nur einen Satz kennen, um alles über die neue Sat.1-Dokureihe “Gnadenlos gerecht” zu wissen. Der Satz steht in der Pressemitteilung des Senders und lautet:

Helena und Helge sehen sich aber nicht als fiese “Sozialbullen”, sondern als die Stimme der Ehrlichen: Schließlich ist nicht jeder Hartz IV-Empfänger auch ein Betrüger.


Und Sat.1 feiert diese Aussage, die man wahlweise für eine Banalität oder eine Ungeheuerlichkeit halten kann (man teste sie in Variationen wie “Schließlich ist nicht jeder Schwule auch ein Pädophiler” oder “Schließlich ist nicht jeder Ausländer auch ein Krimineller”) noch als Ausdruck von Fairness und Gerechtigkeit.

Ich kann mich Herrn Niggemeier nur anschließen, wenn er seufzt “Soweit sind wir schon gekommen”.

Und wer jetzt denkt, daß es ja Gott sei Dank die vierte Gewalt gibt, die das Schlimmste schon zu verhindern wissen wird, dem empfehle ich diesen Artikel aus Niggemeiers Blog. Zum Heulen.

Wirklich seltsam

Das Bookseller-Magazin ist auf der Suche nach dem seltsamsten Buchtitel. Offenbar vergibt man dort seit nunmehr 30 Jahren den Diagram-Preis für den seltsamsten Buchtitel. Und jetzt gilt es zwischen den bisherigen Preisträgern den Seltsamsten der Seltsamen zu küren. Meine persönlichen Highlights:

Population and Other Problems (1982)

How to Avoid Huge Ships (1992)

Highlights in the History of Concrete (1994)

If You Want Closure In Your Relationship, Start With Your Legs (2007)

Aber auch die  anderen Titel, die zur Auswahl stehen, sind wirklich seltsam, so daß die Wahl sehr, sehr schwer fällt. Hier geht es zur Abstimmung. Los! Worauf wartet Ihr noch???

(via Braille Radio)

“A Günther trend”

Wer eine Reminiszenz an durch “Dancefloor” verhagelte Jugendjahre wünscht und kurzfristig darüber hinweg sehen kann, dass Frauen dabei weitestgehend als Sexualobjekte dargestellt werden, kommt bei Günther auf seine Kosten.

Das meint Günther über sich selbst:

Günther has always been in the entertainment industry and now he feels it is time to change the attitude of the world to do something better. Günther wants to change the worlds look at the sexual way of thinking, so he have started a new trend to sexualise it more in the world. “A Günther trend”.

Und weiter:

The four main things in Günthers life are Champagne, Glamour, Sex and Respect!

Auf verschieden frei zugänglichen Portalen können Günthers Videoerzeugnisse rezipiert werden, die Titel wie Teeny Weeny String Bikini oder Tutti Frutti Summerlove tragen.

Das Ergebnis des Dr-Horrible-Experiments

Vor einigen Wochen habe ich Euch von Joss Whedons neuestem Geniestreich, Dr. Horrible, erzählt.
Ich hoffe, Ihr habt das knapp 45 Minuten lange Internet-Superhelden-Musical alle gesehen, denn es ist tatsächlich sehr gut bis hervorragend. Wie von Whedon gewohnt ist es sehr witzig und erzählt trotzdem eine interessante Geschichte mit einem derart typischen Ende, daß eigentlich alle, die Angel und Buffy gesehen haben, damit rechnen müssen.

Entgegen der ursprünglichen Ankündigung kann man das Video wohl weiterhin (oder besser: wieder) kostenlos auf der offiziellen Website ansehen. Trotzdem gibt es natürlich guten Grund sich jetzt schon auf die DVD zu freuen, die laut einem Interview “auf jeden Fall vor November” herauskommen soll.

Dr. Horrible scheint genau das zu sein, auf das die Welt gewartet hat. Immerhin ist es einer der ersten wirklich ernstzunehmenden Versuche, professionelle TV/Film-Produktionen an den großen Studios vorbei zu produzieren (wie von mir prophezeiht, war es nur eine Frage der Zeit).  Dementsprechend spricht zum Beispiel die taz von einem “zukunftsweisenden Geschäftsmodell”. Und auch andere renommierte Zeitungen wie die New York Times oder der Observer berichten groß über Joss Whedons Experiment. (Eine große Anzahl von weiterführenden Links bietet das Community-Blog Whedonesque.)

Bis jetzt, so kann man dem oben verlinkten Interview entnehmen, hat Dr. Horrible seine Produktionskosten (eine kleine sechsstellige Summe) noch nicht wieder eingespielt. Aber das Erscheinen der DVD sollte das meiner Meinung nach sicher stellen. Es wird sicherlich interessant, zu sehen, welche Reaktionen dieses – eindeutig als gelungen einzustufende – Experiment hervorrufen wird – sowohl im Internet als auch bei den etablierten Studios.

Wir leben in aufregenden Zeiten.