Scott McCloud Talking About Comics

Scott McCloud ist vermutlich der populärste Comic-Wissenschaftler. In seinen Büchern Understanding Comics, Reinventing Comics und Making Comics betrachtet er Comics als Kunstform in all ihren Facetten. Wer einen Eindruck davon gewinnen möchte, kann sich diesen Vortrag, den er vor einigen Jahren gehalten hat, ansehen. Er dauert eine gute Viertelstunde und ist sehr kurzweilig:

(via Graphic Novel)

Amoklauf bald olympisch?

Okay, ich werde es wohl nicht mehr hinbekommen, selbst einen Artikel zum Thema Winnenden zu verfassen, bevor das Thema endgültig der medialen Vergessenheit anheimfällt. Vielleicht ist es das sogar schon. Stattdessen präsentiere ich wenigstens eine Sammlung interessanter und gut geschriebener Artikel zum Thema. Ein wenig im Stile der Hinweise des Tages auf den Nachdenkseiten.

Axel Brüggemann schreibt im Freitag über den großen Einfluß den das Internet mittlerweile auf die Berichterstattung zu solchen Fällen hat: Wenn Nachrichten Amok laufen

Der Spiegelfechter schreibt über die mediale Verantwortung und wieso die Medien seiner Meinung nach zumindest eine Teilschuld an Amokläufen tragen.

Lukas Heinser (bekannt von Coffee & TV) schlägt in die gleiche Kerbe und bloggt beim Freitag über den blutigen Weg in die Unsterblichkeit.

Die erste Reaktion des Innenministers war diesmal nicht die Verdammung der sogenannten Killerspiele. Das hat er sich für den zweiten Satz aufgespart. Im ersten hat er sich gegen eine Verschärfung der Waffengesetze ausgesprochen. In dem verlinkten Artikel finden sich solche Perlen:

“Wir wollen privaten Waffenbesitz nicht gänzlich verbieten”, so Schäuble. “Wir haben ja ganz strenge Begrenzungen.” Und auch die strengsten Vorschriften könnten nicht verhindern, dass dagegen verstoßen werde. Man dürfe nicht glauben, der Grund für das “schreckliche Geschehen” sei privater Waffenbesitz.

Das eigentliche Problem seien vielmehr die Gewaltdarstellungen.

Vermutlich hält Schäuble eine Welt für sicherer, in der Waffen überall und Ego-Shooter nirgendwo legal gekauft werden können. Der gesunde Menschenverstand sieht das ja eher andersherum.

Eben dieser gesunde Menschenverstand ist auch bei der taz aktiv und hat unter anderem zu diesem Artikel geführt. Ein generelles Waffenverbot scheint mir auch am attraktivsten, zumindest aber sollte nicht jeder dahergelaufene Privatmensch sich zu Hause in der Sockenschublade ein Arsenal aufbewahren können.

Noch pointierter findet es sich in diesem Artikel
Aus den Ereignissen in Winnenden lässt sich somit eine schlichte Schlussfolgerung ziehen: Schusswaffen gehören für Privatleute verboten. Punkt.

Hanno schreibt in seinem Blog eine Satire über die Rolle der Medien beim Amoklauf, die teilweise so nah an der Wirklichkeit ist, daß einem schlecht werden könnte.

Bei tagesschau online findet man ein Interview mit einem Lehrervertreter, in dem tatsächlich etwas tiefer nach Gründen gesucht wird und nicht nur schnelle, einfache Antworten zählen.

Wie mir von meiner WOW-spielenden Kollegin berichtet wurde, haben die Computerspieler in ihren Foren die Sekunden gezählt bis der erste “Killerspiele” ins als Ursache ins Gespräch bringt. Lange mußten sie nicht warten (s. den Schäuble-Artikel oben). Eine der wenigen sinnvollen Betrachtungen findet sich in der taz: World of Bullshit. Der erste Satz zeigt, wohin die Reise geht: Wie wäre es, statt der “Computerspiele” mal populistische Studien zu verbieten?. Leider disqualifiziert sich der Autor ein bißchen dadurch, daß er über World of Warcraft schreibt, ohne das Spiel je gesehen zu haben. Immerhin funktioniert die zweite Qualitätskontrolle. Nach einigen Kommentaren, die ihn auf den Fehler hinwiesen, hat er den Artikel korrigiert. (Mittlerweile sehe ich, daß der Artikel schon über 300 Kommentare hat)

tagesschau.de hat eine Reihe von Experten (selbsternannten und tatsächlichen) zum Thema Killerspiele befragt. Hier finden sich auch differenzierte Meinungen.

Ich finde den Artikel nicht mehr, aber irgendwo las ich sinngemäß ungefähr folgendes: Man hat also Shooter, Rap-Musik und Pornos auf dem Computer des Amokläufers gefunden. Viel bedenklicher wäre es aber doch wohl, wenn man diese Dinge nicht bei ihm gefunden hätte. Erst dann wäre er doch offensichtlich anders gewesen als ca. 90 Prozent der Jugendlichen.

Doch auch bei der taz ist nicht alles Eitel Sonnenschein. Auch dort finden sich abstruse Artikel wie dieser, in dem der Autor sich zu solch einer hanebüchenen Folgerung hinreißen läßt:

kein Amokläufer, der “Counter Strike” nicht gespielt hätte. Das Gamen von tödlichen Spielen ist sozusagen ein unverzichtbarer Bestandteil schulischer Amokläufer. (Der Umkehrschluss ist nicht zulässig.) Juristisch gesprochen: Gamen ist ein notwendiges Ingrediens des Giftcocktails, der Schulschützen zu Mördern macht – allerdings kein hinreichendes.

Genau dasselbe könnte man natürlich auch über das Essen von Brot sagen. Oder über den Schulbesuch. Vermutlich ist der Schuld an den Amokläufen. Man kann nur mit dem Kopf schütteln.

Auch Thomas Knüwer schreibt zwei gute Texte über die Rolle der Medien in solchen Zusammenhängen. Wenn Medien sich über Medien wundern, wundern sich Medien über Medien, Winnenden und der Mörder, der nicht in den Kram passt.

Noch pointierter findet sich das bei Stefan Niggemeier: In Der Kulturkampf gegen das Web 2.0 analysiert er die abstruse Strategie vieler traditioneller Medien, Blogs und Twitter als die bösen Buben darzustellen, wohingegen “richtige Journalisten” sich ja vernünftig und gewissenhaft mit solchen Dingen auseinandersetzen. Das Gegenteil scheint der Fall zu sein.

Auch die Titanic hat wie immer schnell reagiert und bietet für eventuelle Nachahmungstäter ein Amok-Ankündigungsformular an.

“hochwertige Dienstleistung” my ass!

Ich las gerade bei den Ruhr-Nachrichten einen Artikel über das Problem mit der ARGE (daß nämlich die Neuordnung der Zuständigkeiten bzw. die Anpassung der bestehenden Gesetzeslage in der großen Koalition vorerst gescheitert ist). Als ich zu diesem Satz kam, mußte ich mich bemühen, nicht laut loszulachen:

“[es wird] eine hochwertige Dienstleistung aus einer Hand ohne Not in Gefahr gebracht“, kritisiert der sozialpolitische Sprecher der SPD-Ratsfraktion und Mitglied im Trägerausschuss der JobCenter ARGE Dortmund, Michael Taranczewski.”

Wer jemals persönlich mit der ARGE zu tun gehabt hat, kann meine Erheiterung ob der Formulierung “hochwertige Dienstleistung”  sicher nachvollziehen.

Allen, die bisher davon verschont geblieben sind, kann ich meine gesammelten Essays zum Thema empfehlen.

“Kult-Genre”. Nee, is klar.

amazon ist zwar einer meiner liebsten Geschäftspartner, leider versteht man dort aber immer noch nicht den Unterschied zwischen Genre und Medium. Als Beweis mag dieser Ausschnitt aus einer Mail dienen, die ich vor einigen Tagen erhielt:

Sie interessieren sich für das Kult-Genre “Graphic Novels”? Wir haben aktuelle Bestseller für Sie zusammengestellt.

Ich freue mich schon auf den Moment, wenn amazon entdeckt, daß ich mich auch für das – vielleicht nicht ganz so kultige – Genre “Fernsehserien” interessiere.

Das Problem der Medien mit dem Amoklauf

Guten Abend, meine Damen und Herren, Sie sehen die Abendnachrichten.

Wie heißt es doch so schön: Die beste Satire ist die Realsatire.

Oder anders formuliert: Erschreckend welch erbärmliche Figur unsere Medien bei Vorfällen wie denen vom letzten Mittwoch immer wieder machen.

Mehr (Erschreckendes) zum Thema auch im FAZ-Fernsehblog.

(via Medienrauschen)

Hmmm… Pi(e) !

Einen fröhlichen Pi-Day allen meinen Lesern.

Begeht den freudigen Anlaß doch mit einem leckeren Kuchen oder indem Ihr einfach mal die ersten zwanzig Stellen von Pi auswendig lernt. Das schindet sicher enormen Eindruck auf der nächsten Party.

Mir sind solche freudigen Aktivitäten heute leider nicht vergönnt, da ich meine Mannschaft aus mehr oder minder verrotteten untoten Blood-Bowl-Spielern bei ihrem Kampf um die Franz-Sigel-Trophäe 2009 vom Spielfeldrand aus coachen muß. Wenn dieser Eintrag veröffentlicht wird, müßte die erste Runde gerade begonnen haben. Passenderweise wird dieses blutige Gemetzel übrigens präsentiert von Blutiges Gemetzel, der freundlichen Webseite mit dem nicht ganz so freundlichen Namen.

Apropos Blutiges Gemetzel. Wo ich seit langer Zeit mal wieder auf der Startseite war, wird mir wieder einmal bewußt, wie unaktuell vieles, was dort steht, inzwischen ist. Sobald ich meinen Umzug verkraftet und noch einige andere Kleinigkeiten geregelt habe, werde ich mich mal daran machen, die ganze Seite gründlich zu überholen. Vielleicht springt sogar ein neues Design dabei raus – wobei ich mit dem momentanen eigentlich immer noch recht zufrieden bin. Wir werden sehen. Wenn es soweit ist, kündige ich das ganze jedenfalls hier an, meine treuen Leser werden also keine der spannenden Entwicklungen verpassen.

Child Porn is the new Terrorism

Seit einiger Zeit führen die Zensurfreunde in aller Welt und insbesondere auch in der deutschen Bundesregierung ein neues Argument für die von ihnen gewünschte Einschränkung des Rechts auf freie Information ins Feld. Da es schon lange keine beeindruckenden Terror-Anschläge mehr gab und ja sogar die USA sich mit ziemlicher Deutlichkeit von ihrem alle Rechtsstaatlichkeit vergessenden “War on Terror” abzuwenden scheinen, muß schnell ein neues Thema her, bei dem der durchschnittliche Stammtischwähler sagt: “Klar, das ist so verwerflich. Da verzichte ich gerne auf meine Grundrechte, um es zu bekämpfen.” Das neue Thema: Kinderpornographie.

Der Spiegelfechter beleuchtet dies anläßlich des Verdachtes gegen den SPD-Abgeordneten Jörg Tauss in einem nachdenklich stimmenden Artikel. Der Artikel ist – wie meist beim Spiegelfechter – mit einer Reihe von interessanten, in die Tiefe des Themas gehenden Links gespickt. Besonders besorgniserregend finde ich persönlich den Fall mit den dänischen Sperrlisten und dessen aktuellste Entwicklung:

Im Falle „Dänische Sperrliste“ wurde beispielsweise gegen einen Internetnutzer ein Durchsuchungsbefehl angestrengt, der einen Link auf ein Blog gesetzt hat, auf dem wiederum ein Link zu finden war, der auf die dänische Sperrliste verweist, die auf Wikileaks veröffentlicht wurde. Die Unterstellung, dass man sich mit allen verlinkten Inhalten von Seiten vertraut gemacht hat, auf die man verlinkt, ist ein Schlag ins Gesicht der Informationsfreiheit. In diesem Falle wird sogar unterstellt, alle Inhalte von Seiten, die auf verlinkten Seiten verlinkt werden, zu kennen. Dies ist ein Einfallstor für Willkür.

Nach ein paar Klicks bin ich auf dem Blog Schutzalter gelandet, das sich ausschließlich mit den umstrittenen Gesetzesänderungen zum Straftatbestand Kinderpornographie auseinandersetzt. Eine guten Einstieg in den Fall um die ominöse Dänische Sperrliste bietet dieser Artikel, in dem besonders diese Absätze klar machen, wohin die Reise zu gehen droht:

Hier haben wir also eine Liste mit 3863 Webseiten, die Frau von der Layen auch bei uns filtern möchte. Wir können hier also überprüfen, ob es tatsächlich viele solcher kommerziellen Webseiten mit zerfetzen Körpern von Dreijährigen gibt, die dann durch Filterlisten richtig selektiert werden.

Bitte sehr: Gegen Sie zu http://wikileaks.org/wiki/Denmark:_3863_sites_on_censorship_list,_Feb_2008, und klicken Sie mal 30 bis 40 Links aus der Liste an. Sie müssen ja nichts kaufen.

Wie bitte, Sie trauen sich nicht? Sie haben Angst, sich strafbar zu machen? Haben sie denn das Grundgesetz nicht gelesen? Artikel 5 “Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten.

Ach so, Sie meinen, unser Staat interessiert sich nicht mehr für das Grundgesetz, das kann Sie nicht mehr schützen. Ich verstehe, ja, da haben Sie vermutlich leider recht.

So langsam sollte man mal überlegen, ob der demokratischen Gesellschaft wirklich von der Verbreitung von Kinderpornographie die größere Gefahr droht oder von deren Bekämpfung mit allen Mitteln.

Youtube auf der Insel ohne Musikvideos

Gerade bei der taz gelesen:

Wegen eines Streits mit der britischen Verwertungsgesellschaft PRS (so was ähnliches wie hierzulande die GEMA) kann man im Vereinigten Königreich seit Montag keine Musikvideos mehr auf Youtube sehen.

Da Youtube für viele mittlerweile der Punkt ist, an dem sie neue Musik entdecken (nachdem sie von Freunden oder Bekannten auf einen bestimmten Künstler hingewiesen wurden), müßte das eigentlich den Interessen der Musikindustrie zuwiderlaufen. Wenn sie das schnell genug merken, werden die Musikvideos vermutlich schnell wieder zurückkehren. Oder es bietet sich die Chance für ein neues Startup, Youtube den Rang abzulaufen. Man darf gespannt bleiben.

Stadtrundfahrt einmal anders

Erst las ich es gestern bei den Ruhr-Nachrichten und dann stolpere ich heute im Pottblog schon wieder darüber als ich über die neue Ruhrgebiets-Tourismus-Webseite lese.

Bevor ich sage, was ich eigentlich meine, noch kurz eine Bemerkung zu letzterer Seite. Im Angesicht des herandräuenden 2010 - das Jahr in dem wir Kulturhauptstadt werden, wurde es ja auch höchste Zeit das die “Metropole Ruhr” endlich mal anfängt sich als Einheit zu präsentieren (und vermarkten). Jetzt muß die Seite nur noch mit (mehr) Inhalt gefüllt werden und dann wird es vielleicht doch noch etwas mit der Ruhrstadt.

Aber zurück zum Thema: Die aufgeweckten Leute beim Dortmunder Stadtmarketing haben sich gedacht “Was Paris kann, können wir schon lange” und so bietet man seit neuestem Stadtführungen per Segway an. Das klingt nach einem Riesenspaß und ich plane jetzt schon, da auch demnächst einmal mitzumachen.

Die beiden oben verlinkten Quellen sind sich allerdings noch nicht so ganz über den Preis einig. Bei Dortmund Tourismus selbst findet man noch einmal etwas andere Zahlen – vermutlich hängt es wirklich stark davon ab, mit wievielen man anrückt, bzw. ob man mit den vorgegebenen Terminen vorlieb nehmen möchte.