Lese-Empfehlung: Urheberrecht

Das Urheberrecht (und vor allem die anhängige Verwertungsrechtssituation) wie es momentan funktioniert steckt ohne Zweifel in einer Krise. Im Tagesspiegel stand heute ein sehr kluger Artikel dazu. Der Autor Jens Mühling geht angenehm vorurteilsfrei an das Ganze heran und sagt viele kluge Dinge. Wie nicht anders zu erwarten, wird er dafür von tumben Trollen in den Kommentaren angepöbelt. Falls der Webmaster des Tagesspiegels mitliest, möchte ich hierzu die von xkcd für Youtube vorgestellte Lösung empfehlen.

billige iPhones aus Italien

Der Hype um das neue iPhone 3gs und die EU-marktrechtlich bedenkliche Providerbindung desselben (wofür ist der Neoliberalismus eigentlich gut, wenn er nicht mal so was hinbekommt, was doch offensichtlich genau in seinen Bereich fällt?) führt zu abstrusesten Verhaltensweisen. Auf mysteriösen Wegen (vermutlich Twitter?) bin ich auf diese Seite gestoßen.

Das Problem. Das neue iPhone kostet hierzulande ohne Vertrag offenbar abenteuerliche Preise jenseits der 1000 Euro (keine Ahnung ob das stimmt und zu faul es nachzuprüfen).

Die Lösung: In Italien bekommt man es schon für läppische 600 Euro.

Neues Problem: Die liefern nur innerhalb Italiens.

Neue Lösung: Mit dem gesparten Geld einen Kurztrip nach Italien machen und sich das Teil ins Hotel liefern lassen.

Zitat von der oben verlinkten Seite:

TIPP: Bei Ryanair gab es vor 2 Wochen Flüge für 2 Euro (Endpreis für Hin/Zurück!), derzeit ist es zwar wieder etwas teurer, aber nächste Woche gibt es ja wieder neue Ryanair Angebote. Der Flughafen z.B. in Bologna und Rom liegt sehr nah an der jeweiligen Stadt.

Ich finde das zwar total abstrus, andererseits gefällt dem europhilen Weltenbummler in mir irgendwie der grenzenlose Charme dieser Idee. Wenn ich reich oder verrückt genug wäre, würde mir das auch Spaß machen. Auch gerade weil es so abstrus ist.

ruhrgebietlicher ÖPNV

Bekanntermaßen bin ich ja ein großer Freund des Konzepts Ruhrstadt. Ein wichtiger Schritt in diese Richtung wäre die Koordination des Nahverkehrs der Ruhrgebietsstädte. Vor einigen Wochen haben die Verkehrsbetriebe der Städte Essen, Duisburg und Mülheim zusammengeschlossen. Vielleicht hat dieser Schritt Signalwirkung für die gesamte Region. Am vergangenen Montag fand hierzu der sogenannte Verkehrsgipfel Ruhr statt. Bei den Ruhrbaronen gibt es ein sehr interessantes Interview mit Uwe Knüpfer, Sprecher der Bürgerschaftlichen Initiative Stadt Ruhr und einer der Initiatoren des Gipfels. Sein Ziel ist eine engmaschige Verknüpfung des ÖPNV von Dortmund bis Duisburg. Seine Forderungen orientieren sich an Berlin und lassen sich (neben niedrigeren Tarifen) auf die griffige Formel 10-10-60 bringen, d.h. man soll innerhalb von 10 Minuten die nächste Haltestelle erreichen können, maximal 10 Minuten auf den nächsten Bus oder die nächste Bahn warten müssen und dann in 60 Minuten jedes Ziel innerhalb der Region erreichen können. Ein ambitioniertes Ziel, vor allem wenn man den Ist-Zustand einmal hieran mißt. Aber auch ein wichtiges Ziel. Als ich noch in Dortmund gearbeitet habe, hatte ich Kollegen, die von überall aus dem Revier zur Arbeit pendelten. Sei es Mülheim, Duisburg, Essen oder Recklinghausen. Man sieht also: der Bedarf an einer die Stadtgrenzen überschreitenden Lösung ist längst da.

Nun noch ein paar mediale Anmerkungen: Erfahren habe ich von diesem Verkehrsgipfel am Montag-Morgen im Regionalfenster der WDR-Radionachrichten. Da ich zu dieser Zeit noch im Halbschlaf und die Meldung auch (gefühlt) nur drei Sätze lang war, wollte ich mich, auf der Arbeit angekommen, im Netz weitergehend informieren. Das war aber nicht gerade einfach. Googeln nach Begriffen wie “Verkehrsgipfel” brachte mich auf Anhieb nicht weiter und förderte höchstens veraltete Seiten (zu einem vorhergehenden Verkehrsgipfel) zu Tage.

Meine nächste Station war naheliegenderweise die Webseite des WDR, wo ich ja davon gehört hatte. Der WDR sammelt die regionalen Meldungen auf einer RSS-Feed-artigen Seite (die man auf der Webseite auch erst mal finden muß). Aber weitergehende Informationen auf den Seiten des WDR? Fehlanzeige. Und auch die Meldungen auf der genannten Seite bleiben dort nicht ewig, sondern werden nach einiger Zeit von neueren verdrängt. Immerhin gibt es eine Suche, die die letzten drei Monate abdeckt. Verlinken kann ich die Meldung hier aber trotzdem nicht.

Das Nachrichtenangebot auf den Seiten des WDR ist eh etwas spärlich und wird ja in Zukunft wohl noch mehr beschnitten werden. Aber kein Problem, dachte ich mir, wozu gibt es zwei regionale Zeitungen? Das bittere Ergebnis: selbst eine Suche (nach “Verkehrsgipfel”) förderte weder auf derwesten.de noch auf ruhrnachrichten.de irgendein auch nur ansatzweise relevantes Ergebnis zutage. Ein Armutszeugnis für die lokale Presse. DerWesten hat inzwischen immerhin einen Artikel veröffentlicht, der die Ziele und Ergebnisse des Gipfels rückblickend beleuchtet. Allerdings scheint der Autor nicht vor Ort gewesen zu sein, sondern stützt sich auf ein Redemanuskript. Hier zeigen sich womöglich erste Ergebnisse der rigiden Einsparmaßnahmen der WAZ-Gruppe.

Im Vergleich zum desolaten Ergebnis der herkömmlichen Presse schneidet das Web 2.0 deutlich besser ab. Schon am Montag um kurz nach 10 hat mir dieser Artikel bei den Ruhrbaronen alles gesagt, was ich (zu diesem Zeitpunkt) wissen wollte. Und nach Ende des Gipfels gab es noch wie oben bereits erwähnt, ein in die Tiefe gehendes Interview mit einem der Initiatoren des Gipfels. Dieser Punkt geht also ganz klar an die Blogosphäre.

Wikipedia goes Video

Wie diesem Artikel auf p2pnet news zu entnehmen ist, will die Wikipedia demnächst verstärkt auf Videos setzen. Man plant ein einfaches Interface mit dem Nutzer Videos mit ein paar Klicks direkt in einen Artikel einfügen können. Als Quelle, aus denen der Nutzer Videos einbinden kann, dienen vorerst das Internet Archive, Metavid (eine Sammlung von Reden im amerikanischen Kongress und ähnlichem) und natürlich das hauseigene Wikimedia Commons. Der Plan ist gemeinfreie Mediendateien einem größeren Publikum näherzubringen. Eine gute Idee, wie ich finde.

Erbfolge der Dinos wird angezweifelt. Vögel: Wir geben nichts zurück!

Diesen interessanten Artikel habe ich über das hier (bzw. nebenan) schon vorgestellte Blog 3vor10 gefunden. Für alle, die dort (noch) nicht mitlesen, weise ich auch hier darauf hin:

Vögel doch nicht Nachfahren der Dinos?

Neue Funde zur Lungenfunktion rütteln an den Grundfesten der Vogelevolution

Vögel gelten als die Nachfahren von kleinen, zweibeinig laufenden Dinosauriern – so jedenfalls die etablierte Lehrmeinung. Jetzt aber greifen amerikanische Forscher diese Basis der Vogelevolution an. Im „Journal of Morphology“ postulieren sie, dass sich Lungenfunktion und Oberschenkelanatomie von Dinos und Vögeln dermaßen fundamental unterscheiden, dass es sich ihrer Meinung nach nur um eine parallele Entwicklung handeln könne. Allenfalls habe es einen gemeinsamen Vorfahren beider gegeben.

Woche der politischen Partizipation

Diese Woche ist eine Menge los im Netz, in Deutschland und auf der Welt.

Die iranischen Wahlen sorgen weiter für Wirbel in Teheran und in den Twitterströmen der globalen Netzgemeinde. (Lesetipp: Spiegelfechter, Twitter-Tag: #iranelecction)

Schüler und Studenten gehen eine Woche lang für die Verwirklichung der großartig versprochenen Bildungsrepublik auf die Straße. (Lesetipp: dieser taz-Artikel, Twitter-Tag: #bildungsstreik)

Die große Koalition schert sich nicht um das Grundgesetz, die Gewaltenteilung oder die erfolgreichste E-Petition aller Zeiten und winkt mit großer Mehrheit das #zensursula-Sperrgesetz durch. (Lesetipp: Netzpolitik, Twitter-Tag: #zensursula)

Am liebsten würde ich zu all diesen Themen meinen Senf abgeben. Wollen wir hoffen, daß es nicht nur beim Wunsch bleibt. Bis jetzt sieht das Wochenende noch relativ frei aus. Anti-Zensur-Demos scheint es hier kurz vorm Bretterzaun leider auch nicht zu geben.

Edit:  Ich sehe gerad, daß ich “Tipp” geschrieben habe und nicht “Tip”. Damit ist das Rechtschreibchaos, das hier als Reform verkauft wurde, nun endgültig auch in meinem Gehirn angekommen. Ich bitte an dieser Stelle also schon mal pauschal um Entschuldigung, wenn meine Texte nun wohl weder der alten, noch der neuen Rechtschreibung gänzlich folgen werden. Ich sehe mich als Reformopfer. ;-)

Men are better than women

Ach ja. Die guten alten Zeiten als Werbung noch nicht politisch korrekt sein mußte.

15 Sexist Vintage Ads.

Mich spricht besonders  die relativ weit unten für Drummond Sweaters an, die klar sagt “Men are better than women”. Warum traut sich eigentlich heute keiner mehr, das zu sagen? Und wieso fällt mir eigentlich auf Anhieb nur eine Frau ein, die tatsächlich auf Berge klettert? Ist das die Welt, die wir unseren Kindern hinterlassen wollen?