Demokratie für Nationalisten

Im Zuge der (in Deutschland und den meisten anderen EU-Ländern) morgigen Europawahl läuft beim Freitag eine Reihe namens Menschen in Europa. Durch Zufall bin ich auf diesen Beitrag daraus gestoßen. Eigentlich wollte ich ihn direkt im Freitag kommentieren, aber als ich dort das Javascript einschaltete, hat sich mein Firefox sang- und klanglos verabschiedet. Also schreibe ich meine Meinung stattdessen hierhin. Das hat den Vorteil, daß ich so weniger wahrscheinlich mit Widerspruch rechnen muß, weil ich hier ja zigfach weniger Leser erreiche. ;-)

Also, die 28-jährige Kunsthistorikerin Ivana Unuk aus Slowenien sagt dort folgendes:

Ich gehe nicht wählen, da für mich die EU keineswegs eine demokratische Organisation ist. Nicht zuletzt deshalb, weil Slowenien ein kleines Land ist und nicht annähernd so stark im EU Parlament vertreten wie zum Beispiel Deutschland.

Ich finde es bestürzend, daß eine junge, gute ausgebildete Frau tatsächlich so über Europa denkt. Und das auch noch öffentlich sagt. Klar, das vielbeschworene Demokratiedefizit der EU gibt es wirklich. Aber es stellt sich mit Sicherheit nicht so dar, wie Ivana das denkt.

In meinem Demokratieverständnis ist es deutlich demokratischer wenn jeder EU-Bürger das gleiche Stimmgewicht hat und nicht etwa jedes Land – unabhängig von der Einwohnerzahl. In Wirklichkeit werden kleinere Länder wie Slowenien im jetzigen System sogar ein wenig bevorzugt, weil sie im Verhältnis zu ihrer Einwohnerzahl mehr Abgeordnete stellen als z.B. das bevölkerungsreiche Deutschland.

Solcher dumpfer Nationalismus (und nichts anderes ist die hier implizite Forderung “Ein Land – eine Stimme”) macht mich immer wieder wütend und ist meiner Meinung nach eines der größten Probleme, denen sich die EU entgegenstellen muß, wenn sie überleben will.

2 thoughts on “Demokratie für Nationalisten

  1. >>In meinem Demokratieverständnis ist es deutlich demokratischer wenn jeder EU-Bürger das gleiche Stimmgewicht hat und nicht etwa jedes Land – unabhängig von der Einwohnerzahl. In Wirklichkeit werden kleinere Länder wie Slowenien im jetzigen System sogar ein wenig bevorzugt, weil sie im Verhältnis zu ihrer Einwohnerzahl mehr Abgeordnete stellen als z.B. das bevölkerungsreiche Deutschland.

  2. Genau. Endlich sagt ‘mal einer wie es ist.

    Die Erfolgswertungleichheit der Stimmen bei der Wahl zum Europäischen Parlament nimmt sich verglichen mit der Stimmenverteilung im Ministerrat aber ziemlich harmlos aus . Ich sage nur: “Quadratwurzel oder der Tod”.

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