ruhrgebietlicher ÖPNV

Bekanntermaßen bin ich ja ein großer Freund des Konzepts Ruhrstadt. Ein wichtiger Schritt in diese Richtung wäre die Koordination des Nahverkehrs der Ruhrgebietsstädte. Vor einigen Wochen haben die Verkehrsbetriebe der Städte Essen, Duisburg und Mülheim zusammengeschlossen. Vielleicht hat dieser Schritt Signalwirkung für die gesamte Region. Am vergangenen Montag fand hierzu der sogenannte Verkehrsgipfel Ruhr statt. Bei den Ruhrbaronen gibt es ein sehr interessantes Interview mit Uwe Knüpfer, Sprecher der Bürgerschaftlichen Initiative Stadt Ruhr und einer der Initiatoren des Gipfels. Sein Ziel ist eine engmaschige Verknüpfung des ÖPNV von Dortmund bis Duisburg. Seine Forderungen orientieren sich an Berlin und lassen sich (neben niedrigeren Tarifen) auf die griffige Formel 10-10-60 bringen, d.h. man soll innerhalb von 10 Minuten die nächste Haltestelle erreichen können, maximal 10 Minuten auf den nächsten Bus oder die nächste Bahn warten müssen und dann in 60 Minuten jedes Ziel innerhalb der Region erreichen können. Ein ambitioniertes Ziel, vor allem wenn man den Ist-Zustand einmal hieran mißt. Aber auch ein wichtiges Ziel. Als ich noch in Dortmund gearbeitet habe, hatte ich Kollegen, die von überall aus dem Revier zur Arbeit pendelten. Sei es Mülheim, Duisburg, Essen oder Recklinghausen. Man sieht also: der Bedarf an einer die Stadtgrenzen überschreitenden Lösung ist längst da.

Nun noch ein paar mediale Anmerkungen: Erfahren habe ich von diesem Verkehrsgipfel am Montag-Morgen im Regionalfenster der WDR-Radionachrichten. Da ich zu dieser Zeit noch im Halbschlaf und die Meldung auch (gefühlt) nur drei Sätze lang war, wollte ich mich, auf der Arbeit angekommen, im Netz weitergehend informieren. Das war aber nicht gerade einfach. Googeln nach Begriffen wie “Verkehrsgipfel” brachte mich auf Anhieb nicht weiter und förderte höchstens veraltete Seiten (zu einem vorhergehenden Verkehrsgipfel) zu Tage.

Meine nächste Station war naheliegenderweise die Webseite des WDR, wo ich ja davon gehört hatte. Der WDR sammelt die regionalen Meldungen auf einer RSS-Feed-artigen Seite (die man auf der Webseite auch erst mal finden muß). Aber weitergehende Informationen auf den Seiten des WDR? Fehlanzeige. Und auch die Meldungen auf der genannten Seite bleiben dort nicht ewig, sondern werden nach einiger Zeit von neueren verdrängt. Immerhin gibt es eine Suche, die die letzten drei Monate abdeckt. Verlinken kann ich die Meldung hier aber trotzdem nicht.

Das Nachrichtenangebot auf den Seiten des WDR ist eh etwas spärlich und wird ja in Zukunft wohl noch mehr beschnitten werden. Aber kein Problem, dachte ich mir, wozu gibt es zwei regionale Zeitungen? Das bittere Ergebnis: selbst eine Suche (nach “Verkehrsgipfel”) förderte weder auf derwesten.de noch auf ruhrnachrichten.de irgendein auch nur ansatzweise relevantes Ergebnis zutage. Ein Armutszeugnis für die lokale Presse. DerWesten hat inzwischen immerhin einen Artikel veröffentlicht, der die Ziele und Ergebnisse des Gipfels rückblickend beleuchtet. Allerdings scheint der Autor nicht vor Ort gewesen zu sein, sondern stützt sich auf ein Redemanuskript. Hier zeigen sich womöglich erste Ergebnisse der rigiden Einsparmaßnahmen der WAZ-Gruppe.

Im Vergleich zum desolaten Ergebnis der herkömmlichen Presse schneidet das Web 2.0 deutlich besser ab. Schon am Montag um kurz nach 10 hat mir dieser Artikel bei den Ruhrbaronen alles gesagt, was ich (zu diesem Zeitpunkt) wissen wollte. Und nach Ende des Gipfels gab es noch wie oben bereits erwähnt, ein in die Tiefe gehendes Interview mit einem der Initiatoren des Gipfels. Dieser Punkt geht also ganz klar an die Blogosphäre.

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