Ein Sack voll Links – 29.11.2009

’cause evervbody’s doing it jetzt auch bei den Gedankenblasen: eine (hoffentlich) regelmäßige Linksammlung. Ich bin recht viel im Netz unterwegs und lese dort eine Menge interessanter und wichtiger Dinge, von denen ich denke, daß sie vielleicht für meine Leser ebenfalls von Interesse sind. Ähnlich wie viele andere Blogs richte ich hier jetzt also auch diese Art von News-Aggregator ein. Da ich in der Regel am Wochenende die meiste Zeit zum Surfen und Bloggen habe, kommt der “Sack voll Links” immer zum Wochenbeginn.

Weder das Konzept noch der Name sind schon komplett durchgedacht. Daher bin ich für Anregungen und Kommentare dankbar. Um eins gleich vorwergzunehmen: Ich habe mich entschieden, dies hier und nicht im Linkblog zu machen, da ich dort eher nach dem Motto “Ein Link – ein Post” verfahren möchte.

Sehr alt, aber von mir gerade erst entdeckt: Max Winde schreibt auf Spreeblick einen extrem unterhaltsamen Test des Mediums Fernsehen

Mal wieder eine Abmahnstory. Ein Rechtsanwalt läßt einen Blogbeitrag abmahnen, in dem bestimmte Behauptungen über sein Abmahnverhalten aufgestellt werden. Das ganze ist ein bißchen technisch, aber der Abgemahnte, Rechtsanwalt Thomas Stadler, erklärt es recht anschaulich und verspricht sich mit allen Rechtsmitteln zur Wehr zu setzen. Viel Erfolg.

Ein Interview mit Rob Savelberg, dem kritisch nachfragenden niederländischen Journalisten (Talent Copies berichtete).

Ein guter Artikel beim Spiegelfechter zur möglicherweise anstehenden Absetzung von Nikolaus Brender: Politik vs. Pressefreiheit – Klarmachen zum Showdown.

Und das Follow-Up als es dann tatsächlich soweit kam bei Telepolis.

Thomas Knüwer hat sich mal wieder mit Vertretern des traditionellen Print-Journalismus auseinandergesetzt (bzw. auseinandersetzen müssen). Sein Fazit: Das war kein Spaß – und sollte auch keiner sein

F!XMBR kommentiert die neuesten Umfrageergebnisse der SPD (laut Forsa unter 20 Prozent) mit einer treffenden Glosse: Großer Erfolg – das Projekt 18 in greifbarer Nähe

Vor ein paar Tagen konnten wir den vierzigsten Geburtstag von Unix feiern. Die Futurezone des ORF hat zu diesem Anlaß ein ausführliches Interview mit dem renommierten Unix-Kenner Peter H. Salus geführt.

Was macht eigentlich die Schweinegrippe? Nach dieser Grafik hat sie inzwischen Lepra überholt, was die Anzahl der weltweiten Todesfälle angeht.

David Thorne sammelt lustige bis abstruse E-Mail-Wechsel (die echt sein könnten, es meines Erachtens aber wohl eher nicht sind), zum Beispiel diesen, den er in der Überschrift dergestalt zusammenfaßt: Please design a logo for me. With pie charts. For free. (via Spreeblick)

Lukas von Coffee & TV liest die FAS, damit wir es nicht tun müssen und entdeckt dort die gelungenste Bildunterschrift seit langem.

Auch im Vereinigten Königreich diskutiert man munter über die Regulierung des Internet. Dort begnügt man sich allerdings nicht mit lächerlichen Stoppschildern, sondern peilt die berüchtigte “Three Strikes”-Regelung an. Mehr dazu bei Netzpolitik und bei Boing Boing. Steven Grant verleitet dies in seiner jüngsten Permanent Damage-Kolumne zu Aussagen wie I’m thankful I don’t live in Great Britain now. oder What is overtly fascistic is Britain’s proposed Digital Economy Bill, perhaps the most blatant Internet control measure to be proposed by a major government outside of China.

Spannendes Dortmund

Als Exil-Dortmunder verfolge ich die momentanen politischen Verwerfungen im Rat der Stadt Dortmund mit besonderem Interesse. Selten war die Lokalpolitik in der Stadt mit dem U so spannend wie zurzeit. Erst gab es einen sogenannten Wahlbetrug der amtierenden SPD-Führung, der für eine lokalpolitische Meldung extrem hohe Wellen geschlagen hat. Ob es denn nun tatsächlich ein Wahlbetrug war oder nicht, wird derzeit von einem Experten geklärt, der vom Rat mit der Erstellung eines Rechtsgutachtens beauftragt wurde. Und als wäre eine Ansammlung von hunderten von Einsprüchen gegen die Kommunalwahl und dutzende bitterböser Kommentare auf den einschlägigen Internetseiten (lies: Kommentare unter Artikeln bei DerWesten) der SPD noch deutlich zu langweilig hat man (scheinbar) ohne Not so lange gegen den (ehemaligen?) Koalitionspartner, die Grünen, gestichelt, bis diese eigentlich gar nicht mehr anders konnten als die Zusammenarbeit (zumindest vorerst) für beendet zu erklären. Momentan überbieten die Grünen und die Genossen sich darin, sich gegenseitig heimliche Gespräche mit der CDU vorzuwerfen.

Und das ist noch nicht alles. Da es beim ursprünglichen Skandal ja um ein immenses Haushaltsloch in der Stadtkasse ging, gibt es parallel zu den politischen und persönlichen Befindlichkeiten der Ratsmitglieder und anderen politischen Entscheidungsträger und Meinungsführer noch ein viel dringenderes Problem. “Wo soll all das Geld herkommen, das wir eigentlich in den nächsten Monaten und Jahren ausgeben wollten?” Seit einiger Zeit macht die sogenannte Horrorliste die Runde, in der eine Reihe von einschneidenden möglichen Einsparungen aufgelistet sind. Da viele Punkte auf dieser Liste direkt die Lebensqualität der Dortmunder Bürger betreffen (Schließung von öffentlichen Schwimmbädern, Jugendfreizeitstätten, Schulen oder die Abschaffung des Sozialtickets), gab es erwartungsgemäß einen Aufschrei (oder eine Reihe von Aufschreien) in der Bevölkerung.

Ich bin ein bißchen betrübt, daß ich in dieser vermutlich politisch heißesten Phase der jüngeren Geschichte meiner Heimatstadt nicht vor Ort bin (jedenfalls nicht so oft), bin aber andererseits froh darum, daß ich nicht nur inzwischen einen Insider persönlich kenne, der mich immer wieder bereitwillig an seinen Erfahrungen und Eindrücken teilhaben läßt. Außerdem lebe ich zum Glück auch in der Zukunft, so daß ich dank des Internet und der ganz ansehnlichen Lokalberichterstattung der zwei großen Ruhrgebietsregionalzeitungen auf dem Laufenden bleiben kann. Zum Abschluß also hier mal die entsprechenden Links:

DerWesten.de: Portal Dortmund, direkter RSS-Link, Twitterstream Dortmund

Ruhrnachrichten: Portal Dortmund, direkter RSS-Link, Twitterstream Dortmund

Ungefähr jetzt müßte die Sitzung des Rates zum Nachtragshaushalt beginnen. Beide Redaktionen halten das für so wichtig, daß man Liveticker eingerichtet hat. Hier sind sie: Liveticker RN, Liveticker DerWesten. Ich schaue mir das dann mal an.

Get Higgs – Der große Hadronen-Beschleuniger in Aktion

In diesem Moment sollte nach einer gefühlten Ewigkeit nun endlich der berühmt-berüchtigte Large Hadron Collider im (wenn man die Semantik von “in” entsprechend großzügig auslegt) Genfer CERN in Betrieb gehen. Wenn denn die Technik dort und hier (der Scheduling-Mechanismus von WordPress) mitspielt. Wenn Ihr das hier lesen könnt, wurde dort nun doch kein schwarzes Loch erzeugt, das groß und dauerhaft genug war, um die Erde zu zerstören.

Zum Ausgleich hier ein Video, wie das ganze hätte aussehen können:

Und falls Ihr Euch schon immer gefragt habt, was so Experimentalphysiker eigentlich in ihrer Freizeit machen, hier die Antwort: Sie produzieren alberne Musikvideos.

Der Large Hadron Rap

Les Horibbles Cernettes

Danke an die Ruhrbarone für die Information und an Michael Kolb, der die beiden Musikvideos in seinem Kommentar dort eingebettet hat.

PS zum Titel des Beitrags: Wikipedia behauptet, daß die deutsche Bezeichnung “Großer Hadronen-Speicherring” ist. Das finde ich aber doof. Schließlich ist doch der Punkt der Sache, daß die kleinen Biester mit einer Mordsgeschwindigkeit durch den Ring gejagt werden um zum Schluß aufeinanderzuprallen. Das Wort “Speicherring” hat aber überhaupt nichts von diesem coolen Rollerball-Flair. Daher heißt das Teil bei mir “Beschleuniger”. Das war schließlich für die vorhergehenden Generationen auch immer gut genug.

And everybody goes “Yeah!”

In London kam es vor kurzem eine Twitter-Konferenz (also zum Thema Twitter, nicht mit Twitter als einzigem Kommunikationsmedium) namens 140 character conference. Johnny Haeusler, bekannt aus dem Berliner Gemeinschaftsblog Spreeblick, hat dort einen 5-Minuten-Vortrag über das “Und alle so yeah”-Mem gehalten, das hierzulande kurz vor der Bundestagswahl die Runde gemacht hat. Das Interessante an diesem Mem war, daß es innerhalb von nur wenigen Tagen von der Blogosphäre bis in die wirkliche Welt und über diesem Umweg dann auch in die etablierten Medien schwappte, in diesem Fall in die Tagesthemen.

Nebenbei bemerkt finde ich die Idee dieser Mini-Vorträge ganz gut, glaube ich. Als ich vor zwei Wochen auf der LTC in Poznań war, habe ich gemerkt wie lang sich 15 Minuten (so lang waren die Vorträge dort) manchmal hinziehen können.

Bevor ich jetzt das Video des Vortrags einbette, nutze ich die Gelegenheit, noch kurz auf den ultimativen Und-alle-so-yeah-Song von Lukas “Coffee and TV” Heinser zu verlinken. Aber Vorsicht, das ist ein Ohrwurm.

So, und hier nun das Video:

Die neuen Hornissen in Berlin

Der Spiegelfechter hat einen sehr lesenswerten Artikel über die Richtung, die wir mit der schwarz-gelben Regierung einschlagen werden.

Und wie zum Beweis, schreibt der Massenmedienphilosoph (Erklärung des Erstgliedes: Er philosophiert nicht über Massenmedien, sondern in ihnen) Peter Sloterdijk nun Texte, in denen er zur Abschaffung des Sozialstaates aufruft. Die Berliner Zeitung hat eine gute Zusammenfassung des sich anschließenden Diskurses veröffentlicht, die auch ohne abgeschlossenens Grundstudium der Philosophie verständlich ist. Für die ganz harten, gibt es bei den Nachdenkseiten Links auf die Originaltexte.

Zum Abschluß noch etwas Erheiterndes: So kann man das neue Kabinett auch sehen.