Ein Sack voll Links – 28. 12. 2009

Heute ein bißchen kürzer, da ich in der letzten Woche nicht so viel im Netz unterwegs war.

  • Im Freitag steht ein schöner Artikel (eigentlich eine Leseprobe aus Armin Himmelraths Handbuch für Unihasser) über die Probleme heutiger Bachelor-Studenten und die häufig zweckentfremdete Verwendung von deren Studiengebühren: Dringend reformbedürftig.
  • Ebenfalls im Freitag kommentiert Julian Heißler wie die Verhandlung über die Vorratsdatenspeicherung wieder einmal ein betrübliches Licht auf die Legislative und ihr Verhältnis zu Bürgerrechten und dem Grundgesetz wirft: Niederlage mit Ansage.
  • Und noch einmal der Freitag. Michael Jäger hat einen originellen Vorschlag zur Lösung des Nahostkonflikts. Einfach Israel und Palästina in die EU holen: Die unglücklichen Feinde.
  • Thomas Knüwer versucht sich in Glaskugelige[n] Kaffeesatzlesereien für das Jahr 2010.
  • Und zum Schluß schon wieder der Freitag (das liegt daran, daß ich jetzt endlich dazu komme, die letzten drei Ausgaben in Ruhe zu lesen). Ekkehart Krippendorff schreibt einen interessanten Artikel über das Problem der Staatlichkeit im Postkolonialismus: Staat muss nicht sein.

Happy Holidays

Zwei Drittel der Weihnachtsfeiertage sind vorbei, aber da ein Drittel noch nicht vorbei ist, empfehle ich hier noch schnell den wunderbaren Holiday Music Mix der Musiksendung All Songs Considered. Die Sendung kann als Podcast heruntergeladen werden und ich kann dies nur jedem Musikliebhaber empfehlen. Die Spannbreite der Lieder reicht von klassischer Weihnachtspopmusik bis zu eher lustigen Sachen wie Bob Dylans It Must Be Santa

Oder dem wunderbaren How Do You Spell Channukkahh? von den Leevees (Hey, es heißt Holiday Mucis Mix, nicht Christmas Music Mix).

So, ich gehe jetzt zum traditionellen Jazzmatinee. Schöne Restweihnachten.

Peter Watts und die Grenzschützer

Peter Watts, ein bekannter kanadischer Science-Fiction-Autor hatte gerade einem Kumpel in den USA beim Umzug geholfen. Auf dem Heimweg wurde er offenbar von amerikanischen Grenzbeamten (Motto: Wir entscheiden, wer das Land verläßt) schikaniert und als er versucht hat, ein Gespräch mit ihnen anzufangen, wurde er geschlagen, mit Pfeffer-Spray behandelt und in eine Zelle gesteckt. Und weil das noch nicht genug war, wurde schließlich auch noch gegen ihn Anzeige erstattet. Ich bin über John Scalzis Blog darauf aufmerksam geworden, aber auch die üblichen Verdächtigen Boing Boing und Making Light haben sich des Themas angenommen.

Eine gute Zusammenfassung der Ereignisse findet sich bei der kanadischen Zeitung The Star. Oder in Peter Watts’ eigenen Worten in seinem Blog:

Not the Best of Possible Worlds.

If you buy into the Many Worlds Intepretation of quantum physics, there must be a parallel universe in which I crossed the US/Canada border without incident last Tuesday. [...] In that other timeline I was not punched in the face, pepper-sprayed, shit-kicked, handcuffed, thrown wet and half-naked into a holding cell for three fucking hours, thrown into an even colder jail cell overnight, arraigned, and charged with assaulting a federal officer, all without access to legal representation

Squidgate. Update.
Happiness is a Warm Parka. And Friends I Didn’t Know I Had.

Rechtsstaat eben.

Dativ des Tages (1)

Quelle: Anleitung des Spiels Cable Car von Queen Games

Text: San Francisco Anfang des 20. Jahrhunderts – die Cable-Cars erobern das Stadtbild. Jeder Spieler baut die Cable-Car-Linien seiner Gesellschaft weiter aus. Für jede an einen Zielbahnhof angeschlossene Linie erhält er Siegpunkte. Wem besitzt am Ende des Spiels die erfolgreichsten Cable-Car-Linien San Franciscos?

Die Füchse vom Hamburger Abendblatt und die Freibiermentalität

Beim Hamburger Abendblatt ist man nicht auf den Kopf gefallen. Dort weiß man wie der Web-2.0-Hase läuft und stellt sich als Speerspitze des Fortschritts der Freibiermentalität des gemeinen Surfers entgegen. Der stellvertretende Chefredakteur Matthias Iken erklärt das neuartige Geschäftsmodell (Kurzfassung: Wer weiterlesen will, zahlt monatlich 8 Euro) in seinem Editorial (bis jetzt noch kostenlos zugänglich). Kostenlos zugänglich sind übrigens – wie Carta berichtet – auch alle anderen Artikel, wenn man nicht wie ein Anfänger durch die Vordertür hereinkommt. Ganz großes Kino eben und zurecht schlagen die Herren Niggemeier und Knüwer die Hände über dem Kopf zusammen ob so penetranter Ewiggestrigkeit. Wer sich fragt, warum die Zeitungen eigentlich langsam aber sicher aussterben, kann im genannten Editorial von Iken nachlesen, daß es mal wieder an Managementfehlern liegt. Denn in der Begründung für die neue Abo-Strategie wird kein Klischee ausgelassen. Nicht die Freibiermentalität der Nutzer, noch das bisherige Mutter-Theresa-Gebaren der Zeitungsmacher (die ihre Artikel aus reiner Herzensgüte kostenlos ins Netz gestellt haben) und natürlich auch nicht der Klassiker schlechthin: was nichts kostet, ist auch nichts wert. Die ewige Wahrheit dieser Aussage verfolgt einen als Computernutzer auf Schritt und Tritt, ob man nun etwas sucht, in einer Enzyklopädie nachschlägt oder einfach nur E-Mail oder das WWW benutzt. In allen Bereichen kosten die besten Programme richtig Asche. Gut, daß die Zeitungsleute das jetzt auch endlich erkannt haben.

Die Titanic hat dieselbe Tirade in einen kurzen knackigen Satz gepackt.

Ein Sack voll Links – 21. 12. 2009

Open Access für alle

Durch das Wunder des Vor-sich-her-Schiebens ist dieser Beitrag ziemlich spät dran. Eigentlich wollte ich etwas ausführlicher meine Gründe darlegen, aber dafür fehlt mir momentan die Zeit, daher nur rasch der Hinweis:

Im E-Petitions-System des Bundestages hat Lars Fischer eine Open-Access-Petition eingereicht, die man noch bis zum 22. Dezember mitzeichnen kann. Der freie und kostenlose Zugang zu Forschungsergebnissen, die mit öffentlichen Mitteln bezahlt werden, sollte eigentlich selbstverständlich sein. Da er das leider zur Zeit nicht ist, rate ich jedem, die genannte Petition zu unterzeichnen, damit der Bundestag diesbezüglich endlich etwas unternimmt. Wer noch mehr Argumente braucht, kann die bei Anatol Stefanowitsch oder Lars Fischer selbst finden.

Comics für lau

This just in (via Splashcomics):

gratiscomictag.jpg

Der Free Comic Book Day, den es in den USA schon seit Jahren gibt, kommt in diesem Jahr erstmals nach Deutschland. Wie Splashcomics schreit “haben sich alle namhaften Comicverlage zusammengetan” um am 8. Mai 2010 Gratis-Comics unter die Leute zu bringen. Sobald es Details dazu gibt, werde ich hier oder nebenan darüber berichten.

Ein Sack voll Links – 14.12.2009

Heute sind die Links mal etwas später als sonst, aber keine Sorge, ich habe sie nicht vergessen.

  • Google scheint sich das mit dem “do no evil” doch noch mal überlegen zu wollen. Christian Stöcker hat sich das neueste Interview von Google-CEO Eric Schmidt angesehen und kommt zu folgenden Schlußfolgerungen:

    Schmidts Satz verrät gleich drei beunruhigende Haltungen: Erstens, so kann man ihn interpretieren, sind Sie selbst schuld, wenn Sie es heute noch wagen, Geheimnisse haben zu wollen. Zweitens weiß Google schon längst verdammt viel über Sie. Und drittens wird der Konzern all die Informationen, die er über Sie hat, nicht gegen Sie verwenden – denn das dürfen nur Regierungsbehörden.

    Mehr zum Thema bei Netzpolitik.org und bei Spiegel online.

    Der Standard hat in seinen Artikel zum gleichen Thema netterweise das entsprechende Youtube-Video eingebunden, weshalb ich das nun auch tun kann:

  • Rechtsanwalt Thomas Schwenke zum Thema Disclaimer: Es ist nicht alles Schwachsinn, aber doch fast – 21 Fakten über Disclaimer
  • Wie Welt am Draht vermeldet ist Yps zurück. Momentan allerdings nur in Form eines Blogs, eines Twitter-Accounts und einer iPhone-Urzeitkrebse-App. Aber immerhin.
  • Vielen wird es sicher ähnlich unangenehm aufgestoßen sein, daß der diesjährige Träger des Friedensnobelpreises in seiner Dankesrede den Krieg verteidigt hat, den er gerade führt. J.M. DeMatteis hat dazu einen sehr schönen Artikel verfaßt.
  • Und wo wir gerade dabei sind. Gabor Steingart schreibt bei Spiegel online, warum er den Friedensnobelpreis statt an Obama lieber an Gerhard Schröder verliehen gesehen hätte.
  • Der erste Dezember ist schon einige Zeit vorbei, aber noch ist dieser Comic von Bryan Lee O’Malley zeitgemäß also verweise ich schnell auf ihn. Remember, Remember, The First Of December
  • It had to happen: Angriff auf Berlusconi. Erwarten Sie in Kürze folgende Nachricht: EU verbietet Fluggästen das Mitführen von Souveniren im Handgepäck.
  • Hier zwei interessante Videos zum Thema “Warum man nie mit der Polizei reden sollte”. Bezieht sich natürlich auf die rechtliche Situation in den USA, ist aber auf jeden Fall sehenswert.

    Zuerst spricht James Duane, Professor an der Regent Law School und ehemaliger Strafverteidiger und im Anschluß erzählt ein erfahrener Polizeiermittler aus seinem Erfahrungsschatz.

    (via A Fistful of Euros)