2010 – Das Jahr, in dem wir Kontakt aufnehmen

Ja, ich weiß, ich bin beileibe nicht der erste. Aber vielleicht der letzte, der damit eine Jahresvorschau aufmacht. Wobei, immerhin scheint es in dieser Woche auch noch nicht zu spät für einen Neujahrsempfang zu sein. Aber ich schweife ab.

Noch ganz kurz ein Blick zurück ins letzte Jahr. Ja, wir sind alle froh, daß es vorbei ist, aber trotzdem. Es geht um das Wort des Jahres.

Die diversen in- und ausländischen Medien haben als Wort des Jahres Dinge anzubieten wie tweet, Abwrackprämie oder ontvrienden (unfriend). Unwort des Jahres ist in Deutschland betriebsratverseucht geworden, das ich persönlich vorher noch nie gehört habe. Klingt aber asozial genug um die Auszeichnung zu verdien. Aber egal. Mein Wort des Jahres 2009 habe ich erst relativ spät für mich entdeckt. Ich glaube es war im November oder zu Beginn des Dezembers in einem Kommentar im (inzwischen eingestellten/umgezogenen) Bremer Sprachblog. Ich würde jetzt gern dorthin verlinken und denjenigen Kommentator lobend erwähnen, der mir dieses Wort näher gebracht hat, aber leider bin ich nicht in der Lage, den entsprechenden Kommentar wiederzufinden. Egal. Mein Wort des Jahres 2009 lautet Gesichtspalme.

So, nun zum aktuellen Jahr. Seit ich meinen Hauptwohnsitz im äußersten Westen der Republik habe, wo man abends die Bürgersteige hochklappt und ansonsten tagein, tagaus den Erlöser preist, verreise ich noch lieber als ohnehin schon. Inzwischen auch ab und zu mal aus beruflichem Anlaß. Abseits des beruflichen gibt es in diesem Jahr eine Reihe interessanter Veranstaltungen, bei denen ich eine Teilnahme erwäge. Hier eine kurze Liste derjenigen davon, die ich momentan auf dem Radar habe.

Was Wo Wann Link
dGfS-Jahrestagung Berlin 23.-26. Februar www2.hu-berlin.de/dgfs/
PolitCamp10 Berlin 20./21. März politcamp.org
re:publica 2010 Berlin 14.16. April re-publica.de
Franz-Sigel-Trophäe 2010 Dortmund 22. Mai blutiges-gemetzel.de
14. Internationaler Comic-Salon Erlangen 3.-6. Juni comic-salon.de
Spiel Essen Ende Oktober merz-verlag.com/spiel
27C3 Berlin 27.-30. Dezember events.ccc.de/congress
Ruhr2010 Ruhrstadt 2010 ruhr2010.de

Für die DGfS-Tagung bin ich bereits angemeldet. Die Spielemesse ist natürlich Pflichtprogramm. Und bei der Franz-Sigel-Trophäe bin ich sogar die Turnierleitung. Der Comic-Salon steht schon länger auf meiner Liste und ich hoffe, daß es dieses Jahr endlich klappt. Besonders freuen würde es mich, wenn vielleicht einer meiner comic-lesenden Leser Lust hat, mich zu begleiten. Na, Alpman, Captain Smollett? Wie wär’s?

Ich weiß gar nicht mehr, wie ich darauf kam, aber vor kurzem bin ich über alte Geschäftskorrespondenz gestolpert und dabei festgestellt, daß Blutiges Gemetzel inzwischen in seinem zehnten Jahr ist. Mehr als die Hälfte dieser Zeit habe ich hier mehr oder minder regelmäßig in die Welt hinausgeblogt. Ich denke, dieses Jubiläum sollte Anlaß genug sein, endlich das zu machen, was ich schon länger vorhabe, nämlich die Seite mal ein bißchen aufmöbeln. Ich muß sagen, daß mir der klare, aufgeräumte Stil eigentlich immer noch ganz gut gefällt, die optischen Änderungen werden sich also vermutlich in Grenzen halten. Dafür wird aber zum Beispiel der hoffnungslos veraltete “Über mich”-Text endlich mal auf den neuesten Stand gebracht werden. Hier in den Gedankenblasen könnt Ihr Euch auf eine ganze Reihe neuer Rubriken freuen. Zwei sind schon fertig konzipiert und kommen schon sehr bald. Zudem trage ich mich mit dem Gedanken, hier auch mal Fachliches aufzuarbeiten. Ähnlich wie es der Kollege Ströver nebenan immer wieder mal macht.

Und schließlich muß ich mir auch wieder einmal die Frage stellen: Zwei Blogs oder eines? Ich finde die Zweiteilung zwar im Prinzip recht sinnvoll, ertappe mich aber dennoch immer wieder mal dabei, daß ich einen Beitrag in dem einen Blog anfange und ihn dann doch noch ins andere schiebe. Oder mich im Nachhinein frage, ob das jetzt nicht doch besser ins andere Blog gepaßt hätte. Vielleicht haben ja meine restlichen Leser (also außer Captain Smollett, der schon beim letzten Mal als diese Frage aufkam für 1 gestimmt hat) inzwischen Präferenzen in die eine oder andere Richtung entwickelt, die ich in meine Überlegungen miteinbeziehen kann.

It’s a Pad!

Das Kreißen in Cupertino hat ein Ende und das iPad ist geboren.

ipad.jpg

Ein typisches Apple-Produkt. Schick. Glänzend. Super, wenn man eh nur Apple-Produkte einsetzt, für andere bleibt das Walled-Garden-Problem. Der relativ günstige Preis von 500 Dollar überrascht erst, relativiert sich aber, wenn man sieht, daß dies natürlich nur für das kleinste Modell gilt. 16GB Speicherplatz sind nicht viel heutzutage. Mein Telefon hat z.B. schon 8 ab Werk. Wer mehr wissen und noch viel mehr Fotos von der Präsentation sehen möchte, gehe zu gdgt.com, von wo auch das Bild stammt.

Ein Sack voll Links – 25. 1. 2010

  • Das fünfjährige “Jubiläum” von Hartz IV ist für viele Medien ein Anlaß kritisch über diese in großen Teilen furchtbar verunglückte und mutmaßlich verfassungsfeindliche Reform des Sozialsystems zu berichten. Exemplarisch hier ein schöner Artikel aus dem Freitag Forcierte Zwangsarbeit. Viel viel mehr findet man fast jeden Tag auf den Nachdenkseiten.
  • Big Brother gibt es immer noch. Die lustige Containershow für und über die Unterschicht hat mittlerweile die zehnte Staffel erreicht und scheinbar geht es immer noch tiefer wie der Artikel im Fernsehblog zeigt: “Big Brother” und das Haus der verlorenen Seelen. Hier mal ein kurzer Anreißer:An einem Punkt stockt die 26-Jährige [Micaela] und sagt mit tränenerstickter Stimme, dass sie eigentlich alles habe “außer Freunden, außer einem Freund”:

    “Ich hab eigentlich gar nichts – und das find ich total schlimm. Ich hab noch nie darüber geredet, weil es einfach keinen interessiert. Deshalb will ich auch gerne ins Haus gehen, weil ich einfach mal normale Menschen um mich rum haben möchte.”

    Und was sind das nun für “normale Menschen”, die die leidgeprüfte Frau da meint? Nun ihre “Normalität” faßt der Fernsehblog-Artikel in zwei Sätzen zusammen.

    Alle Kandidatinnen hatten nichts dagegen, sich für die von RTL 2 produzierten Filmchen, in denen sie vorgestellt werden, komplett auszuziehen. Gehört für die meisten ja eh zur täglichen Arbeit.

  • Arnd Zickgraf hat bei Zeit online hat einen netten kleinen Artikel über Wissenschaftsblogs veröffentlicht. Die Hintertür zur Forschung
  • Marvel stellt mal wieder eine Serie ein, bevor man dort überhaupt auch nur irgendetwas darüber erfahren konnte, wie sie bei den Lesern ankommt. Dies nimmt Greg Burgas zum Anlass einen länglichen und sehr treffenden Artikel darüber zu verfassen, wie die großen Comic-Verlage eigentlich ihr Geschäft betreiben. S.W.O.R.D. is cancelled: Why, God, why?!?!?!?!?. Der Kern des ganzen sind diese paar Sätze, aber es lohnt sich, den ganzen Artikel zu lesen. Here’s the strange thing about Marvel and DC: they’re not real businesses. Nobody in charge knows much about business. Quesada is an artist, for crying out loud. I might love Vincent van Gogh, but I don’t want him running a business!
  • Der neue Innenminister Thomas de Maizière ist immerhin gegenüber der Datenschutzproblematik so aufgeschlossen, daß er sich mit einigen Vertretern des AK Vorrat trifft. Diese haben eine Reihe von guten Vorschlägen, wie man den Datenschutz in Deutschland wieder einigermaßen herstellen könnte. Für die Eiligen gibt es einen taz-Artikel zum Thema und für die Gründlichen die Original-Mitteilung der Vorratsdatenspeicherungsgegner und das komplette Positionspapier als PDF.
  • Der Spiegelfechter schreibt einen – wie immer sehr gründlich recherchierten – Hintergrundartikel über Haiti: Haiti – was tun mit dem Katastrophenstaat
  • Anatol Stefanowitsch zieht um. Am Samstag hat er im Bremer Sprachblog die Lichter ausgemacht und am Sonntag bereits seinen Leser in seinem neuen Zuhause begrüßt. Adjust your Feed-Readers!
  • Nach Bochum im letzten Jahr scheint nun auch Duisburg bei der versprochenen Veranstaltung der Loveparade zu schwächeln. Und wieder stellt sich die Frage: Kann jemand einspringen. Essen hat wohl schon abgewinkt und auch in Dortmund sieht es nicht gut aus. Hier hat man zur Zeit auch ganz andere Sorgen. Die offizielle Absage will man sich aber bis Dienstag aufheben. Ich stimme mit diesem Artikel bei den Ruhrbaronen überein, daß die Ruhrstädte sich hier endlich mal zusammenraufen und so etwas gemeinsam finanzieren und organisieren sollten. So wie es jetzt läuft ist es jedenfalls mehr als peinlich.
  • In den Niederlanden hat – ähnlich wie in der Schweiz – der Rechtspopulismus Hochkonjunktur. Die Tatsache daß das Gesicht dieser Bewegung, Geert Wilders, gerade wegen seiner Aussagen gegen Muslime vor Gericht steht, ist der taz zwei Artikel zum Thema wert, die man gelesen haben sollte, damit man sich schon mal auf die Zeit nach den nächsten Wahlen dort einstellen kann. Der rechte Holländer, HipHop, Hass und die Holländer. Eins scheint klar, es wird wohl langsam wirklich ungemütlich im ehemals so toleranten Staat unter dem Meeresspiegel.
  • Bei den Ruhrbaronen (die ihre Seite ziemlich zerflasht haben, aber dafür nun wenigstens einen Voll-Feed anbieten) gibt es einen sehr schönen Artikel über Oskar Lafontaine: Verfrühter politischer Nachruf auf Oskar Lafontaine
  • Ebenfalls bei den Ruhrbaronen gibt es einen Artikel zum Problem von Hannelore Kraft respektive der NRW-SPD: Kraft: Parteisoldatin ohne Perspektive
  • Was das Problem von Frau Kraft ist? Nun zum Beispiel ihr eigener Parteichef, der sich kürzlich mit folgendem Satz zitieren ließ: “Rot-Rot-Grün ist nicht die Perspektive.” Was ist denn dann die Perspektive?
  • In der taz schreibt Josef Winkler einen lustigen Erlebnisbericht eines Bahnreisenden: Keine planmäßige Abfahrt. Besonders schön die Nebenüberschrift (Byline? Ich kann das nicht so recht einordnen): Die Deutsche Bahn ist zu Dienstleistungen fähig, da reicht unser Gehirn nicht mal für.
  • Microsoft hat nach Bekanntwerden der neuesten Sicherheitslücke im Internet Explorer die wahren Problem-Browser ausfindig gemacht: “Firefox und Co. sind wesentlich gefährlicher als der Internet Explorer”
  • Seit kurzem gibt es einen neuen Ableger des Deutschlandfunks: D-Radio Wissen. Der Begrüßungsartikel im Freitag macht mich sehr neugierig. Rein in den Elfenbeinturm
  • Das Jahr ist noch jung, doch Thomas Knüwer hat bereits die Abmahnung des Jahres. Es fällt mir schwer, ihm da zu widersprechen. Aber lest selbst: Witzabmahnung von komsa an 100partnerprogramme.de
  • Und das beste zum Schluß. Die Ruhrnachrichten haben ihre Leser nach einem neuen Slogan für Dortmund befragt und selbige Leser anschließend über die Einsendungen abstimmen lassen. Nun ist das Ergebnis da. Die Top Four sind:
    Dortmund – Stadt mit Herz und Schnauze (18%), Dortmund – mein Revier (8%), Let’s DO (6%), Einmal Dortmund – immer Dortmund (5%)Naja, kann ich da nur sagen. Hätte ich mal doch mitgemacht. Meine Idee: Dortmund – warum eigentlich nicht?

Ein Sack voll Links – 18. 1. 2010

  • Den Artikel des Spiegelfechters Jens Berger auf Telepolis über das Dreikönigstreffen der FPD muß allein schon deshalb empfehlen, weil darin dieser wunderbare Satz vorkommt: Westerwelle ist der Spongebob der Politik.
  • Lukas hört beim Renovieren gerade massenhaft WDR2 und beschreibt seine Haßliebe zu diesem Sender in einem sehr schönen Blogbeitrag: Ich, WDR 2
  • Lutz Wingert sorgt mit seinen klugen Gedankengängen immer wieder im Alleingang dafür, daß ich Philosophen doch nicht pauschal als Dampfplauderer abtue. So auch in seinem Artikel für die Zeit über den unter anderem von seinem “Kollegen” Peter Sloterdijk angezettelten Klassenkampf von oben: Ab in die Dienerschule
  • Heiner Flassbeck spricht auf den Nachdenkseiten über Die unendliche Leistungsträgerlüge
  • Scalzi findet beim Aufräumen eine Diskette und sinniert über den technischen Fortschritt an sich. That takes me back. Meine liebste Stelle ist der vorletzte Satz: The real irony of this disc is that the amount of memory you can write to it (1.44 MB, if memory — heh – serves) isn’t enough to store the jpeg of the picture of it which came out of my camera (1.49 MB).
  • artbroken rezensiert seit einiger Zeit Rollenspiele aus der Independent-Ecke. Dieses Mal hat er ein besonderes Schmankerl an der Hand: Indie RPG and the Temple of Doom – Fiasco
  • Abteilung Fleisch ist mein Gemüse: Der Dortmunder Gerade-noch-so-OB Ulli Sierau spricht ein Machtwort gegen die meiner Meinung nach sehr gute Idee, in der Stadtverwaltung einen fleischlosen Tag pro Woche einzuführen. Das funktioniert in Gent bereits sehr gut und auch die gute alte taz geht mit gutem Beispiel voran. Sierau zeigt sich von einer besonders schlechten Seite als er, auf die Entscheidung angesprochen, verkündet: Im städtischen Betriebsrestaurant gebe es „eine abwechslungsreiche Salatbar und mindestens einmal pro Woche vegetarische Angebote”. Ui, einmal pro Woche vegetarische Angebote. Dieses Niveau kenne ich noch von meinen gelegentlichen Besuchen in der Kantine der DEW. Da gab es auch einmal pro Woche ein vegetarisches Angebot. Und an den anderen vier Tagen gab es für den Vegetarier ja immerhin die “abwechslungsreiche Salatbar”. Guter Job, Ulli!

    Ein Artikel bei “der Westen” gibt Details: Sierau hält die Hand über Schnitzel.

  • Von den meisten unbemerkt hat es in der letzten Woche schon wieder einen Relaunch des ehemaligen deutschen Vorzeige-Comics Fix und Foxi gegeben. Stefan Pannor kommentiert dies sehr treffend. Manchmal interessiert es keine Sau. “Fix & Foxi” kommen zurück – unter Ausschluß der Öffentlichkeit
  • David Crystal demontiert in seinem Blog den Mythos, daß der durchschnittliche Teenager seinen Tag mit einem Wortschatz von lediglich 800 Wörtern bestreitet: On the 800-word myth
  • Bei heise lesen wir, daß die Post plant, eine Art Hybrid zwischen E-Mail und traditionellem Brief einzuführen. Der Bedarf dafür dürfte sich in Grenzen halten.
  • Ebenfalls bei heise erfahren wir von einem interessanten neuen Projekt: Gordon – Flash ohne Player (Ich muß zugeben, daß es ganz schön lange gedauert hat, bis ich den Witz verstanden habe), ein Codec für swf-Dateien, der diese direkt im Browser ohne Flash-Plugin abspielen kann, und unter einer freien Lizenz steht. Man kann dem Projekt nur viel Erfolg wünschen.
  • In der taz gibt es einen sehr interessanten Hintergrundbericht über das Phänomen Co-Working: Co-Working schafft Nestwärme
  • Avatar, den ich wie gesagt nur so mittel fand, hat inzwischen fast alle Verkaufsrekorde gebrochen. Ein bißchen besser läßt sich das verkraften, wenn man sich klar macht, daß hier mit Dollarumsatz gerechnet wird und a) die Kinopreise immer steigen und b) Avatar-Tickets wegen des 3D-Effekts noch einmal eine ganze Ecke teurer sind.
  • Auch in Dortmund bleibt es weiter spannend. Inzwischen hat eine Reihe von Ratsmitgliedern Klage eingereicht, was eine Wiederholung der Rats- und Bezirkswahl erst einmal in die nebulöse Zukunft nach einer letztinstanzlichen gerichtlichen Klärung verschiebt. Ein paar Jahre dürften das schon werden. Die WAZ hat mittlerweile mal ein Stimmungsbild des Wahlvolks erhoben, das für die wahrscheinlich tatsächlich demnächst zu wiederholende OB-Wahl ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Sierau und Pohlmann voraussagt. Auf der möglicherweise letzten Sitzung des Rates haben inzwischen gut 100 Leute gegen die abstruse Umgestaltung des Sozialtickets (Nicht nur wurde der Preis verdoppelt, es soll nun auch erst ab neun gelten, was natürlich ein schlechter Scherz ist, aber nicht “sozial”) demonstriert, nur um vom Gros der Parteien den Stinkefinger gezeigt zu bekommen. Gegen die Stimmen von Grünen und Linken wurden alle Anfragen [bezüglich des Sozialtickets] in die Ausschüsse verwiesen. Grünen-Chef Krüger: „Auch das Vertagen der Diskussion ist eine Botschaft.” (Der Westen)
  • In Berlin macht man sich auf den beschwerlichen Weg einer Schulreform und reduziert die Auswahl auf immerhin zwei weiterführende Schulformen. Ich sehe die Sache ähnlich wie Alke Wierth in ihrem Kommentar in der taz: Schafft das Gymnasium ab!

Ein Sack voll Links – 11. 1. 2010

  • David Crystal beginnt das neue Jahr mit einem Eintrag über Shakespeare, genauer gesagt über die “Original Pronunciation” der Texte des Barden: On OP 2010. Interessierte können sich auf der Seite Pronouncing Shakespeare kurze Aufnahmen in dieser Originalaussprache anhören oder längere Aufnahmen kaufen.
  • Ralph Bollmann schreibt in der taz einen angenehm unaufgeregten Artikel über die neue Nacktscanner-Hysterie und warum sie seiner Meinung nach nur die nächste durch’s Dorf getriebene Sau ist: Dienstwagen heißt jetzt Nacktscanner
  • Der Spiegelfechter stellt eine gute Frage: Was macht eigentlich die Schweinegrippe?
  • Die NRW-Wahl rückt näher und Volker Beck beginnt den Reigen der Ausschließeritis: Kein Jamaika in Nordrhein-Westfalen
  • Heise news weist auf einen interessanten Artikel zur Zukunft der ISS hin. Offenbar ist die Finanzierung der Internationalen Raumstation, die noch nicht einmal fertiggestellt ist, von seiten der NASA nur bis zum Jahr 2015 gesichert. Man kann nur hoffen, daß dort schnell eine Lösung gefunden wird.
  • DSW21 schaltet dreidimensionale Kino-Werbung. Ich war letzte Woche in Avatar. Wieso hab ich diese Werbung nicht gesehen? Hoffentlich läuft sie noch so lange, daß ich sie beim nächsten 3D-Film mitnehmen kann.
  • Monika Wendel blickt für heise news in die energiepolitische Zukunft: Atompolitik sorgt auch 2010 für Zündstoff
  • Bei Der Westen kann man ein Fazit zum 30-jährigen Bestehen des VRR lesen. Es ist kein positives, so viel kann ich vorwegnehmen. 30 Jahre VRR – kein Grund zum Feiern
  • Slaven Marinovic hat in der brandeins einen Artikel über (oder besser: gegen) Google geschrieben. Das ist sein gutes Recht und es gibt sicherlich genug Kritik, die man gegen den freundlichen Suchgiganten vorbringen kann. Leider scheint [Der Artikel ist nicht online. Vermutlich damit Google ihn nicht sieht.] sich der erwähnte Artikel aber wieder einmal um das abstruse Argument zu drehen, daß Google sich bei der News-Aggregation unrechtmäßig auf Kosten der armen, armen Zeitungsverlage bereichert. Felix Schwenzel (der beim Thema Groß- und Kleinschreibung in der Schule nicht aufgepaßt hat) haut Marinovic den Artikel daher in einem Blogbeitrag auf wirres.net fachgerecht um die Ohren. brandeins gegen google

Alles Bio oder was?

Good news, everyone! Die EU will ein neues Biosiegel einführen. In der taz findet sich eine herrliche Kritik der zur Wahl stehenden drei Logos. Mein Liebling ist ja definitiv das “Modell Wandteppich”.

Biosiegel: Modell Wandteppich

Und nun das beste: Bis Ende Januar kann jeder mit darüber abstimmen, welches der drei Logos das Rennen macht. Ich habe gerade meine Stimme für den Wandteppich in die Waagschale geworfen. Wenn Ihr also lieber die Vulva oder den Gefallenen Stern gewinnen sehen möchtet, nichts wie hin und mit abstimmen.

Von Nullern, Zehnern und einer stilprägenden Agenda

Zum Abschluß des alten Jahres hat sich David Crystal Gedanken über die Benennung der zurückliegenden Dekade und des nun bereits begonnenen Jahres gemacht. On tens, teens, or whatever.

Es ist spannend, das ganze mal auf das Deutsche anzuwenden. In meinem Umfeld habe ich noch keine klare Bezeichnung für die vergangenen zehn Jahre gehört. “Nuller” klingt eigentlich ziemlich plausibel, aber ob sich das wirklich durchsetzt, wird sich vermutlich erst in den kommenden Jahren zeigen, wenn häufiger auf diese Jahre referiert wird. In den Kommentaren zu Crystals Beitrag bringt es Rick S sehr schön auf den Punkt, wenn er meint. Wir werden erst in den Zwanzigern eine Antwort erhalten, wenn Oldie-Radiosender anfangen, “die größten Hits der ____” zu spielen.

Eigentlich geht es in Crystals Beitrag aber um den Namen der nun begonnenen Dekade. Analog zu “Zwanziger”, etc. drängt sich “Zehner” im Deutschen geradezu auf. Irgendwas scheint dem Wort aber im Weg zu stehen, weil es mir für die Jahre 1910-1919, glaube ich, noch nicht untergekommen ist. Das kann aber auch daran liegen, daß diese Dekade geschichtlich durch den ersten Weltkrieg in der Mitte durchgerissen wurde und man sowieso nur sehr, sehr selten auf alle zehn Jahre gleichzeitig referiert. Auch hier gilt vermutlich Ricks Oldie-Sender-Weisheit.

Ebenfalls sehr interessant ist, was sich als Bezeichnung für das laufende Jahr durchsetzen wird. Analog zu den letzten Jahren müßte es “Zweitausendzehn” werden und ich vermute auch, daß es so sein wird. Aber dank des Altkanzlers und seiner desaströsen Agenda gibt es mit “Zwanzig Zehn” einen ernstzunehmenden Konkurrenten. “Zwanzig Zehn” ist um eine Silbe kürzer und klingt irgendwie knackiger. Andererseits ist es für viele mit der verfehlten Politik der rot-grünen Regierung verbunden und ruft nicht gerade angenehme Assoziationen wach, gleich ob man nun Hartz-IV-Empfänger oder SPD-Mitglied ist. Ich denke, daß “Zweitausendzehn” sich hier durchsetzen wird. Auch gerade weil es so leicht fällt, einfach so weiterzumachen wie bisher. “Zweitausendacht”, “Zweitausendneun”, “Zweitausendzehn”. Aber ein bißchen gespannt bin ich schon, ob der alte Gerhard sich hier vielleicht doch noch ein letztes Mal durchsetzen wird.

Ein Sack voll Links – 4. 1. 2010

  • Aaron Koenig von der Piratenpartei hört einfach nicht auf, Fremdenfeindlichkeit für salonfähig zu erklären, solange es nur die Richtigen trifft. So auch dieser Artikel im Freitag von ihm zum Minarett-Volksentscheid in der Schweiz: Direkte Demokratie! Jetzt erst recht
  • Der Spiegelfechter mit einigen Bemerkungen zum Studentenstreik: Bolognese mit studentischem Hackfleisch
  • Letzte Woche hat Lukas Heinser seine größtenteils musikalischen, manchmal auch persönlichen, aber immer wunderbaren Erinnerungen an die Nullerjahre abgeschlossen. Wer die “Naughties” noch einmal Revue passieren lassen möchte, dem kann ich diese Serie in 10 Teilen nur ans Herz legen. Und jedem anderen eigentlich auch. A Decade Under The Influence.
  • Fernsehkritik.tv schildert in seiner letzten Sendung des Jahres 10 noch erwähnenswerte Flops 2009. Wenn das kein Grund ist, den Fernseher endgültig abzuschaffen, weiß ich es auch nicht.
  • Und noch ein Rückblick: Christiane Schulzki-Haddouti schreibt auf Kooptech über Datenschutz: Der Datenschutz und das verlorene Jahrzehnt.
  • Die iPhone-App der altehrwürdigen Tagesschau schlägt hohe Wellen. Im Lummaland findet sich ein sachlicher und richtiger Kommentar dazu, dessen – für mich – entscheidenden Satz ich hier zitieren möchte:

    Ich halte es allerdings für generell sinnvoll, über das Thema GEZ und öffentlich-rechtliche Grundversorgungen einmal ausführlicher zu diskutieren, denn die ständigen Versuche, die öffentlich-rechtlichen Sender bei der Verbreitung ihres Angebots über das Internet beschränken zu wollen, lassen darauf schließen, daß hier Klärungsbedarf besteht.

  • Und passend dazu gleich die andere Seite: Die GEZ möchte die Nicht-Fernsehbesitzer nicht so ohne weiteres davonkommen lassen und plant eine 200-prozentige Steigerung der Gebühren für Leute, die keinen Fernseher, aber ein Laptop oder ein Smartphone haben. Das Schockierendste am Bericht auf Carta ist für mich, daß ich erst durch einen Nebensatz im aktuellen Freitag davon erfuhr. Dies betrifft mehr Menschen als man denken sollte. Mir fallen aus dem Stegreif zwei solcher Haushalte ein und wenn ich nicht ein Abspielgerät für DVDs brauchte oder die GEZ-Regelungen fair wären, wäre ich selbst so jemand. Die Entscheidung soll im Sommer fallen, es ist also noch Zeit, seine Stimme dagegen zu erheben.
  • Für alle, die wie ich Avatar schon gesehen haben, haben die Fünf Filmfreunde eine schöne Liste, die besser als ich selbst es beschreiben kann, zeigt, warum ich den Film nur so lala fand. 18 Dinge, die ich durch Avatar gelernt habe.
  • John Seavey erinnert uns daran, daß es die guten alten Zeiten gar nicht gab. Sein Blogpost hat den passenden Titel Either I Post It Here, Or I Start Hitting People With Baseball Bats.
  • Dieser letzte Link ist mehr für mich selbst als für meine Leser gedacht. Hier finde ich ihn bestimmt leichter wieder. Andererseits weiß ich von mindestens einem Leser, der eventuell demnächst vor einem ähnlichen Problem stehen könnte. Boris Schneider-Johne hat sein Blog auf WordPress 2.9 upgedated und hatte dabei ärgerliche Probleme mit Umlaute[n] und MySQL.