Ein Sack voll Links – 25. 1. 2010

  • Das fünfjährige “Jubiläum” von Hartz IV ist für viele Medien ein Anlaß kritisch über diese in großen Teilen furchtbar verunglückte und mutmaßlich verfassungsfeindliche Reform des Sozialsystems zu berichten. Exemplarisch hier ein schöner Artikel aus dem Freitag Forcierte Zwangsarbeit. Viel viel mehr findet man fast jeden Tag auf den Nachdenkseiten.
  • Big Brother gibt es immer noch. Die lustige Containershow für und über die Unterschicht hat mittlerweile die zehnte Staffel erreicht und scheinbar geht es immer noch tiefer wie der Artikel im Fernsehblog zeigt: “Big Brother” und das Haus der verlorenen Seelen. Hier mal ein kurzer Anreißer:An einem Punkt stockt die 26-Jährige [Micaela] und sagt mit tränenerstickter Stimme, dass sie eigentlich alles habe “außer Freunden, außer einem Freund”:

    “Ich hab eigentlich gar nichts – und das find ich total schlimm. Ich hab noch nie darüber geredet, weil es einfach keinen interessiert. Deshalb will ich auch gerne ins Haus gehen, weil ich einfach mal normale Menschen um mich rum haben möchte.”

    Und was sind das nun für “normale Menschen”, die die leidgeprüfte Frau da meint? Nun ihre “Normalität” faßt der Fernsehblog-Artikel in zwei Sätzen zusammen.

    Alle Kandidatinnen hatten nichts dagegen, sich für die von RTL 2 produzierten Filmchen, in denen sie vorgestellt werden, komplett auszuziehen. Gehört für die meisten ja eh zur täglichen Arbeit.

  • Arnd Zickgraf hat bei Zeit online hat einen netten kleinen Artikel über Wissenschaftsblogs veröffentlicht. Die Hintertür zur Forschung
  • Marvel stellt mal wieder eine Serie ein, bevor man dort überhaupt auch nur irgendetwas darüber erfahren konnte, wie sie bei den Lesern ankommt. Dies nimmt Greg Burgas zum Anlass einen länglichen und sehr treffenden Artikel darüber zu verfassen, wie die großen Comic-Verlage eigentlich ihr Geschäft betreiben. S.W.O.R.D. is cancelled: Why, God, why?!?!?!?!?. Der Kern des ganzen sind diese paar Sätze, aber es lohnt sich, den ganzen Artikel zu lesen. Here’s the strange thing about Marvel and DC: they’re not real businesses. Nobody in charge knows much about business. Quesada is an artist, for crying out loud. I might love Vincent van Gogh, but I don’t want him running a business!
  • Der neue Innenminister Thomas de Maizière ist immerhin gegenüber der Datenschutzproblematik so aufgeschlossen, daß er sich mit einigen Vertretern des AK Vorrat trifft. Diese haben eine Reihe von guten Vorschlägen, wie man den Datenschutz in Deutschland wieder einigermaßen herstellen könnte. Für die Eiligen gibt es einen taz-Artikel zum Thema und für die Gründlichen die Original-Mitteilung der Vorratsdatenspeicherungsgegner und das komplette Positionspapier als PDF.
  • Der Spiegelfechter schreibt einen – wie immer sehr gründlich recherchierten – Hintergrundartikel über Haiti: Haiti – was tun mit dem Katastrophenstaat
  • Anatol Stefanowitsch zieht um. Am Samstag hat er im Bremer Sprachblog die Lichter ausgemacht und am Sonntag bereits seinen Leser in seinem neuen Zuhause begrüßt. Adjust your Feed-Readers!
  • Nach Bochum im letzten Jahr scheint nun auch Duisburg bei der versprochenen Veranstaltung der Loveparade zu schwächeln. Und wieder stellt sich die Frage: Kann jemand einspringen. Essen hat wohl schon abgewinkt und auch in Dortmund sieht es nicht gut aus. Hier hat man zur Zeit auch ganz andere Sorgen. Die offizielle Absage will man sich aber bis Dienstag aufheben. Ich stimme mit diesem Artikel bei den Ruhrbaronen überein, daß die Ruhrstädte sich hier endlich mal zusammenraufen und so etwas gemeinsam finanzieren und organisieren sollten. So wie es jetzt läuft ist es jedenfalls mehr als peinlich.
  • In den Niederlanden hat – ähnlich wie in der Schweiz – der Rechtspopulismus Hochkonjunktur. Die Tatsache daß das Gesicht dieser Bewegung, Geert Wilders, gerade wegen seiner Aussagen gegen Muslime vor Gericht steht, ist der taz zwei Artikel zum Thema wert, die man gelesen haben sollte, damit man sich schon mal auf die Zeit nach den nächsten Wahlen dort einstellen kann. Der rechte Holländer, HipHop, Hass und die Holländer. Eins scheint klar, es wird wohl langsam wirklich ungemütlich im ehemals so toleranten Staat unter dem Meeresspiegel.
  • Bei den Ruhrbaronen (die ihre Seite ziemlich zerflasht haben, aber dafür nun wenigstens einen Voll-Feed anbieten) gibt es einen sehr schönen Artikel über Oskar Lafontaine: Verfrühter politischer Nachruf auf Oskar Lafontaine
  • Ebenfalls bei den Ruhrbaronen gibt es einen Artikel zum Problem von Hannelore Kraft respektive der NRW-SPD: Kraft: Parteisoldatin ohne Perspektive
  • Was das Problem von Frau Kraft ist? Nun zum Beispiel ihr eigener Parteichef, der sich kürzlich mit folgendem Satz zitieren ließ: “Rot-Rot-Grün ist nicht die Perspektive.” Was ist denn dann die Perspektive?
  • In der taz schreibt Josef Winkler einen lustigen Erlebnisbericht eines Bahnreisenden: Keine planmäßige Abfahrt. Besonders schön die Nebenüberschrift (Byline? Ich kann das nicht so recht einordnen): Die Deutsche Bahn ist zu Dienstleistungen fähig, da reicht unser Gehirn nicht mal für.
  • Microsoft hat nach Bekanntwerden der neuesten Sicherheitslücke im Internet Explorer die wahren Problem-Browser ausfindig gemacht: “Firefox und Co. sind wesentlich gefährlicher als der Internet Explorer”
  • Seit kurzem gibt es einen neuen Ableger des Deutschlandfunks: D-Radio Wissen. Der Begrüßungsartikel im Freitag macht mich sehr neugierig. Rein in den Elfenbeinturm
  • Das Jahr ist noch jung, doch Thomas Knüwer hat bereits die Abmahnung des Jahres. Es fällt mir schwer, ihm da zu widersprechen. Aber lest selbst: Witzabmahnung von komsa an 100partnerprogramme.de
  • Und das beste zum Schluß. Die Ruhrnachrichten haben ihre Leser nach einem neuen Slogan für Dortmund befragt und selbige Leser anschließend über die Einsendungen abstimmen lassen. Nun ist das Ergebnis da. Die Top Four sind:
    Dortmund – Stadt mit Herz und Schnauze (18%), Dortmund – mein Revier (8%), Let’s DO (6%), Einmal Dortmund – immer Dortmund (5%)Naja, kann ich da nur sagen. Hätte ich mal doch mitgemacht. Meine Idee: Dortmund – warum eigentlich nicht?

One thought on “Ein Sack voll Links – 25. 1. 2010

  1. Zu Oskar Lafontaine ist zu sagen, dass er eine gute Entscheidung getroffen hat, sich aus der Bundespolitik zurück zu ziehen. Nun wird spannend, wem der Parteivorsitz anvertraut wird. Meine persönliche Präferenz dabei ist Gregor Gysi. Nun ist auch spannend mitzuverfolgen, ob in der Zukunft rot-rot-grüne Koalitionen geschlossen werden, da Oskar Lafontaine sich nun nicht mehr einmischen kann.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

*

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>