Von Nullern, Zehnern und einer stilprägenden Agenda

Zum Abschluß des alten Jahres hat sich David Crystal Gedanken über die Benennung der zurückliegenden Dekade und des nun bereits begonnenen Jahres gemacht. On tens, teens, or whatever.

Es ist spannend, das ganze mal auf das Deutsche anzuwenden. In meinem Umfeld habe ich noch keine klare Bezeichnung für die vergangenen zehn Jahre gehört. “Nuller” klingt eigentlich ziemlich plausibel, aber ob sich das wirklich durchsetzt, wird sich vermutlich erst in den kommenden Jahren zeigen, wenn häufiger auf diese Jahre referiert wird. In den Kommentaren zu Crystals Beitrag bringt es Rick S sehr schön auf den Punkt, wenn er meint. Wir werden erst in den Zwanzigern eine Antwort erhalten, wenn Oldie-Radiosender anfangen, “die größten Hits der ____” zu spielen.

Eigentlich geht es in Crystals Beitrag aber um den Namen der nun begonnenen Dekade. Analog zu “Zwanziger”, etc. drängt sich “Zehner” im Deutschen geradezu auf. Irgendwas scheint dem Wort aber im Weg zu stehen, weil es mir für die Jahre 1910-1919, glaube ich, noch nicht untergekommen ist. Das kann aber auch daran liegen, daß diese Dekade geschichtlich durch den ersten Weltkrieg in der Mitte durchgerissen wurde und man sowieso nur sehr, sehr selten auf alle zehn Jahre gleichzeitig referiert. Auch hier gilt vermutlich Ricks Oldie-Sender-Weisheit.

Ebenfalls sehr interessant ist, was sich als Bezeichnung für das laufende Jahr durchsetzen wird. Analog zu den letzten Jahren müßte es “Zweitausendzehn” werden und ich vermute auch, daß es so sein wird. Aber dank des Altkanzlers und seiner desaströsen Agenda gibt es mit “Zwanzig Zehn” einen ernstzunehmenden Konkurrenten. “Zwanzig Zehn” ist um eine Silbe kürzer und klingt irgendwie knackiger. Andererseits ist es für viele mit der verfehlten Politik der rot-grünen Regierung verbunden und ruft nicht gerade angenehme Assoziationen wach, gleich ob man nun Hartz-IV-Empfänger oder SPD-Mitglied ist. Ich denke, daß “Zweitausendzehn” sich hier durchsetzen wird. Auch gerade weil es so leicht fällt, einfach so weiterzumachen wie bisher. “Zweitausendacht”, “Zweitausendneun”, “Zweitausendzehn”. Aber ein bißchen gespannt bin ich schon, ob der alte Gerhard sich hier vielleicht doch noch ein letztes Mal durchsetzen wird.

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