Willkommen im Glashaus, Herr Pinkwart

Die FDP

  • …hat in der Bundesregierung dafür gesorgt, daß ein demokratisch zustande gekommenes Gesetz per Dekret nicht angewendet wird.
  • …hält in einer Zeit, da der erste Euro-Staat bereits an seinen Schulden zu ersticken droht, mit aller Kraft an der Forderung nach absurden, nicht zu finanzierenden Steuersenkungen fest
  • …koaliert im Bund mit einer Partei, die in den letzten Jahren mehrere offiziell als verfassungswidrig anerkannte Gesetze (mit-)beschlossen hat
  • …hat einen Bundesvorsitzenden, der mit seinem Angriff auf die Arbeitslosen schon unangenehm nah an der Volksverhetzung entlangschrammte
  • …steht nach wie vor hinter einem “umgangssprachlichen Krieg”, dessen völkerrechtliche Legitimation höchst zweifelhaft ist

Aber die extremistischen Verfassungsfeinde sind natürlich immer nur die anderen.

SPSS-Fail

Gestern kam das Ergebnis meiner letzten Prüfung und es ist nun klar, daß ich in diesem Semester den Statistik-Kurs machen kann. Für Teilnehmer wird “dringend empfohlen” SPSS zu erwerben. Angeblich gibt es kostengünstige Lizenzen für Studenten. Nach einigem Hin- und Hergeklicke landet man auf dem Softwareportal der Fernuni und wird dann bei der Auswahl von “SPSS für Studierende” mit folgendem lapidaren Satz abgespeist:

Derzeit sind leider alle SPSS-Lizenzen der FernUniversität in Hagen bereits vergeben.

Meine Reaktion:
alex@localhost> sudo apt-get install r-base r-recommended

How I Spent My Weekend (for generously large values of “weekend”)

Freitag: Auf der Hochzeit eines Arbeitskollegen. Obwohl in den Niederlanden und zwischen zwei Nichteuropäern fügte sich diese Hochzeit ziemlich problemlos in die Reihe der letzten Hochzeiten ein, bei denen ich eingeladen war. Einziger Unterschied – es gab keine Hochzeitsspiele.

Samstag: Es war Gratis-Comic-Tag und ich daher – erst allein, dann mit einem Freund – bei meinem friendly local comic shop in der Dortmunder Kaiserstraße. Sobald ich die erbeuteten Hefte gelesen und von meinem Comic Book Guy Feedback zum Erfolg des ganzen bekommen habe, schreibe ich hier eine längere Nachbetrachtung. Abends war ich dann in Iron Man 2. Rezi kommt später heute oder morgen.

Sonntag: Dortmund übernahm den Staffelstab des Local Hero der Kulturhauptstadt Europas und ich war bei den Eröffnungsfeierlichkeiten. Fazit: Das U sieht noch ziemlich nach Großbaustelle aus. Die Ausstellung war ganz nett, aber etwas mager – ich glaube die sorgenvollen Schilder, die auf die Maximalkapazität von 199 Personen hinwiesen, waren übertrieben optimistisch. Das Drumherum war so eine Art Mini-Volksfest. Die Eröffnungsreden waren recht kurz, fransten aber für meinen Geschmack am Ende zu sehr aus – eben ohne richtiges Ende. Das Info-Center für Kulturtouristen war ebenfalls geöffnet und wirkte freundlich und professionell – mal abgesehen von den technischen Spielereien, bei denen die Touchscreens alle etwas buggy wirkten. Mehr gibt’s bei DerWesten (Artikel, Fotostrecke)

Montag: So müssen sich die Wichtigen dieser Welt fühlen. Ich wurde für einen Workshop über die Nachhaltigkeit Linguistischer Daten extra nach Berlin eingeflogen. Der Nachteil des Morgens-hin-abends-zurück-Prinzips: Aufstehen um 4 (vier!) Uhr. Lustiges Detail am Rande: In Berlin gibt es tatsächlich mindestens eine Privatbahn. Die fährt ganz normal auf den Bahnstrecken dort und der ahnungslose Auswärtige wird nicht wirklich darauf hingewiesen, daß seine VBB-Tickets hier keinen Pfifferling wert sind. Zum Glück hatte die freundliche Schaffnerin Mitleid und ließ uns umsonst an der nächsten Haltestelle wieder aussteigen. Für mich ein klares Argument gegen die Privatisierung des öffentlichen Personennahverkehrs.

One Book, One Twitter

Seit einiger Zeit gibt es schon das Konzept der Big Reads, auch bekannt als One City, One Book, bei dem möglichst viele Menschen einer geographisch begrenzten Menge dazu bewegt werden sollen, dasselbe Buch zu lesen und sich mit ihren Nachbarn, Freunden usw. darüber auszutauschen. So eine Art Lesezirkel in groß. Daß es immer noch größer geht, beweist nun Jeff Howe von Crowdsourcing (@Crowdsourcing bei Twitter). Er hatte die innovative Idee für einen solchen Big Read der nicht mehr lokal begrenzt ist, sondern weltweit stattfindet. Das Medium des Austauschs ist hier natürlich das Internet, im speziellen Twitter.

Wie es im Web 2.0 üblich ist, verbreitete sich die Idee wahnsinning schnell und es gab eine Abstimmung darüber, welches Buch man zuerst lesen soll (alles nachzulesen auf Crowdsourcing). Das erste Posting von Jeff zu diesem Thema stammt vom 18. März. Und gestern war bereits der offizielle Startschuß für das erste “One Book, One Twitter”. [leider kam ich gestern nicht mehr dazu das zu posten] Gedanken über den Lese-Rhythmus finden sich bei Crowdsourcing, wobei diese mehr dazu gedacht sind, die Diskussion über das Buch zu steuern, um Spoiler für die langsameren Leser zu vermeiden. Um über das Projekt auf dem Laufenden zu bleiben, sollte man dem eigens erstellten Twitter-Account 1b1t2010 folgen. Und wie es heutzutage so üblich ist, hat es auch dieses Kind des Internet bereits in die etablierten Medien geschafft: Der britische Guardian hat einen schönen Artikel zu “One Book, One Twitter” veröffentlicht, der das ganze noch mal schön zusammenfaßt. Erfahrungsgemäß sollte das ganze nun auch bald bei der taz aufschlagen.

Soviel zum Konzept. Und welches Buch wird die Twittergemeinde nun in den nächsten acht Wochen lesen? Der Gewinner der Abstimmung ist Neil Gaimans American Gods. Einige erste Gedanken von Neil selbst finden sich auf seinem Blog. Er ist ein bißchen besorgt, weil American Gods nach seiner Erfahrung eine sehr starke Reaktion bei den Lesern auslöst, also ein “love it or hate it”-Buch ist. Ich selbst gehöre zur ersten Kategorie und ich denke, ich werde die Gelegenheit nutzen, um American Gods nach fast acht Jahren noch mal zu lesen. Damals im Sommer 2002 war dieser Roman meine erste Begegnung mit Neil Gaiman und es ist sicher interessant zu sehen, ob ich ihn nach so langer Zeit immer noch so klasse finde wie damals.

Für alle, die bei diesem großen Spaß mitmachen wollen, hier noch der praktische Amazonlink: American Gods kaufen / American Gods auf Deutsch kaufen

Frühlingsdingsbums

Im Rahmen meiner Frühjahrsmüdigkeit habe ich mir mal ein paar Wochen Auszeit vom Bloggen genommen. Nun komme ich aber gestärkt und mit jeder Menge kreativer Energie zurück. Heute beginnt die Wahlsaison mit den Parlamentswahlen im Vereinigten Königreich, am Sonntag zieht NRW (und Dortmund) nach und im Juni wählen auch unsere Nachbarn in den Niederlanden und Belgien neu. Es gibt also reichlich Stoff für Kommentare von kreetrapper.

Und apropos Frühjahr. Ich nutze die Gelegenheit zu einem lange fälligen Blog-Frühjahrsputz. Das bedeutet, in den nächsten Wochen kommt langsam aber sicher das langerwartete Redesign von Blutiges Gemetzel. Die diversen Altblogs werden in dieses importiert und dann geschlossen. Und ich arbeite endlich mal die ganzen Ideen für Blogartikel ab, die sich im Laufe der Zeit so angesammelt haben. Insbesondere betrifft dies diejenigen, die ich dem einen oder anderen meiner Leser (oder mir selbst) zu schreiben versprochen habe (kurze Erinnerung per Mail, bitte, falls ich ein Versprechen vergessen haben sollte). Eine Liste der abzuarbeitenden Artikel findet sich ab sofort als Unterseite des Blogs hier.

In letzter Zeit lese ich nicht mehr gar so viel Krempel im Netz, der gute alte Linksack wird daher in Zukunft etwas infrequenter erscheinen; eingestellt wird die beliebte Kategorie aber natürlich nicht.

Hier noch ein interessantes Detail. Die lange Funkstille hier scheint Spammer anzuziehen wie Motten das Licht. Laut Askimet wird “Spam [...] grundsätzlich nach 15 Tagen gelöscht”. Das heißt, daß dieses Blog in den letzten fünfzehn Tagen mit 9677 Spam-Kommentaren bombardiert wurde (insgesamt 13,330 seit Bestehen des Blogs; es knubbelt sich also zur Zeit). Akismet hat nur 8 davon bis in die Moderation durchgelassen. Ich würde sagen, das ist eine überzeugende Quote. Trotzdem hoffe ich, daß sich die Spammer vielleicht ein neues Opfer suchen, wenn ich wieder anfange regelmäßig zu posten.