Warnung: falsche Abmahn-Mails im Umlauf

Vor ein paar Tagen habe ich eine erschreckend gute gemachte betrügerische E-Mail erhalten. Ich poste den (anonymisierten) Inhalt hier, um andere zu warnen. Einen kurzen Moment lang dachte ich tatsächlich, daß dies eine echte E-Mail ist. Zwar benutze ich keine Tauschbörsen, aber in einer der letzten Ausgaben der c’t habe ich einen schockierenden Artikel über das Vorgehen der Content-Mafia gelesen, dessen Fazit war, daß man auch ins Fadenkreuz derartiger Ermittlungen geraten kann, ohne jemals auch nur einen virtuellen Fuß in eine Tauschbörse gesetzt oder einen Torrent-Client von weitem angesehen zu haben. Mittlerweile scheint sich hier fast schon eine Umkehrung der Unschuldsvermutung eingebürgert zu haben.

Aber das ist hier nicht das Thema. Wie gesagt, für einen Moment, hielt ich die E-Mail für echt. Doch dann habe ich das gemacht, was jeder in einer solchen Situation als erstes tun sollte. Nämlich einige Ausschnitte der Mail bei einer Suchmaschine eingeben. In diesem Fall führte mich das zu einer Reihe von Warnwebseiten. Auf einer davon findet sich sogar ein Statement des (echten) Rechtsanwaltes, in dessen Namen diese Mails angeblich verschickt werden. Wie man sieht, kann man auf diesem Weg sehr schnell herausfinden, daß es sich um einen Betrugsversuch handelt. Bei näherer Betrachtung zeigt auch die Mail selbst einige deutliche Anzeichen:

  • Eine Who-Is-Abfrage der Domain des Absenders der E-Mail (giese@rechtsanwalt-giese.info) zeigt, daß diese in Rußland registriert ist.
  • Die Mail enthält keine Umlaute, wurde also vermutlich nicht in Deutschland geschrieben.
  • Es wird ein seltsam exotischer Zahlungsweg empfohlen.
  • Die Mail enthält keine persönliche Anrede.

Was soll ich sagen? Nachdem ich all die Punkte aufgezählt habe, komme ich mir schon ein bißchen dumm vor, daß ich auch nur für einen Moment darauf hereingefallen bin. Aber es war früh am Morgen. Vermutlich war ich noch nicht richtig wach. Hier nun die Mail:

Guten Tag,

in obiger Angelegenheit zeigen wir die anwaltliche Vertretung und
Interessenwahrung der Firma Videorama GmbH,
Munchener Str. 63, 45145 Essen, an.

Gegenstand unserer Beauftragung ist eine von Ihrem Internetanschluss
aus im sogenannten Peer-to-Peer-Netzwerk
begangene Urheberrechtsverletzung an Werken unseres Mandanten. Unser
Mandant ist Inhaber der ausschliesslichen
Nutzungs- und Verwertungsrechte im Sinne der §§ 15ff UrhG bzw. § 31
UrhG an diesen Werken, bei denen es sich um
geschutzte Werke nach § 2 Abs 1 Nr. 1 UrhG handelt.

Durch das Herunterladen urherberrechtlich geschutzer Werke haben sie
sich laut § 106 Abs 1 UrhG i.V. mit
§§ 15,17,19 Abs. 2 pp UrhG nachweislich strafbar gemacht.
Bei ihrem Internetanschluss sind mehrere Downloads von musikalischen
Werken dokumentiert worden.

Aufgrund dieser Daten wurde bei der zustandigen Staatsanwaltschaft am
Firmensitz unseres Mandanten Strafanzeige
gegen Sie gestellt.

Aktenzeichen: xxx Xxs xxx/xx Sta Stuttgart

Ihre IP Adresse zum Tatzeitpunkt: xx.xxx.xx.xxx

Illegal heruntergeladene musikalische Stucke (mp3): 13

Illegal hochgeladene musikalische Stucke (mp3): 21

Wie Sie vielleicht schon aus den Medien mitbekommen haben, werden
heutzutage Urheberrechtverletzungen
erfolgreich vor Gerichten verteidigt, was in der Regel zu einer hohen
Geldstrafe sowie Gerichtskosten fuhrt.
Link: Urheberrecht: Magdeburger muss 3000 Euro Schadensersatz zahlen

Genau aus diesem Grund unterbreitet unsere Kanzlei ihnen nun folgendes
Angebot:
Um weiteren Ermittlungen der Staatsanwaltschaft und anderen
offiziellen Unannehmlichkeiten wie Hausdurchsuchungen,
Gerichtsterminen aus dem Weg zu gehen, gestatten wir ihnen den
Schadensersatzanspruch unseres Mandanten
aussergerichtlich zu loesen.
Wir bitten Sie deshalb den Schadensersatzanspruch von 100 Euro bis zum
22.10.2010 sicher und unkompliziert
mit einer UKASH-Karte zu bezahlen. Eine Ukash ist die sicherste
Bezahlmethode im Internet und
fur Jedermann anonym an Tankstellen, Kiosken etc. zu erwerben.
Weitere Informationen zum Ukash-Verfahren erhalten Sie unter:

http://www.ukash.com/de

Senden Sie uns den 19-stelligen Pin-Code der 100 Euro Ukash an
folgende E-Mailadresse videorama@rechtsanwalt-giese.info

* alternativ konnen Sie auch mit Paysafecard zahlen
Link: http://www.paysafecard.com/de

Geben Sie bei Ihre Zahlung bitte ihr Aktenzeichen an!

Sollten sie diesen Bezahlvorgang ablehnen bzw. wir bis zur angesetzten
Frist keinen 19- stelligen
Ukash PIN-Code im Wert von 100 Euro erhalten haben(oder gleichwertiges
Paysafecard Coupon), wird der Schadensersatzanspruch offiziell
aufrecht erhalten und das Ermittlungsverfahren mit allen Konsequenzen
wird eingeleitet. Sie erhalten
dieses Schreiben daraufhin nochmals auf dem normalen Postweg.

Hochachtungsvoll,
Rechtsanwalt Florian Giese

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