Ein ♥ für Blogs

Auf Wegen, die zu verworren sind, um sie hier nachvollziehen zu wollen, bin ich auf diese vom Stylespion initiierte Aktion aufmerksam geworden. Er sieht folgendes Problem:

Seien wir doch mal ehrlich, die deutschsprachige Bloglandschaft steckt seit einiger Zeit in einer Depression. Im besten Falle wird zwar beobachtet, was die Nachbarn so machen, aber ein wirkliches miteinander findet meist nur in Ausnahmefällen statt. Die gute alte Blogroll ist aus den meisten Layouts verschwunden oder leidet an Altersschwäche. Wir kochen vor allem unser eigenes Süppchen.

Und als Lösung präsentiert er diesen sehr schönen Vorschlag:

Am kommenden Dienstag, den 21.04, veröffentlichen alle, die darauf Lust haben, einen Beitrag mit dem Titel “Ein ♥ für Blogs” in dem sie ihre lesenswerten deutschsprachige Blogs vorstellen

Ich finde diese Idee gut, wollte sowieso dringend mal wieder bloggen und habe gerade noch rechtzeitig davon erfahren.

Ich habe also gerade alle Feeds im Akregator durchforstet um nach passenden Blogs zu suchen. Was ist mir aufgefallen? Ich lese immer noch deutlich mehr englischsprachige Blogs als deutschsprachige. Aber letztere haben im Vergleich zur Situation vor, sagen wir mal drei Jahren, ordentlich aufgeholt. Also habe ich genug Futter für diesen Beitrag. Mal schauen, wieviele Blogs ich vorstelle, bevor ich die Lust verliere.

Das Bremer Sprachblog

Dieses Blog ist zum Jahr der Geisteswissenschaften 2007 gestartet und war ganz zu Anfang mal ein Gruppenblog zum Thema Linguistik. Inzwischen sind aber fast alle bloggenden Sprachwissenschaftler ausgestiegen und nur Anatol Stefanowitsch bloggt fleißig weiter.

Auch wenn er sich für meinen Geschmack etwas zu sehr auf die von ihm so bezeichneten “Sprachnörgler” eingeschossen hat, ist dieses Blog nach wie vor meine Startseite und eines der wenigen, in denen ich tatsächlich ab und zu mal kommentiere. Außerdem bin ich dort in der Blogroll. ;-)

Wer etwas mehr über Professor Stefanowitsch wissen möchte, kann seinen Auftritt bei der Radiosendung Kulturköpfe (Link zur mit Javascript überladenen Webseite) als Podcast (Link zum RSS-Feed, der meinen Firefox fast zum Absturz gebracht hat) downloaden (Direktlink zum MP3). Ich bin selbst noch nicht dazu gekommen, es zu hören.

Das FAZ-Comic-Blog

Die FAZ ist vor einigen Monaten mit Macht auf den Blog-Zug aufgesprungen. Ich verfolge neben diesem auch das Fernsehblog, das auch oft ziemlich lesenswert ist. In diesem Comic-Blog jedenfalls, bloggt einer der großen Comic-Experten Deutschlands höchstpersönlich, Andreas Platthaus. Und es ist eine wahre Freude, seine fachkundigen Beobachtungen und Anekdoten zu lesen. Der letzte Eintrag handelte zum Beispiel davon wie er in Paris gefälschte Carl-Barks-Originale entdeckt hat.

Indiskretion Ehrensache

Das Blog des Handelsblatt-Journalisten Thomas Knüwer kenne ich selbst erst seit kurzem, aber ich möchte die wohldurchdachten Artikel dort nicht mehr missen. Knüwer merkt man den Journalisten an, da man kaum die in vielen Blogs häufig anzutreffenden Kurzartikel findet (so wie hier leider viel zu oft), sondern in der Regel ist ein Artikel Knüwers ordentlich recherchiert, lesbar geschrieben und mit Fakten und Quellen (Links) versehen. So sieht Onlinejournalismus aus, wenn man es richtig macht. Gerade gestern z.B. hat er dort einen wie ich finde hervorragenden Artikel über das Zensursula-Problem veröffentlicht.

So, das sollte erst mal genügen, denke ich. Die meisten anderen deutschsprachigen Blogs, die ich so lese, verlinke ich sowieso häufiger, sei es nun der Spiegelfechter, Niggemeier oder die Ruhrgebietsfraktion von Pottblog und Coffee & TV.

Und welche Blogs lest Ihr so?

Look, there is music in the air!

Eine Menge Dinge sind in der letzten Woche passiert.

Der Oberbürgermeister von Köln wird (im Umfeld der ganzen Stadtarchiv-Problematik) bei der nächsten Kommunalwahl (wann auch immer die sein wird) nicht mehr antreten. Vielen ist das nicht genug und sie fordern er soll doch bitteschön sofort zurücktreteten. Soweit ich weiß ist er diesem Wunsch bisher nicht gefolgt.

Bahnchef Mehdorn hat seinen Vornamen geändert. Das am häufigsten zu hörende Wort in den Kommentaren von zufällig auf der Straße befragten Passanten: “Endlich”. Das Fernsehlexikon hat die Reaktionen sehr schön in Bilder gefaßt.

Und leider gibt es auch traurige Nachrichten: Andy Hallett, bekannt als grüner Karaokebar-Besitzer aus Angel, ist am Montag an Herzversagen gestorben.

Und das alles nur am Anfang der Woche. Da paßt es doch wie die Faust auf’s Auge, daß ich mir eine Erkältung eingefangen habe und die letzten Tage ziemlich platt in der Ecke lag, anstatt zu bloggen (oder all die anderen Dinge in Angriff zu nehmen, die noch auf meiner Liste stehen).
Es kann also ein bißchen dauern bis zum nächsten Blogeintrag. Um Euch bis dahin zu vertrösten gibt es jetzt aber noch ein paar Musikempfehlungen:

Wil Wheaton empfiehlt uns diese junge Künstlerin:

Zoë Keating ist Cellistin, und durch die Wunder der modernen Technik begleitet sie sich selbst und erschafft so beeindruckende Klangkunstwerke. Oder in Wils Worten:

See that MacBook next to her? She uses that to sample herself several times to build a rhythm, and then she plays over it, like a one-woman string quartet. Or quintet. Or awesometet.

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Tori Amos hat mal wieder eine neue Platte (sagt man das heutzutage überhaupt noch?) gemacht. Die erste Single heißt Welcome to England und das Video sieht so aus:

Ich versuche ja schon seit Jahren mir eine endgültige Meinung zu Tori zu bilden, habe das aber bisher nicht geschafft. Eigentlich möchte ich sie mögen, aber so richtig packen mich die meisten ihrer Sachen einfach nicht. Aber vielleicht habe ich mich auch nur noch nicht richtig reingehört.

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Und schließlich. Die Pet Shop Boys haben ebenfalls ein neues Album auf dem Markt und Lukas von Coffee And TV ist in seiner Listenpanik sehr hingerissen davon. Die Single Pandemonium klingt beim ersten Reinhören schon mal ganz interessant, aber nachdem ich den Eintrag von Lukas gelesen habe, werde ich erst mal die Very aus dem Schrank holen und morgen auf der Fahrt zu Arbeit hören.

So das war’s für heute. Viel Spaß beim Hören.

Amoklauf bald olympisch?

Okay, ich werde es wohl nicht mehr hinbekommen, selbst einen Artikel zum Thema Winnenden zu verfassen, bevor das Thema endgültig der medialen Vergessenheit anheimfällt. Vielleicht ist es das sogar schon. Stattdessen präsentiere ich wenigstens eine Sammlung interessanter und gut geschriebener Artikel zum Thema. Ein wenig im Stile der Hinweise des Tages auf den Nachdenkseiten.

Axel Brüggemann schreibt im Freitag über den großen Einfluß den das Internet mittlerweile auf die Berichterstattung zu solchen Fällen hat: Wenn Nachrichten Amok laufen

Der Spiegelfechter schreibt über die mediale Verantwortung und wieso die Medien seiner Meinung nach zumindest eine Teilschuld an Amokläufen tragen.

Lukas Heinser (bekannt von Coffee & TV) schlägt in die gleiche Kerbe und bloggt beim Freitag über den blutigen Weg in die Unsterblichkeit.

Die erste Reaktion des Innenministers war diesmal nicht die Verdammung der sogenannten Killerspiele. Das hat er sich für den zweiten Satz aufgespart. Im ersten hat er sich gegen eine Verschärfung der Waffengesetze ausgesprochen. In dem verlinkten Artikel finden sich solche Perlen:

“Wir wollen privaten Waffenbesitz nicht gänzlich verbieten”, so Schäuble. “Wir haben ja ganz strenge Begrenzungen.” Und auch die strengsten Vorschriften könnten nicht verhindern, dass dagegen verstoßen werde. Man dürfe nicht glauben, der Grund für das “schreckliche Geschehen” sei privater Waffenbesitz.

Das eigentliche Problem seien vielmehr die Gewaltdarstellungen.

Vermutlich hält Schäuble eine Welt für sicherer, in der Waffen überall und Ego-Shooter nirgendwo legal gekauft werden können. Der gesunde Menschenverstand sieht das ja eher andersherum.

Eben dieser gesunde Menschenverstand ist auch bei der taz aktiv und hat unter anderem zu diesem Artikel geführt. Ein generelles Waffenverbot scheint mir auch am attraktivsten, zumindest aber sollte nicht jeder dahergelaufene Privatmensch sich zu Hause in der Sockenschublade ein Arsenal aufbewahren können.

Noch pointierter findet es sich in diesem Artikel
Aus den Ereignissen in Winnenden lässt sich somit eine schlichte Schlussfolgerung ziehen: Schusswaffen gehören für Privatleute verboten. Punkt.

Hanno schreibt in seinem Blog eine Satire über die Rolle der Medien beim Amoklauf, die teilweise so nah an der Wirklichkeit ist, daß einem schlecht werden könnte.

Bei tagesschau online findet man ein Interview mit einem Lehrervertreter, in dem tatsächlich etwas tiefer nach Gründen gesucht wird und nicht nur schnelle, einfache Antworten zählen.

Wie mir von meiner WOW-spielenden Kollegin berichtet wurde, haben die Computerspieler in ihren Foren die Sekunden gezählt bis der erste “Killerspiele” ins als Ursache ins Gespräch bringt. Lange mußten sie nicht warten (s. den Schäuble-Artikel oben). Eine der wenigen sinnvollen Betrachtungen findet sich in der taz: World of Bullshit. Der erste Satz zeigt, wohin die Reise geht: Wie wäre es, statt der “Computerspiele” mal populistische Studien zu verbieten?. Leider disqualifiziert sich der Autor ein bißchen dadurch, daß er über World of Warcraft schreibt, ohne das Spiel je gesehen zu haben. Immerhin funktioniert die zweite Qualitätskontrolle. Nach einigen Kommentaren, die ihn auf den Fehler hinwiesen, hat er den Artikel korrigiert. (Mittlerweile sehe ich, daß der Artikel schon über 300 Kommentare hat)

tagesschau.de hat eine Reihe von Experten (selbsternannten und tatsächlichen) zum Thema Killerspiele befragt. Hier finden sich auch differenzierte Meinungen.

Ich finde den Artikel nicht mehr, aber irgendwo las ich sinngemäß ungefähr folgendes: Man hat also Shooter, Rap-Musik und Pornos auf dem Computer des Amokläufers gefunden. Viel bedenklicher wäre es aber doch wohl, wenn man diese Dinge nicht bei ihm gefunden hätte. Erst dann wäre er doch offensichtlich anders gewesen als ca. 90 Prozent der Jugendlichen.

Doch auch bei der taz ist nicht alles Eitel Sonnenschein. Auch dort finden sich abstruse Artikel wie dieser, in dem der Autor sich zu solch einer hanebüchenen Folgerung hinreißen läßt:

kein Amokläufer, der “Counter Strike” nicht gespielt hätte. Das Gamen von tödlichen Spielen ist sozusagen ein unverzichtbarer Bestandteil schulischer Amokläufer. (Der Umkehrschluss ist nicht zulässig.) Juristisch gesprochen: Gamen ist ein notwendiges Ingrediens des Giftcocktails, der Schulschützen zu Mördern macht – allerdings kein hinreichendes.

Genau dasselbe könnte man natürlich auch über das Essen von Brot sagen. Oder über den Schulbesuch. Vermutlich ist der Schuld an den Amokläufen. Man kann nur mit dem Kopf schütteln.

Auch Thomas Knüwer schreibt zwei gute Texte über die Rolle der Medien in solchen Zusammenhängen. Wenn Medien sich über Medien wundern, wundern sich Medien über Medien, Winnenden und der Mörder, der nicht in den Kram passt.

Noch pointierter findet sich das bei Stefan Niggemeier: In Der Kulturkampf gegen das Web 2.0 analysiert er die abstruse Strategie vieler traditioneller Medien, Blogs und Twitter als die bösen Buben darzustellen, wohingegen “richtige Journalisten” sich ja vernünftig und gewissenhaft mit solchen Dingen auseinandersetzen. Das Gegenteil scheint der Fall zu sein.

Auch die Titanic hat wie immer schnell reagiert und bietet für eventuelle Nachahmungstäter ein Amok-Ankündigungsformular an.

Music and Coffee and TV

Lukas von Coffee & TV ist, glaube ich, momentan mein Lieblingsblogger. Neben politischen und gesellschaftlichen Anmerkungen und Beobachtungen nimmt die sogenannte Popkultur in seinem Blog einen großen Raum ein. Und von dieser Popkultur insbesondere die Musik. So hat er sich – mir nichts dir nichts – zu einem meiner größten musikalischen Einflüsse entwickelt, auch wenn sein Geschmack mir etwas zu sehr auf der Sarah-Kuttner-Indie-Schiene liegt. Aber trotzdem höre ich oft in seine Anspieltipps hinein und oft entdeckte ich dabei auch ganz nette musikalische Schmankerl. So auch in seinem gestrigen Beitrag über das Mini-Festival Rock im Saal. In diesem verlinkt Lukas die Mypsace-Seiten (*schauder*) von Enno Bunger, den Kilians und Gisbert zu Knyphausen. Die beiden ersteren finde ich ganz nett, aber beim ersten kurzen Reinhören fand ich letzteren mit Abstand am interessantesten. Vielleicht liegt das daran, daß ich im Gegensatz zu Lukas den Begriff Liedermacher nicht für verbrannt halte. Aber ich höre ja auch freiwillig Reinhard Mey und Wolf Maahn.

“Goldrausch in Klickytown”

Und wieder mal etwas aus dem sehr lesenswerten Comic-Blog Comics Should Be Good.

Diesmal postet Greg Burgas einen länglichen Beitrag über einen 30 Jahre alten Playmobil-Comic. Ich war ja als Kind eher in der Lego-Fraktion. Hätte ich aber damals so einen Comic in Händen halten können, wäre das vielleicht anders gewesen.

playmobil-cover.jpg

Mehr bei Comics Should Be Good…

Journalismus – die vergessene Kunst

Stefan Niggemeier präsentiert in seinem Blog gerade “Meilensteine des Journalismus”.

Man kann sich überlegen, ob man es eher amüsant oder erschreckend findet, was heutzutage so alles als “Journalismus” durchgeht. Ich habe mich dann doch für’s Lachen entschieden. Spätestens beim letzten Satz des Beitrags, den Niggemeier als Beinahe-Nachruf von Chefredakteur Hans Hoffmeister auf den verunglückten Ministerpräsidenten Dieter Althaus betitelt:

Unser Land wäre ärmer ohne ihn – und weit schweift der Blick, denkt man an das Undenkbare, an das man an diesem Neujahrsabend plötzlich nicht zu denken wagt.

Einfach wunderbar.

Coffee & TV

Lukas Heinser studiert nicht nur in Bochum, und hat somit in seinem Blog Coffee & TV immer wieder mal Interessantes aus dem Pott zu vermelden, sein Blog ist auch sonst meistens sehr lesenswert. Wie zum Beweis hat er nun auch noch den Golden Blogger 2008 verliehen bekommen. Stefan Niggemeier nutzt die Gelegenheit um ihm in seinem eigenen Blog zu gratulieren und spendiert gleich noch ein abstruses Howard-Carpendale-Youtube-Video.

Also, wenn Ihr noch auf der Suche nach einem Blog seid, das lesenswerter ist als dieses momentan, dann schaut doch mal bei Lukas vorbei. Es lohnt sich.