Alles Bio oder was?

Good news, everyone! Die EU will ein neues Biosiegel einführen. In der taz findet sich eine herrliche Kritik der zur Wahl stehenden drei Logos. Mein Liebling ist ja definitiv das “Modell Wandteppich”.

Biosiegel: Modell Wandteppich

Und nun das beste: Bis Ende Januar kann jeder mit darüber abstimmen, welches der drei Logos das Rennen macht. Ich habe gerade meine Stimme für den Wandteppich in die Waagschale geworfen. Wenn Ihr also lieber die Vulva oder den Gefallenen Stern gewinnen sehen möchtet, nichts wie hin und mit abstimmen.

Im Dunkeln

Okay, jetzt habe ich endgültig den Punkt erreicht, an dem ich einen Eintrag eigentlich ganz allein für mich schreibe. Ein Kollege hat mir nämlich vor kurzem beim Mittagessen vom Restaurant Dans le Noir erzählt, das er in Warschau besucht hat.

Die Idee ist, daß man in völliger Dunkelheit ißt, um so eine völlig neue Erfahrung zu machen und z.B. zu erkennen wie sehr normalerweise das Sehen den Geschmackssinn beeinflußt. Konsequenterweise sind die Kellner in diesem Restaurant blind, was für eine interessante Umkehrung der Situation sorgt, wie sie in der Außenwelt herrscht. Hier ist der Sehende auf die Hilfe des Blinden angewiesen.

Das alles finde ich so interessant, daß ich dort unbedingt einmal hin möchte. Der (leider komplett verflashten) Webseite entnehme ich, daß es solche Restaurants zur Zeit nur in Paris, London, Warschau und Moskau gibt. Und bis ich sowieso mal in einer dieser Städte bin, soll mir dieser Beitrag als Erinnerungsstütze dienen.

Und falls mich ein Leser begleiten möchte, hätte ich da natürlich auch nichts dagegen. Allein kommt man sich im Restaurant doch immer etwas komisch vor.

billige iPhones aus Italien

Der Hype um das neue iPhone 3gs und die EU-marktrechtlich bedenkliche Providerbindung desselben (wofür ist der Neoliberalismus eigentlich gut, wenn er nicht mal so was hinbekommt, was doch offensichtlich genau in seinen Bereich fällt?) führt zu abstrusesten Verhaltensweisen. Auf mysteriösen Wegen (vermutlich Twitter?) bin ich auf diese Seite gestoßen.

Das Problem. Das neue iPhone kostet hierzulande ohne Vertrag offenbar abenteuerliche Preise jenseits der 1000 Euro (keine Ahnung ob das stimmt und zu faul es nachzuprüfen).

Die Lösung: In Italien bekommt man es schon für läppische 600 Euro.

Neues Problem: Die liefern nur innerhalb Italiens.

Neue Lösung: Mit dem gesparten Geld einen Kurztrip nach Italien machen und sich das Teil ins Hotel liefern lassen.

Zitat von der oben verlinkten Seite:

TIPP: Bei Ryanair gab es vor 2 Wochen Flüge für 2 Euro (Endpreis für Hin/Zurück!), derzeit ist es zwar wieder etwas teurer, aber nächste Woche gibt es ja wieder neue Ryanair Angebote. Der Flughafen z.B. in Bologna und Rom liegt sehr nah an der jeweiligen Stadt.

Ich finde das zwar total abstrus, andererseits gefällt dem europhilen Weltenbummler in mir irgendwie der grenzenlose Charme dieser Idee. Wenn ich reich oder verrückt genug wäre, würde mir das auch Spaß machen. Auch gerade weil es so abstrus ist.

Demokratie für Nationalisten

Im Zuge der (in Deutschland und den meisten anderen EU-Ländern) morgigen Europawahl läuft beim Freitag eine Reihe namens Menschen in Europa. Durch Zufall bin ich auf diesen Beitrag daraus gestoßen. Eigentlich wollte ich ihn direkt im Freitag kommentieren, aber als ich dort das Javascript einschaltete, hat sich mein Firefox sang- und klanglos verabschiedet. Also schreibe ich meine Meinung stattdessen hierhin. Das hat den Vorteil, daß ich so weniger wahrscheinlich mit Widerspruch rechnen muß, weil ich hier ja zigfach weniger Leser erreiche. ;-)

Also, die 28-jährige Kunsthistorikerin Ivana Unuk aus Slowenien sagt dort folgendes:

Ich gehe nicht wählen, da für mich die EU keineswegs eine demokratische Organisation ist. Nicht zuletzt deshalb, weil Slowenien ein kleines Land ist und nicht annähernd so stark im EU Parlament vertreten wie zum Beispiel Deutschland.

Ich finde es bestürzend, daß eine junge, gute ausgebildete Frau tatsächlich so über Europa denkt. Und das auch noch öffentlich sagt. Klar, das vielbeschworene Demokratiedefizit der EU gibt es wirklich. Aber es stellt sich mit Sicherheit nicht so dar, wie Ivana das denkt.

In meinem Demokratieverständnis ist es deutlich demokratischer wenn jeder EU-Bürger das gleiche Stimmgewicht hat und nicht etwa jedes Land – unabhängig von der Einwohnerzahl. In Wirklichkeit werden kleinere Länder wie Slowenien im jetzigen System sogar ein wenig bevorzugt, weil sie im Verhältnis zu ihrer Einwohnerzahl mehr Abgeordnete stellen als z.B. das bevölkerungsreiche Deutschland.

Solcher dumpfer Nationalismus (und nichts anderes ist die hier implizite Forderung “Ein Land – eine Stimme”) macht mich immer wieder wütend und ist meiner Meinung nach eines der größten Probleme, denen sich die EU entgegenstellen muß, wenn sie überleben will.

Rettet die Wahlen

Unsere niederländischen Freunde haben bereits heute gewählt. Und wie mir mehrere Kollegen gesagt haben, sah es zumindest im Vorfeld sehr gut für die europafeindlichen Parteien aus – allen voran natürlich Geert Wilders’ PVV. Und die Exit-Polls scheinen das zu bestätigen. Die PVV hat enorm zugelegt, während die etablierten Parteien, allen voran die PvdA deutlich verloren haben. 40 Prozent Wahlbeteiligung sind auch ziemlich mau, aber in Deutschland wird es, so fürchte ich, am Sonntag nicht viel anders aussehen.

In Schweden zeichnet sich hingegen ein Achtungserfolg der Piratenpartei ab, die möglicherweise sogar die drittmeisten schwedischen Abgeordneten nach Brüssel entsenden könnte.

Nun gut. Wenn sogar die Financial Times mit einer Wahlempfehlung nicht mehr hinter dem Berg halten kann, gibt es eigentlich keinen Grund für mich, meiner Handvoll Leser nicht auch eine Empfehlung mit auf den Weg zu geben. Wie die FTD versuche ich im Folgenden zu begründen, warum es bei der Europawahl 2009 eigentlich kaum eine vernünftige Alternative zum Grün-Wählen gibt.

Auf Torrentfreak.com wird ebenfalls zu einer Wahl der European Greens aufgerufen. Hier sieht man gleich ein gutes Argument für die Grünen. Sie koordinieren das Vorgehen und das Wahlprogramm ihrer Fraktion tatsächlich länderübergreifend. Dieses Beispiel sollte dringend Schule machen, wenn es schon kaum paneuorpäische Parteien wie die Newropeans gibt.

Ein weiteres bei Torrentfreak vorgebrachtes Argument ist die Einstellung der Grünen zu “Internetthemen” wie Zensur, Datenschutz oder Copyright-Recht. Hier sollte man allerdings mit seiner Euphorie etwas vorsichtig sein. Die Seite Bürgerrechte Wählen des Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung listet die Grünen nur als eingeschränkt wählbar (unter anderem wegen einiger fragwürdiger Entscheidungen während ihrer letzten bundesdeutschen Regierungsbeteiligung). Aber da dies die beste erreichte Kategorisierung bei ihrem Vergleich der Parteiprogramme mit den Grundrechten war, greift immerhin zumindest die altbekannte Formel vom kleineren Übel.

Meine Entscheidung für die Grünen ist nach dem bewährten Ausschlußprinzip gefallen. Diese Wahl nach dem Ausschlußverfahren ist übrigens auch beim Spreeblick sehr beliebt (siehe auch die Kommentare zum verlinkten Beitrag).

All die kleinen Parteien wirken im besten Fall zu sehr auf einen bestimmten Bereich fixiert (Tierschutzpartei, Rentnerpartei und leider auch die mir ansonsten überaus sympathische Piratenpartei) und im schlimmsten Fall geradezu abstrus (“Europa – Demokratie – Esperanto”? “FÜR VOLKSENTSCHEIDE”? wtf?).

Bleiben also nur noch die 5 großen und die eine gernegroße, die ich hier in NRW gar nicht wählen kann. CDU und SPD haben mit ihrer inhaltsleeren Wahlwerbung für mich ganz klar gezeigt, daß sie die Europawahl nicht für wichtig halten. Bei der SPD könnte noch hinzukommen, daß die vielleicht wirklich momentan nicht wissen, wofür sie eigentlich stehen. Muß schwer sein, aus der Regierung heraus Opposition zu betreiben. Jedenfalls ein guter Grund weder CDU noch SPD zu wählen. Die FDP hat noch nicht gemerkt, daß der Neoliberalismus gerade den Karren vor die Wand gefahren hat. Außerdem bekommt ihre Spitzenkandidatin gerade ganz ordentliche Risse. Fällt also auch raus. Bleiben die Grünen und die Linken. Ich habe am Pfingstmontag die Chance genutzt, Sven Giegold, einen der Kandidaten der Grünen, in der Dortmunder Auslandsgesellschaft sprechen zu hören. Und ich muß sagen, er schien mir angenehm links. Weit linker als die Grünen sich oft auf der nationalen Ebene geben. Ein Punkt für die Grünen. Die Linken haben zwar hehre Ziele, haben aber leider nicht aufgepaßt, welche Wahlen gerade anstehen. Der Slogan “Raus aus Afghanistan” findet meine volle Unterstützung, hat aber in einem Europawahlkampf nichts zu suchen. Somit bleiben nur die Grünen übrig. Eigentlich ganz einfach.

Kein Argument gegen die Linke ist für mich übrigens deren oft betonte Europafeindlichkeit. Die sehe ich nämlich nicht. Zumindest nicht so offenbar und augenfällig wie sie allen anderen zu sein scheint.

Reinhard Bütikofer, Spitzenkandidat der Grünen und eifriger Twitterer geht mit einem offenen Brief in den Wahlkampfendspurt. Er faßt darin einige gute Argumente zusammen, warum man sich bei der Europawahl für Grün entscheiden sollte. Zum Teil greift er aber auch ziemlich daneben. Schauen wir uns dazu kurz zwei Aussagen aus dem offenen Brief an. Zur Einordnung (der zweiten Person), in diesem Teil des Textes wendet er sich an die “internationalistische Linke”:

Oskar Lafontaine führt Euch in die populistische Falle eines Nationalismus von Links. Ein wolkiges Ja zu Europa, das immer, wenn es konkret wird, in einem heftigen Nein zu „diesem“ Lissabonner Vertrag oder zu „dieser“ EU mündet, ist keine Basis für gestaltende linke Politik, sondern für die Flucht vor derselben.

Das wird immer wieder gern genommen. Auch der ansonsten sehr sympathische Arvid Bell macht in seiner Rede auf der BDK diesen beinahe allgegenwärtig scheinenden Fehler, zu denken, daß jeder der gegen den Lissabon-Vertrag (formerly known as Verfassung) ist, automatisch auch gegen Europa ist. (analog gilt das für ein Nein zu “dieser” EU, man will eben eine andere) Das ist – deutlich gesagt – Blödsinn. Und es bleibt Blödsinn auch wenn man es immer und immer wieder wiederholt. Der Lissabon-Vertrag ist nicht per se schlecht, immerhin enthält er wichtige prozedurale Elemente, die das Funktionieren der EU auch bei weiter wachsender Mitgliederzahl sicherstellen. Aber es gibt eben auch gute Gründe gegen diesen Vertrag zu sein. Und zwar nicht nur für Europafeinde. Sei es das darin festgeschriebene Wirtschaftssystem, das gerade ein ziemlich spektakuläres Wrack abgibt und z.B. im Grundgesetz aus gutem Grunde nicht vorgeschrieben ist. Oder sei es die für alle Unterzeichner vorgeschriebene Pflicht zur Aufrüstung (man kann sich kaum noch an die Zeiten erinnern, als die Grünen eine pazifistische Partei waren).

Außerdem läßt es bei mir – dem nun wirklich niemand Europafeindlichkeit vorwerfen würde – doch einen ziemlich unangenehmen Beigeschmack, wenn man sich klarmacht, daß die Bedenken von Millionen Niederländern und Franzosen gegenüber der Verfassung nur dergestalt berücksichtigt wurden, daß man den ganzen Kladderadatsch umbenannt hat. Und das Nein der Iren führt auch nicht zu einem Überdenken des Vertrages, sondern dazu, daß man sie noch mal fragt. Demokratie stelle ich mir anders vor. Wie schwer wäre es gewesen, die wichtigen prozeduralen Elemente auszukoppeln und separat zur Abstimmung zu stellen? Aber Bütikofer, Arvid Bell und vielen, vielen anderen scheint all dies egal zu sein. Sie sind glücklich in ihrer einfachen Welt: “Wer gegen Lissabon ist, ist gegen Europa”.

Nun die zweite Aussage:

Ich finde es besonders schade, dass diejenigen aus Euren Reihen, die solche Überlegungen teilen und die deshalb zum Beispiel für den Lissabonner Vertrag eingetreten sind, abgestraft wurden, statt dass die Freiheit dieser Andersdenkenden respektiert worden wäre.

Hallo? Wieso ist denn das eine Frage der Freiheit? Es ist ja wohl selbstverständlich, daß man Menschen, die andere Ziele verfolgen als man selbst nicht im eigenen Namen in ein Parlament schickt? Stellen die Grünen etwa Atomkraftbefürworter auf, damit der innerparteiliche Meinungspluralismus auch schön gewahrt bleibt? Die “Freiheit der Andersdenkenden” wird also nur respektiert, wenn man sie für die eigene Partei aufstellt? Ich freue mich schon auf die sozialistischen FDP-Abgeordneten und die satanistischen CDUler. Sicher ist Bütikofer ganz begeistert über die SPD, die auch den antisozialen Meinungen in ihren Fraktionen viel Raum gibt. Wirklich. Das ist ein so ausgemachter Quatsch, daß mir dazu gar nichts mehr einfällt.

Trotz alledem empfehle ich am Sonntag grün zu wählen. Wegen der vernünftigen Positionen zu Klimaschutz, sozialer Gerechtigkeit und neuen Medien. Wegen der vorbildlichen transnationalen Vernetzung. Weil sie als beinahe einzige Partei (in Deutschland) einen echten Europawahlkampf geführt hat. Und weil man mit Sven Giegold (attac) und Barbara Lochbihler (Amnesty International) Leute aufstellt, denen man das Engagement und den Wunsch nach Veränderung auch glauben kann.

Zur eigenen Meinungsbildung sei hier noch einmal ausdrücklich der Wahl-O-Mat empfohlen. Bei mir hat er die Grünen richtig vorhergesagt. Allerdings kam die SPD hier bei mir vor der Linkspartei. Man sollte das Ergebnis also mit einem Körnchen Salz nehmen. Die Einstellung der Partei zum Einhalten von Wahlversprechen kann leider nicht in die Analyse des Wahl-O-Maten einfließen. Wenn einen schlecht programmiertes Flash und eine “ohne-Cookies-geht-gar-nichts”-Haltung nicht stören, gibt es als “Konkurrenzangebot” auch noch den EU-Profiler. Schön finde ich dort, daß es eine fünfstufige, statt einer dreistufigen Antwortskala gibt. Dafür läßt die Bedienung etwas zu wünschen übrig.

Zum Abschluß der obligatorische Aufruf: Schön brav am Sonntag zur Wahl gehen. Die hie und da verbreitete Ansicht, daß es die Politiker als Denkzettel auffassen würden, wenn es eine sehr niedrige Wahlbeteiligung gibt, zeugt von einem sehr naiven Weltbild. Wenn man schon abstrafen möchte, dann mit einer expliziten Stimme gegen den Apathiewahlkampf von SPD und CDU.

Sag ich’s doch

“Dagegen wäre eine europäische Einigung auf
relative Standards nicht von vornherein ausgeschlossen. Diese könnten
einen einheitlichen Prozentsatz des Durchschnittslohns eines jeden
einzelnen Landes als Mindestlohn festlegen. Das wäre ein ungeheurer
Fortschritt.”

(Fritz Wilhelm Scharpf)

“Wenn das Thema Mindestlöhne schon so beliebt in diesem Rahmen ist,
sollte man es vielleicht doch mal auf europäischer Ebene zu regeln
versuchen. Man könnte einen europäischen Mindestlohn z.B. pro Land im
Verhältnis zum jeweiligen Durchschnittseinkommen festlegen.”

(kreetrapper)

“Europawahl – Was sagen die Spitzenkandidaten?” Live-on-Tape-Blogging

Im Ersten gab es gerade eine Gesprächsrunde der deutschen Spitzenkandidaten zur Europawahl. Echtes Liveblogging ist mir zu modern, deshalb schreibe ich live und veröffentliche das ganze hinterher.

Die Runde der Spitzenkandidaten zur Europawahl

* Lothar Bisky, Die Linke
* Reinhard Bütikofer, Bündnis 90/Die Grünen
* Markus Ferber, CSU
* Silvana Koch-Mehrin, FDP
* Hans-Gert Pöttering, CDU
* Martin Schulz, SPD

[Vorbemerkung: Die durch Anführungszeichen markierten Zitate sind als "frei aus dem Gedächtnis zitiert oder sinnwahrend gekürzt" zu verstehen.]

12.08: SPD für Mindestlöhne, CDU und FDP dagegen.
12.09: Silvana trifft es auf den Punkt: Mindestlohn ist kein EU-Thema.
12.10: Bisky möchte Mindestlohnregelungen in allen EU-Ländern separat erwirken. Trotzdem immer noch kein EU-Wahl-Thema.
12.13: Schon 10 Minuten vertrödelt und immer noch das nicht-EU-Wahl-relevante Thema Mindestlöhne. *schnarch*
12.15: Silvana hat zum ersten Mal die Worte Brutto und Netto in den Mund genommen und ist endlich beim Thema Steuen angekommen. Die EU erhebt keine Steuern!
12.18: Wenn sich SPD, Linke und Grüne beim Thema Mindestlohn so einig sind, warum beschließen sie das dann nicht einfach mit ihrer parlamentarischen Mehrheit im Bundestag?
12.22: Wenn das Thema Mindestlöhne schon so beliebt in diesem Rahmen ist, sollte man es vielleicht doch mal auf europäischer Ebene zu regeln versuchen. Man könnte einen europäischen Mindestlohn z.B. pro Land im Verhältnis zum jeweiligen Durchschnittseinkommen festlegen.
12.23: Endlich ein neues Thema: Ah, Klimaschutz.
12.28: Alle Parteien sind für Klimaschutz. Überraschung!
12.28: Pöttering weicht der Frage nach der autoliebenden Klimakanzlerin elegant aus.
12.30: Bütikofer: “Das beste Jobprogramm ist [...] eine Energieeffizienzrevolution.” WUMS!
12.31: Silvana hat dafür nur spöttische Blicke übrig. Guter Job, den die Regie da macht.
12.34: Schulz ist ganz klar für den Atomausstieg. Gut.
12.35: Silvana: “Wir schalten unsere AKW ab und nutzen Strom aus AKW mit viel schlechteren Sicherheitsstandards.” Büti: “Wir _exportieren_ Strom.” Wums!
12.38: Ferber: “Die Frage ist nicht die Erzeugung erneuerbarer Energie, die Frage ist die Speicherung.” Da ist was dran. Aber dann sollte man da mehr Geld in die Forschung reinstecken und nicht die Kernkraftwerke weiterlaufen lassen.
12.39: Bisky: “Sozial kann man nicht sein, wenn es kein Leben gibt.” Die Anti-Atomkraft-Bewegung lebt!
12.41: Büti: “Die beste Energieautonomie können wir erreichen, wenn wir möglichst schnell 100% erneuerbare Energie nutzen.”
12.43: Neues Thema: “Wieviel Europa?” Was soll das denn heißen?
12.43: Bisky scheint das Linke Europawahlprogramm nicht so richtig zu mögen.
12.44: Bisky “Wir sind EU-kritisch. Wir wollen Europa entwickeln. Wir haben im Bereich Friedenspolitik und Neoliberalismus andere Vorstellungen.”
12.46: Bisky sorgt sich wegen der antieuropäsichen Tendenzen in Osteuropa.
12.49: Silvana kritisiert das Demokratiedefizit der EU. Da hat sie zur Abwechslung mal recht.
12.50: Pöttering findet es gibt kein Demokratiedefizit. “Es fehlt [nur] noch ein bißchen.”
12.52: Schulz: “Der Lissabon-Vertrag regelt die Kompetenzordnung [d.h. K.verteilung] in der EU.” Ach?
12.55: Silvana will europäische Finanzaufsicht. Das überrascht mich jetzt doch.
12.56: Büti will wirtschaftspolitische Koordination auf EU-Ebene. Klingt vernünftig.
12.58: Auch der Ferber will Finanzmarktaufsicht in Brüssel. Da scheinen sich alle einig zu sein. Dann kommt die vielleicht wirklich demnächst.
12.59: Bisky hätte gern eine demokratische Kontrolle der EZB und möchte daß sie sich neben Preisstabilität auch Wachstum und Beschäftigung auf die Fahne schreibt. Hmm, ich weiß nicht…
13.01: Neues Thema: Erweiterung
13.02: Bisky: “Stabilisierung und Vertiefung vor Erweiterung.”
13.03: Bisky (im Prinzip) für Türkeibeitritt
13.03: Ferber: “Die Situation ist eineindeutig.” Ach?
13.04: Ferber: “Die Verhandlungen über Vollmitgliedschaft hemmen viele wichtige bilaterale Verhandlungen mit der Türkei.”
13.05: Pöttering: “Wir sind eine Wertegemeinschaft.”
13.06: Pöttering: “Wir sind politisch, kulturell und finanziell überfordert, wenn wir die Türkei aufnehmen.” Klare Worte.
13.07: Pöttering: “Wir werden nicht dadurch stärker, daß wir Schwache aufnehmen:” Übersetzung: Island soll draußen bleiben und selbst sehen wie es klar kommt.
13.08: Schulz über Doppelbödigkeit. “Merkel verhandelt weiter mit der Türkei und ihre Partei kritisiert das andererseits pausenlos.”
13.09: Silvana für Weiterlaufen der Verhandlungen mit der Türkei, aber ergebnisoffen. Finde ich okay.
13.10: Silvana sieht ein Erstarken des Europas der verschiedenen Geschwindigkeiten kommen. Fände ich nicht so gut. Schadet der Übersichtlichkeit.
13.11: Büti: “Türkei ist noch Zukunftsmusik. Der Balkan ist ein drängenderes Problem.”
13.12: Schlußrunde. “Was kann man erwarten, wenn man Ihre Partei wählt?”
Bisky: Ziviele Konfliktlösung. Soziales höher gewichten.
Büti: Mehr Jobs durch mehr Ökologie
Ferber: CSU vertritt als einzige Partei die Bayern. Mehr Subsidiarität
Silvana: Wirtschaftsstandort Deutschland. Europa soll sich auf’s wesentliche konzentrieren.
Pöttering: Starke, demokratische Union. Kommunale Selbstverwaltung. Mehr über gemeinsame Werte sprechen. Geblubber
Schulz: Konservativ-liberales Übergewicht im Rat braucht linkes Gegengewicht im Rat.

Fazit der Schlußrunde:
Die CSU möchte eigentlich gar keine Europapolitik machen, sondern sieht sich mehr als bayrische Botschafter in Europa.
Pötterings Fazit ist mindestens genauso ein inhaltsleeres Geblubber wie man es nach den CDU-Wahlplakaten erwarten konnte.
Schulz scheint ein netter Kerl zu sein, ist aber dem Trugschluß erlegen, bei der SPD halte es sich um eine linke Partei. Klare Wahlkampfziele hat auch er nicht zu bieten.
Die FDP möchte möglichst wenig Europa und betont die Subsidiarität. Mir gefällt das leicht nationalistische Schlagwort “Wirtschaftsstandort Deutschland” nicht besonders.
Echte Gründe sie zu wählen bieten in dieser 30-Sekunden-Schlußrunde nur die Grünen und die Linke.

Gesamtfazit: Leider nicht viel neues.

Die FDP hat relativ klare Ziele, die sie für mich nicht wählbar machen. Ich will eine politische Union keine rein wirtschaftliche.

Die CDU hat keine klar erkennbaren Ziele, aber der Pöttering hat mir ein bißchen zu viel von irgendwelchen diffusen “Werten” gefaselt, die Europa ausmachen. Das macht sich gut bei Festreden ist aber keine Substanz für einen Wahlkampf (außer wenn man im rechten anti-islamischen Lager Stimmen einsammeln möchte). Die bedingungslose Ablehnung einer EU-Mitgliedschaft der Türkei und das (wenn auch nur vorübergehende) Festhalten an der Atomkraft machen es aber auch hier leicht, mich dagegen zu entscheiden.

Der CSU-Vertreter hat in der Schlußrunde verraten, wie er es sieht. Bayern ist ein ordentliches Mitglied der EU und alle Abgeordneten, die dieses Mitglied im Parlament vertreten kommen im Idealfall von der CSU. Abstrus.

Der SPD-Abgeordnete hat viel Richtiges gesagt (z.B. das klare Nein zu Atomkraft), aber spätestens in der Schlußrunde wurde klar, daß man in seiner Partei leider vergessen hat, den Europawahlkampf zu planen. Ein schönes Zeichen dafür sind die selten dämlichen Anti-FDP/CDU/Linke-Plakate, die man allerorten sieht. Wenn man dann noch hineinrechnet, wie sehr der Markenname SPD in den letzten Jahren unter Leuten wie Schröder und insbesondere Müntefering (“wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen”, “es ist unfair uns an unseren Wahlversprechen zu messen”) gelitten hat, fällt auch diese Partei raus.

Bleiben nur noch die Grünen und die Linken. Erstere haben sich bei ihrer letzten bundesdeutschen Regierungsbeteiligung nicht gerade mit Ruhm bekleckert (Aufgabe des Pazifismus, Einführung von Hartz IV) und haben mit ihrem komischen WUMS-Slogan ebenfalls einige Plattitüden im Angebot. Letztere sind zwar schon irgendwie zu Recht gegen den Lissabon-Vertrag, lassen aber auch nicht so recht ein Feuerwerk an Alternativen vom Stapel. Außerdem ist mir das ökologische Profil etwas zu wenig sichtbar. Noch sind zwei Wochen Zeit. Der Wahl-O-Mat sagt, ich soll grün wählen, aber der hat auch die SPD vor der Linken, also bin ich nicht sicher, inwieweit ich ihm vertrauen möchte. Insbesondere da die Abstände jeweils nur wenige Punkte sind.

Frohes neues

Das neue Jahr ist knapp 24 Stunden alt und schon melden sich die Gedankenblasen zurück aus der viel zu langen Funkstille. Mein guter Vorsatz lautet daher: Ab jetzt gibt es jede Woche mindestens zwei neue Beiträge hier. Call me on it! Damit wird die Geduld meiner drei(?) verbliebenen Stammleser nun doch noch belohnt. Und vielleicht wird ja 2009 das Jahr, in dem ich endlich mal Leser dazugewinne, anstatt sie zu verlieren.

Über das Linkblog sage ich ürigens nichts Vergleichbares, weil die Post-Frequenz dort sehr stark davon abhängt, auf wie viele interessante und/oder lustige Sachen ich (oder Captain Smollett) in den Weiten des Internet(s?) stoße.

Hier jedenfalls jetzt erst einmal ein kurzer Rückblick auf das abgelaufene Jahr und eine noch kürzere Vorausschau auf die kommenden 12 Monate. Sowohl Rückblick als auch Vorausschau sind durch mein sprichwörtlich schlechtes Gedächtnis in ihrer Ausführlichkeit beschränkt, d.h. es ist gut möglich (und sogar wahrscheinlich), daß ich diverse durchaus wichtige Ereignisse komplett vergesse. Aber ich gehe darüber einfach mit einem fröhlichen “Was soll’s” hinweg.

Okay, 2008. Woran kann ich mich noch erinnern?

Medien:

Es gab eine neue Staffel von Türkisch für Anfänger. Ich kann den Hype, der um diese Serie gemacht wird, nach wie vor nicht recht nachvollziehen. Sie ist ganz nett, vor allem für eine deutsche Serie, aber an vielen Stellen geht sie eben doch den billigen Sitcom-Weg mit dem abstrusen Mißverständnis. Immerhin war diese dritte Staffel besser als die zweite.

Uri Geller war live im Fernsehen auf der Suche nach Außerirdischen. Und ich hab’s verpaßt! ProSieben will offenbar gar nicht mehr ernst genommen werden. Sie sind auf einem guten Weg.

Die Kino-Kracher (lies: großes Budget, Mainstream und trotzdem gut) des Jahres waren für mich The Dark Knight und Iron Man. Ich finde auch jetzt, nach einigen Monaten, letzteren immer noch besser, weil er nicht so verzweifelt versucht, mehr als nur ein Superheldenfilm zu sein. Damit will ich nicht sagen, daß Dark Knight schlecht ist, allein die schauspielerische Leistung des leider viel zu früh verstorbenen Heath Ledger macht ihn zu einem guten Film. Aber mir persönlich gefiel Iron Man trotzdem besser.

Weitere gute Filme, dich ich in diesem Jahr gesehen habe (in der Reihenfolge, in der sie mir einfallen): Brügge sehen… und sterben?; Happy-Go-Lucky; Cassandras Traum; Vicky, Cristina, Barcelona (zwei Woody-Allen-Filme im selben Jahr); Burn After Reading; Darjeeling Limited (Lieblingszitat: “I love you, but I got to mace you in the face”); Juno; No Country for old Men (war das im letzten Jahr?); Sweeney Todd (und der? Egal, der war jedenfalls super!)

Ich habe nur zwei CDs gekauft/gehört, von denen ich mit Sicherheit weiß, daß sie 2008 erschienen sind: Das neue Thomas-D-Album Kennzeichen D gefällt mir auch nach häufigem Hören noch sehr gut. Noch nicht so häufig gehört habe ich Everything is Borrowed von The Streets, aber auch dieses Album gefällt mir schon sehr. Beides empfehlenswert für den Hip-Hop-Freund.

Neil Gaiman hat das Graveyard Book geschrieben. Ich habe es bisher weder gekauft, noch gelesen. Ich weiß auch nicht, warum nicht. Zu meiner Entschuldigung: Ich hatte in letzter Zeit viel um die Ohren und das Buch ist erst seit einigen Monaten auf dem Markt.

Wil Wheaton hat The Happiest Days of our Lives geschrieben. Seit einigen Tagen gibt es ein Audiobook, das ich mittlerweile gekauft und heruntergeladen habe und vermutlich auf meinen vielen länglichen Fahrten zwischen altem und neuem Wohnort hören werde.

Politik:

Hessen hat ordentlich Anlauf genommen und möchte gern das Belgien Deutschlands werden. Nach einem Jahr ohne Regierung versuchen es die Leute dort in gut zwei Wochen noch einmal. Hierzu und zu dem ganzen Drama um das Projekt 18 der SPD wird es bald noch einen separaten Eintrag geben.

Die Italiener haben gezeigt, daß sie nichts aus ihren Fehlern lernen, und den Duce wieder in die Regierung gewählt. Vaffanculo!

Die US-Amerikaner haben es besser und allen Kabarettisten einen Strich durch die Rechnung gemacht. Trotz des unbestreitbar hohen Unterhaltungswertes einer Sarah Palin bin ich doch erleichtert, daß man die Chance genutzt hat, jemanden ins höchste Amt des Landes zu wählen, der tatsächlich zu wissen scheint, wovon er redet und was man sinnvollerweise tun sollte, um die USA und insbesondere deren angeschlagenes Image in der Welt wieder aufzupäppeln. Auch hierzu später noch etwas mehr. (Ich weiß, daß ich das schon seit zwei Monaten verspreche, diesmal meine ich es aber ernst.)

Die Iren haben überraschenderweise (überraschend jedenfalls für den Europäischen Rat und Anhang, nicht aber für Leute, die sich im Vorhinein ein wenig Gedanken gemacht haben) den Lissabon-Vertrag abgelehnt. Dann passierte ein halbes Jahr nichts (auch kein Artikel zum Thema in diesem Blog) und jetzt sieht es so aus, als wolle man eine kleine Passage ändern und die Iren dann erneut abstimmen lassen. Abstrus. Und ein ausführlicher Artikel wird auch hierzu folgen.

Persönliches:

Ich habe auf Anregung einer Freundin und (ehemaligen?) Blogleserin eine neue Erwerbsarbeit aufgenommen und bin jetzt dabei auch den Wohnort zu wechseln. Auch hierzu – wen wundert’s – ganz bald mindestens ein eigener Artikel. (Mein Gott, wann schreib ich die bloß alle???)

Ich habe ein neues Blog begonnen und nach wenigen Monaten wieder beerdigt. Dabei ist auch gleich Blog Nummer drei über den Jordan gegangen und jetzt gibt es nur noch übersichtliche zwei aktive Blogs (und die anderen beiden dümpeln noch als lebende Tote umher, bis ich endlich die Muße finde, sie zurück in den trunk zu mergen (um mal den Sprachduktus meiner ehemaligen Arbeitsstätte noch einmal aufleben zu lassen).

Sonstiges:
Es gab eine Fußball-EM. Deutschland hat nur ein überzeugendes Spiel gemacht und dabei meinen Favoriten Portugal nach Hause geschickt. Hohn und Spott meiner Arbeits- (und Tipp-)Kollegen waren mir sicher.

Es gab eine Olympiade. Kurz zuvor fiel der Weltöffentlichkeit plötzlich auf, daß es in China ein Problem mit den Menschenrechten gibt. Das Problem wurde zum Glück schnell gelöst und die Spiele konnten wie geplant stattfinden. Ich habe nur das Basketball-Turnier gesehen und hier hat die deutsche Mannschaft eine noch jämmerlichere Figur gemacht als bei der Fußball-EM. Dirk Nowitzki soll beim Ausscheiden sogar geweint haben. Dafür haben die NBA-Jungs endlich mal wieder allen gezeigt, wo der Hammer hängt. Ein wahrer Augenschmaus.

Blick voraus ins frisch angebrochene Jahr:

Zu Feierndes:
100 Jahre BVB
70 Jahre Marvel Comics
60 Jahre BRD, 20 Jahre Gesamtdeutschland
Das Internationale Jahr der Astronomie.
Mit der Slowakei sind es nun 16 Euro-Staaten. Ich habe bisher noch nicht mal Geld aus Slowenien zu Gesicht bekommen. Und die sind schon seit 2007 dabei.
Kulturhauptstädte sind Linz und Vilnius. Der Pott ist dann nächstes Jahr dran.

Januar: Obama tritt seinen neuen Job an. TSG rockt Hessen. Ich unterschreibe einen Mietvertrag für eine neue Wohnung und beginne umzuziehen.

Februar: Ich schließe meinen Umzug (hoffentlich!) erfolgreich ab.

März: Die DGFS-Jahrestagung findet statt. Möglicherweise nehme ich wieder teil.

Frühling: Das noch namenlose Blood-Bowl-Turnier findet statt und ich bin höchstwahrscheinlich dabei.

Mai: Der Profi mit Herz hört auf. Ich bin aber sowieso nicht mehr wahlberechtigt.

September: Wenn der Trend sich fortsetzt, erreichen sowohl Kanzlerkandidatin Merkel als auch Vizekanzlerkandidat Steinmeier ihr Wahlziel und koalieren fröhlich weiter groß. Ich werde meine Stimme lauthals dagegen werfen. Mögen es mir möglichst viele nachtun.

Oktober: Ich fahre endlich mit dem “Fern”verkehr (Entfernung 2008: ca. 40km, Entfernung 2009: ca. 90km) zur alljährlichen Spielemesse. Einige Punkte stehen schon jetzt auf meiner Liste.