Lese-Empfehlung: Stuckrad-Barre über Merkel

Synchronizität. Gerade vor einigen Tagen begegnete mir Benjamin von Stuckrad-Barre zum ersten Mal seit Jahren wieder. Und da ist er schon wieder. Lukas empfiehlt diese Reportage des ehemaligen Pop-Literaten, der sich – von mir völlig unbemerkt – zu einem interessanten Journalisten entwickelt hat. Besonders hat es mir, der ich im Wahlkreis des CDU-Generalsekretärs wohne, dieser Abschnitt angetan:

Aber denken wir doch mal an Adenauer, denken wir überhaupt mal an die seligen Gründungsjahre der Republik – wir schließen die Augen und sehen natürlich alles in Schwarz-Weiß: grandiose Parlamentsdebatten, leidenschaftliches und gewitztes Beschimpfen des politischen Gegners; wie geschnitzt die Physiognomien, sogenannte Charakterköpfe, rechts wie links; rasiermesserscharf argumentierend die hochintelligenten Generalsekretäre.

Doch öffnen wir die Augen, sehen wir: Ronald Pofalla. Und denken sofort auch an Hubertus Heil und Dirk Niebel. Wir werden aber trotzdem wählen gehen. Angela Merkel steht jetzt auf einer Bühne vor dem Koblenzer Bahnhof, neben ihr in einem Ständer steht eine Klarinette, jederzeit einsatzbereit für das die Kanzlerin umrahmende Zerstreuungsprogramm. Und Ronald Pofalla steht auch da, der Klarinette nicht eben unähnlich.

Garfield minus Garfield – neue Entwicklungen

Das Internetphänomen Garfield minus Garfield hat ja schon vor einigen Monaten die Runde gemacht. Für diejenigen, die es noch nicht kennen, eine Kurzbeschreibung:

Dan Walsh hat sich die Mühe gemacht, Garfield-Comics zu nehmen und den Hauptakteur komplett aus ihnen zu entfernen. “Das Ergebnis sind sehr surreale Strips, die dem Comic eine starke Wendung ins Düstere verleihen. Die Garfield-Strips ohne Garfield sind auf einmal tief traurige, existentialistische Einblicke ins Leben des depressiven Losers Arbuckle.” (Zitiert von Welt am Draht)
Wie gesagt, das ist alles altbekannt und ich bin im Laufe des letzten Jahres auf mindestens drei verschiedenen Wegen darauf gestoßen. Neu ist allerdings ein Resultat des großen Erfolges. Garfield-Schöpfer Jim Davis hat nämlich nicht wie es üblich ist, Dan Walsh wegen Verletzung von Copyright und Trademark das Dach über dem Kopf weggeklagt, sondern hat die Idee ausdrücklich gelobt. Das Ergebnis ist, daß es die Garfield-minus-Garfield-Strips jetzt auch in Buchform gibt. Gleichzeitig sind die Strips natürlich weiterhin auf der Webseite von Walsh frei online zugänglich.

Jim Davis hat hier einmal mehr seinen herausragenden Geschäftssinn bewiesen (der ihm auch immer gern mal vorgeworfen wird) . Außerdem hat er im Gegensatz zu den allermeisten anderen Rechteinhabern gezeigt, daß es auch einen anderen, besseren Weg für Kreative gibt, mit den neuen Remix-Möglichkeiten des Internet umzugehen. So gewinnen alle und Jim Davis ist in meiner Achtung noch einmal ein ganzes Stückchen gestiegen. Vorbildlich.

(via Welt am Draht)

Wirklich seltsam

Das Bookseller-Magazin ist auf der Suche nach dem seltsamsten Buchtitel. Offenbar vergibt man dort seit nunmehr 30 Jahren den Diagram-Preis für den seltsamsten Buchtitel. Und jetzt gilt es zwischen den bisherigen Preisträgern den Seltsamsten der Seltsamen zu küren. Meine persönlichen Highlights:

Population and Other Problems (1982)

How to Avoid Huge Ships (1992)

Highlights in the History of Concrete (1994)

If You Want Closure In Your Relationship, Start With Your Legs (2007)

Aber auch die  anderen Titel, die zur Auswahl stehen, sind wirklich seltsam, so daß die Wahl sehr, sehr schwer fällt. Hier geht es zur Abstimmung. Los! Worauf wartet Ihr noch???

(via Braille Radio)

Bücher für Kinder

Der Tag des Buches war ja schon gestern, aber ich habe noch ein buchiges Posting in petto.

Hier mal etwas für alle angehenden Eltern (ich habe das ungute Gefühl, daß es nicht mehr lange dauern kann bis dieser Trend auch meinen Freundeskreis erfaßt) oder Junggebliebenen. Neil Gaiman verweist auf den Daily Telegraph, der eine Liste mit 100 Büchern vorstellt, die jedes Kind gelesen haben sollte.

Da ich nicht in Großbritannien aufgewachsen bin, kenne ich leider einen Großteil der vorgestellten Bücher nicht, aber bei denen, die ich kenne, scheinen sie mir zu recht auf der Liste zu sein. Allerdings ist insbesondere der dritte Teil der Liste (für die Teenager-Jahre) mir für meinen Geschmack ein bißchen zu sehr mit (vermutlich) nur schwer verdaulichen Klassikern durchsetzt. Wuthering Heights? Little Women? To Kill a Mockingbird? Ich weiß ja nicht. Und eigentlich sind auch Titel wie der Struwwelpeter heute nicht mehr wirklich zeitgemäß. Hmm, vielleicht sollte mal jemand eine verbesserte Liste erstellen. Also die guten Ansätze dieser Liste nehmen (z.B. ist auch Hergés Klassiker Tim in Tibet (den ich immer noch nicht gelesen habe. *schäm*) auf der Liste des Telegraph) und die veralteten Sachen herausnehmen und durch Moderneres ersetzen. Wäre das nicht eine gute Aufgabe für einen engagierten Pädagogen?