Lese-Empfehlung: Englisch für Juristen

Der jüngste Beitrag im Sprachlog von Anatol Stefanowitsch dreht sich um Englisch vor Gericht, genauer um Englisch als Amtssprache in deutschen Gerichten, die so abstruse wie vorhersehbare Reaktion des VDS und die Implikationen des Ganzen. Besonders spannend sind diesmal die Kommentatoren, in denen sich einige Experten zu Wort melden und das Problem fundiert diskutieren. Ach, wenn nur alle Blogs solche Kommentatoren hätten.

Ade, Dolmetscher – Wieder eine Berufsgruppe wegautomatisiert

Im Sprachennetz lese ich, daß mal wieder jemand den großen Wurf beim automatischen Übersetzen plant.

Die beiden US-amerikanischen Firmen Sakhr Software und Dial Directions haben sich kürzlich zusammengeschlossen und entwickeln gemeinsam ein Programm, das aus Mobiltelefonen universelle Simultanübersetzer für die Hosentasche machen soll.

Die Idee ist, das Programm auf dem Smartphone (iPhone, Android, Blackberry, you-name-it) laufen zu lassen. Es soll dann gesprochene Sätze analysieren, in die Zielsprache übersetzen und anschließend per Sprachausgabe die Übersetzung ausspucken.

Ich gebe ja zu, daß ich mich mit diesem Thema eigentlich nur beschäftige, wenn mal wieder in der c’t ein Artikel dazu steht, aber der letzte Stan, auf dem ich bin, war, daß man Software immer noch eine ganze Weile trainieren muß, bevor sie überhaupt zuverlässig Spracheingabe in die korrekten schriftlichen Sätze überführen kann. Und das letzte mal als ich bei google translate vorbeigeschaut habe, wirkte auch der aktuelle Stand der automatischen Übersetzung noch nicht so perfekt wie in diesem Artikel davon geschwärmt wird.

“Die Entwickler sind überzeugt, dass das Programm letztlich ebenso gut arbeitet wie menschliche Übersetzer” wird dort behauptet. Das glaube ich erst, wenn ich es sehe. Dieses Video, das die Fähigkeiten des Gerätes demonstrieren soll, hat geschickterweise als Zielsprache Arabisch, so daß ich zumindest die Qualität der Übersetzung nicht prüfen kann. Der eine Satz mit Englisch als Zielsprache klingt ganz okay, aber ich bleibe trotzdem erst mal skeptisch.

Wie hat man eigentlich ohne Google und Wikipedia Korpusanalyse betrieben?

Das Bremer Sprachblog schenkt uns zum Beginn des neuen Jahres einen wunderschönen Artikel über das harte Los des Linguisten: Man will eigentlich nur ein wenig Korpusanalyse betreiben und “beim Durchsuchen der Korpusdateien nach Beispielen stolpert man immer wieder über merkwürdige Geschichten und unbekannte Wörter, die nach ausführlicher Recherche verlangen.”

Der Auslöser im verlinkten Artikel ist dieser Satz:

As the water enters the schmutzecke, biological action breaks down some of the organic matter. 

Und es ist faszinierend mit Anatol Stefanowitsch gemeinsam diesem seltsamen Wort “schmutzecke” auf den Grund zu gehen. Lesenswert.

Was sprichst Du?

“Die Sprache der Bundesrepublik ist Deutsch.”

Diesen Satz möchte die CDU gern ins Grundgesetz aufgenommen haben. Wie gut, daß gerade nichts Wichtiges ansteht, um das man sich kümmern müßte. Ein Klimawandel oder eine Finanzkrise oder so. Warum diese Forderung – insbesondere in dieser Form – Quatsch ist, kann man unter anderem im Bremer Sprachblog oder bei Coffee & TV nachlesen. Und wenn selbst der sonst so sprachpflegerisch veranlagte Bastian Sick in den Hohngesang mit einstimmt, weiß man schon, daß diese Meldung in einer Woche wieder der Vergessenheit anheim gefallen sein wird. Vermutlich auch bei den meisten CDU-Mitgliedern. Da kann die nächste Kuh ja kommen.

So macht das Sprachenlernen Spaß

Für alle, die immer schon mal richtig Deutsch lernen wollten, gibt es jetzt die Killerapp:

Deutsch lernen mit David Hasselhoff.

Warum? Nun die Erklärung ist offensichtlich:

David Hasselhoff is an extremely popular performer in Germany. Now you can use his German musical performances to improve your listening comprehension and language skills!

Und jetzt alle zusammen:

I’ve been looking for freedom, I’ve been looking so loooong

(via Medienrauschen)

Sprachenwunder

Es ist allgemein bekannt, daß Computer nach wie vor keine besonders begabten Übersetzer abgeben. Und wenn man die letzten drei, vier Tests entsprechender Software in der c’t vergleicht, wird einem auch ohne linguistisches Hintergrundwissen relativ schnell klar, daß dies – das Ausbleiben eines unerwarteten, spektakulären Durchbruchs (z.B. die Ausarbeitung einer vollständigen generativen Grammatik mindestens zweier natürlicher Sprachen) vorausgesetzt – auch auf absehbare Zeit so bleiben wird. Immerhin sind die Programme aber mittlerweile so weit, daß man ihnen einen Brocken Text in einer fremden Sprache hinwerfen kann und sie daraus einen Text in der Zielsprache machen, der zwar keine Schönheitspreise gewinnt, dem man aber doch in den allermeisten Fällen genug entnehmen kann, um zu wissen, worum es eigentlich in dem Ursprungstext geht.

Ein solches Programm, das online verfügbar ist und das man auch gleich mit der URL einer Webseite füttern kann ist Google Translate. Und das spricht seit kurzem wieder eine Reihe neuer Sprachen. Zehn neue Sprachen sind hinzugekommen, neun davon europäische, als da sind: Bulgarisch, Kroatisch, Tschechisch, Dänisch, Finnisch, Hindi, Norwegisch, Polnisch, Rumänisch und Schwedisch. Zusammen mit den bereits vorhandenen Sprachen sind das insgesamt 23 und Google deckt damit den größten Teil Europas ab. Cool finde ich auch eine neue Funktion, die versucht automatisch die Sprache des eingegebenen Texts zu bestimmen.

Und wo ich schon mal dabei bin, füge ich hier auch gleich noch ein paar Links zu im Internet verfügbaren Wörterbüchern ein. Dann sind wenigstens alle Ressourcen an einer Stelle zu finden.

Der Platzhirsch ist sicherlich LEO, das neben Englisch, Französisch und Spanisch seit kurzem auch Italienisch und Chinesisch kann. Allerdings immer nur in Kombination mit Deutsch.

Beolingus kennt ebenfalls die Kombinationen DE-EN und DE-ES und zudem Deutsch-Portugiesisch.

Flexidict kann DE-EN, DE-FR, DE-ES und DE-IT und hat DE-PT und Deutsch-Schwedisch in Planung.

Wem das zu deutschlastig ist, der findet bei Wordreference die Kombinationen EN-FR, EN-IT und EN-ES.

Hier findet sich eine recht lange Linkliste zu weiteren online zugänglichen Wörterbüchern. Und diese Linksammlung bietet sogar Klingonisch an. Und hier noch eine englische wirklich sehr lange Liste: Wordgumbo. Hier  finden sich sogar zu so exotischen Sprachen wie Tagalog etwas.
Zum Schluß noch ein Link zum Urban Dictionary. Im englischsprachigen Netz stolpert man häufiger mal über Redewendungen, die ihren Weg noch nicht in die etablierten Wörterbücher gefunden haben. Hier finden sich die Sorte von Idiomen, die man z.B. in Rap-Texten findet. Slang, eben. Fo shizzle ma nizzle.

Stress-timed?

Englisch wird generell zu den stress-timed languages gezählt. Wikipdia schreibt hierzu, daß dies bedeutet, betonte Silben werden in ungefähr gleichen Zeitabständen artikuliert:

English is a stress-timed language; that is, stressed syllables appear at a roughly constant rate, and non-stressed syllables are shortened to accommodate this.

Daß es mit der Definition des Betonungstimings aber nicht ganz so einfach ist, zeigt die Mini-Untersuchung von Mark Liberman, die er in diesem Language-Log-Posting vorstellt. Sein Fazit lautet, daß der Einfluß des Stress-Timing auf den tatsächlichen zeitlichen Abstand zwischen betonten Silben kaum Einfluß hat (wenn überhaupt), da andere Faktoren wie Artikulationsart und -ort der beteiligten Laute und vor allem deren Länge (vgl. langes E wie in Meer vs. kurzes E wie in denn) viel wichtiger sind.
The influence of “stress timing”, in the sense of an effort to spacing stresses equally in time, is normally negligible, indeed perhaps non-existent.

Sehr interessant, wie so oft im Language Log. Ich wünschte, ich hätte die Muße dort regelmäßig mitzulesen.

Nebenbei: Auch das altehrwürdige Language Log hat letzten Monat endgültig vom schwerfälligen Movable Type zum schlanken Open-Source-Darling WordPress gewechselt (wie Scalzi aber auch nur weil der Server unter einer zu großen MT-Datenbank zusammengebrochen ist). Der Trend ist nicht zu verkennen. Und ich schwimme wie immer fleißig mit dem Strom. *g*

Sometimes it’s “whom”

Wieder einmal zeigt sich, daß es sich doch lohnt, regelmäßig beim Languagehat vorbeizuschauen. So hat er Links zu einer Reihe von Posts (im Languagelog, bei Descriptively Adequate und bei Literal Minded), die sich mit einer Szene aus einer kürzlich gesendeten Episode der amerikanischen Version von The Office beschäftigen. Darin geht es um den korrekten Gebrauch des sehr schönen Wortes whomever. Gerade die Beiträge bei DA und bei LM gehen dem Problem, wann whoever und wann whomever syntaktisch korrekt ist, sehr genau auf den Grund und ich habe bei letzterem einen schönen neuen Begriff gelernt: fused relative – als Bezeichnung für Relativsätze in der syntaktischen Position von NPs.

Interessant ist auch die Ausführung (kurz im Posting selbst und etwas ausführlicher in den Kommentaren), daß deren Verwendung im Deutschen sehr viel restringierter ist als im Englischen, selbst wenn man auf korrekte Verwendung von who/whom achtet. Den fragwürdigen Grammatikalitätsurteilen der Kommentatoren kann ich mich allerdings nicht anschließen.

*”Ich nehme, wem Du vertraust.”

Der Satz klingt in meinen Ohren furchtbar ungrammatisch. Oder findet den Satz einer meiner Leser ernsthaft akzeptabel?