Rasende Rezis – Die Rückkehr

Ein treuer Leser hat mich vor einigen Wochen offline darauf angesprochen wie sehr er die rasenden Rezis vermißt. Nun, wie Ihr ja alle wißt, wird Leserzufriedenheit bei den Gedankenblasen groß geschrieben (ist ja auch ein Nomen) und daher habe ich ein paar Worte zu einer Handvoll Filme und Comics verfaßt, die ich in den letzten Wochen (de fakto: in den Wochen vor der WM) konsumiert habe. Viel Vergnügen.

Iron Man 2

Ich fand ja damals, daß “Iron Man” der bis dahin beste Superheldenfilm war. Auch besser als “The Dark Knight”. Entsprechend hoch waren die Erwartungen an die Fortsetzung und um es kurz zu machen (sind ja “rasende” Rezis): diese Erwartungen wurden auch nicht enttäuscht. Der Film lebt – wie auch der erste – von den guten schauspielerischen Leistungen. Robert Downey Jr. ist Tony Stark auf den Leib geschrieben. Und diesmal ist auch die Gegenseite perfekt besetzt. Das Duo Sam Rockwell als Justin Hammer und Mickey Rourke als Whiplash hat eine ganze Reihe hervorragender Szenen. Zudem hat Iron Man 2, mehr noch als der Vorgänger, für mich perfekt den Kern des Charakters Iron Man eingefangen. Es geht darum, optimistisch in die Zukunft zu blicken. In den Comics wird Tony Stark immer gern als Futurist bezeichnet und Downeys Tony Stark sieht man sehr schön an, daß er es (ganz wie Wil Wheaton es immer wieder sagt) liebt in der Zukunft zu leben. Ich bin ja relativ leicht zu begeistern und als ich aus dem Film kam wollte ich am liebsten auch direkt eine Karriere als Erfinder einschlagen. Sieht aus als macht das einen Heidenspaß.

Die 4. Revolution – Energy Autonomy

Eine gute Zusammenfassung des Themas “neue Energien”. Besonders empfehlenswert als Einstieg für Leute, die sich bisher nicht so richtig mit dem Thema auseinandergesetzt haben. Mir kam hier sehr viel bekannt vor. Aber das spricht nicht per se gegen den Film, ich bin eben nur nicht das Zielpublikum. Der Film ist jedenfalls durchaus relevant, was der relativ umfangreiche Wikipedia-Artikel beweist. Ich habe jedenfalls mitgenommen, daß Elon Musk, einer der größten Investoren bei Tesla Motors, der nebenbei auch noch bei der Raumfahrtfirma SpaceX mitmischt un früher PayPal mitbegründet hat, eine echt coole Sau ist. Kein Tony Stark, aber von allen echten Menschen, die ich kenne, definitiv am nächsten dran.

Kung Fu Panda

Eine originelle Idee mit leider wenig origineller Ausführung. Wer mit Disney-Filmen aufgewachsen ist, kann hier fast alle wichtigen Plotelemente vorhersagen.

8 Blickwinkel

Ebenfalls eine eigentlich originelle Idee und ebenfalls bestenfalls mittelmäßig ausgeführt. Schade eigentlich.

Ralf König – Archetyp

Ralf König, wahrscheinlich der bestverkaufte Comic-Zeichner Deutschlands, hat das Thema Religion für sich entdeckt. Dieser Band sammelt Arbeiten, die ursprünglich in der FAZ erschienen, und König erzählt hier die Geschichte Noahs nach. Komplett mit Gotteserscheinung und Arche, aber natürlich mit einem kleinen Twist. Noah ist nicht der letzte rechtschaffene Mensch auf Erden, sondern ein fundamentalistischer Fanatiker, der Gott ständig damit in den Ohren liegt, er solle doch endlich die Menschheit auslöschen. Sehr unterhaltsam.

Jeff Parker / Steve Lieber – Underground

Jeff Parker schreibt eine Reihe schöner Titel für Marvel. Steve Lieber war mitverantwortlich für das hervorragende Whiteout. Dies ist also letztlich ein Comic, bei dem man als Leser gar nicht viel falsch machen kann. Es ist eine Abenteuergeschichte, die größtenteils in einer Höhle spielt (eben “Underground”). Der Plot ist ganz nett, die Charaktere sind sehr gut geschrieben, aber der Star sind ganz klar die Zeichnungen, die die Atmosphäre und das Besondere des Settings sehr schön einfangen. Bei CBR gibt es mehrere Preview-Seiten (Heft 1, Sammelband), mit denen Ihr selbst einen Eindruck gewinnen könnt.

Audi! Quattro!

Was ich mit diesem schäbigen Mix aus Latein und Italienisch sagen möchte, wird deutlich, wenn man ihn übersetzt: Horch! Vier!

Ja, ich werde weiterhin zusehends silvioesker und habe jetzt ein viertes Blog in Betrieb genommen. Die Ankündigung erfolgt hier, weil dieses Blog das erste neue war und die Chance, daß jemand, der nicht sowieso per Feed mitliest, hier vorbeischaut, tendenziell größer ist als beim Linkblog oder beim Resteblog. Ob ich die physische Separation zwischen diesen drei Blogs auf lange Sicht aufrecht erhalten werde oder nicht, ist weiterhin fraglich. Vielleicht möchtet Ihr als meine Leser ja mit Feedback dazu beitragen, daß ich mich endlich für Hü oder Hott entscheide.

Dieses neue, vierte Blog erfüllt aber meiner Meinung nach eine klar definierte Funktion, die seine Existenz rechtfertigt. Denn es ist ein Reziblog, also ein ganzes Blog, in dem nichts anderes gepostet wird als Rezensionen. Das Blog ist als eine Art Wiederbelebung der guten alten Rasenden Rezis in meinem Altblog gedacht.

Zum Einstieg lest Ihr am besten das About, in dem ich den Sinn und Zweck des Reziblogs darlege, erkläre, wie ich darauf gekommen bin, und beschreibe, welche Form das Blog annehmen soll.

Und ehe ihr euch wundert, warum da schon so viele Einträge sind, zitiere ich am besten einen Absatz aus diesem About hier schon mal:

Die Rezensionen erscheinen jetzt zeitnah [in der Regel spätestens eine Woche nach der Rezeption], was besonders bei Kinofilmen einen echten Gewinn für den Leser bringt. Zum Einstieg, damit es hier nicht so kahl aussieht, lade ich gleich mal einen Batzen an Rezensionen hoch, die ich in den letzten paar Monaten geschrieben habe. Das Projekt “Ich rezensiere alles, was nicht niet- und nagelfest ist” beginnt damit retroaktiv am 1. November 2007.

Am Anfang des Massenpostens habe ich noch versucht, die Post-Daten in etwa dem anzupassen, wann ich das entsprechende Medium tatsächlich konsumiert hatte, habe dann aber schnell die Lust daran verloren. So genau wußte ich es bei den meisten Sachen eh nicht mehr. Ernst nehmen kann man die Post-Zeiten also eigentlich erst ab heute.

(Rezension) Joanne K. Rowling – Harry Potter and the Deathly Hallows

[Vorbemerkung: Ich werde diese Rezension spoilerfrei halten, so daß sie auch von denjenigen problemlos gelesen werden kann, die das Buch noch nicht gelesen haben und z.B. auf die deutsche Ausgabe (die am 27. Oktober erscheint) warten. Ich schreibe sie allerdings so, daß alle wichtigen Elemente der bisherigen sechs Bände als bekannt und unspoilbar vorausgesetzt werden. Falls also jemand (aus welchen Gründen auch immer) den sechsten Band noch nicht gelesen haben sollte und es tatsächlich geschafft hat, bisher allen Spoilern dazu aus dem Weg zu gehen, sollte derjenige auch diese Rezension meiden.]

Der siebte und letzte Band der beliebten Reihe um den mittlerweile vielleicht bekanntesten Zauberer der Welt (gibt es dazu Studien?) ist gestern erschienen. Der Hype dürfte damit noch einmal ein neues Maximum erreichen, diesmal vermutlich ein absolutes, und dann in den nächsten paar Jahren mit den beiden verbleibenden Filmen noch zweimal kurz aufflackern, bevor er sich für immer zur Ruhe legt.

In der aktuellen Zeit findet sich ein Artikel, der das Phänomen Harry Potter als eine der schönsten Formen der sonst immer nur so häßlichen auftretenden Globalisierung benennt. Dem kann ich mich nur anschließen und es wäre schön, wenn wir irgendwann (hoffentlich bald) einen Punkt erreichen, an dem Globalisierung nicht mehr (nur) einen alles niederwalzenden Kapitalismus beschreibt, sondern eben auch die Möglichkeit einer (kulturellen) Weltgemeinschaft, die uns vor allem das Internet in den letzten Jahren beschert hat.

Ein Laden voller FreaksDoch zurück zum Buch: Ja ich war verrückt genug, mich um 1.00 Uhr nachts in eine Buchhandlung zu begeben (die Mayersche in Bochum, wo ich mich mit einem Freund und frenetischen Potter-Fan traf) und im Gegensatz zu der mauen Veranstaltung, die ich bei der Veröffentlichung der deutschen Ausgabe des sechsten Bandes erlebt habe, gab es diesmal tatsächlich einen ganz ansehnlichen Mob von Freaks (ein Wort, das ich seit einiger Zeit eher als Kompliment und mit einem freundlichen Lächeln auf den Lippen verwende).

Lesende FreaksWenn ich die Verkäuferin richtig verstanden habe (die ich auf meinem Heimweg zufällig dabei belauschte, wie sie der Zentrale berichtete), waren es etwas mehr als zweihundert Fans, die sich dort eingefunden hatten. Da Schlange stehen und Vordrängeln nicht meine Stärken sind, habe ich dann auch über eine Stunde an der Kasse gestanden, um meine 15.90 Euro (ein fairer Preis, der sogar die von amazon verlangten 18,90 unterbietet) zu entrichten. Ich hatte ja so ein bißchen gehofft, vielleicht den einen oder anderen netten Menschen hier kennenzulernen, aber die meisten haben dann tatsächlich sofort an Ort und Stelle zu lesen begonnen, sobald sie das Buch in Händen hielten. So kam es dann auch, daß mein Freund und ich es waren, die einer Reporterin Rede und Antwort über unsere Freakigkeit stehen mußten. Es besteht also die Chance, daß man mich morgen in der Bochumer Ausgabe der Ruhr-Nachrichten sehen kann.

Die ersten sechs Bände Zur Vorbereitung auf das Erscheinen des finalen Bandes hatte ich mir vor über fünf Monaten zu einem recht günstigen Preis die bisherigen sechs Bände auf Englisch gekauft (davor hatte ich alle Bände nur auf Deutsch gelesen), mit dem festen Vorsatz, sie noch einmal zu lesen, um alle wichtigen Ereignisse und versteckten Hinweise frisch im Gedächtnis zu haben. Aufgrund widriger Umstände und meiner mir eigenen Trödeligkeit wurde das auf den letzten Metern noch einmal richtig eng mit der Erfüllung dieses Vorhabens, aber letztlich habe ich es doch beizeiten geschafft (und damit sogar eine Wette gewonnen. HA! Take that, ye, of little faith!)

Über die letzten sechs Wochen meines selbstauferlegten Martyriums habe ich sogar Buch geführt. Die längliche Tabelle, die belegt, warum ich in den letzten Wochen zu wenig gekommen bin, auch nicht zu ausreichend Schlaf, findet sich am Ende dieses Beitrags.

Nach erfolgreichem Anstehen um den sagenumwobenen siebten Harry-Potter-Band und einem kurzen Abstecher zu Subway (*mjam*) war ich dann um Viertel nach zwei zu Hause und nach etwas weniger als 36 Stunden (weil ich gestern noch ein paar andere Sachen vorhatte und zwischendurch zwei mal schlafen mußte) habe ich das Buch nun beendet.

Nun schwebt die ewige Frage im Raum “Well, is it any good?”

Kurz gesagt: Ja, ist es. Rowling gelingt mit diesem siebten Band tatsächlich ein würdiger Abschluß der Saga um “den Jungen der lebte”. Alles fügt sich harmonisch ineinander und wirkt bis ins Letzte gut durchdacht. Besonders schön ist, daß das Nachdenken der Fans belohnt wird. In den letzten Jahren kursierten in Fankreisen die wildesten Theorien zum Status von Snape (gut oder böse?), zu dem von Dumbledore (wirklich tot?), zur Identität und dem Aufenthaltsort der verbleibenden Horkruxe, und vor allem natürlich dazu, welche der Handlungsträger es lebendig bis zum Ende des siebten Buches schaffen und welche vorher das Zeitliche segnen müssen. Einige meiner eigenen Theorien sehen sich nun durch das Buch bestätigt, während andere sich als völlig haltlos erwiesen. Genau wie es sein sollte.

Für mich hat sich das Buch beim Lesen in zwei Teile geteilt. Der erste, etwas längere, hat mir noch einmal all das vor Augen geführt, was mich schon beim erneuten Lesen der letzten Bände immer wieder gestört hat. Wenn ich einen Roman lese, dann brauche ich in der Regel eine Identifikationsfigur, jemanden, auf dessen Seite ich stehe, dessen Meinungen ich (größtenteils) teilen oder wenigstens verstehen kann. So jemanden in den Harry-Potter-Büchern zu finden, ist mir zwischenzeitlich immer wieder sehr schwer gefallen. Denn über kurz oder lang verhalten sich alle wichtigen Handlungsträger auf die eine oder andere Art wie Deppen. Insbesondere Harry stürmt immer wieder ohne Nachzudenken und nur seinem Zorn oder ähnlichen Gefühlen folgend blindlings voran, er ist egoistisch, egozentrisch, rechthaberisch und uneinsichtig. Es fällt mir schwer für so jemanden Partei zu ergreifen. Und auch Ron und Hermi(o)ne gehen mir mit ihren ständigen lächerlichen Streitereien ziemlich auf die Nerven. Ich weiß, daß das für Teenager wohl als normales Verhalten durchgeht, aber trotzdem macht es mir keinen Spaß das zu lesen und ich ertappe mich immer wieder dabei, wie ich den Figuren “Jetzt krieg dich wieder ein” zuschreie.

Dieses nervige Verhalten (das sich überraschenderweise auch bei Dumbledore findet, der oft blindes Vertrauen erwartet, ohne die Hintergründe zu erklären) hemmt meine Lesefreude, zumindest in den Passagen, in denen es besonders massiert zu finden ist. Die erste Hälfte dieses siebten Potter-Bandes ist voll von solchen Passagen und der Grund ist, daß – ähnlich wie in Band fünf, der mir trotz der wundervoll-seltsamen Luna am wenigsten gefallen hat – lange Zeit über kaum etwas passiert. So ist es ja auch im Leben, wenn man darauf wartet, daß etwas passiert und das kommt und kommt nicht, wird man ungehalten, nervös und reizbar. Und so reagieren eben auch Rowlings Protagonisten; verständlich, aber trotzdem kein Lesegenuß für mich.

Doch wenn die Handlung ab der Mitte des Buches endlich so richtig ins Rollen kommt und wir unaufhaltsam auf das große Finale zusteuern, legt sich das zum Glück und ab dann hat mir das Buch auch wieder richtig Spaß gemacht. Hier ist es voller spannender Abenteuer, mutiger Heldentaten, abscheulicher Untaten und vor allem immer wieder auch überraschender Wendungen. Und hier kann ich auch wieder verstehen, warum diesen Bücher so ein großer Erfolg beschieden ist, denn das ist wirklich feinste Unterhaltung. Und trotz aller Graustufen ist die Harry-Potter-Saga eben letztlich und endlich doch nichts anderes ein klassisches Beispiel des großen Kampfes Gut gegen Böse, etwas das die Menschen seit jeher tief in ihrem Inneren anzusprechen scheint. Und so ein Kampf gehört, wenn er – wie hier – gut erzählt wird, zu den Geschichten die man in leichten Variationen immer wieder hören kann.

Alles in allem bin ich also zufrieden mit diesem Buch. Es rundet die Geschichte um Harry Potter sehr gelungen ab und Rowling hat mich nicht enttäuscht, wie ich es zwischenzeitlich ein wenig befürchtet hatte.

Um die Tabelle zu sehen, einfach auf “Den ganzen Beitrag lesen” klicken.

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(Rezension) Ed Brubaker / Steve Epting – Captain America

(genauer, Captain America, Vol. 5 # 1-9,11-21 und das 65th Anniversary Special; # 10 war Teil des Mega-Crossovers House of M und hat mit der regulären Storyline nichts zu tun; das Special hat den Status eines Annuals, das heißt, es erzählt eine komplette Geschichte, die man nicht notwendigerweise gelesen haben muß, um der Handlung der regulären Reihe folgen zu können, die aber einige interessante Details zum Hintergrund eben jener Handlung beiträgt: Brubaker ist für alle Hefte als Autor verantwortlich, wohingegen Epting zum einen die Flashback-Szenen in allen Heften Michael Lark überläßt und sich auch einige Auszeiten beim Zeichnen genommen hat, während derer er von Mike Perkins vertreten wurde)

Man merkt schon am Namen, daß Captain America der wohl amerikanischste aller Superhelden ist. Und das ist vielleicht auch sein größtes Problem. Mehr noch als Superman wird er oft als der ultimative Pfadfinder porträtiert, der für Großmutters Apfelkuchen und den ursprünglichen, unverfälschten amerikanischen Traum steht. Und das ist zwar schön und gut, hat aber oft dazu geführt, daß die Geschichten um ihn ins Langweilige oder ins unangenehm Moralische abgleiten. Der Ansatz funktioniert deutlich besser im Zusammenspiel mit anderen Figuren, weswegen diese Interpretation des Captains in einer Team-Serie wie zum Beispiel den Rächern weniger unangenehm auffällt. Aber in seiner Soloserie tat man sich damit schwerer. Ein Problem ist es auch, daß Cap ja mit seiner Uniform, seinem Namen und auch aufgrund seiner Entstehungsgeschichte sozusagen der Oberpatriot ist, es aber in der Geschichte der USA immer wieder auch Phasen gab, in denen z.B. die Regierung einen bedingungslosen Patriotismus gar nicht verdient hat. Die Captain-America-Comics haben auf solche Situationen zum Beispiel damit reagiert, daß Cap seinen Job als Aushängeschild der Regierung hingeschmissen hat und fortan als Nomad durch die Gegend zog. Aber das kann natürlich kein Dauerzustand sein und so ist man früher oder später wieder demselben Problem ausgesetzt.

Die Pfadfinder-Mentalität, die Cap oft an den Tag legt, ist auch deshalb problematisch, weil sie so gar nicht zu seiner Entstehungsgeschichte passen will. Cap war ursprünglich Soldat und sollte also eine deutlich pragmatischere Einstellung zum Töten der Bösen™ haben.

In letzter Zeit hat man daher versucht, die Figur des Captain America zu modernisieren. Im ultimativen Ableger des Marvel-Universums hat man einen deutlich pragmatischeren, gewalttätigeren Captain America geschaffen, der gut in das zynische Geflecht von Mark Millars Ultimates paßt, aber kaum noch als die Figur zu erkennen ist, die jahrelange Fans kennen und lieben. Als gescheitert kann sicherlich der Versuch gewertet werden, Cap in einer Post-9-11-Welt plötzlich gegen (natürlich muslimische) Terroristen antreten zu lassen und dabei allzu politisch zu werden. Generell kann ein allzu politischer Captain America wohl nicht funktionieren. Schon gar nicht wenn er scheinbar ohne eigenen Willen als Instrument der Regierung dient, und noch dazu dieser Regierung, die ja gerade alles dafür tut, um als die unbeliebteste US-Regierung aller Zeiten in die Geschichte einzugehen.

Umso erfreulicher ist es, daß es dem überaus begabten Ed Brubaker tatsächlich gelungen ist, mit der aktuellen Captain-America-Serie zu einem funktionierenden Konzept zu finden, das all die wesentlichen Punkte Captain Americas vereint und zudem noch sehr interessant und spannend ist. Die von Brubaker geschriebenen Ausgaben sind eine gelungene Mischung aus der Tradition des Weltkriegshelden und der Modernität eines Jack Bauer. So sind in das aktuelle Geschehen um Terroranschläge und Waffenschieber immer wieder Rückblenden eingebaut, die Cap und seinen Partner Bucky während des Zweiten Weltkriegs zeigen. Brubaker nutzt geschickt die reiche Vergangenheit des Charakters. So spielen Sharon Carter, der kosmische Würfel und natürlich auch der Red Skull eine wichtige Rolle in der von Brubaker erzählten Geschichte. Gleichzeitig ist aber die Umgebung, in der die Figuren agieren, offensichtlich modern. Dies und die starke Rolle, welche die Superagententruppe SHIELD spielt, machen aus der Serie fast einen Agententhriller. Zwar gibt es immer mal wieder auch die für Superheldencomics obligatorischen Prügeleien, aber der große Oberbösewicht ist eben nicht in ein schillerndes Kostüm gekleidet, sondern leitet einen Megakonzern und läßt die Schmutzarbeit irgendwelche Handlanger erledigen.

Wie gut diese Serie unter der Feder Brubakers geworden ist, zeigt Ausgabe 7, die vollkommen der tragischen Geschichte einer Nebenfigur gewidmet ist und in der der Titelcharakter überhaupt nicht vorkommt, die aber trotzdem in ihrer Konsequenz und Detailliertheit sicher zu den Highlights der Serie zählt.

Ab Ausgabe 22 erreicht diese Serie allerdings, wie auch das komplette restliche Marvel-Universum, das Mega-Crossover Civil War, und auch wenn der Einfluß des Civil-War-Hauptplots hier nicht so stark zu spüren ist wie z.B. in Amazing Spider-Man, so ist Captain America nun einmal einer der beiden wichtigsten Handlungsträger von Civil War und so kann diese Serie bzw. deren Ereignisse leider nicht ignorieren. Ab diesem Punkt ist Captain America daher mit Vorsicht zu genießen, wobei die Qualität der Serie an sich bisher nach wie vor konstant hoch geblieben ist, ein wenig stören nur all die Dinge, die im Hintergrund in diversen anderen Serien passieren und die leider eben oft von weniger talentierten Autoren geschrieben werden.

Da wir glücklicherweise inzwischen im Zeitalter des Tradepaperbacks leben, kann man die hier rezensierten Hefte nach wie vor bequem in diesen vier schmucken Sammelbänden kaufen.

Winter Soldier Vol. 1
Winter Soldier Vol. 2
Red Menace Vol. 1
Red Menace Vol. 2

Also, erst diese vier Bände bestellen und dann alle zusammen:

When Captain America throws his mighty shield,
All those who chose oppose his shield must yield.

If he’s lead to a fight and a duel is due,
Then the red and white and the blue’ll come through.

When Captain America throws his mighty shield.