Lese-Empfehlung: Urheberrecht

Das Urheberrecht (und vor allem die anhängige Verwertungsrechtssituation) wie es momentan funktioniert steckt ohne Zweifel in einer Krise. Im Tagesspiegel stand heute ein sehr kluger Artikel dazu. Der Autor Jens Mühling geht angenehm vorurteilsfrei an das Ganze heran und sagt viele kluge Dinge. Wie nicht anders zu erwarten, wird er dafür von tumben Trollen in den Kommentaren angepöbelt. Falls der Webmaster des Tagesspiegels mitliest, möchte ich hierzu die von xkcd für Youtube vorgestellte Lösung empfehlen.

Wikipedia goes Video

Wie diesem Artikel auf p2pnet news zu entnehmen ist, will die Wikipedia demnächst verstärkt auf Videos setzen. Man plant ein einfaches Interface mit dem Nutzer Videos mit ein paar Klicks direkt in einen Artikel einfügen können. Als Quelle, aus denen der Nutzer Videos einbinden kann, dienen vorerst das Internet Archive, Metavid (eine Sammlung von Reden im amerikanischen Kongress und ähnlichem) und natürlich das hauseigene Wikimedia Commons. Der Plan ist gemeinfreie Mediendateien einem größeren Publikum näherzubringen. Eine gute Idee, wie ich finde.

Spam is Poetry

Gerade erreichte mich eine Spam-Mail mit folgendem Inhalt:

Ein ganzes Schiff voll jungen Lebens

einen Braten dir
Unter dem Fenstergesims bebt der elektrische Draht,
Nahm er das meine?
wie dies Unglu:ck, ja -:
Jung-Harald ist heut fu:nfzehn Jahr,
auf den Felsenschacht,
Vorbei * verja:hrt *
Mein Liebchen, was willst Du mehr?
Vor Nestelknu:pfen scheu sich zu bewahren.
Ihm ruhen noch im Zeitenschosse

Die großen Poeten sind heutzutage offenbar an ganz unvermuteten Stellen aufzufinden.

@kreetrapper on Twitter

Einigen habe ich es schon persönlich erzählt, seit einigen Tagen twittere ich auch. Die Idee dahinter war folgende: Wenn Leute wie Neil oder Wil Twitter so super finden, daß sie es immer wieder erwähnen und tatsächlich exzessiv nutzen, dann muß da doch irgendwas dran sein. Um herauszufinden was das ist, habe ich beschlossen, einfach mal damit anzufangen, weil man so vermutlich am ehesten dahinter kommt.

Meine erste Entdeckug: man kann auch Twitter problemlos dazu verwenden, um Kunst oder besser: Literatur zu erzeugen. Als Beweis führe ich den Twitterstream von Brent Spiner an, der extrem unterhaltsam ist.

Und noch etwas zur Technik: Wie es scheint, gibt es die populärsten Twitter-Clients wohl nur für Mac und/oder Windows. Ich werde wahrscheinlich demnächst anfangen, Twitterfox zu nutzen. Momentan bin ich aber noch bei einem simplen Web-Interface, allerdings nicht dem doch sehr spartanischen von Twitter, sondern dem etwas komfortableren Tweetree. Hier werden direkte Antworten baumartig gruppiert und zudem werden Links, die z.B. auf Bilder oder Videos zeigen ebenfalls direkt in den Twitterstream eingebunden.

Ihr könnt meiner Twitterei hier folgen.

Zum Einstieg in die Materie habe ich hier noch ein paar interessante Links zum Thema für Euch.

Die Origin-Story: How Twitter was born

Scalzi über Twitter

Lifehacker-Tips zur sinnvollen Twitternutzung

Child Porn is the new Terrorism

Seit einiger Zeit führen die Zensurfreunde in aller Welt und insbesondere auch in der deutschen Bundesregierung ein neues Argument für die von ihnen gewünschte Einschränkung des Rechts auf freie Information ins Feld. Da es schon lange keine beeindruckenden Terror-Anschläge mehr gab und ja sogar die USA sich mit ziemlicher Deutlichkeit von ihrem alle Rechtsstaatlichkeit vergessenden “War on Terror” abzuwenden scheinen, muß schnell ein neues Thema her, bei dem der durchschnittliche Stammtischwähler sagt: “Klar, das ist so verwerflich. Da verzichte ich gerne auf meine Grundrechte, um es zu bekämpfen.” Das neue Thema: Kinderpornographie.

Der Spiegelfechter beleuchtet dies anläßlich des Verdachtes gegen den SPD-Abgeordneten Jörg Tauss in einem nachdenklich stimmenden Artikel. Der Artikel ist – wie meist beim Spiegelfechter – mit einer Reihe von interessanten, in die Tiefe des Themas gehenden Links gespickt. Besonders besorgniserregend finde ich persönlich den Fall mit den dänischen Sperrlisten und dessen aktuellste Entwicklung:

Im Falle „Dänische Sperrliste“ wurde beispielsweise gegen einen Internetnutzer ein Durchsuchungsbefehl angestrengt, der einen Link auf ein Blog gesetzt hat, auf dem wiederum ein Link zu finden war, der auf die dänische Sperrliste verweist, die auf Wikileaks veröffentlicht wurde. Die Unterstellung, dass man sich mit allen verlinkten Inhalten von Seiten vertraut gemacht hat, auf die man verlinkt, ist ein Schlag ins Gesicht der Informationsfreiheit. In diesem Falle wird sogar unterstellt, alle Inhalte von Seiten, die auf verlinkten Seiten verlinkt werden, zu kennen. Dies ist ein Einfallstor für Willkür.

Nach ein paar Klicks bin ich auf dem Blog Schutzalter gelandet, das sich ausschließlich mit den umstrittenen Gesetzesänderungen zum Straftatbestand Kinderpornographie auseinandersetzt. Eine guten Einstieg in den Fall um die ominöse Dänische Sperrliste bietet dieser Artikel, in dem besonders diese Absätze klar machen, wohin die Reise zu gehen droht:

Hier haben wir also eine Liste mit 3863 Webseiten, die Frau von der Layen auch bei uns filtern möchte. Wir können hier also überprüfen, ob es tatsächlich viele solcher kommerziellen Webseiten mit zerfetzen Körpern von Dreijährigen gibt, die dann durch Filterlisten richtig selektiert werden.

Bitte sehr: Gegen Sie zu http://wikileaks.org/wiki/Denmark:_3863_sites_on_censorship_list,_Feb_2008, und klicken Sie mal 30 bis 40 Links aus der Liste an. Sie müssen ja nichts kaufen.

Wie bitte, Sie trauen sich nicht? Sie haben Angst, sich strafbar zu machen? Haben sie denn das Grundgesetz nicht gelesen? Artikel 5 “Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten.

Ach so, Sie meinen, unser Staat interessiert sich nicht mehr für das Grundgesetz, das kann Sie nicht mehr schützen. Ich verstehe, ja, da haben Sie vermutlich leider recht.

So langsam sollte man mal überlegen, ob der demokratischen Gesellschaft wirklich von der Verbreitung von Kinderpornographie die größere Gefahr droht oder von deren Bekämpfung mit allen Mitteln.

Youtube auf der Insel ohne Musikvideos

Gerade bei der taz gelesen:

Wegen eines Streits mit der britischen Verwertungsgesellschaft PRS (so was ähnliches wie hierzulande die GEMA) kann man im Vereinigten Königreich seit Montag keine Musikvideos mehr auf Youtube sehen.

Da Youtube für viele mittlerweile der Punkt ist, an dem sie neue Musik entdecken (nachdem sie von Freunden oder Bekannten auf einen bestimmten Künstler hingewiesen wurden), müßte das eigentlich den Interessen der Musikindustrie zuwiderlaufen. Wenn sie das schnell genug merken, werden die Musikvideos vermutlich schnell wieder zurückkehren. Oder es bietet sich die Chance für ein neues Startup, Youtube den Rang abzulaufen. Man darf gespannt bleiben.

Achtung Monsternutzer

Nur kurz, weil ich eigentlich arbeiten muß, aber dies betrifft mich und mindestens einen meiner regelmäßigen Leser und ist mir nur zufällig bekannt geworden.

Das taz-Blog CTRL berichtet, daß nun auch monster.de Opfer des gerade modernen Datenklaus geworden ist.

Datendiebe [haben] Namen, Adressen, Telefonnummern und Passwörter von monster.de-Kunden gestohlen.

Monster.de [ruft] seine Kunden auf, ihre Passwörter zu ändern und warnt vor Phishing-Mails.