Open Access für alle

Durch das Wunder des Vor-sich-her-Schiebens ist dieser Beitrag ziemlich spät dran. Eigentlich wollte ich etwas ausführlicher meine Gründe darlegen, aber dafür fehlt mir momentan die Zeit, daher nur rasch der Hinweis:

Im E-Petitions-System des Bundestages hat Lars Fischer eine Open-Access-Petition eingereicht, die man noch bis zum 22. Dezember mitzeichnen kann. Der freie und kostenlose Zugang zu Forschungsergebnissen, die mit öffentlichen Mitteln bezahlt werden, sollte eigentlich selbstverständlich sein. Da er das leider zur Zeit nicht ist, rate ich jedem, die genannte Petition zu unterzeichnen, damit der Bundestag diesbezüglich endlich etwas unternimmt. Wer noch mehr Argumente braucht, kann die bei Anatol Stefanowitsch oder Lars Fischer selbst finden.

Get Higgs – Der große Hadronen-Beschleuniger in Aktion

In diesem Moment sollte nach einer gefühlten Ewigkeit nun endlich der berühmt-berüchtigte Large Hadron Collider im (wenn man die Semantik von “in” entsprechend großzügig auslegt) Genfer CERN in Betrieb gehen. Wenn denn die Technik dort und hier (der Scheduling-Mechanismus von WordPress) mitspielt. Wenn Ihr das hier lesen könnt, wurde dort nun doch kein schwarzes Loch erzeugt, das groß und dauerhaft genug war, um die Erde zu zerstören.

Zum Ausgleich hier ein Video, wie das ganze hätte aussehen können:

Und falls Ihr Euch schon immer gefragt habt, was so Experimentalphysiker eigentlich in ihrer Freizeit machen, hier die Antwort: Sie produzieren alberne Musikvideos.

Der Large Hadron Rap

Les Horibbles Cernettes

Danke an die Ruhrbarone für die Information und an Michael Kolb, der die beiden Musikvideos in seinem Kommentar dort eingebettet hat.

PS zum Titel des Beitrags: Wikipedia behauptet, daß die deutsche Bezeichnung “Großer Hadronen-Speicherring” ist. Das finde ich aber doof. Schließlich ist doch der Punkt der Sache, daß die kleinen Biester mit einer Mordsgeschwindigkeit durch den Ring gejagt werden um zum Schluß aufeinanderzuprallen. Das Wort “Speicherring” hat aber überhaupt nichts von diesem coolen Rollerball-Flair. Daher heißt das Teil bei mir “Beschleuniger”. Das war schließlich für die vorhergehenden Generationen auch immer gut genug.

Der Unterschied zwischen Programmierern und Nicht-Programmierern

Vor einigen Monaten bin ich im Programmier-Blog Coding Horror über einen Artikel gestolpert, in dem beschrieben wird, woran man einen Programmierer erkennt. Der Artikel beschreibt, daß man Programmierer von Nicht-Programmierern (bzw. Leute, die Programmieren prinzipiell lernen könnten, und Leute, die damit so ihre Schwierigkeiten haben dürften) relativ leicht voneinander unterscheiden kann. Der Artikel bezieht auf diese wissenschaftliche Studie.

In der Studie mußten Anfängern in Programmierkursen einen einfachen Test machen (es ging um Zuweisungen und ob man (schnell) in der Lage ist ein konsistentes geistiges Modell von der Funktionsweise dieser Operation aufzubauen.

Und hier nun der Clou. Derselbe Test wurde den Kursteilnehmern noch mal vorgelegt, nachdem sie drei Wochen lang den Programmierkurs besucht hatten. Und die Ergebnisse waren so gut wie identisch. Das heißt, entweder man versteht direkt wie Zuweisungen funktionieren oder man versteht es nie (bzw. nur nach intensivem Training).

Es scheint also tatsächlich so etwas wie eine natürliche Begabung für’s Programmieren zu geben, eine Art Coding Aptitude. Und wenn man diese nicht hat, wird es sehr schwer für einen, in der Welt des Programmierens jemals Fuß zu fassen. Das heißt aber leider nicht, daß diese Leute nicht trotzdem versuchen, in der Programmierbranche Karriere zu machen. Angeblich können 199 von 200 Bewerbern für einen Programmierjob nicht einmal simpelste Programmieraufgaben lösen. Wenn Ihr testen wollt, ob Ihr besser seid als die 199, hier ist die Aufgabe, an der sie scheiterten:

Schreibe ein Programm, das die Zahlen von 1 bis 100 ausgibt. Aber wenn eine Zahl durch drei teilbar ist, gib stattdessen “Fizz” aus und wenn sie durch fünf teilbar ist, gib stattdessen “Buzz” aus. Für Zahlen, die durch drei und fünf teilbar sind, gib “FizzBuzz” aus.

Mehr Lösungen als man für möglich halten könnte, finden sich in den Kommentaren zum oben verlinkten Artikel. Meine ad-hoc-Lösung in Perl hat 141 Zeichen. Wie man sieht, ist es also nicht sehr aufwendig. Wenn man häufig programmiert oder damit sogar sein Geld verdient, sollte man so ein Programm in ein paar Minuten zusammengeschrieben haben. Im verlinkten Artikel wird allerdings auch erwähnt, daß die meisten Menschen mit einem Informatik-Abschluß das nicht können. Und einige erfahrene Programmierer deutlich länger als 15 Minuten dafür brauchen. Je nach Gemütszustand kann einen das trösten oder erschrecken. Ich glaube, ich entscheide mich für das letztere.

Für diejenigen, die noch nie programmiert haben, und wissen wollen, ob sie eine reelle Chance haben, es zu lernen: Der in der Studie verwendete Test, läßt sich (als Word-Dokument) auf der oben erwähnten Seite herunterladen (Direktlink zum doc).

Erbfolge der Dinos wird angezweifelt. Vögel: Wir geben nichts zurück!

Diesen interessanten Artikel habe ich über das hier (bzw. nebenan) schon vorgestellte Blog 3vor10 gefunden. Für alle, die dort (noch) nicht mitlesen, weise ich auch hier darauf hin:

Vögel doch nicht Nachfahren der Dinos?

Neue Funde zur Lungenfunktion rütteln an den Grundfesten der Vogelevolution

Vögel gelten als die Nachfahren von kleinen, zweibeinig laufenden Dinosauriern – so jedenfalls die etablierte Lehrmeinung. Jetzt aber greifen amerikanische Forscher diese Basis der Vogelevolution an. Im „Journal of Morphology“ postulieren sie, dass sich Lungenfunktion und Oberschenkelanatomie von Dinos und Vögeln dermaßen fundamental unterscheiden, dass es sich ihrer Meinung nach nur um eine parallele Entwicklung handeln könne. Allenfalls habe es einen gemeinsamen Vorfahren beider gegeben.

3 vor 10 – Wissenschaft für die Frühstückspause

Im Rahmen der Aktion Ein ♥ für Blogs bin ich auf das nette kleine Blog 3 vor 10 gestoßen. Worum es dabei geht, steht sehr konzis auf der About-Seite, von der ich deshalb einfach direkt zitiere:

Auf “3vor10″ werden genau die Artikel und Studien gesammelt, die von der Scienceblogs-Redaktion aus der fast unüberschaubaren Wissenschaftsnachrichten-Flut gefischt werden. Von Montag bis Freitag findet man hier jeweils drei handverlesene Empfehlungen und Hinweise auf lesenswerte Artikel.

Da hier wirklich das ganze wissenschaftliche Spektrum abgedeckt wird, ist natürlich nicht jeder Artikel für jeden gleichermaßen interessant, aber es ist eben doch oftmals Interessantes dabei, so daß es sich durchaus lohnt, jeden Tag während des Morgenkaffees dort vorbeizuschauen. Ich habe es mir schnell angewöhnt.

sekundengenau

Irgendwie habe ich zufällig (in den Nachrichten, im Videotext, ich weiß es nicht genau – ich bin auch nicht mehr so gut informiert wie früher) mitbekommen, daß es zum Ende des Jahres 2008 noch mal eine Schaltsekunde geben sollte. Ich finde, so toll war 2008 nun auch nicht, aber ich wollte die zusätzliche Sekunde trotzdem bewußt genießen und sie nicht einfach so vorbeiziehen lassen. Aber als es dann soweit war, konnte ich gestern Abend nicht ohne weiteres herausbekommen, wann die zusätzliche Sekunde nun eigentlich genau eingefügt wird. Das kommt davon, wenn man das Internet gerade nicht zur Hand hat.

Der Bad Astronomer erklärt jedenfalls in diesem Beitrag sehr schön wie das mit der Schaltsekunde eigentlich genau funktioniert und warum wir zusätzlich zu den Schaltjahren auch noch Extrasekunden brauchen. Schaut doch einfach mal vorbei und bei der Gelegenheit könnt Ihr Euch ja auch gleich über das frisch begonnene Internationale Jahr der Astronomie informieren. Viel Spaß!

Nothing new under the sun

Ein Satz, den ich immer wieder gern aus dem Ärmel schüttle, und der auch diesmal wieder wie die Faust auf’s Auge paßte, als ich diesen Artikel aus der Technology Review las:
Bauplan für nachwachsende Gliedmaßen

Schwanzlurche und Molche sind [...] die einzigen Wirbeltiere, die
ganze Organe und Ersatzgliedmaßen auch noch im Erwachsenenalter
nachwachsen lassen können.


Forscher haben einige der molekularen Signale identifiziert, die
dabei eine zentrale Rolle spielen, doch der genetische Bauplan, der
hinter der Regeneration steckt, blieb unbekannt. Forscher hoffen, diese
molekularen Tricks nun bald offen legen zu können. Dann wäre es
vielleicht eines Tages möglich, auch beim Menschen Prozesse anzustoßen,
die beispielsweise für die Ersetzung beschädigter Organe sorgen – vom
Herz bis zum Hirngewebe. Selbst von neuen Armen und Beinen träumen
einige Mediziner.

Davon träumen Wissenschaftler allerdings schon seit den 60er Jahren. Das Ergebnis dieser Träume sieht übrigens so aus:

lizard.gif